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Scholary Paper (Seminar), 2006, 19 Pages
Author: Kathrin Doeppner
Subject: German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Details
Institution/College: Catholic University Eichstätt-Ingolstadt (Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät)
Tags: Modernität, Nibelungenliedes, Kriemhild, Figur, Proseminar, Nibelungenlied
Year: 2006
Pages: 19
Grade: 2
Bibliography: ~ 10 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-60161-0
ISBN (Book): 978-3-638-75599-3
File size: 130 KB
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Abstract
Das Nibelungenlied gilt als eines der großartigsten und bedeutendsten Werke der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters. Sein historischer Kern ist die burgundisch- fränkische Geschichte und seine Wurzeln reichen bis in die vorchristliche Zeit zurück. Nach langer mündlicher Überlieferung wurde es um 1200 im Raum Passau aufgeschrieben. Es wurde bei Hof von fahrenden Sängern vorgetragen und ist demnach das Werk einer großen Anzahl von Dichtern. Nachdem es über mehrere Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war, wurden seine verschiedenen Handschriften im 18. Jh. wiederentdeckt. Von da an hat das Nibelungenlied die Fachgeschichte der älteren Germanistik von ihren Anfängen an bis heute begleitet; denn es war der erste mittelalterliche Text, mit und an dem seither bis heute ununterbrochen gelehrt, gelernt und geforscht wird. Das Nibelungenlied erzählt die Geschichte von der Königstochter Kriemhild, deren unerbittliche Liebe zu ihrem Helden Siegfried am Ende zum Untergang zweier großer Völker führt. „als ie diu liebe leide z´aller jungeste git“ (2378). Das Thema Liebe ist – wie vielleicht kein anderes – heute so aktuell wie damals.
Excerpt (computer-generated)
Katholische Universität Eichstätt – Ingolstadt
Sprach- und literaturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl für Ältere deutsche Literaturwissenschaft
2006
Modernität des Nibelungenliedes – Kriemhild als moderne Figur
von: Kathrin Doeppner
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Modernität um 1200 4
2.1 Die Frau als Mittelpunkt von Hof und Gesellschaft 4
2.2 Das Thema Liebe um 1200 5
3. Kriemhild 6
3.1 Kriemhild als „bedauernswertes Opfer“ 6
3.2 Kriemhild als „entmenschte Mörderin“ 7
3.3 Kriemhild als „Leidende und Liebende“ 8
4. Die Bedeutung der Liebe für Kriemhild 9
4.1 Die Liebe zwischen Kriemhild und Siegfried 9
4.2 Diu getriuwe 10
4.3 Rache für Siegfried 11
4.4 Kriemhilds Entscheidung für die Liebesbindung und gegen die Sippenbindung 12
5. Möglichkeiten und Grenzen des Begriffs Modernität 14
5.1 Personalität und Identität: These der Modernität Kriemhilds nach Klaus Grubmüller 14
5.2 Subjektivität und Individualität: These der Modernität Kriemhilds nach Walter Haug 15
6. Fazit 17
7. Literaturverzeichnis 18
1. Einleitung
Das Nibelungenlied gilt als eines der großartigsten und bedeutendsten Werke der deutschsprachigen Literatur des Mittelalters. Sein historischer Kern ist die burgundisch- fränkische Geschichte und seine Wurzeln reichen bis in die vorchristliche Zeit zurück. Nach langer mündlicher Überlieferung wurde es um 1200 im Raum Passau aufgeschrieben. Es wurde bei Hof von fahrenden Sängern vorgetragen und ist demnach das Werk einer großen Anzahl von Dichtern.
Nachdem es über mehrere Jahrhunderte in Vergessenheit geraten war, wurden seine verschiedenen Handschriften im 18. Jh. wiederentdeckt. Von da an „hat das Nibelungenlied die Fachgeschichte der älteren Germanistik von ihren Anfängen an bis heute begleitet; denn es war der erste mittelalterliche Text, mit und an dem seither bis heute ununterbrochen gelehrt, gelernt und geforscht wird.“ 1 Das Nibelungenlied erzählt die Geschichte von der Königstochter Kriemhild, deren unerbittliche Liebe zu ihrem Helden Siegfried am Ende zum Untergang zweier großer Völker führt. „als ie diu liebe leide z´aller jungeste git“ (2378). Das Thema Liebe ist – wie vielleicht kein anderes – heute so aktuell wie damals.
Für den Philologen Klaus Grubmüller bedeutet Modernität um 1200 in Bezug auf Literatur, dass mit dem Nibelungenlied „eine anspruchsvollere Ethik als die primitivhistorische sich Bahn bricht. Liebe und Macht sind [nun] die Diskussionsfelder (…). Liebe noch mehr als die Macht gefährdet die Selbstkontrolle, gefährdet die Identität der Person.“2 Kann man demnach das Nibelungenlied – laut Grubmüller – als ein „modernes Werk“ bezeichnen? Die zentrale Figur, die für diese Untersuchung herangezogen wird, ist Kriemhild. Im Vergleich zu Figuren in anderen mittelalterlichen Werken geht sie einen völlig neuen Weg: „Sie stürzt die Gesellschaft, die (…) ihre Liebe zerstört hat, (…) in den Untergang.
Sie setzt der konsequenten Allgemeinheit und Kollektivität die konsequente Personalität entgegen, zu der ihr nur die Liebe das Recht gibt.“3 An dem Weg Kriemhilds, ihrem Handeln und ihren Entscheidungen aus Liebe soll untersucht werden, ob sie das Prädikat „modern“ erhalten darf und inwieweit ihre Figur für die Modernität des Nibelungenlieds von Bedeutung ist.
Zunächst wird die Stellung der adeligen Frau im Mittelalter dargestellt, um einen Einblick in die Zeit zu bekommen. Welche Bedeutung hatte das Thema Liebe in der Literatur um 1200? Anschließend wird die Figur Kriemhilds aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, ihre Liebe zu Siegfried sowie die Rache aus Liebe und ihre Entscheidung für die Liebe und gegen ihre Brüder dargestellt. Zum Schluss werden Möglichkeiten und Grenzen des Begriffs Modernität im Bezug auf das Nibelungenlied nach Klaus Grubmüller und Walter Haug diskutiert.
2. Modernität um 1200
Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht Kriemhild, die burgundische Königstochter, die Königin der Nibelungen und schließlich Hunnenkönigin wird. Im Folgenden wird kurz dargestellt, wie sich das Leben einer adeligen Frau im Mittelalter abgespielt hat um historische Hintergründe und Motive wie z. B. die Morgengabe zu verdeutlichen.
2.1 Die Frau als Mittelpunkt von Hof und Gesellschaft4
[...]
1 Bartsch/ De Boor 2002, S. 980
2 Grubmüller 1994, S. 69
3 Grubmüller 1994, S. 72
4 Nach Schwarzmaier/ Herrbach-Schmidt
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