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Seminararbeit, 2006, 24 Seiten
Autor: Kristin Klemann
Fach: Romanistik - Italienische u. Sard. Sprache, Literatur, Landeskunde
Details
Tags: Italienische, Jugendsprache, Phänomen, Varietät
Jahr: 2006
Seiten: 24
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-59220-8
ISBN (Buch): 978-3-638-73739-5
Dateigröße: 231 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Die italienische Sprache allgemein stellt keine Konstante dar. Sie weist ganz im Gegenteil ständige Veränderungen in Grammatik und Vokabular auf. Dies zeigt sich im Alltag zum Einen in Sprachen kleiner Gruppen, und zum Teil nur zu bestimmten Gegebenheiten, die wissenschaftlich gar nicht zu erfassen sind, zum Anderen aber in unzähligen Variationen, Dialekten und Jargons deren Merkmale und Vorkommen genau bezeichnet und somit auch erforscht werden können. Sie haben jedoch alle gemein, dass sie sich auf ganz spezifische Art und Weise von der italienischen Hochsprache unterscheiden. Diese Hochsprache ist in der italienischen Realität als solche gar nicht wirklich existent, vielmehr dient sie nur als Basis in Zweifelsfällen und als Richtlinie für Lernende. Die Zahl derer, die tatsächlich Standard - Italienisch sprechen, ist, schon auf Grund der starken Verbreitung der zum Teil sehr alten Dialekte gering. Das Vorhandensein einer einheitlichen Sprache für ganz Italien, derer sich auch alle bedienen, dagegen ist jung. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein, wurde in Italien zu Hause kein Italienisch, sondern ausschließlich Dialekt gesprochen. Das Italienische fungierte lediglich als Amtssprache. Mittlerweile nimmt der Dialekt immer weiter verbreitet den Platz der zweiten Sprache ein, und die Zahl derer, die nur Dialekt sprechen geht fast gegen Null. Wie die Standardsprache Italienisch selbst, sind auch die sogenannten Substandards in ständiger Bewegung, in ständiger Veränderung. Eine Untersuchung solcher Substandards bereitet häufig große Schwierigkeiten, da es keine offensichtlichen, und vor allem keine niedergeschriebenen Regeln gibt, an die sich die Sprecher halten. Dennoch müssen solche Regeln bestehen, damit eine funktionierende Kommunikation zwischen den Anwendern des jeweiligen Substandards gewährleistet ist. Der Substandard Jugendsprache ist in diesem Zusammenhang besonders interessant, da seine Regeln sich in sehr kurzer Zeit zu verändern scheinen. Die vorliegende Arbeit setzt sich vor allem mit der Definition der Jugendsprache als Varietät auseinander, mit den Schwierigkeiten die damit einhergehen. In diesem Kontext werden neben der Geschichte der Jugendsprache und ihrer Erforschung auch deren Verbreitung und deren Charakteristika ausgearbeitet. Konkret soll das Phänomen Jugendsprache abschließend am Beispiel von Pisa dargestellt werden.
