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Hausarbeit, 2005, 18 Seiten
Autor: Fabian Elias Gebauer
Fach: Geschichte - Nationalsozialismus, II. Weltkrieg
Details
Institution/Hochschule: Universität zu Köln (Historisches Seminar)
Tags: Angestellte, Nationalsozialismus, Angestellte, Weimarer, Republik, NSDAP, Machtergreifung, Reichstagswahlen
Jahr: 2005
Seiten: 18
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 24 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-60405-5
ISBN (Buch): 978-3-638-77393-5
Dateigröße: 270 KB
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Zusammenfassung / Abstract
[Aus der Einleitung] [...] Die folgende Arbeit hat vor allem das Ziel, eine Überblicksdarstellung zu sein. Beginnen wird sie mit einer (groben) soziokulturellen Analyse der Angestellten, welche sowohl Entwicklung als auch Organisation, Kultur etc. umfasst – alles unter dem Blickpunkt der Fragestellung: Haben die Angestellten überdurchschnittlich die NSDAP gewählt? Dabei werden mögliche Gründe für eine rechte Wahlentscheidung vorgestellt. Diese Gründe werden zu der oben genannten These, also der Affinität des neuen Mittelstandes zur NSDAP, führen – welche (neben vielen anderen Wissenschaftlern) v.a. von Jürgen Kocka, Hans Speier, Michael Prinz und Emil Lederer gestützt/entwickelt/belegt wurde – und die im folgenden die „Konsensus“-These genannt werden soll. Nach Vorstellung der Konsensus-These wendet sich die Arbeit der wissenschaftlichen Kritik an ihr durch Hamilton, Falter und Kater zu. Diese Autoren stellen zwar keine eigene Theorie auf – doch können sie die These widerlegen und schaffen damit das Fundament für weitere wissenschaftliche Forschung. Wegen der Komplexität der Analysemethoden, v.a. von Falter, liegt hier die Beschränkung größtenteils auf einer reinen Ergebnisvorstellung. Die Hauptproblematik ist jedoch das generelle Problem bei der Handhabung von Statistiken in puncto ihrer Aussagekraft inklusive der Vorstellung, dass Statistiken Objektivität böten. Da Aussagen von Personen immer Meinungen beinhalten, werden Statistiken oft bei Analysen als ‚objektive‘ Zahlen angesehen, welche aufgrund ihrer ‚Entpersonalisierung‘ von subjektiven Einflüssen und Ansichten befreit scheinen und somit rein objektiv darstellen. Doch muss jede Zahl mit Hilfe einer als Satz verfassten Aussage in einen Kontext gesetzt werden, denn erst dadurch bekommt die Zahl eine Bedeutung. Diese generelle Problematik bei der Nutzung von statistischen Ergebnissen ist nicht zu vergessen. Im Fazit werden die Ergebnisse zusammengefasst. Aus diesen ergeben sich verschiedene Fragestellungen, deren wichtigste samt spekulativen Antworten vorgestellt werden. [...]
Textauszug (computergeneriert)
Universität zu Köln, Historisches Seminar
Betrachtungen über das politische Verhalten der Angestellten am Ende der Weimarer Republik
1. Semester, Köln, den 14.03.2007
Angestellte und der Nationalsozialismus
von: Fabian Elias Gebauer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Die Angestellten und ihr Wahlverhalten am Ende der Weimarer Republik 5
2.1 Die Angestellten – eine soziokulturelle Analyse 5
2.2 Die Konsensus-These 7
2.3 Die Widerlegung der These 11
3 Fazit 13
4 Bibliographie 15
4.1 Quellenverzeichnis 15
4.2 Literaturverzeichnis 15
5 Anhang 17
1 Einleitung
Der Aufstieg der NSDAP am Ende der Weimarer Republik war für viele demokratisch denkende Wähler verwirrend und schockierend zugleich. Dümpelte die antisemitische und antisozialistische Partei 1928 noch bei 2,6% und 12 Reichstagsabgeordneten in politisch unbedeutenden Gewässern, so verzehnfachte sie ihren Stimmenanteil bei der Wahl 1930 auf 18% (107 Abgeordnete) und wurde damit zweitstärkste Partei im Reichstag – ein bis heute einmaliger Sprung in der deutschen Wahlgeschichte.1 Der Sog dieser neuen Massenpartei steigerte sich weiter – mit Ausnahme der Novemberwahl 19322 – und gipfelte in 43,9% im März 1933, den letzten freien Wahlen der Weimarer Republik.
