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Autor: Sara Stöcklin
Fach: Philosophie - Philosophie des Mittelalters (ca. 500-1350)
Details
Institution/Hochschule: Universität Basel (Philosophisches Seminar)
Tags: Denkmuster, Universalienrealismus, Gottesbeweis, Anselms, Canterbury, Anselm, Canterbury
Jahr: 2006
Seiten: 21
Note: gut-sehr gut
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 142 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-58643-6
ISBN (Buch): 978-3-638-79360-5
Zusammenfassung / Abstract
Anselm von Canterbury hat um das Jahr 1080 in nur zwei Kapiteln seines Werkes „Proslogion“ einen Gottesbeweis aufgestellt, der Philosophiegeschichte geschrieben hat. Philosophen wie Décartes, Leibniz, Kant oder Hegel haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihn zu bestätigen oder zu widerlegen. In der folgenden Arbeit möchte ich den von Kant „ontologisch“ genannten Gottesbeweis Anselms rekonstruieren und in seiner Zeit und seinem theologischen Umfeld verorten. Dabei werde ich mich weniger mit der formal-logischen Struktur des Arguments auseinandersetzen, sondern die philosophischen, zeit- und umwelt-bedingten Denkmuster dahinter zu erkennen versuchen. Anselm, dessen Wirken vor allem die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts umfasste, lebte in einer Zeit, in der nach vielen Jahrhunderten relativ starrer Überlieferung theologischer Glaubensinhalte durch das Mönchstum wieder neue intellektuelle Impulse vom Klerus ausgingen. Er erlebte zwei der grössten theologischen Auseinandersetzungen des Mittelalters, den Investiturstreit und den Universalienstreit, und beteiligte sich aktiv an beiden Debatten. Während der Investiturstreit, bei dem es um den Anspruch von kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten auf die Amtseinsetzung von Geistlichen ging, eher das Handeln Anselms prägte, hatte der Universalienstreit, bei dem das Verhältnis zwischen allgemeinen Begriffen und der Wirklichkeit diskutiert wurde, starken Einfluss auf sein philosophisches Denken. Ob dieser Einfluss so stark war, dass er sich auch im Gottesbeweis niederschlug, soll Gegenstand der folgenden Untersuchung sein. Unumstritten ist, dass Anselm trotz seiner Originalität wie alle Denker ein Kind seiner Zeit war. Sein Umfeld und die aktuellen theologisch-philosophischen Diskurse, an denen er teilnahm, prägten sein Weltbild und waren immer Teil der bewussten oder unbewussten Prämissen seiner Argumentation. Es wird deshalb im ersten Teil der vorliegenden Arbeit auf Anselms Leben, Werk und Denken eingegangen, bevor der Gottesbeweis rekonstruiert wird, und im zweiten Teil das Grundproblem und die Positionen des Universalienstreits erläutert, welche Anselm prägten und welche er prägte. In einem dritten Teil wird versucht, die verschiedenen Puzzlesteine zusammenzufügen und die aus Anselms philosophisch-theologischer Disposition hervorgehenden Denkvoraussetzungen im ontologischen Gottesbeweis nachzuweisen.
Textauszug (computergeneriert)
Mittelseminararbeit
Denkmuster des Universalienrealismus im ontologischen Gottesbeweis Anselms von Canterbury
Sara Stöcklin-Kaldewey
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Anselm von Canterbury 2
2.1. Leben und Werk 2
2.2. War Anselm Theologe oder Philosoph? 3
2.3. Der Gottesbeweis in Proslogion II/III 5
3. Der Universalienstreit 9
3.1. Thema und Ursprung des Universalienstreits 9
3.2. Position des Realismus 12
3.3. Position des Nominalismus 13
4. Anselm als Unviersalienrealist 14
4.1. Anselms Haltung im Universalienstreit 14
4.2. Denkmuster des Realismus im Gottesbeweis 16
5. Schluss 18
Bibliographie 19
1. Einleitung
Anselm von Canterbury hat um das Jahr 1080 in nur zwei Kapiteln seines Werkes „Proslogion“ einen Gottesbeweis aufgestellt, der Philosophiegeschichte geschrieben hat. Philosophen wie Décartes1, Leibniz2, Kant3 oder Hegel4 haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihn zu bestätigen oder zu widerlegen. In der folgenden Arbeit möchte ich den von Kant „ontologisch“ genannten Gottesbeweis Anselms rekonstruieren und in seiner Zeit und seinem theologischen Umfeld verorten. Dabei werde ich mich weniger mit der formal-logischen Struktur des Arguments auseinandersetzen, sondern die philosophischen, zeit- und umweltbedingten Denkmuster dahinter zu erkennen versuchen.
Anselm, dessen Wirken vor allem die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts umfasste, lebte in einer Zeit, in der nach vielen Jahrhunderten relativ starrer Überlieferung theologischer Glaubensinhalte durch das Mönchstum wieder neue intellektuelle Impulse vom Klerus ausgingen. Er erlebte zwei der grössten theologischen Auseinandersetzungen des Mittelalters, den Investiturstreit und den Universalienstreit, und beteiligte sich aktiv an beiden Debatten. Während der Investiturstreit, bei dem es um den Anspruch von kirchlichen und weltlichen Obrigkeiten auf die Amtseinsetzung von Geistlichen ging, eher das Handeln Anselms prägte, hatte der Universalienstreit, bei dem das Verhältnis zwischen allgemeinen Begriffen und der Wirklichkeit diskutiert wurde, starken Einfluss auf sein philosophisches Denken. Ob dieser Einfluss so stark war, dass er sich auch im Gottesbeweis niederschlug, soll Gegenstand der folgenden Untersuchung sein.
Unumstritten ist, dass Anselm trotz seiner Originalität wie alle Denker ein Kind seiner Zeit war. Sein Umfeld und die aktuellen theologisch-philosophischen Diskurse, an denen er teilnahm, prägten sein Weltbild und waren immer Teil der bewussten oder unbewussten Prämissen seiner Argumentation. Ich werde deshalb im ersten Teil meiner Arbeit auf Anselms Leben, Werk und Denken eingehen, bevor ich den Gottesbeweis rekonstruiere, und mich im zweiten Teil mit dem Grundproblem und den Positionen des Universalienstreits auseinandersetzen, welche Anselm prägten und welche er prägte. In einem dritten Teil werde ich dann versuchen, die verschiedenen Puzzlesteine zusammenzufügen und die aus Anselms philosophisch-theologischer Disposition hervorgehenden Denkvoraussetzungen im ontologischen Gottesbeweis nachzuweisen.
[...]
1 Vgl. Henrich 1960, S. 10-22
2 Vgl. Henrich 1960, S. 45-55
3 Vgl. Henrich 1960, S. 137-188
4 Vgl. Henrich 1960, S. 189-218
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