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Nachhaltige Kulturförderung jenseits des Staates: Unternehmensnahe Kulturstiftungen

Diploma Thesis, 2006, 91 Pages
Author: Annika Poloczek
Subject: Economics / Business: Marketing, Corporate Communication, CRM, Market Research

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2006
Pages: 91
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 99  Entries
Language: German
Archive No.: V67618
ISBN (E-book): 978-3-638-58658-0

File size: 396 KB
Notes :
Die Arbeit wurde am Lehrstuhl für Volkskunde und Europäische Ethnologie eingereicht und besteht aus wirtschaftswissenschaftlichen und kulturwissenschaftlichen Teilen



Excerpt (computer-generated)

Universität Passau
Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/ Volkskunde
Studiengang: Sprachen-, Wirtschafts- und Kulturraumstudien

Nachhaltige Kulturförderung jenseits des Staates:
Unternehmensnahe Kulturstiftungen

Diplomarbeit

vorgelegt von: Annika Poloczek
vorgelegt im: SS 2006

 

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis ... IV
Abkürzungsverzeichnis ... V

1 Einleitung ... 1

2 Notwendigkeit und Möglichkeiten der Kulturförderung in Deutschland ... 2
2.1 Kultur: eine Begriffsbestimmung ... 2
2.2 Kulturförderung: eine Begriffsbestimmung ... 5
2.3 Notwendigkeit der Kulturförderung in Deutschland ... 9
2.4 Möglichkeiten der Kulturförderung in Deutschland ... 12
2.4.1 Durch den Staat ... 12
2.4.2 Durch privates Mäzenatentum ... 16
2.4.3 Durch die Wirtschaft ... 19
2.5 Zwischenergebnis ... 23

3 Unternehmensnahe Kulturstiftungen ... 24
3.1 Motive kulturellen Engagements durch Unternehmen ... 24
3.1.1 Gesellschaftsorientierung in der Unternehmensführung ... 31
3.2 Die Stiftung ... 35
3.2.1 Die Institution der Stiftung ... 35
3.2.2 Geschichtliche Einordnung ... 40
3.2.3 Zur Bedeutung von Stiftungen ... 41
3.2.4 Zur Funktion von Stiftungen ... 44
3.3 Die Unternehmensnahe Stiftung: eine Begriffsbestimmung ... 47
3.4 Chancen der Kulturförderung durch unternehmensnahe Kulturstiftungen ... 49
3.4.1 Für das Unternehmen ... 50
3.4.2 Für den Kultursektor ... 52
3.4.3 Für die Gesellschaft ... 55
3.5 Probleme und Grenzen der Kulturförderung durch unternehmensnahe Kulturstiftungen ... 57
3.5.1 Für das Unternehmen und die Stiftung ... 57
3.5.2 Für den Kultursektor ... 60
3.5.3 Für die Gesellschaft ... 62
3.6 Die unternehmensnahe Kulturstiftung: Ein Beispiel aus der Praxis ... 63
3.6.1 Die Deutsche Bank Stiftung ... 64
3.7 Kultur versus Wirtschaft? Zur aktuellen Entwicklung der Stiftungslandschaft ... 67

4 Ausblick ... 71

Literaturverzeichnis ... 76
Verzeichnis der befragten Personen ... 86
Verzeichnis der Internetquellen ... 87
 

1 Einleitung

Traditionell liegt in der Bundesrepublik Deutschland die Kulturförderung in der Hand des Staates. Gegenwärtig wird jedoch das Für und Wider alternativer Geldgeber diskutiert, die den Staat aus seiner alleinigen Verantwortung ablösen sollen. In diesem Zusammenhang wird auch die Rolle der Wirtschaft wegen ihres finanziellen Potenzials bei der Kulturfinanzierung berücksichtigt. Denn zunehmend engagieren sich Unternehmen im kulturellen Bereich. Professionalisiert wird die Kulturförderung dabei immer häufiger durch die Gründung einer eigenen Stiftung.

