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Die Klaviertrios von Joseph Haydn

Scholary Paper (Seminar), 2006, 14 Pages
Author: Mag. Art; Mag. Phil Heike Sauer
Subject: Musicology

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 14
Grade: sehr gut
Bibliography: ~ 13  Entries
Language: German
Archive No.: V67276
ISBN (E-book): 978-3-638-60324-9
ISBN (Book): 978-3-638-85352-1
File size: 1197 KB

Abstract

In dieser Arbeit sollen Haydns Klaviertrios, die sonst immer im Schatten seiner Streichquartette stehen, ins Zentrum gerückt werden Sehr kurz werden gattungsgeschichtliche und historische Vorraussetzungen für die Trios besprochen, um dann genauer auf den Entwicklungsprozess und die Merkmale der drei Entstehungsphasen (I. um 1760; II. 1784 – 1789; III. 1794 – 1796) einzugehen. Jeweils ein Klaviertrio wird dabei symptomatisch ausgewählt und mit Notenbeispielen besprochen (Hob.XV:2 in F; Hob.XV:14 in As; Hob.XV:30 in Es). Anschließend wird noch auf die Problematik der Chronologie und der Authentizität eingegangen.


Excerpt (computer-generated)

Universität Wien
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät,
Proseminararbeit aus Joseph Haydn
Institut für Musikwissenschaft
SoSe 06

Die Klaviertrios von Joseph Haydn

Heike Sauer

 


Gliederung

1. Haydns Klaviertrios  ...3

2. Erste Schaffensphase  ...4

2.1.Trios um 1760 bis 1770  ...4
2.2. Beispiel: Trio in F, Hob.XV:2  ...5

3. Zweite Schaffensphase  ...6

3.1. Trios zwischen 1784 und 1789, einschließlich der Flötentrios 1790  ...6
3.2. Beispiel: Trio in As, Hob.XV:14  ...7

4. Dritte Schaffensphase  ...9

4.1. Trios zwischen 1794 und 1796  ...9
4.2. Beispiel: Trio in Es, Hob.XV:30  ...10

5. Fragen der Authentizität  ...12

6. Wirkung  ...12

7. Quellenverzeichnis  ...13

8. Notenbeispieleverzeichnis  ...14



 

1. Haydns Klaviertrios

Die Klaviertrios nehmen einen wichtigen Platz im Schaffen Haydns ein und sind im Grunde genommen in ihrer Bedeutung den Streichquartetten gleich zustellen. In drei verschiedenen Entstehungsphasen1 lässt sich trotz der großen Fülle der Werke ein gewisser Entwicklungsprozess vor allem in Bezug auf die Satzanordnung, die Harmonie und den Klavierpart ausmachen:

1. frühe Periode (um 1760): Hob.XV:1, 2, 34-38, 40, 41, C1, f1
2. mittlere Periode (1784-1789): Hob.XV:5-14 und 15-17 (Flötentrios)
3. späte Periode (1794-1796): Hob.XV:18-32

Die Chronologie aber auch die Echtheit einiger Trios, die bei Hoboken alle mit der römischen Nummer XV und anschließend nach arabischen Zahlen geordnet aufgeführt werden, ist bis heute nicht restlos geklärt. Für Larsen galten 31 als gesichert, Hoboken fügte vier hinzu. H.C. Robbins Landon erfasst 45 und Feder erkennt nach der Studie des Haydn-Institutes Köln 41 an, von zweien allerdings sind nur die Incipits überliefert. Die Reihenfolge der Entstehung, vor allem der frühen Stücke, wird neben der Authentizität weiterhin wissenschaftlich diskutiert.2

Für die gattungsgeschichtliche und historische Voraussetzung des Klaviertrios ist hauptsächlich die Aufwertung des Tasteninstruments im 18. Jh. entscheidend. Vom begleitenden Instrument verschob sich das Gewicht zum übervorteilten Kammermusikpartner. Die scheinbar gegensätzlichen Strömungen der barocken Triosonate mit Generalbass oder obligatem Cembalopart auf der einen Seite und der relativ neue Typus der begleiteten Klaviersonate – Soloklaviermusik mit zugefügter Blas- oder Streichinstrumentstimme – auf der anderen Seite führen zum Klaviertrio.3 Ein genauer Zeitpunkt oder eine Stilwende, ab der man nun von Klaviertrio sprechen kann, lässt sich allerdings nicht wirklich ausmachen. Um 1760 begannen jedenfalls einige Komponisten mit der neuen Gattung (die noch keine war) zu experimentieren: beispielsweise in Paris Johann Schobert, in Mannheim Franz Xaver Richter, in London Johann Christian Bach, in Wien Georg Christoph Wagenseil und eben Haydn.


2. Erste Schaffensphase

2.1.Trios um 1760 bis 1770

Hob.XV:1, 2, 34-38, 40, 41, C1, f1, (33, D1 verloren) Die frühen Klaviertrios von Haydn sind überwiegend während seiner Zeit bei Graf Morzin entstanden und wurden größtenteils zwischen 1766 und 1771 bei Breitkopf verlegt. Als Gattung sind sie noch nicht ausgereift und tragen unterschiedliche Namen wie Divertimento, Concerto, Partita, Sonate oder Capriccio.4 Wie die Titel schon vermuten lassen, ist der Divertimento-, Partiten- oder Suitencharakter vorherrschend. Zwar sind die Werke dreisätzig (außer Hob.XV:41), stehen jedoch meist in derselben Tonart. Als Tasteninstrument diente zu Beginn ein Cembalo, später lässt der Tonumfang auch andere Tasteninstrumente vermuten.

Neben dem Tonumfang des Klavierparts gelten für die Datierung der Trios auch Kriterien wie Werk-, Satz- oder Tempobezeichnungen, Notationseigentümlichkeiten wie Vorschläge und manchmal auch genauere Informationen zu den Kopisten oder gar zu den Papiersorten. Außerdem sind stilistische Merkmale natürlich entscheidend für die zeitliche Einordnung der Stücke. Allerdings sind sich die Musikhistoriker Feder und Fillion nicht einig, ob die Beschaffenheit der Cembalostimme (generalbassartiger Part oder obligat) Rückschlüsse auf die Entstehungszeit zulässt.5 Nach Georg Feder ergibt sich folgende Chronologie:6

bis 1760: Nr.: Hob.XV:36, C1, 37, 38, 34, f1, 41, 33 [verschollen]
um 1760: Nr.: Hob.XV:40
um 1760-62: Nr.: Hob.XV:1
um 1764/65: Nr.: Hob.XV:35
um 1767-71: Nr.: Hob.XV:2
(vor 1771: Nr.: Hob.XV:D1 [verschollen])
[...]


1 Brauner, Studien zu den Klaviertrios von Joseph Haydn, 1995, Seite 9.

2 Brauner, Studien zu den Klaviertrios von Joseph Haydn, 1995, Seite 11 ff.

3 Brauner, Studien zu den Klaviertrios von Joseph Haydn, 1995, Seite 60 ff.

4 Lee, Die langsamen Sätze der Klaviertrios Joseph Haydns, 1995, Seite 38.

5 Brauner, Studien zu den Klaviertrios von Joseph Haydn, 1995, Seite 19.

6 Feder, Haydns frühe Klaviertrios, in: Haydn-Studien, Band 2, Heft 4, 1970, Seite 314.


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