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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2005
Seiten: 24
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 19  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 188 KB
Archivnummer: V67501
ISBN (E-Book): 978-3-638-58610-8
ISBN (Buch): 978-3-638-67208-5

Zusammenfassung / Abstract

Wie sinnvoll ist das Medium Lehrbuch im Englischunterricht der heutigen Zeit. Es werden historische, pädagogische, didaktische und juristische Aspekte behandelt.

Textauszug (computergeneriert)

Das Lehrbuch im Englischunterricht

von Johanna Wünsche

 

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Das Lehrbuch: rechtliche Grundlagen, Aufbau und Wirkung 3

3. Lehrbuchkritik 6

4. Qualitätsprinzipien von Lehrwerken 12

5. Fazit: Zum Umgang mit dem Lehrbuch 20

6. Literatur 23

 

1. Einleitung

Ziel des heutigen Englischunterrichts ist neben der Förderung der Kommunikationsfähigkeit1 der Erwerb von Kompetenzen. Dazu zählen beispielsweise Methodenkompetenz, kulturelle Kompetenz und Sprachkompetenz. Zur Umsetzung dieser Ziele wird der Lehrer methodisch in bezug auf die Mediennutzung kaum eingeschränkt. Gerade in der Sekundarstufe I bildet das traditionelle Medium Lehrbuch meist die Grundlage des Unterrichts.

Als traditionell kann dieses Medium gerade deswegen bezeichnet werden, weil es schon im 18. Jahrhundert die Voraussetzung für den Einzug des Englischunterrichts in die Curricula bildete. Reinhold Freudenstein betont in seinem Aufsatz „Fremdsprachenlernen ohne Lehrbuch“ die ursprüngliche Abhängigkeit der modernen Fremdsprachen von den alten Sprachen Griechisch und Latein, die sich an der grammatisierenden Methode orientierten. Nur die Fokussierung auf Grammatik und Übersetzung ermöglichte es den Neuphilologien, in den Universitäten und Schulen Einzug zu halten2. Diskurse wurden beispielsweise im Lehrbuch von Johann Christian Prager „Englische Grammatik“ von 1764 auf die römische Geschichte eingeschränkt. Im 19. Jahrhundert stand „Bildung“ und „Nützlichkeit“ im Zentrum der Lehrbücher. Damit versuchte man den verschiedenen Ansprüchen der Gymnasien und der Realschulen auf der anderen Seite gerecht zu werden. Aufgrund der Geschichte des Lehrbuchs und der grammatisierenden Methode wird es mit heutiger Terminologie häufig als instruktivistisches Medium kritisiert. Aus instruktivistischer Sicht3 gestaltet sich Lernen als eine Akkumulation von Wissen nach der Präsentation von Fakten und Regeln, die in bezug auf den Fremdsprachenunterricht auf der Progression und Selektion durch Schulbücher, pattern practice und der Betonung der Grundfertigkeiten Hören - Sprechen - Lesen- Schreiben beruht. Der Instruktivismus geht aus der behavioristischen Lernpsychologie hervor, die besagt, das der Lerner durch relativ passive Informationsaufnahme den vom Lehrer dargebotenen Stoff aufnimmt. Im Unterschied zum Behaviorismus betont der Konstruktivismus die internen Verstehensprozesse, wobei die individuelle Wahrnehmung, Interpretation und Konstruktion des Wissens im sozialen Kontext von Bedeutung sind (sozialer Konstruktivismus). Die zweite Ausrichtung wird als radikaler Konstruktivismus bezeichnet und betont, dass Wissen in der „Aktivierung von Neuronen in einem neuronalen Netzwerk“ liegt. Verhaltensänderungen sind Zeichen für die Veränderung mentaler Prozesse (vgl. Weskamp, 23).

