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Autor: Stefan Fößel
Fach: Geowiss. / Geographie - Bevölkerungsgeogr., Stadt- u. Raumplanung
Details
Institution/Hochschule: Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt
Tags: Städte, Welt, Global, Cities, Kommandozentralen, Weltwirtschaft, Metropolen, Wettbewerb, Städte/Transurbanism, Aktuelle, Probleme, Fragestellungen, Stadtgeographie
Jahr: 2006
Seiten: 30
Note: keine
Literaturverzeichnis: ~ 36 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 549 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-58638-2
ISBN (Buch): 978-3-638-82554-2
Zusammenfassung / Abstract
Warum werden in einigen wenigen Städten Entscheidungen getroffen, die erheblichen Einfluss auf die gesamte Weltwirtschaft, auf Kultur und auf Politik nehmen? Die vorliegende Arbeit befasst sich mit solchen Städten, den Global Cities, einem neuen Typ von Städten mit transkontinentalem Aktionsradius. Die Entstehung und Bedeutung des Begriffes „Global City“ wird untersucht und die noch relativ junge Forschungsgeschichte dieser besonderen Form der Stadtgeographie beschrieben. Ausführlicher eingegangen wird dabei auf die Weltstadthypothese John Friedmanns, der anhand von sieben Annahmen eine Hierarchie der Weltstädte erstellt hat, auf die Global City-Thesen Saskia Sassens und auf die Arbeiten der GaWC-Gruppe an der Universität Loughborough. Ein Exkurs führt in das Feld der Global City-Region-Forschung, die auch das Umland der neuen Weltwirtschaftszentren einbezieht. Vor allem sind es drei Städte, die die Global City-Hierarchie anführen, New York, London und Tokio, bei manchen Autoren kommt auch Paris hinzu. Warum es gerade diese Städte sind, um die sich alles zu drehen scheint, soll untersucht werden. Dahinter herrscht reger Wettbewerb, denn die Hierarchie der Weltstädte ist kein starres Gefüge. Westliche und fernöstliche Metropolen buhlen mit Megastädten des Südens um die besten oder zumindest bessere Plätze. Die negativen Folgen der Global City-Werdung, hohe Preise, Ausbeutung billiger Arbeitskräfte und extreme Ungleichheit, werden dabei bereitwillig in Kauf genommen.
Textauszug (computergeneriert)
Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt Sommersemester 2006
Hauptseminar: Aktuelle Probleme und Fragestellungen der Stadtgeographie
Abgabetermin: 11. April 2006
Städte, die die Welt bedeuten – Global Cities:
Die Kommandozentralen der Weltwirtschaft - Metropolen
im globalen/transnationalen Wettbewerb, vernetzte Städte/Transurbanism
von: Stefan Fößel
Inhaltsverzeichnis
1. Thematische Einführung S. 3
2. Global City – Begriffsbestimmung und -abgrenzung S. 4
3. Wissenschaftshistorische Entwicklung der Global City-Forschung S. 5
4. Gedanken von Welt – John Friedmanns Weltstadthypothesen S. 6
5. Die Global City-These von Saskia Sassen S. 9
6. Quod erat demonstrandum – die Arbeiten der GaWC S. 11
7. Mehr als die Summe ihrer Teile – Global City-Regions S. 14
8. Die Champions League der Global Cities S. 16
8.1. New York – das erschütterte Symbol S. 16
8.2. London – vom Commonwealth- zum Weltfinanzzentrum S. 18
8.3. Tokio – Moloch der Superlative S. 19
8.4. Paris – die vierte Macht S. 21
9. Gewehr bei Fuß – Global Cities zweiter Ordnung S. 23
10. Noch Platz an der Sonne? – Aufstrebende Megastädte des Südens S. 24
11. Fazit: Ungleiche Welt voller Glokalitäten S. 26
12. Quellen S. 28
1. Thematische Einführung
Die Welt ist längst zum Dorf geworden. Produziert wird dort, wo es billig, entschieden, wo es schön und teuer ist. Telekommunikations- und Transportnetze sind so weit fortgeschritten, dass es eigentlich völlig egal zu sein scheint, wo sich eine Firma niederlässt. Und doch ist es eine kleine Anzahl von Städten, in denen sich alles ballt. Finanzzentren, Firmen, Medien und politische Schaltzentralen zieht es nach New York, London, Tokio und Paris. In Städte also, die zwar über viele Reize verfügen, aber zugleich für Verkehrschaos, inflationäre Büromieten und Luftverschmutzung stehen. In jüngster Vergangenheit waren diese Metropolen Schauplatz von Terroranschlägen und Aufruhr, Bilder von einstürzenden Bürotürmen und brennenden Autos haben sich im kollektiven Gedächtnis festgesetzt. Dennoch bleiben die gebeutelten Metropolen „Global Cities“. Wer auf den Weltmärkten eine Rolle spielen will, muss in diesen Städten vertreten sein, denn hier werden Entscheidungen von globaler Bedeutung getroffen. Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den Global Cities, einem neuen Typ von Stadt mit transkontinentalem Aktionsradius. Zunächst soll Entstehung und Bedeutung des Begriffes näher beleuchtet werden. Nur auf den ersten Blick sind Weltstädte und Global Cities dasselbe. Nach diesem Versuch einer terminologischen Konkretisierung soll ein kurzer Rückblick unternommen werden in die noch relativ junge Forschungsgeschichte dieser besonderen Form der Stadtgeographie. Ausführlicher soll auf die Weltstadthypothese John Friedmanns eingegangen werden, der anhand von sieben Annahmen eine Hierarchie der Weltstädte erstellt hat, die den Ausgangspunkt für viele weiterführende Studien bildete. Als ähnlich bedeutender Meilenstein gelten die Global City-Thesen Saskia Sassens. Häufig kritisiert wurde die etwas „dünne“ empirische Basis der Global City-Forschung. Hier hat die Arbeit der GaWC-Gruppe der Universität Loughborough eingesetzt, mit ebenso einleuchtender wie aufwändiger Systematik konnten die Briten nicht nur zahlreiche Lücken mit beweiskräftigem Zahlenmaterial schließen, sondern auch weiterführende Ansätze knüpfen. Die Ergebnisse der Loughborough- Gruppe sollen zur Sprache kommen, wie auch das Feld der Global City-Region-Forschung, das nicht zuletzt dem Umstand Rechnung trägt, dass die neuen Weltwirtschaftszentren oft mehr sind als nur Städte, sondern aus Städtesystemen bestehen, bei denen auch das weitere Hinterland und die Vernetzung mit den umliegenden Städten eine wichtige Rolle spielt. Dass es vor allem drei Städte sind, die die Global City-Hierarchie anführen, nämlich New York, London und Tokio, wird von den wenigsten Autoren angezweifelt. Nicht selten wird auch Paris diesem erlesenen Zirkel zugeordnet. Warum es gerade diese Städte sind, um die sich alles zu drehen scheint, soll untersucht werden.
Je nach Untersuchungsschwerpunkt lassen sich auch andere Städte, etwa Frankfurt, der Global City-Elite zuordnen. Gründe für das Zurückbleiben hinter den „großen Vier“ sollen ebenso Gegenstand dieser Arbeit sein wie die aufstrebenden Megastädte des Südens. Schwindel erregendes Wirtschaftswachstum in China sowie exponentiales Bevölkerungswachstum in anderen asiatischen, afrikanischen und latein-amerikanischen Städten lassen vielleicht auch diese jungen Megastädte als potenzielle Global Cities erscheinen. Die vorliegende Arbeit entlässt mit der Frage, ob es überhaupt noch Städte gibt, die nicht zumindest bis zu einem gewissen Grad „globalisiert“ sind. In diesem globalen Spiel scheint es viele Spieler und noch mehr Spielbälle zu geben. Um zu erkennen, wer die Bälle führt, bedarf es sachkundiger Beobachter mit freiem Blick aufs Spielfeld.
2. Global City – Begriffsbestimmung und -abgrenzung
„Global“ bedeutet „weltumspannend“1, „City“ steht für das „Geschäftsviertel einer Großstadt“ oder die „Innenstadt“2. Damit liefern die Duden-Autoren nicht nur die wörtliche Übersetzung für „Global City“, sondern treffen es auf den Punkt: Global Cities sind weltweit vertreten mit ihren Firmen, ihren Marken, ihren Trends. Sie sind die „Geschäftsviertel“ der Weltwirtschaft. Weltweite Städte also, ein an wenigen Punkten verankertes Netz, das den ganzen Globus umspannt. Wo könnte man da noch Stadtgrenzen ziehen? Sind alle globalen Städte Netze für sich oder alle Teil des gleichen? Und wer in einer solchen Global City das Sagen hat, regiert der dann irgendwie auch – die ganze Welt? Schon hier wird deutlich, dass eine Global City mehr sein muss als „nur“ eine Weltstadt, mehr als eine weltoffene, weltgewandte, weltbekannte Stadt. Und doch war es sehr lange der Begriff Weltstadt, der dieses „mehr“ zu bedienen hatte. Weltstädte gab es bereits in der Antike, Rom oder Babylon etwa, die bereits nach der heute noch verbreiteten Methode vorgingen, andere Länder mit Kriegen zu überziehen und nach der „feindlichen Übernahme“ ein Handelsnetz aufzubauen, in dem nicht mehr nach vergangenen Kriegsgräueln, sondern nach dem Wert von Waren und Rohstoffe gefragt wird.
