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Der Euro aus geldpsychologischer Sicht: Eine vergleichende Betrachtung der europäischen Diskussion um den Euro und seine Akzeptanz

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 28 Pages
Author: Thomas Kerz
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 28
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 27  Entries
Language: German
Archive No.: V66802
ISBN (E-book): 978-3-638-59204-8

File size: 222 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität zu Köln, Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät
Hauptseminar: GELD- UND WÄHRUNGSPOLITIK
Wintersemester 2002/2003

Der Euro aus geldpsychologischer Sicht: Eine vergleichende
Betrachtung der europäischen Diskussion um den Euro
und seine Akzeptanz

von: Thomas Kerz

 


Inhaltsverzeichnis

1 Intention und Prozess der europäischen Währungsunion 1

2 Psychologische Einflussfaktoren auf die individuelle Akzeptanz des Euro als währungspolitische Innovation 2

2.1 Innovation und Determinanten ihrer Akzeptanz 2
2.2 Relative Vorteilhaftigkeit der Innovation 3

2.2.1 Mikroökonomische Vorteile der Euro-Einführung 3
2.2.2 Makroökonomische Vorteile der Euro-Einführung 4
2.2.3 Mögliche Nachteile der Euro-Einführung 5

2.3 Komplexität und Mitteilbarkeit der Innovation 6

2.3.1 Bedeutung von Informationsniveau und Involvement 6
2.3.2 Kognizierte und sekundäre Kontrolle 9

2.4 Kompatibilität der Innovation 10

2.4.1 Theorie der kognitiven Dissonanz 10
2.4.2 Konzept der nationalen Identität 12
2.4.3 Gerechtigkeitsvorstellungen 15

2.5 Teilbarkeit der Innovation 16

3 Vergleichende Analyse der Euro-Akzeptanz in ausgewählten Teilnehmerländern der europäischen Währungsunion 16

3.1 Akzeptanz der europäischen Währung in Deutschland 16

3.1.1 Vor Einführung des Euro-Bargeldes 16
3.1.2 Nach Einführung des Euro-Bargeldes 17

3.2 Akzeptanz der europäischen Währung in Frankreich 18

3.2.1 Vor Einführung des Euro-Bargeldes 18
3.2.2 Nach Einführung des Euro-Bargeldes 19

3.3 Akzeptanz der europäischen Währung in Irland 19

3.3.1 Vor Einführung des Euro-Bargeldes 19
3.3.2 Nach Einführung des Euro-Bargeldes 20

4 Perspektiven für die Entwicklung der Euro-Akzeptanz 20

Anhang 21

Literaturverzeichnis 25

 



 

1 Intention und Prozess der europäischen Währungsunion

„Die Errichtung einer Währungsunion bedeutet die unwiderrufliche Fixierung der Wechselkurse zwischen den beteiligten Währungen (mit der Möglichkeit ihrer späteren Ablösung durch eine einheitliche Währung) ... Die teilnehmenden Volkswirtschaften werden so im Währungsbereich auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden.“1 Die Vollendung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) ist gegenwärtig der Höhepunkt der seit dem Ende des 2. Weltkrieges begonnenen Bemühungen zur Förderung der politischen und wirtschaftlichen Integration Europas2. Auf Grundlage der 1951 gegründeten Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl sowie der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft von 1957 wurde bereits 1970 durch den Werner-Plan ein erster Anlauf zur wirtschafts- und währungspolitischen Integration unternommen.

Die Kontroverse zwischen der französischen Monetarismus-Position, für die eine Währungsintegration den Motor der Integration darstellt (Motortheorie), sowie der deutschen Haltung des Ökonomismus, nach der eine einheitliche Währung als Krönung des Konvergenzprozesses der Volkswirtschaften gesehen wird (Krönungstheorie), führte jedoch zu einem Erlahmen der Integrationsanstrengungen3. Erst mit der Einheitlichen Europäischen Akte von 1987 wurde der EWG-Vertrag reformiert und die Schaffung einer Europäischen Union sowie die Vollendung des Binnenmarktes vertraglich fixiert4.