Auch wenn die grammatisierende Methode angesichts heutiger Zielsetzungen des Englischunterrichts als überholt erscheint, richteten sich schon die ersten fremdsprachlichen Lehrwerke nach modernen Prinzipien, die in heutigen Lehrwerken als selbstverständlich gelten. Der Orbis Pictus von Johann Amos Comenius aus dem Jahre 1658 gilt als Prototyp des fremdsprachlichen Lehrbuchs aufgrund der Anschaulichkeit des Lehrstoffs, der Anordnung des Wortschatzes in Spalten, der Kontextualisierung des Wortmaterials, der Förderung des autonomen Lernens, handlungsorientierten Lernens sowie des Lernens mit allen Sinnen4. In seiner Didactica Magna legte Comenius schon einige Grundprinzipien für ein Lehrbuch fest: „Schulbücher sollen alles allgemeinverständlich darstellen und dem Lernenden in jedem Fall Hilfe bieten, so dass er alles von selbst, auch ohne den Lehrer verstehen kann.“ (8. Auflage, 1993: 128). Die konstruktivistische Grundhaltung dieser Aussage ist kaum zu verkennen. Wie solche Darlegungen zeigen, muss die oft schon generalisierte Kritik an Lehrbüchern hinterfragt werden. Die letzten 200 Jahre hat sich nämlich auch die Schlüsselfunktion des Lehrbuchs als Medium gezeigt, das neue Methoden durchzusetzen vermag: so bei der direkten Methode am Ende des 19. Jahrhunderts oder während der kommunikativen Wende in den 1970er Jahren mit „English for you“.

Angesichts der fortschreitenden Medienvielfalt gerät die einst unerschütterliche Rolle des Lehrbuchs ins Wanken und sieht sich dem Vorwurf ausgesetzt, zu wenig konstruktivistisch zu sein. Im Folgenden sollen daher die Stärken und Schwächen moderner Englischlehrbücher diskutiert werden sowie Qualitätsprinzipien erarbeitet werden, die dem Lehrer bei der richtigen Einschätzung eines Lehrbuches helfen können.

2. Das Lehrbuch: rechtliche Grundlagen, Aufbau und Wirkung

Das Lehrbuch oder auch Schülerbuch bildet das Zentrum eines Lehrwerkes, das neben dem Lehrbuch in der Regel noch aus Tonträgern, Bildfolien, Arbeitsheften, Lehrerhandreichungen und Software besteht. Lehrbuchautoren haben aufgrund der allgemein gefassten Rahmenpläne in der Gestaltung von Lehrbüchern relativ große Spielräume. Die Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport macht im „Rahmenplan für Unterricht und Erziehung in Berliner Schulen“ für das Fach Englisch unter dem Punkt 4.4 genauere Ausführungen zur Mediennutzung im Englischunterricht. Interessanterweise wird das Lehrbuch als Unterrichtsmaterial zuerst genannt, gefolgt von Folien, Texten, Bildern, Filmen, Rundfunksendungen und Ähnlichem. Diesen Medien werden eine Reihe von Funktionen zugeschrieben. Dazu zählen Darbietungsfunktion, Motivierungsfunktion, Aktualisierungsfunktion, Übungsfunktion, Differenzierungsfunktion, Kontroll- und Diagnosefunktion. Ein Lehrbuch allein kann diese weitgefächerten Funktionen natürlich nicht abdecken.

[...]


1 In der Einleitung des Rahmenplans für Unterricht und Erziehung in der Berliner Schule für das Fach Englisch heißt es: „[...] Die Ziele des Englischunterrichts der Sekundarstufe I lassen sich unter dem Stichwort „Kommunikationsfähigkeit“ zusammenfassen, ohne dass deswegen andere Aspekte des Fremdsprachengebrauchs ausgeschlossen wären. [...]“

2 Die Bezeichnung „Grammatiken“ für Sprachlehrbücher im 18. Jahrhundert unterstreicht die anfängliche Ausrichtung auf die syntaktischen und grammatischen Regeln. Die meisten dieser Grammatiken enthielten aber auch Texte, Dialoge, Übungsmaterial und Wörterverzeichnisse. Friedericke Klippels weist in ihrem Werk „Englischlernen im 18. und 19. Jahrhundert – Die Geschichte der Lehrbücher und Unterrichtsmethoden“ den ersten Englischbüchern folgende Funktion zu: „Die frühen englischen Sprachlehren waren somit in erster Linie Lernbücher und Nachschlagewerke und erst in zweiter Linie den Unterrichtsverlauf diktierende Lehrbücher für den Privatunterricht oder einen institutionalisierten Englischunterricht.“ (vgl. Klippel, S. 62).

3 Weskamp, Ralf: Fachdidaktik: Grundlagen und Konzepte. Anglistik, Amerikanistik, Cornelsen Verlag, Berlin, 2001, S. 20ff. (=Weskamp, 20ff.)

4 Freudenstein, Reinhold: Fremdsprachenlernen ohne Lehrbuch. Zur Geschichte, Gegenwart und Zukunft fremdsprachlicher Unterrichtsmaterialien, in: Praxis des neusprachlichen Unterrichts 48 (2001) 1, S. 11. (=Freudenstein, 11)

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