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Diachrone Betrachtung der kroatischen Sprache anhand ausgewählter Beispiele aus Faust Vrancics "Dictionarium quinque nobilissimarum Europeae linguarum: Latinae, Italicae, Germanicae, Dalmaticae et Hungaricae"

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 25 Pages
Author: Magister René Bogdanski
Subject: Russian / Slavic Languages

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 25
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 16  Entries
Language: German
Archive No.: V66985
ISBN (E-book): 978-3-638-59317-5
ISBN (Book): 978-3-638-74086-9
File size: 660 KB

Abstract

Das 1595 in Venedig veröffentlichte „Dictionarium quinque nobilissimarum Europeae linguarum: Latinae, Italicae, Germanicae, Dalmaticae et Hungaricae“ des Gelehrten Faust Vrančić (1551 – 1617) gilt als das erste dokumentierte Wörterbuch der kroatischen Sprache in der Geschichte. Kroatisch ist eine der drei „Nachfolgesprachen“ des Serbokroatischen. Neben Kroatisch gehören hierzu noch Bosnisch und Serbisch. Politisch gesehen handelt es sich um unterschiedliche Amtssprachen, linguistisch gesehen ist diese Sichtweise kaum haltbar. Trotz einiger Unterschiede in Grafie und Lexik gibt es zwischen Kroaten, Serben und Bosniern eigentlich keine Verständigungsschwierigkeiten. Vielmehr fehlt weitgehend die Bereitschaft miteinander zu kommunizieren. Die gegenseitige Trennung nach dem letzten Bürgerkrieg war und ist rein soziolinguistisch motiviert. Vrančićs „Dictionarium“ erhält als Quelle expliziter kroatischer Sprachhistorie natürlich eine immense ideologische Bedeutung für die Kroaten. Das linguistische Gewicht der Einflussnahme auf spätere Sprachentwicklung wird dagegen in der Linguistik als nicht besonders hoch eingestuft. Dieses liege eher bei späteren Werken. Da es sich immerhin aber um den ersten schriftlichen Nachweis handelt, sei ihm diese diachrone Untersuchung gewidmet.


Excerpt (computer-generated)

Ruhr – Universität – Bochum SS 2005

Seminar: „Lexik und Lexikologie der Balkanländer“

Diachrone Betrachtung der kroatischen Sprache anhand
ausgewählter Beispiele aus Faust Vrančićs „Dictionarium quinque
nobilissimarum Europeae linguarum: Latinae, Italicae,
Germanicae, Dalmaticae et Hungaricae“

von

René Bogdanski

 

Inhaltsverzeichnis


Lautliche Besonderheiten der südslawischen Sprachen ... 3

0. Einleitung ... 4

1. Das Čakavische und seine dialektale Umgebung ... 5

2. Faust Vrančić im Kontext seiner Zeit ... 7

3. Über das Dictionarium quinque nobilissimarum Europeae linguarum: Latinae, Italicae, Germanicae, Dalmaticae et Hungaricae ... 8

4. Exemplarisch-komparative Wortliste ... 10
4.1. Methodische Vorüberlegung ... 10
4.2. Kommentierte Auflistung ... 12

5. Fazit ... 22

Literaturverzeichnis ... 24

Anhang ... 25

 

 

0. Einleitung

Das 1595 in Venedig veröffentlichte "Dictionarium quinque nobilissimarum Europeae linguarum: Latinae, Italicae, Germanicae, Dalmaticae et Hungaricae" des Gelehrten Faust Vrančić (1551 - 1617) gilt als das erste dokumentierte Wörterbuch der kroatischen Sprache in der Geschichte. Kroatisch ist eine der drei "Nachfolgesprachen" des Serbokroatischen. Neben Kroatisch gehören hierzu noch Bosnisch und Serbisch. Politisch gesehen handelt es sich um unterschiedliche Amtssprachen, linguistisch gesehen ist diese Sichtweise kaum haltbar. Trotz einiger Unterschiede in Grafie und Lexik gibt es zwischen Kroaten, Serben und Bosniern eigentlich keine Verständigungsschwierigkeiten. Vielmehr fehlt weitgehend die Bereitschaft miteinander zu kommunizieren. Die gegenseitige Trennung nach dem letzten Bürgerkrieg war und ist rein soziolinguistisch motiviert.