Viele damalige Zeitgenossen waren von dem Rechtsruck überrascht, doch der Sprung von einer der kleinsten Parteien im Reichstag (1928) zur zweitgrößten (1930) war durch die Landtags- und Kommunalwahlerfolge zwischen den beiden Reichtstagswahlen in beschränktem Maße abzusehen gewesen.3 Dessen ungeachtet suchte man schon damals nach Erklärungen für diese Erfolge. Die bekannteste und gängigste Deutung steckt schon in der Überschrift eines Aufsatzes, der 1930 (nach dem Erfolg der NSDAP) von Theodor Geiger geschrieben wurde: „Panik im Mittelstand“4 wurde als Grund für den Machtzuwachs von Hitlers Partei ausgemacht. D.h. dass die Mittelschichten, worunter auch die Angestellten als ‚neue Mittelschicht‘ 5 zählen, überdurchschnittlich häufig Hitler gewählt und somit maßgeblich zum Scheitern der Republik beigetragen haben. Diese Schlussfolgerung, die nach dem II. Weltkrieg von Wissenschaftlern belegt wurde, errang in der öffentlichen Wahrnehmung den Platz von Allgemeinwissen über die Nazis.6
Diese These/Vorstellung war – sieht man von einiger Kritik ab – bis Ende der Siebziger Jahre des 20. Jahrhunderts in der Wissenschaft fest verankert.7 Erst als Richard Hamilton in einem Aufsatz, Jürgen W. Falter durch ein großes Gemeinschaftsprojekt zur Wählerbasis der NSDAP und Michael Kater bei einer Studie zur Mitgliedschaft der NSDAP zu deutlich anderen Ergebnissen kamen, rückte eine Änderung, gar eine Revision näher.8 Diese Studien veränderten den Blick auf die Mittelstandsthese und führten zu einer Hinterfragung bisheriger wissenschaftlicher Antworten – beispielsweise durch Fragestellungen, ob es wirklich eine Proletarisierungskrise gab. Dank der neuen Methoden der Wahlanalyse ergeben sich jedoch auch völlig neue, bisher nicht gestellte Fragen für den Historiker – mehr dazu im Fazit. Die folgende Arbeit hat vor allem das Ziel, eine Überblicksdarstellung zu sein. Beginnen wird sie mit einer (groben) soziokulturellen Analyse der Angestellten, welche sowohl Entwicklung als auch Organisation, Kultur etc. umfasst – alles unter dem Blickpunkt der Fragestellung: Haben die Angestellten überdurchschnittlich die NSDAP gewählt? Dabei werden mögliche Gründe für eine rechte Wahlentscheidung vorgestellt.
Diese Gründe werden zu der oben genannten These, also der Affinität des neuen Mittelstandes zur NSDAP, führen – welche (neben vielen anderen Wissenschaftlern) v.a. von Jürgen Kocka, Hans Speier, Michael Prinz und Emil Lederer gestützt/entwickelt/belegt wurde – und die im folgenden die „Konsensus“-These9 genannt werden soll. Nach Vorstellung der Konsensus-These wendet sich die Arbeit der wissenschaftlichen Kritik an ihr durch Hamilton, Falter und Kater zu. Diese Autoren stellen zwar keine eigene Theorie auf – doch können sie die These widerlegen und schaffen damit das Fundament für weitere wissenschaftliche Forschung. Wegen der Komplexität der Analysemethoden, v.a. von Falter, liegt hier die Beschränkung größtenteils auf einer reinen Ergebnisvorstellung.
