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Versprecher - Klassifikation und Explikation

Termpaper, 2006, 19 Pages
Author: Ulf Thomassen
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Event: Deutsche Sprache der Gegenwart Teil 2
Institution/College: University of Potsdam
Tags: Versprecher, Klassifikation, Explikation, Deutsche, Sprache, Gegenwart, Teil
Category: Termpaper
Year: 2006
Pages: 19
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 8  Entries
Language: German
Archive No.: V67594
ISBN (E-book): 978-3-638-60014-9

File size: 91 KB
Notes :
Klassifikation und Explikation von Versprechern im Deutschen.



Excerpt (computer-generated)

Universität Potsdam

Versprecher - Klassifikation und Explikation

Ulf Thomassen

Berlin, den 29. August 2006

 

Gliederung

I. Einleitung 3

II. Systeme der Klassifikation von Versprechern 4

III. Systematische Beschreibung von Versprechern 8
1. Substitution 8
a) auf der Lautebene 8
b) auf der Silbenebene 9
c) auf der Wortebene 9
2. Elision 11
a) auf der Lautebene 11
b) auf der Silbenebene 11
c) auf der Wortebene 12
3. Addition 12
a) -auf der Lautebene 12
b) auf der Silbenebene 13
c) auf der Wortebene 13

IV. Bisher nicht erfasste Versprecherarten 15
1. Prosodische Versprecher 15
2. Grammatische Fehler 15
3. Verschiebung 16

V. Schlussbetrachtung 17

VI Literaturverzeichnis 18


I. Einleitung

Die Beschäftigung mit dem linguistischen Thema der Versprecher ist recht alt. Das erste bedeutende Werk zu diesem Thema ist im Jahre 1895 von Meringer & Mayer veröffentlicht worden. Viele ihrer Erkenntnisse finden auch heute noch Beachtung. Die Forschung zu Versprechern ist weiterhin aktuell und es sind auch in der Zukunft noch bahnbrechende Erkenntnisse zu erwarten.

Gleich zu Beginn der Versprecherforschung stand die Interdisziplinarität im Raum (Meringer war Sprachforscher, Mayer Psychologe). Eine strikte Trennung von Linguistik und Psychologie auf diesem Gebiet fällt, nicht nur daher, schwer. Dennoch liegt das Gewicht der vorliegenden Arbeit eindeutig auf dem linguistischen Gebiet.

Grundsätzlich geht es in dieser Arbeit um zwei Fragen:

1. Dass es verschiedene Arten von Versprechern gibt, liegt auf der Hand. Wie kann man diese sinnvoll ordnen, um einerseits möglichst viele verschiedene Arten von Versprechern zu erfassen, andererseits aber eine möglichst genaue Beschreibung des einzelnen Versprechers zu erreichen?

2. Welche konkreten Arten von Versprechern gibt es und in welcher Systematik kann man sie darstellen?

Zur ersten Frage wird zunächst dargelegt, welche Methoden bisher verwendet wurden um Kategoriensysteme zu erstellen. Die Ergebnisse fließen dann in einen zweiten Teil der Arbeit ein, indem der Autor verschiedene Versprecher (z.T. mit selbst gesammelten Beispielen) im Rahmen eines eigenen Systems darstellt. In einem dritten Teil folgen dann noch Ergänzungen und schließlich in einem vierten ein kurzer Ausblick auf mögliche weitere Arbeit am Thema.

II. Systeme der Klassifikation von Versprechern

Um eine Anzahl verschiedener Objekte darzustellen muss man sie klassifizieren. Das heißt gleiches zusammenfassen und von anderem trennen. So ergibt sich bei der Betrachtung von Versprechern bereits zu Beginn die Frage, wie man sie denn ordnen sollte. Soll gar ein Corpus mit Beispielen geschaffen werden, wird diese Frage dringlich, damit das Auffinden des richtigen Beispiels nicht zur sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen wird. Auch für die vorliegende Arbeit stellte sich schnell die Frage nach der ‚richtigen Ordnung’. So ist es sicher sinnvoll, an den Anfang der Überlegungen einen Überblick über bisherige Klassifikationssysteme zu stellen und diese kritisch zu hinterfragen.

