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Die Reise in den Orient - Eine Untersuchung des West-östlichen Divans Goethes vor dem Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 27 Pages
Author: Heike Pollmann
Subject: German Studies - Comparative Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2005
Pages: 27
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V67104
ISBN (E-book): 978-3-638-59985-6

File size: 139 KB


Excerpt (computer-generated)

Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturgeschichte
Germanistisches Institut der RWTH Aachen
Hauptseminar: Postkoloniale Literaturwissenschaft 

Hauptseminararabeit

Die Reise in den Orient
Eine Untersuchung des West-östlichen Divans Goethes vor dem
Hintergrund von Edward W. Saids Orientalismus

von

Heike Pollmann

 

 

Inhalt

Inhalt Seite 2

Einleitung 3

1 Spaltung von Orient und Okzident 5
1.1 Zwillingsbruder Hafis 5
1.2 Reise in den Orient 8

2 Das Motiv der Flucht 12
2.1 Hegire 12

3 Typische Motive 16
3.1 Liebestod 16

4 Der Orient als poetologisches Konzept 21
4.1 "Orientalismus" und "Orientalität" 21
4.2 Symbol und Allegorie 22

Fazit 25

Literatur 26

 

 

 

Einleitung

"Der Orientalismus ist ein westlicher Stil der Herrschaft, Umstrukturierung und des Autoritätsbesitzes über den Orient." (Said 1981, 10)

Der Postkolonialist Edward W. Said bringt hier auf den Punkt, was der Kern seines Werks Orientalismus ist. Er definiert "Orientalismus" als Methode der Unterwerfung, Degradierung und Manipulierung des Orients durch Europa und Nordamerika. Diese Vorgehensweise wird auf akademischer bzw. universitärer Ebene mit der Absicht eines wissenschaftlichen Diskurses über den Orient betrieben. (Daß der "Orient" ein heterogener, geographisch wie kulturell nicht genau festgelegter Begriff ist, dessen Geltungsbereich sich von Nordafrika bis in den Fernen Osten erstreckt, setze ich hier voraus.) Doch auch politische Unternehmungen und fiktive Literatur bedienen sich Said zufolge dieser Methode. Zwar behandelt Said in Orientalismus hauptsächlich britische, französische und nordamerikanische Werke und Autoren, doch wird an mehreren Stellen deutlich, daß sich seine Thesen ebenso auf deutsche Literatur und Schriftsteller übertragen lassen (vgl. ebd., 26); mehrfach wird auch Goethes West-östlicher Divan erwähnt (vgl. ebd., 62).

Diese Arbeit soll ausschließlich den literarisch-fiktiven Bereich des Orientalismus berücksichtigen. Dabei wird vor dem Hintergrund verschiedener Thesen Saids untersucht, ob sich auch in Goethes West-östlichem Divan Anzeichen der Autorität und Kontrolle über den Orient finden lassen und ob Goethe sich dadurch als ein "Orientalist" im Sinne Saids offenbart.

Said kritisiert die grundsätzliche Trennung von Osten und Westen in der Orient-Literatur westlicher Schriftsteller. Problematisch ist dabei, daß keine Gleichberechtigung der beiden Teile unterstellt wird, sondern eine Darstellung entsprechend des angenommenen Machtverhältnisses gewählt wird. Im ersten Teil der Arbeit wird geprüft, ob auch Goethe im West-östlichen Divan eine solche Trennung vorgenommen hat und wie er sein Verhältnis zum Orient gesehen hat.

Gegenstand des zweiten Teils wird das in der Forschungsliteratur zum Divan vielbesprochene Motiv der Flucht sein, wobei der Schwerpunkt des Kapitels auf der Untersuchung des Gedichts Hegire liegen wird. Said stellt fest, daß für jeden Orient-Schriftsteller die Reise in den Orient die Erfüllung eines persönlichen Projektes ist. Welches Projekt wollte Goethe im Divan verwirklichen?

Der Orientalismus arbeitet Said zufolge mit stereotypisierenden Bildern und Motiven über den Orient. Die klischeehaften Vorstellungen kommen einem Schubladendenken zugute, das es den westlichen Autoren erlaubt, die Autorität über den Osten aufrechtzuerhalten. Anhand des altpersischen Motivs des Liebestodes wird im dritten Teil der Arbeit beleuchtet, ob und wie Goethe stereotypisierende Darstellungen verwendet.

Das vierte Kapitel der Untersuchung greift Saids Befund des Orients als der Erfüllung eines notwenigen Projekts des Schriftstellers noch einmal auf und setzt diesen in Verbindung zu Goethes Ästhetik.

1 Spaltung von Orient und Okzident

In diesem Kapitel soll auf Saids Kritik an der grundsätzlichen Trennung von Osten und Westen durch den Orientalismus eingegangen werden. Die Spaltung von Orient und Okzident läßt sich nach Meinung von Said auch im Bereich der fiktiven Orient-Literatur finden. Dabei sei die Teilung jedoch nicht wertneutral, sondern entspreche dem angenommenen Machtverhältnis. Darin spiegele sich die als empirisch bewiesen angesehene Überlegenheit des Westens über den Osten wider (vgl. ebd., 56). Ob auch Goethe diese Trennung vorgenommen hat, wird im Anschluß untersucht.

Weber (2001, 13) zufolge werde schon im Titel des West-östlichen Divans auf die Dichotomie zwischen Osten und Westen hingewiesen. Das Nebeneinander suggeriere Wertfreiheit und ein Gleichgewicht der Behandlung von westlicher und östlicher Lyrik. Die Frage ist nun, ob Goethe diesem Anspruch, Ost und West gleichberechtigt auf einer Ebene darzustellen, im Divan auch wirklich gerecht wird.

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