Patrick Geddes soll der Erste gewesen sein, der 1915 bestimmte Städte, in denen sich für die Weltwirtschaft bedeutende Geschäfte konzentrieren, als „World Cities“ bezeichnet hat.3 Der Begriff wird bis heute auch synonym für Global Cities verwendet. Auch für John Friedmann sind es 1986 noch „Weltstädte“, deren ökonomische, soziale und baulich-räumliche Entwicklung vom Grad der Integration in die Weltwirtschaft abhängt.4 Als Saskia Sassen 1984 erstmals den Begriff der Global Cities verwendete, tat sie das „mit Bedacht – es war ein Versuch, eine Differenz zu benennen, nämlich die Besonderheit des Globalen, wie es in der Gegenwart seine Strukturen gewinnt“5. Sassen wollte allerdings „nicht nur eine semantische Parallele zu den zunehmend ins Blickfeld geratenden Globalisierungsprozessen her(stellen), sondern auch eine bewusste Abgrenzung zum herkömmlichen Begriff der Weltstadt (ziehen). Global Cities sind nicht mehr nur Städte mit internationaler Bedeutung wie im Fall der Weltstädte, sondern die Knotenpunkte der globalisierten Weltwirtschaft.“6 Die Knotenfunktion gilt sowohl für Unternehmensnetzwerke, mit Konzernzentralen in den Global Cities, als auch für bedeutende Börsenplätze, an denen die stärksten internationalen Finanzströme zusammenlaufen. Neuerdings kommt in Bezeichnungen wie „Globalizing Cities“ und „Cities in Globalization“ die Vorstellung zum Ausdruck, dass heute alle Städte mehr oder weniger in globale Beziehungen eingebunden sind.7 Andere Bezeichnungen wie „Städte im Umbruch“ oder „Megacities“ vermeiden das Wort global ganz, beziehen sich aber mehr auf demographische Merkmale von Städten als auf deren funktionale Eigenschaften.8 Bei Global Cities aber „ist der entscheidende Faktor ein grenzüberschreitendes globales Netzwerk von Städten, die als strategische Standorte weltweiter Wirtschaftsoperationen fungieren. So etwas wie eine einzige Global City gibt es nicht: die Global City ist definitionsgemäß Teil eines Netzwerks von Städten.“9
3. Wissenschaftshistorische Entwicklung der Global City-Forschung
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1 Drosdowski, Günther/Müller, Wolfgang/Scholze-Stubenrecht, Werner/Wermke, Matthias (Hrsg.): Duden. Fremdwörterbuch. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich 1990, S. 283.
2 Ebd., S. 149.
3 Vgl. Petz, Ursula von/Schmals, Klaus (Hrsg. 1992): Metropole, Weltstadt, Global City: Neue Formen der Urbanisierung. In: Dortmunder Beiträge zur Raumplanung, Band 60, S. 1.
4 Vgl. Kinder, Sebastian (2003): Singapur. Global Cities im System weltweiter Verflechtungen. In: Geographie und Schule, Band 25, Heft 141, S. 21.
5 Sassen, Saskia (2001a): Global City. Einführung in ein Konzept und seine Geschichte. In: Peripherie, Band 21, Heft 81/82, S. 11.
6 Kinder, Sebastian 2003, a. a. O., S. 19.
7 Vgl. Hoyler, Michael (2005): Transnationale Organisationsstrukturen, vernetzte Städte. Ein Ansatz zur Analyse der globalen Verflechtungen von Metropolregionen. In: Informationen zur Raumentwicklung. Heft 7, S. 431.
8 Vgl. Gerhard, Ulrike (2004): Global Cities. Anmerkungen zu einem aktuellen Forschungsfeld. In: Geographische Rundschau, Band 56, Heft 4, S. 4.
9 Sassen 2001a, a.a. O., S. 13.
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