Meringer & Mayer klassifizieren, in jenem 1895 erschienenen ersten wissenschaftlichen Buch über Versprecher, diese in sechs Kategorien1 :

1. Vertauschungen und Umstellungen 4. Contaminationen
2. Vorklänge, Anticipationen 5. Substitutionen
3. Nachklänge, Postpositionen 6. Seltene Erscheinungen

Sie sind also rein an der Erklärung bzw. der Interpretation dessen, wie die behandelten Versprecher zustande gekommen sind, orientiert.
Diese Klassifikation ist bis heute maßgeblich und findet auch in neueren Arbeiten immer wieder Erwähnung. So richtet Leuninger ihre Ausführungen im Wesentlichen nach dieser Klassifikation aus.2

Fraglich ist, ob man Versprecher nach ihrer Erklärung, also Interpretation ordnen sollte. Schließlich ist es grundsätzlich möglich, bestimmte Versprecher unterschiedlichen Interpretationen zuzuordnen. So eignet sich dieses System sicher für eine explikative (erklärungsorientierte) Darstellung von Versprecherarten wie Meringer & Mayer dies tun, nicht aber z.B. für eine systematische Sammlung.

Boomer & Laver gehen einen anderen Weg. Sie teilen Versprecher in drei Arten ein: veränderte Reihenfolge, Auslassung und Ersetzung. Davon können wiederum drei Größeneinheiten betroffen sein: Segment, Morphem und Wort. Daraus konstruieren sie eine 3x3-Matrix, aus der jeweiligen Kombination ergibt sich die Beschreibung des Versprechers:

  Misordering Omission Replacement
Segment SM SO SR
Morpheme MM MO MR
Word WM WO WR

So kann man Versprecher als segmentale Ersetzung (SR), Morphemauslassung (MO), usw. beschreiben.3

Für eine genauere Analyse können dann noch Unterkategorien erstellt werden. Sie beschreiben das am Beispiel des SR, wobei es die einfache Ersetzung gibt (SR), eine Ersetzung mit Augmentation (d.h. Vergrößerung): Der Versprecher hat mehr Segmente als das intendierte Wort (SR[A]); oder eine Ersetzung mit Reduktion: Der Versprecher hat weniger Segmente als das intendierte Wort (SR[R]).4

Der große Vorteil gegenüber Meringer & Mayer besteht darin, dass man nun eine systematische Klassifikation vornehmen kann, die unmittelbar auf die empirischen Daten aufbaut. So ist dieses System sozusagen die Umkehrung des älteren Systems, indem es zunächst nur beschreibt und von hier erst zur Erklärung schreitet. Problematisch ist nur das enge Raster, das einige Versprecherarten nicht aufnehmen kann (z.B. ist das Hinzufügen von Elementen, ohne dass sie ein anderes ersetzen schwer unterzubringen) und die Tatsache, dass dieses System geschlossen ist, neuere Ergebnisse aus der Forschung nicht in Form von Erweiterungen einbezogen werden können.

[...]


1 Vgl. Meringer und Mayer 1895 zit. nach Dilger, Stefan 2000: Arbeitsgedächtnis und Versprecher. Inauguraldissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn.
http://hss.ulb.uni-bonn.de:90/ulb_bonn/diss_online/phil_fak/2000/dilger_stefan/0142.pdf 29.08.2006 S. 50

2 Vgl. Leuninger, Helen 1993: Reden ist Schweigen, Silber ist Gold. Gesammelte Versprecher. München: dtv. 3. Aufl. 1998

3 Vgl. Boomer, D. S.; Laver, J. D. M. 1968: Slips of the Tongue. In: Fromkin, Victoria (ed.) 1973: Speech Errors as Linguistic Evidence. The Hague: Mouton S. 123

4 Vgl. ebd. S. 124


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