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Seminararbeit, 2006, 25 Seiten
Autor: Florian Amberg
Fach: Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Details
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München
Tags: Anno, Köln, Heiliger, Darstellung, Annolieds, Vita, Annonis, Einführung, Kirchengeschichte, Annolied
Jahr: 2006
Seiten: 25
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-59338-0
Dateigröße: 251 KB
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Textauszug (computergeneriert)
Proseminararbeit im Fach Kirchengeschichte
Lehrstuhl für Kirchengeschichte
Fakultät für Evangelische Theologie
an der Ludwig-Maximilians-Universität zu München
Proseminar: Einführung in die Kirchengeschichte: Das Annolied Sommersemester 2006
Anno II. von Köln
als Heiliger in der Darstellung des Annolieds
und der Vita Annonis minor
vorgelegt von stud. theol. Florian Amberg 3. Fachsemester
München, Oktober 2006
Inhaltsverzeichnis
1. „sîn gůte bikanti vil unmanig man“: Einleitung 3
2. Heiligenattribute im Hochmittelalter 3
2.1 Die Aussagen der Vita Annonis minor 3
2.2 Pluralität der mittelalterlichen Heiligkeitskonzeptionen 4
3. Charakterisierung der Quellen 5
3.1 Das Annolied 5
3.2 Vita Annonis minor 6
4. Hagiographische Synopse des Annolieds und der Vita Annonis minor 6
4.1 Biblische Grundlegung 6
4.2 „al náh dis heiligin Christis bilide“: Imitatio 7
4.2.1 Imitatio Christi 7
4.2.2 Anderweitige Nachfolge 8
4.2.3 Gewichtung der Nachfolge-Modelle 9
4.3 „dî wurdin dâ gesunte“: Heilungen und Wundertaten 10
4.3.1 Heilungen 10
4.3.2 Das Volprecht-Wunder 10
4.3.3 Wundertaten 11
4.3.4 Stellenwert der Wunder 12
4.4 „als ein lamb gîn her untir diurftigin“: Tugendhaftigkeit 13
4.4.1 Bestand an Tugenden 13
4.4.2 Rolle der Tugenden innerhalb der Quellen 15
4.5 „als ein lewo saz her vur din vuristin“: Weltliches Handeln 16
4.6 „dritte werilde“: Ideal des christlichen Herrschers 18
4.7 „disin vlekkin wîsi hine gedûn“: Annos Schuld 19
4.7.1 Vision vom Flecken auf der Brust 19
4.7.2 Motivation der Thematisierung 20
4.7.3 Schwerpunktverschiebung innerhalb der Argumentation 21
4.8 „dů ward her gikeistigit“: Annos Leiden 21
5. „gode was her vili liep“: Fazit 23
6. Bibliographie 25
1. „sîn gůte bikanti vil unmanig man“ 1 : Einleitung
Die Assoziationsketten, die der Begriff des Heiligen anstößt, kreisen oft um zentrale Begriffe des Christentums wie etwa Frömmigkeit, Nächstenliebe, Demut oder Selbstlosigkeit. Die Schilderungen der Frutolfi chronica über den Kölner Erzbischof Anno II. lassen sich damit nicht in Einklang bringen. Sie beschreibt die fatalen Folgen des von Anno initiierten Staatsstreichs von Kaiserswerth:
[M]ulta [...] incommoda extunc orta et deinceps aucta certum tenemus. Nam perinde dissensiones in regno, ęcclesię perturbatio, monasteriorum destructio, clericatus despectio, totius iusticię ac religionis conculcatio et cępit et permanet. 2
Auch im Annolied findet sich ein Vers, der kontrovers gedeutet werden kann: „[Annin] gůte bikanti vil unmanig man.“ (AL, V. 597) Ist hier von Annos Bescheidenheit und Demut die Rede oder der Ignoranz seiner Mitmenschen? Oder spielt sie auf seine eigenen Verfehlungen gegenüber zahlreichen Menschen an? Mit Blick auf den Kontext des Werkes liegen die erstgenannten Vermutungen näher, da das Annolied ansonsten gänzlich auf eine kritische Betrachtung von Annos Wirken verzichtet. Im Licht der weiteren zeitgenössischen Quellen gewinnt der Vers eine neue, viel sagende Bedeutung. Dennoch wurde Anno im Jahr 1183 heilig gesprochen. Dies geschah erst im zweiten Anlauf und nicht ohne Irritationen und Komplikationen.3 Es zeigt deutlich, dass Annos Person und Handeln zu diesem Zeitpunkt äußerst umstritten waren.