Im April 1989 legte der damalige Präsident der EG-Kommission, Jacques Delors, den sogenannten Delors-Bericht vor, der die Errichtung der EWWU in 3 Stufen vorsah.5 In der 1. Phase zwischen 1. Juli 1990 und 1. Januar 1994 sollte zunächst die gemeinsame Wirtschafts- und Währungspolitik stärker als bisher koordiniert und intensiviert werden. Die zweite Phase diente als Übergangsphase im Zeitraum vom 1. Januar 1994 bis 31. Dezember 1998 dazu, die grundlegenden Gemeinschaftsorgane für die EWWU zu errichten. In der 3. Stufe sollte dann die europäische Währungsunion verwirklicht und die nationalen wirtschafts- und währungspolitischen Kompetenzen vollständig auf die Gemeinschaftsorgane übertragen werden. Die 3. Stufe begann am 1. Januar 1999 mit der Einführung des Euro als Buchgeld. Am 1. Januar 2002 wurden die nationalen Währungen der zwölf an der europäischen Währungsunion teilnehmenden Länder6 durch den Euro als gemeinsame Währung und alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel abgelöst und damit die europäische Wirtschafts- und Währungsunion vollendet. Für etwa 300 Millionen Menschen7 bedeutete dies die Aufgabe der jeweiligen nationalen Währung und die Umstellung auf neues Geld mit einem neuen preislichen Referenzsystem.

In ihrer Funktion als Bindeglied und Identifikationsförderer zwischen den Europäern ist die neue europäische Währung seit dem Frühjahr des Jahres 2002 Träger des Karlspreises. Zu fragen ist jedoch, ob das mit der Einführung des Euro beabsichtigte Ziel des Integrationsmotors wirklich erreicht wurde und inwiefern der Euro in der europäischen Bevölkerung noch auf eine integrationshemmende Ablehnung stößt. Im folgenden werden dabei zunächst in Kapitel 2 die psychologischen Faktoren dargelegt, die die Akzeptanz oder Ablehnung einer Innovation – und als eine solche kann man den Euro aus währungspolitischer Sicht beurteilen – determinieren. Darauf aufbauend werden im Kapitel 3 exemplarisch die Länder Deutschland, Frankreich und Irland im Hinblick auf die dort in der Bevölkerung festzustellende Einstellung zum Euro untersucht. Kapitel 4 schließlich gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklung der Euro-Akzeptanz, welche eng mit der wirtschaftlichen Prosperität des Euro-Währungsgebietes zusammenhängen dürfte.

2 Psychologische Einflussfaktoren auf die individuelle Akzeptanz des Euro als währungspolitische Innovation

2.1 Innovation und Determinanten ihrer Akzeptanz

In diesem Kapitel soll die Psychologie der Innovation untersucht werden. Innovation (von lat. „innovatio“, „Erneuerung“) bezeichnet dabei ein aus der Sicht des Rezipienten neues Objekt, das zu einer Veränderung bestehender Funktionsbeziehungen im wirtschaftlichen oder sozialen Bereich führt8. Der Euro als neugeschaffene Einheitswährung im Euro-Währungsgebiet wird von den Menschen in den zwölf Teilnehmerländern zweifelsohne als eine währungspolitische Innovation wahrgenommen. Aus geldpsychologischer Sicht ist nun die Akzeptanzproblematik zu analysieren: Was determiniert die Einstellung der Individuen zur Innovation und aus welchem Grunde wird sie abgelehnt oder akzeptiert ? Im folgenden wird dabei Bezug auf das Charakterisierungsschema nach Rogers (1962) genommen, der den Akzeptanzgrad von Neuerungen auf fünf Faktoren zurückführt: Relative Vorteilhaftigkeit („relative advantage“), Kompatibilität („compatibility“), Komplexität („complexity“), Teilbarkeit („divisibility“) und Mitteilbarkeit („communicability“).9

