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Seminararbeit, 2006, 23 Seiten
Autor: Philipp Schweers
Fach: Politik - Int. Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit
Details
Institution/Hochschule: Universität Passau
Tags: Neue, Kriege, Sicherheitslage, Beginn, Jahrhunderts, Sicherheitspolitik
Jahr: 2006
Seiten: 23
Note: 1,7
Literaturverzeichnis: ~ 25 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-59915-3
ISBN (Buch): 978-3-638-67157-6
Dateigröße: 702 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Seit den Ereignissen vom 11. September 2001 und den daraus resultierten militärischen Konflikten ist auch der breiten Öffentlichkeit die veränderte globale Sicherheitslage bewusst geworden. Schon seit dem 2. Weltkrieg veränderte sich die globale Konfliktstruktur. Die bis dato im europäisch-westlichen Bewusstsein dominierende Vorstellung vom klassischen, zwischenstaatlichen Kriege ist im Vergleich zum gesamten, kontinuierlich zunehmenden Kriegsgeschehen immer seltener geworden. Bis 1990 wurden andere Konfliktdimensionen fast immer gegenüber der ideologischen unterbetont. Mit dem Ende des Kalten Krieges fiel die Systemkonkurrenz als Faktor in Regionalkonflikten weg. In der Umbruchsphase des Internationalen Systems von 1988-1992 keimte in großen Teilen der Intellektualität die Hoffnung einer neuen, friedlichen Weltordnung. Es war die Rede vom „Ende der Geschichte“, der Kant’sche „demokratische Friede“ sei zum Greifen nah und die sich stark intensivierende wirtschaftliche Globalisierung würde zu allgemeinem Wohlstand führen, die wechselseitige Interdependenz militärische Konflikte unlogisch machen. Diese Hoffnung hat sich nicht bestätigt. Die wie durch einen ideologischen Dampfkessel während des Ost-West-Konfliktes stabil gehaltene internationale Staatenwelt begann nach der Implosion der Sowjetunion massiv zu bröckeln. Entgegen vieler Erwartungen hat die stark voranschreitende wirtschaftliche Globalisierung mit ihren einhergehenden wechselseitigen Interdependenzen ein instabiles und störanfälliges Klima in den Internationalen Beziehungen geschaffen. Regional beschränkte wirtschaftliche oder politische Krisen wirken auf Grund des hohen Vernetzungs- und Abhängigkeitsgrades global. Weltweit zu beobachtende Phänomene wie die Entstehung von Kriegsökonomien, Entstaatlichung, internationalen Terrornetzwerken und die des Aufstiegs privater Konfliktakteure, haben sicherheitspolitische Folgen für die gesamte Staatenwelt. Durch den hohen Grad der wirtschaftlichen, politischen und strukturellen Abhängigkeit, der sich wandelnden Rolle des Nationalstaats sowie den neuen Informations-, Kommunikations- und High-Tech-Optionen hat sich auch die globale Sicherheitslage stark verändert, was diese Arbeit aufzeigen möchte. Neben operationalen Definitionen und ordnenden Kriterien des „Chamäleons Krieg“ möchte ich auf die Beschaffenheit und einzelnen Dimensionen des sich wandelnden Konfliktbildes eingehen, dass von diversen Autoren unter dem Begriff „neue Kriege“ subsumiert wird.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Passau, Lehrstuhl Politikwissenschaft I
Proseminar: „Sicherheitspolitik vor neuen Herausforderungen“
SS 2006, 3. Fachsemester
Neue Kriege? Die veränderte Sicherheitslage
zu Beginn des 21. Jahrhunderts
von: Philipp Schweers
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Konfliktentwicklung im 20. Jahrhundert
2.1 Der Begriff des Krieges – Operationale Definition und Typologien 3
2.2 Die Konfliktlage nach dem Zweiten Weltkrieg – statistische Trends 5
3. Die Neuen Kriege – Globalisierung der Sicherheitsprobleme
3.1 Dimensionen des Wandels
3.1.1. Internationalisierung und Regionalisierung der Konflikte 6
3.1.2. Fragile Staatlichkeit und Privatisierung des Gewaltmonopols 8
3.1.3. Kommerzialisierung und Schattenglobalisierung 10
3.1.4. Asymmetrisierung und Irregularität 11
3.1.5. Entregelung 12
3.1.6. Der internationale Terrorismus 13
3.2 Die veränderte Sicherheitslage – Tatsächlich ein Novum? 15
4. Der „Krieg von morgen“ – Mögliche Entwicklungstendenzen 17
5. Fazit 18
6. Literatur 20
1. Einleitung
Spätestens seit den Ereignissen vom 11. September 2001 und den daraus resultierten militärischen Konflikten ist auch der breiten Öffentlichkeit die veränderte globale Sicherheitslage und das sich wandelnde Konfliktbild bewusst geworden. Doch schon seit dem 2. Weltkrieg veränderte sich die globale Konfliktstruktur. Die bis dato im europäisch-westlichen Bewusstsein dominierende Vorstellung vom klassischen, zwischenstaatlichen Kriege ist im Vergleich zum gesamten, kontinuierlich zunehmenden Kriegsgeschehen immer seltener geworden. Seit 1945 dominieren die innerstaatlichen Kriege, die in der ganz überwiegenden Mehrzahl (über 90%) in der sogenannten Dritten Welt stattfinden, eine deutlich längere Dauer als frühere Kriege aufweisen und außerdem schwerer zu befrieden sind 1. Diese innerstaatlichen Kriege der „Dritten Welt“ haben demnach den europäischen, klassisch-verregelten Staatenkrieg als dominante Form abgelöst. Solche Konflikte wurden und werden zunehmend aus Nationalismus, ethnischen und/oder religiösen Spannungen sowie dem oktroyierten und illegitimen Staatengefüge in der Süd-Hemissphäre heraus erklärt.