Obgleich das Annolied und die Vita Annonis minor als Beschreibung seines Lebens mit dem Prozess der Heiligsprechung korrelierten, richtet diese Arbeit ihren Fokus in erster Linie auf die Darstellung Annos II. als Heiligen in den beiden Quellen. Doch was bedeutet es, ein Heiliger zu sein? Was zeichnet einen Heiligen aus?
2. Heiligenattribute im Hochmittelalter
2.1 Die Aussagen der Vita Annonis minor
In der Vorrede zum ersten Buch der Vita Annonis minor nennt der Autor den Aspekt, auf welchem der Schwerpunkt des literarischen Schaffens liege: „[C]onstat ęque in scribendi operibus nil rectius quam virtutis exempla proponi.“4 Im Mittelalter ist virtus die notwendige Basis, die sittliches Handeln überhaupt erst ermöglicht.5 In der Vorrede des zweiten Buches der Vita werden zwei Arten von Heiligen bzw. Heiligsprechungen beschrieben:
[C]um plerosque sanctorum, qui raris ac pene nullis in vita sua miraculis claruerant, post mortem creberrimis constet enituisse magnalibus, plurimos etiam nullis aliquando signis celebratos solis operum perfectorum monimentis nomen sanctitatis sempiternum optinuisse.
(VAm, S. 66)
Durch diese Aussage wird der Stellenwert der Wunder gewürdigt, die – unabhängig ob zu Lebzeiten oder nach dem Tod des Heiligen gewirkt – in Heiligsprechungen eine relevante Rolle gespielt haben. Darüber hinaus erwähnt der Autor Beispiele, denen zufolge Menschen heilig gesprochen wurden, die sich zwar nicht durch Wunder, aber durch vollkommene Werke auszeichneten. Das Wunderwirken ist somit gemäß Quelle keine notwendige Bedingung für Heiligkeit. Die opera perfecta nehmen in einem tugendhaften, vorbildlich moralisch geführtem Leben in christlichem Sinn ihren festen Platz ein und finden zusammen mit dem Begriff miracula an dieser Stelle nicht zufällig Erwähnung; beide gehören zu den zentralen Attributen der Heiligen im Mittelalter.
[...]
1 Das Annolied. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch (hg. v. Nellmann, Eberhard), Stuttgart 62005 (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 1416), V. 597. Zitate aus dem Annolied (AL) und der Vita (VAm) werden außer in den Gliederungstiteln direkt im Text belegt. Kursiv gedruckte Hervorhebungen oder Fußnoten im Original werden nicht dargestellt. Die Arbeit folgt den textkritischen Entscheidungen der Herausgeber.
2 Frutolf von Michelsberg: Frutolfi Chronica, in: Frutolfs und Ekkehards Chroniken und die anonyme Kaiserchronik (übers. v. Schmale, Franz-Josef und Schmale-Ott, Irene), Darmstadt 1972 (AQDGMA 15), S. 72.
3 Vgl. Schwarz, Marianne: Heiligsprechungen im 12. Jahrhundert und die Beweggründe ihrer Urheber, in: AKuG 39 (1957), S. 43-62, hier: S. 45-47.
4 Vita Annonis minor. Die jüngere Annovita. Lateinisch – Deutsch (hg. v. Mittler, Mauritius), Siegburg 1975 (Siegburger Studien 10), S. 2.
5 Vgl. Buck, A.: Art. Virtus, in: LMA 8 (1997), Sp. 1713f., hier: Sp. 1713
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