Meine fehlenden Kenntnisse in der Statistik erlauben mir leider kein genaues Beurteilen der Richtigkeit der analytischen Denkprozesse von Falter und so fehlt auch die Möglichkeit, die alten Statistikmethoden mit den modernen unabhängig zu vergleichen. Die Hauptproblematik ist jedoch das generelle Problem bei der Handhabung von Statistiken in puncto ihrer Aussagekraft inklusive der Vorstellung, dass Statistiken Objektivität böten. Da Aussagen von Personen immer Meinungen beinhalten, werden Statistiken oft bei Analysen als ‚objektive‘ Zahlen angesehen, welche aufgrund ihrer ‚Entpersonalisierung‘ von subjektiven Einflüssen und Ansichten befreit scheinen und somit rein objektiv darstellen. Doch muss jede Zahl – wie im schulischen Mathematik-Unterricht – mit Hilfe einer als Satz verfassten Aussage in einen Kontext gesetzt werden, denn erst dadurch bekommt die Zahl eine Bedeutung. Diese generelle Problematik bei der Nutzung von statistischen Ergebnissen ist nicht zu vergessen.
[...]
1 Diese und weitere in der Einleitung genannte Zahlen zu den Reichstagswahlen sind folgendem Werk entnommen: JÄGER, Wolfgang u.a.: Kursbuch Geschichte – Berlin/Brandenburg. Berlin 2001, S. 408.
2 Hier sank der NSDAP- Anteil um 4,1% auf 33,1% (196 Abg.).
3 Vgl. hierzu den Aufsatz von Jürgen W. Falter, der klar schreibt: „Eine deutliche Zunahme der NSDAPStimmen ist praktisch [seit 1928] von Wahl zu Wahl [bei Landtags- und Kommunalwahlen] zu erkennen.“ FALTER, Jürgen W.: Die Wahlen des Jahres 1932/33 und der Aufstieg totalitärer Parteien. In: Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit (Hrsg.): Die Weimarer Republik. Das Ende der Demokratie. Band 3: 1929-1933. München 1995, S. 272.
4 GEIGER, Theodor: Panik im Mittelstand. In: Die Arbeit, 7, 1930, Heft 1, S. 637-654. Zitiert nach: FALTER: Die Wahlen des Jahres 1932/33 und der Aufstieg totalitärer Parteien, S. 308.
5 Mehr zum Begriff der neuen Mittelschicht im Kapitel „Die Angestellten – eine soziokulturelle Analyse“ S. 5 f..
6 Eine Übersicht der verschiedenen Werke, die diese These stützen, sind in Anmerkung 26 zu finden.
7 Vgl. PRINZ, Michael: Etappen historischer Angestelltenforschung in Deutschland 1900-1960. In: Arbeiter – Angestellter. Begriffe der Vergangenheit? Dokumentation einer Tagung – 30.05. bis 01.06.1994 (= Geschichte und Zukunft der industriellen Arbeit. Band 5). Marburg 1995, S. 11-23.
8 Eine Übersicht über verschiedene Werke, welche die Kritik stützen, sind in Anmerkung 44zu finden.
9 R. Hamilton hat die vorherrschende Meinung als eine „Konsensus-Position“ (HAMILTON, Richard: Die soziale Basis des Nationalsozialismus. Eine kritische Betrachtung. Übersetzung von Heidrun Homburg. In: Jürgen KOCKA (Hg.), Angestellte im europäischen Vergleich. Die Herausbildung angestellter Mittelschichten seit dem späten 19. Jahrhundert. Göttingen 1981, S. 355 [Princeton 1982]) bezeichnet, da die These „eher auf übereinstimmenden Meinungen als auf überprüfbaren Tatsachen beruht“ (ebd., S. 355), auch wenn dies äußerst wertend ist, übernehme ich diese Bezeichnung, da sie m.E. sehr zutreffend ist.
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