2.2 Relative Vorteilhaftigkeit der Innovation

Die relative Vorteilhaftigkeit einer Innovation bezeichnet das Ausmaß der Verbesserung von wirtschaftlichen und sozialen Funktionsbeziehungen im Vergleich zum Zustand vor Einführung der Innovation10. Der Empfänger der Innovation hat also abzuwägen, ob durch die Einführung der Innovation zusätzliche Kosten entstehen oder aber zusätzlicher Nutzen gestiftet wird. Die Einführung des Euro wird dann einen tendenziell höheren Akzeptanzgrad beim Individuum nach sich ziehen, wenn der individuell wahrgenommene Zusatznutzen überwiegt11. Bei der Einführung des Euro gibt es grundsätzlich einzelwirtschaftliche, gesamtwirtschaftliche und politische Vorteilhaftigkeitsaspekte, die in die Akzeptanzüberlegungen der Individuen einfließen12. Da politische und wirtschaftliche Änderungen eng verknüpft sind und sich folglich nicht eindeutig trennen lassen, wird hier allein die wirtschaftliche Vorteilhaftigkeit im mikro- und makroökonomischen Bereich betrachtet.13

2.2.1 Mikroökonomische Vorteile der Euro-Einführung

Die Vorteile der Bildung einer Währungsunion mit gemeinsamer Zentralbank und einer einheitlichen Währung sind zuvorderst mikroökonomischer Art. Die Einführung einer gemeinsamen Währung reduziert dauerhaft die Transaktionskosten und führt damit zu statischen Effizienzvorteilen.

Durch den Wegfall dieser wechselkursbedingten Finanzintermediär-, Absicherungs- und Informationskosten werden direkte Einsparungseffekte, beispielsweise durch den Wegfall von Umtauschgebühren odernicht mehr notwendigen Absicherungsgeschäften, sowie indirekte Vorteile im Rahmen von Vereinfachungen im Rechnungswesen oder durch schnellere Abwicklung grenzüberschreitender Zahlungenerzielt14. Damit dürften positive Auswirkungen auf den unternehmerischen Handel sowie den Reiseverkehr innerhalb der Währungsunion zu verzeichnen sein. Ferner wird durch die Beseitigung des Wechselkursrisikos im Euro-Währungsraum die Investitionstätigkeit stimuliert, da die wechselkursbedingte Risikoprämie entfällt und damit auch vormals weniger lohnende Investitionsprojekte durchgeführt werden können. Folglich wird durch die Reduzierung der Planungsunsicherheit die Kapitalallokation im Euroraum verbessert.

2.2.2 Makroökonomische Vorteile der Euro-Einführung

[...]


1 Deutsche Bundesbank,1998, S.5.

2 Vgl. Müller-Peters, 2001, S.20.

3 Vgl. Schmid, 2001, S.349.

4 Vgl. Duwendag et. al., 1999, S.3.

5 Vgl. das Folgende nach: Baßeler, S.577-581.

6 Die zwölf Teilnehmerländer der Währungsunion sind Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien.

7 Vgl. Statistisches Amt der europäischen Gemeinschaften (Eurostat), 16.12.2002.

8 Vgl. Wiswede,1995, S.273f.

9 Vgl. Rogers, 1962, S.124.

10 Vgl. Rogers, 1962, S.124.

11 Vgl. Kiell/Müller-Peters, 1999, S.281.

12 Vgl. Pfob, 1998, S.24.

13 Die Frage, ob es ökonomisch sinnvoll ist, dass sich mehrere Länder zu einer Währungsunion zusammenschließen, wird im Rahmen der Theorie optimaler Währungsräume untersucht. Für einen Überblick vgl. Duwendag et. al., 1999, S.11f. oder Traud, 1996, Teil A (S.9-152) und Teil B (S.153-221).

14 Vgl. das Folgende nach: Auria, 1997, S.24f.


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