Die vorliegende Arbeit soll eine Antwort auf die Frage liefern, ob die Wirtschaft durch unternehmensnahe Stiftungen einen nachhaltigen Beitrag zur Kulturförderung Deutschlands leisten kann. Dafür müssen zunächst das Untersuchungsgebiet eingegrenzt und die wichtigsten Begriffe definiert und diskutiert werden, allen voran der Kulturbegriff. Erst über das Verständnis des Kulturbegriffs nämlich lässt sich die Problematik der Kulturförderung erkennen. Darüber hinaus stellt sich die grundlegende Frage, ob die Kultur der Bundesrepublik überhaupt der Förderung bedarf und wenn ja, warum. Welche Personen, ob natürlich oder juristisch, spielen in diesem Zusammenhang maßgebliche Rollen? Und welche Motive verleiten Unternehmen dazu, Kulturförderung betreiben zu wollen?

Da die profitorientierte Wirtschaft und die gemeinwohlorientierte Kultur auf den ersten Blick keine Gemeinsamkeiten zu haben scheinen, wird von Seiten der Kulturschaffenden und auch der Gesellschaft privatwirtschaftliches Kulturengagement als kritisch beurteilt. Deswegen stellt sich die Frage, ob Wirtschaft und Kultur tatsächlich eine Kooperation eingehen können. Ihre Beantwortung soll in einer abschließenden Bewertung die Untersuchungen stützen. Denn erst wenn diese Frage bejaht werden kann, kann die Sinnhaftigkeit der unternehmensnahen Stiftung als einer nachhaltig fördernden, gemeinwohlorientierten Institution Bestätigung finden. Darüber hinaus muss im Rückschluss auf die Umverteilung der Rollen bei der Kulturförderung des Landes in Frage gestellt werden, ob neue Förderformen den traditionellen Fördermethoden des Staates entsprechen sollten, oder ob sich der Umorientierung auch eine Umgestaltung bei der Finanzierung und den Inhalten der geförderten Projekte anschließen kann.

Praxisbezogene Beispiele kulturell engagierter Unternehmen und unternehmensnaher Kulturstiftungen sollen der Fundierung der Untersuchungen dienen. Bearbeitet werden nicht nur die Fachliteratur, sondern auch Publikationen und Broschüren, herausgegeben von den Stiftungen selbst. Zwar existiert eine Fülle an Literatur über die allgemeine Form der Stiftung. Die Arbeit unternehmensnaher Stiftungen wurde im Gegensatz dazu jedoch bisher nur spärlich wissenschaftlich beleuchtet. Das lässt darauf schließen, dass diese Stiftungsform erst in jüngerer Zeit an Aktualität gewann. Da die eigenen Broschüren unternehmensnaher Stiftungen als Informationsquelle eine vergleichbar unkritische Position repräsentieren, stellen Zeitungsartikel eine objektivere Quelle für eine differenziertere Auseinandersetzung dar. Mit Hilfe der ifo-Studien zu Kultur und Wirtschaft1 wird überdies ein zahlenmäßiger Einblick in Art und Umfang privatwirtschaftlicher Kulturfinanzierung und in die Motivlage der Unternehmen, Kulturförderung betreiben zu wollen, gewonnen.
 

2 Notwendigkeit und Möglichkeiten der Kulturförderung in Deutschland

Um über das kulturelle System Deutschlands, explizit über seine Finanzierungsund Fördermethoden, sprechen zu können, muss zunächst der Begriff der Kultur auf den Verständnisbereich der Arbeit hin definiert werden. Anschließend gilt es unter Abgrenzung des Begriffs des Sponsorings darzulegen, was unter Kulturförderung im Allgemeinen zu verstehen ist und warum Kulturförderung in Deutschland als notwendig und sogar als selbstverständlich angesehen wird. Unter Berücksichtigung der aktuellen Entwicklungen bei der Finanzierung des Kultursektors sollen in drei Abschnitten die verschiedenen Fördermöglichkeiten durch den Staat, die Bürger und die Wirtschaft aufgezeigt werden.
 

2.1 Kultur: eine Begriffsbestimmung

Nach Gerndt ist Kultur „das Menschenwerk schlechthin“2, also wertfrei gesehen alles menschliche Denken und Handeln im Kontext der alltäglichen Lebensführung. Die Kulturwissenschaften haben es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Werk zu erforschen und zu verstehen. Das Reflektieren und Transzendieren von Kultur ist dagegen die Aufgabe der Kunst.3

[...]


1 Vgl. Hummel (1995).

2 Gerndt (2002), S. 207.

3 Vgl. ders. (2002), S. 207.


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