Vrančićs "Dictionarium" erhält als Quelle expliziter kroatischer Sprachhistorie natürlich eine immense ideologische Bedeutung für die Kroaten. Das linguistische Gewicht der Einflussnahme auf spätere Sprachentwicklung wird dagegen in der Linguistik als nicht besonders hoch eingestuft (s. Bockholt 1990: 419 f.). Dieses liege eher bei späteren Werken. Da es sich immerhin aber um den ersten schriftlichen Nachweis handelt, sei ihm die folgende diachrone Untersuchung gewidmet.

Einführend soll ein biografischer Abriss zu Faust Vrančićs Leben im Kontext seiner Zeit erfolgen. In diesem Zusammenhang seien auch kurz seine technischen Errungenschaften, für die er in erster Linie noch vor seinen linguistischen berühmt geworden ist, erwähnt.

Folgend wird eine detaillierte Beschreibung zur äußeren Form Vrančićs "Dictionarium" sowie seiner Entstehung erfolgen. Da Vrančićs "Kroatisch" (bzw. "Dalmatinisch") primär auf der čakavischen Mundart basiert, sei ihr Sprachraum sowie historische Entwicklung ebenfalls näher beleuchtet.

Im Brennpunkt der eigentlichen linguistischen Untersuchung stehen phonetischer und morphologischer Ausbau und Gestaltung des dokumentierten Wortschatzes. Aufgrund des immensen Umfangs kann dies im Rahmen der vorliegenden Arbeit lediglich in Auszügen geschehen. Hierzu sei das Augenmerk primär auf Wörter slavischer bzw. germanischer Herkunft gerichtet.

1. Das Čakavische und seine dialektale Umgebung

Die "dalmatinischen" bzw. kroatischen Eintragungen in Vrančićs "Dictionarium" sind, wie bereits erwähnt, der čakavischen Mundart zuzuordnen. Das Čakavische findet man heute nur noch an Küstenregionen entlang der Adria und in Teilen von Istrien. In der Vergangenheit weiter verbreitet, ist dieser Dialekt zumeist zugunsten des Stokavischen zurückgewichen, nachdem Ende des 11. Jahrhunderts Kroatien die Personalunion mit Ungarn einging.

Die Kroaten entwickelten früh ein Schrifttum eigener Prägung, das auf der čakavischen Mundart basierte, wodurch sich dessen Einflussgebiet weit ins Binnenland erstreckte, als die kroatischen Landesgrenzen während des 10. und 11. Jahrhunderts auch den größten Teil Bosniens und Dalmatiens umfassten. Heutzutage ist das Čakavische eher dem kroatischen Volkstum zuzurechnen, was jedoch mit dem stetigen Wunsch der Kroaten, sich von ihren südslavischen Nachbarn abzusetzen, zusammen mit dem Kajkavischen wieder eine wachsende Bedeutung bekommt (vgl. Hamm 1975: 5).

Als die deutsche Reformation in Kroatien Einmarsch hielt, spielte das Čakavische in Form der von den bedeutendsten Druckern verwandte Sprache, eine besondere Rolle. Die Bewegung konnte sich jedoch aufgrund gegenreformatorischer Maßnahmen nur in Teilen Dalmatiens und Istriens durchsetzen und halten. Unter den Druckern für reformatorische Schriften, die fast ausschließlich aus Deutschland kamen, sind hier vor allem der slovenische Reformator Primus Truber und Paulus Vergerije, Bischof von Koper und Titularbischof von Modrus in Kroatien, zu erwähnen. Vom Hofe des Herzogs von Württemberg in Tübingen ausgehend, publizierten sie reformatorische Drucke in eben dem čakavischen Dialekt. Diese gingen erst nach Slovenien, später auch nach Kroatien. Sie übten so einen großen Einfluss auf die spätere kroatische Schriftsprache aus (vgl. Steindorff 2001:73f.). Aus dem Reformationskontext stammen im Übrigen auch deutsche Lehnwörter wie z.B. almostvo für ′Almosen′ (s. Striedter - Temps 1958:11). Vrančić war besonders während seines Wirkens in geistlichen Ämtern ein ausgesprochener Gegner der Reformation (s.u.).

 

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