Textauszug (computergeneriert)
Martin – Luther – Universität Halle – Wittenberg
Seminar: Varietätenlinguistik
4. Fachsemester
Italienische Jugendsprache –
ein Phänomen auf dem Weg zur Varietät
von: Kristin Klemann
INHALTSVERZEICHNIS
Einführung
1. Teil Jugendsprache in der Geschichte
A) Geschichte der Jugendsprache in Deutschland Seite 06
B) Geschichte der Jugendsprache in Italien Seite 08
2. Teil Jugend und ihre Sprache
Der Versuch einer Definition und ihre Schwierigkeiten Seite 10
A) Wer ist jugendlich, was ist Jugend? Seite 11
B) „Varietät?“ oder „Varietät!“ Seite 13
3. Teil Jugendsprache in der Praxis
A) Einflüsse auf Jugendliche und ihre Sprache Seite 16
B) Verbreitung der Jugendsprache Seite 17
C) Charakteristika der Jugendsprache Seite 18
4. Teil Jugendsprache im Raum Pisa
Per un glossario del linguaggio giovanile in area pisana Seite 21
QUELLENVERZEICHNIS
EINLEITUNG
Im Sinne der Varietätenlinguistik stellt die Sprache, mithin die Ausdrucksformen der Jugendlichen ein interessantes Gebiet dar. Die italienische Sprache allgemein stellt keine Konstante dar. Sie weist ganz im Gegenteil ständige Veränderungen in Grammatik und Vokabular auf. Dies zeigt sich im Alltag zum Einen in Sprachen kleiner Gruppen, und zum Teil nur zu bestimmten Gegebenheiten, die wissenschaftlich gar nicht zu erfassen sind, zum Anderen aber in unzähligen Variationen, Dialekten und Jargons deren Merkmale und Vorkommen genau bezeichnet und somit auch erforscht werden können. Sie haben jedoch alle gemein, dass sie sich auf ganz spezifische Art und Weise von der italienischen Hochsprache unterscheiden. Diese Hochsprache ist in der italienischen Realität als solche gar nicht wirklich existent, vielmehr dient sie nur als Basis in Zweifelsfällen und als Richtlinie für Lernende. Die Zahl derer, die tatsächlich Standard - Italienisch sprechen, ist, schon allein auf Grund der starken Verbreitung der zum Teil schon sehr alten Dialekte sehr gering.
Das Vorhandensein einer einheitlichen Sprache für ganz Italien, derer sich auch alle bedienen, dagegen ist jung. Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein, wurde in Italien zu Hause kein Italienisch, sondern ausschließlich Dialekt gesprochen. Das Italienische fungierte lediglich als Amtssprache. Mittlerweile nimmt der Dialekt immer weiter verbreitet den Platz der zweiten Sprache ein, und die Zahl derer, die nur Dialekt sprechen geht fast gegen Null. Wie die Standardsprache Italienisch selbst, sind auch die sogenannten Substandards in ständiger Bewegung, in ständiger Veränderung.
Eine Untersuchung solcher Substandards bereitet häufig große Schwierigkeiten, da es keine offensichtlichen, und vor allem keine niedergeschriebenen Regeln gibt, an die sich die Sprecher halten. Dennoch müssen solche Regeln bestehen, damit eine funktionierende Kommunikation zwischen den Anwendern des jeweiligen Substandards gewährleistet ist. Der Substandard Jugendsprache ist in diesem Zusammenhang besonders interessant, da seine Regeln sich in sehr kurzer Zeit zu verändern scheinen. Die vorliegende Arbeit setzt sich vor allem mit der Definition der Jugendsprache als Varietät auseinander, mit den Schwierigkeiten die damit einhergehen. In diesem Kontext werden neben der Geschichte der Jugendsprache und ihrer Erforschung auch deren Verbreitung und deren Charakteristika ausgearbeitet. Konkret soll das Phänomen Jugendsprache abschließend am Beispiel von Pisa dargestellt werden.
1. Teil Geschichte der Jugendsprache
Jugendsprachen sind nicht nur aktuelle Phänomene der Gegenwartssprache. Besser wäre es, sie auch als historische Phänomene zu bezeichnen, da sie bereits in früheren Entwicklungsetappen der Sprachgeschichte dokumentiert und analysiert wurden.1 Eva Neuland zufolge, die sich mit Jugendsprachen im gesellschaftlich-historischen Wandel auseinandergesetzt hat, kann die Aufarbeitung historischer Aspekte der Jugendsprache auch aktuellen Erkenntnisinteressen über jugendliche Sprechweisen in sozialen Lebenszusammenhängen dienen. Vor allem am Beispiel Deutschland ist dies sehr gut nachzuvollziehen, welches somit auch als Einstieg in die Geschichte der Jugendsprache dienen soll. Die Geschichte der Jugendsprache in Italien beschränkt sich auf eine sehr dürftige Quellenlage, diese, sowie auch die Parallelen, die zu Deutschland gezogen werden können, werden daher erst im Anschluss an folgende Ausführungen dargestellt.