Bis 1990 wurden andere Konfliktdimensionen fast immer gegenüber der ideologischen (Kommunismus vs. Antikommunismus) unterbetont. Häufig wurden Konflikte so in das Schema des Kalten Krieges „übersetzt“ und durch das Engagement einer der beiden Supermächte oft auch in diese Richtung gedrückt oder Bestandteil dessen. Mit dem Ende des Kalten Krieges fiel die Systemkonkurrenz als Faktor in Regionalkonflikten weg, und in der Umbruchsphase des Internationalen Systems von 1988-1992 keimte in großen Teilen der Intellektualität die Hoffnung einer neuen, friedlichen Weltordnung. Es war die Rede vom „Ende der Geschichte“, der Kant’sche „demokratische Friede“ sei zum Greifen nah und die sich stark intensivierende (markt-) wirtschaftliche Globalisierung würde zu allgemeinem Wohlstand führen und die wechselseitige Interdependenz militärische Konflikte unlogisch machen. Als wichtigster Garant würden die Vereinten Nationen notfalls mittels „humanitären Interventionen“ die friedliche Weltgemeinschaft verteidigen, wofür der zweite Golfkrieg als Präzedenzfall gesehen wurde. Diese Hoffnung hat sich, wie wir alle empirisch erfahren mussten, nicht bestätigt. Die wie durch einen ideologischen Dampfkessel während des Ost-West-Konfliktes stabil gehaltene internationale Staatenwelt begann nach der Implosion der Sowjetunion und den ausbleibenden Unterstützungszahlungen des jeweiligen Blocks, massiv zu bröckeln. Der Staatszerfall auf dem Balkan und im Kaukasus, die Implosion Somalias nach Siad Barré und der Völkermord in Ruanda sind Synonyme bzw. Symbole der „Neuen Weltunordnung“ 2 geworden.
Entgegen vieler Erwartungen hat die stark voranschreitende wirtschaftliche Globalisierung mit ihren einhergehenden wechselseitigen Interdependenzen ein instabiles und störanfälliges Klima in den Internationalen Beziehungen geschaffen. Regional beschränkte, an sich nicht Besorgnis erregende wirtschaftliche oder politische Krisen wirken auf Grund des hohen globalen Vernetzungs- und Abhängigkeitsgrades weltweit. Weltweit zu beobachtende Phänomene wie die Entstehung von Kriegsökonomien, Entstaatlichung und der Aufstieg privater Konfliktakteure haben sicherheitspolitische Folgen für die gesamte Staatenwelt.
Durch diesen hohen Grad der wirtschaftlichen, politischen und strukturellen Abhängigkeit, der sich wandelnden Rolle des Nationalstaats und der eben genannten Phänomene sowie den neuen Informations-, Kommunikations- und High-Tech-Optionen hat sich auch die globale Sicherheitslage stark verändert, was diese Arbeit exemplarisch aufzeigen möchte. Neben operationalen Definitionen und ordnenden Kriterien des „Chamäleons Krieg“ möchte ich insbesondere auf die Beschaffenheit und einzelnen Dimensionen des sich wandelnden Konfliktbildes eingehen, das von diversen Autoren unter dem Begriff „neue Kriege“ subsumiert wird, sowie mögliche Trends und Tendenzen erläutern.
2. Konfliktentwicklung im 20. Jahrhundert
2.1 Der Begriff des Krieges – Operationale Definition und Typologien
„War is organized violence carried on by political units against each other.“3 Innerhalb wie außerhalb der Politikwissenschaft existieren eine Fülle von Definitionen des Krieges4. Der Grund dafür ist wohl die schwere Fassbarkeit und Einengung des „generellen“ Krieges, weil es diesen als solchen nicht gibt. Klassische, europäischgeprägte Kriegsdefinitionen wie z.B. das berühmte Clausewitzsche Diktum, Krieg sei die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln, griffen schon in ihrer Entstehungszeit zu kurz, da sie nur die verregelten europäischen Kriege mit souveränen Staaten als Akteuren erfassten, extrasystemische Kriege an den Imperialperipherien gegen Unterworfene oder zu Unterwerfende Völker aber aus dem Kriegsbegriff ausblendete. Eine weitergehende Analyse der Kriegsdefinitionen innerhalb der Kriegsursachenforschung würde zu weit führen. Die oben zitierte Definition von Hedley Bull ist die wohl zeitgemäßeste und umfassenste, da die Fixierung auf nationalstaatliche Akteure durch political units aufgehoben wird und es ermöglicht, auch moderne innerstaatliche Kriege mit ihren Milizen und Guerilleros zu integrieren. Auch im Bereich der operationalen Definitionen und Typologien existiert eine große Varietät an theoretischen Ansätzen.5
[...]
1 siehe z.B. Schlichte 2002 : 115.
2 Vgl. Tibi 1999.
3 siehe. Hedley Bull 1977 : 184.
4 siehe. z.B. Vasquez 1993 : 14-50.
5 Z.B. durch: KOSIMO-Projekt (HIIK), Conflict Data Project (CDP) Universität Uppsala, Correlates of War (COW), University of Michigan, Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF), Universität Hamburg.
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