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Essay, 2006, 6 Seiten
Autor: Linda Claudia Kohl
Fach: Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Details
Tags: Thomas, Hobbes, Leviathan, Gefangenendilemma
Jahr: 2006
Seiten: 6
Note: 1,0
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-59219-2
Dateigröße: 119 KB
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Thomas Hobbes "Leviathan " als Gefangenendilemma
von: Linda Claudia Kohl
Als Thomas Hobbes 1651 in London „Leviathan“ veröffentlichte, eröffneten seine Ausführungen eine philosophische Debatte über die Legitimation von Staat, Recht und Gesetz. Als zentraler Diskussionspunkt fungierte vor allem seine Beschreibungen des Naturzustand im 13. Kapitel des Werkes. Ausgehend von einer vorsozialen Welt untersucht Hobbes hier in einem Gedankenexperiment, wie sich die Menschen in einer Situation ohne Institutionen und rechtsstaatliche Ordnung verhalten.
Im Naturzustand herrscht es keine Hierarchie, da die Menschen sowohl geistig als auch körperlich gleich begabt sind. Dies führt zu einem Konkurrenzkampf um die knappen Güter. Jeder muss Beraubung, Unterwerfung und Tötung seiner Person befürchten. Gleichzeitig reduziert sich Gruppenbildung auf kurzfristige Bündnisse, die nach Zweckerfüllung aus Sicherheitsgründen wieder ihre Auflösung finden. Keiner ist vor seinem Gegenüber sicher und dauerhafte Vorteilspositionen sind ausgeschlossen. Konkurrenz, Misstrauen und Ruhmsucht stellen nach Hobbes` Beschreibung die drei elementarsten Konfliktursachen im Naturzustand dar. Das Ziel der Konkurrenz ist die Herrschaft, das Misstrauen will Sicherheit der eigenen Person erreichen, und die Ruhmsucht lässt manche Bewohner nach einem guten Namen streben. Der Mensch wird dem Menschen ein Wolf, da selbst der Zufriedene, der nur an der Verteidigung seines Besitzes Interesse findet, das Wölfische annehmen muss, um sich vor Ruhmsüchtigen zu schützen. Folglich homo homini lupus est, und der bellum omnium contra omnes ist entstanden, in dem Misstrauen, ständige Aufrüstung und präventive Angriffe als Sicherheitsfaktoren fungieren.
Der von Thomas Hobbes geschilderte Naturzustand wird häufig als Gefangenendilemma rekonstruiert. Im Folgenden wird nun diskutiert, ob es sich hierbei um eine treffende Beschreibung handelt, oder nicht. Der zweite Teil wird sich mit der Frage beschäftigen, inwieweit sich auch der Vertragsschluss als ein Gefangenendilemma interpretieren lässt. Abschließen wird das Essay mit einer kurzen Zusammenfassung der Diskussionsergebnisse. „Eine Interaktionssituation vom Typ des Gefangenendilemmas ist dadurch charakterisiert, daß je individuell optimierende Strategien zu einem Ergebnis führen, das alle Beteiligten schlechterstellt als ein anderes, das durch nicht-optimierende individuelle Strategien erreicht worden wäre.“1 Es wird im Allgemeinen wie folgt dargestellt:
[Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]
Da es sich bei beiden Spielern um rationale Nutzenmaximierer handelt, gestalten sich ihre Präferenzordnungen nach dem Prinzip des instrumentellen homo oeconomicus. Für Spieler 1: D/K, K/K, D/D, K/D; Für Spieler 2: K/D, K/K, D/D, D/K;2 Im beschriebenen Dilemma müssen die Entscheidungen beider Spieler gleichzeitig, ohne Absprache und folglich auch ohne bindenden Vertrag, fallen. Da es keinem der beiden Spieler möglich ist, sich durch eine andere Wahl besser zu stellen, ergibt sich D im one shot game, einem Gefangenendilemma mit nur einem Spielzug, als dominante Strategie. Wählen demzufolge beide D, so stellen sie sich gemäß der Definition schlechter, als durch eine gemeinsame Wahl von K.
Thomas Hobbes beschreibt im „Leviathan“, dass die Menschen durch Gefühle wie Furcht und insbesondere Angst vor einem gewaltsamen Tod, zum Wunsch nach Frieden bewegt werden können. Sie leben in einem Zustand des Krieges jeder gegen jeden. Wieso entscheiden sie sich folglich nicht für ein durch Verträge geregeltes, friedliches Zusammenleben?
[...]
1 Nida-Rümelin, Julian: Bellum omnium contra omnes. In: Kersting, W.: Klassiker auslegen
2 K= Kooperation, D= Defektion.
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