A) Geschichte der Jugendsprache in Deutschland
Die Erforschung der Jugendsprache in Deutschland beschränkte sich bis ins 20. Jahrhundert ausschließlich auf die Studentensprache, also auf den akademischen Teil der Jugend. Da die akademische Laufbahn bis in die Anfänge des vergangenen Jahrhunderts hinein nur dem männlichen Teil der Bevölkerung vorbehalten war, wurde auch nur dieser in der Sprachforschung erfasst. Selbst die Sondersprachenforschung, die sich „eigentlich als einzige sprachwissenschaftliche Teildisziplin der Vergangenheit den Sprechweisen von sozialen Gruppen, Ständen und Berufen zuwandte“2 , widmete sich in keiner Weise den Sprechweisen anderer, weniger privilegierter Jugendlicher.
Der Studentensprache dagegen maß Hermann Hirth in seiner Systematik von 19093, die zwischen den Sondersprachen der Berufe, Stände, Geschlechter und Altersklassen unterscheidet, eine besondere Gewichtung bei, indem er die Studentensprache als eine „Sprache einer bestimmten Altersklasse und zugleich eines bestimmten Standes“ bewertete. Diese positive Beurteilung hat nach Eva Neuland die sicherlich wesentlichen Gründe in der gesellschaftlichen Stellung und dem daraus resultierenden Bildungsstand ihrer Sprecher. So behauptete John Meier schon 1894 in seinem Beitrag zur Hallischen Studentensprache, dass der Studentenstand „so souverän mit der Sprache umsprang, wie kaum ein anderer“4. Lange Zeit herrschte das Latein als Gelehrtensprache vor, und diente vor allem in Zeiten des Humanismus als wissenschaftliche Verkehrssprache5. Erste Anfänge einer deutschen Sprache sind mit Beginn des 16. Jahrhunderts datiert, dennoch wurde das Deutsche erst 1687 von Thomasius in die Hörsäle eingeführt.6
Diese Form der Studentensprache, die auch als Burschensprache bezeichnet wurde, schien sich besonders positiv und fortschrittlich zu entwickeln, jedoch wurde dieser in der wissenschaftlichen Sprachforschung und der Spracherfassung noch kein Tribut gezollt. So beschränkte sich die Forschung bis in das 18. Jahrhundert hinein auf vereinzelte literarische Belege. Als solche führt Eva Neuland unter anderem die Lebensbeschreibungen des Magister Laukhard von 1792, sowie Wedekinds Tagebuch von 1824, Heines Harzreise aus dem gleichen Jahr und Goethes Dichtung und Wahrheit von 1811 auf.7
[...]
1 Neuland, Eva: „Jugendsprachen im gesellschaftlich-historischen Wandel. Ein Beitrag zur Geschichte der Jugendsprache“, in: Jugendsprache-Jugendliteratur–Jugendkultur, hg. Von Eva Neuland. Frankfurt am Main [u.a.] : Lang, 2003, S.91
2 Neuland, Eva: Jugendsprachen im gesellschaftlich-historischen Wandel, a. a. O., S.91
3 Hirt, Hermann: „Etymologie der neuhochdeutschen Sprache“. München: 1909
4 Meier, John: „Hallische Studentensprache. Eine Festgabe zum zweihundertjährigen Jubiläum der Universität Halle“. Halle: 1894
5 Neuland, Eva: Jugendsprachen im gesellschaftlich-historischen Wandel, a. a. O., S. 92
6 Thomasius, Christian: „Deutsche Schriften, ausgewählt und eingeleitet von P. von Düftel“. Stuttgart: 1970 (1687)
7 Neuland, Eva: Jugendsprachen im gesellschaftlich-historischen Wandel, a. a. O., S. 92
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