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Der Sieg Otto des Grossen auf dem Lechfeld 955 - ein Wendepunkt mit Bedeutung

Autor: Johannes Schulz
Fach: Geschichte - Mittelalter, Frühe Neuzeit

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Details

Veranstaltung: Proseminar: Die Ottonen
Institution/Hochschule: Technische Universität Dresden (Institut für Geschichte)
Tags: Sieg, Otto, Grossen, Lechfeld, Wendepunkt, Bedeutung, Proseminar, Ottonen
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 19
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 14  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 155 KB
Archivnummer: V67655
ISBN (E-Book): 978-3-638-60442-0
ISBN (Buch): 978-3-638-82701-0
Anmerkungen :
Quelle ist Widukind von Corvey 13 Literaturangaben

Zusammenfassung / Abstract

Die Vorliegende Arbeit betrachtet die Schlacht gegen die Ungarn im Mittelpunkt und zeigt die differenzierten Folgen für Otto den Grossen, das Reich und die Ungarn. Indem ausführlich die Zeit vor 955 mit allen in- und externen Schwierigkeiten in der Politik Ottos betrachtet wurde, steht die Schlacht auf dem Lechfeld unter besonderer Einbeziehung der Quelle Widukind von Korvei als Zentraler Wendepunkt in Ottos Historie. Es wird auf die zeitgenössische religiöse Außenwirkung eingegangen, und ob daraus ein späteres Kaisertum erst möglich wurde. Ebenso ergaben sich Folgen für das Reich, dem in dieser Zeit ein Grundstein gelegt wurde, auf welchem bis zu Napoleon aufgebaut werden konnte. Ebenso ergab sich für die Ungarn ein vollkommener Bruch der in einer Selbstfindungsphase und schließlich in der Kultivierung jener schloss. Alles in allem ist Ottos Beiname „der Grosse“ auch auf dieses große Ereignis zurückzuführen, welches Vieles in Ottos Plänen leichter bzw. erst möglich gemacht hat.

Textauszug (computergeneriert)

Technische Universität Dresden, Institut für Geschichte
Philosophische Fakultät, LS Mittelalterliche Geschichte
Sommersemester 2006, 2. Semester
Proseminar: Die Ottonen, 10.10.06

Der Sieg Otto des Grossen auf dem Lechfeld 955 –
ein Wendepunkt mit Bedeutung

von: Johannes Schulz

 


Inhaltsverzeichnis

I Einleitung 3

II Die Situation im Reich am Vorabend des letzten Ungarneinfalls 5

1. Ottos Selbstverständnis
2. Herrschaftspraxis und inneren Krisen bereiten den Weg

III Die Schlacht auf dem Lechfeld am 10.08. 955 9

1. Riade ist vergessen - „gefürchtete“ militärische Überlegenheit der Heiden
2. Gott hilft und Widukind ist begeistert - Die Deutung und Interpretation der Ereignisse in den zeitgenössischen Quellen und heute

IV Otto I. schrieb seine Geschichte um – ein historischer Wendepunkt?  14

1. Religiöser Geltungsgewinn. Die Christianisierung konnte beginnen.
2. Befreiung vom Druck aus dem Osten. Eine neue Zeit bricht an.
3. Der Ungarnsieg und die Kaiserkrone

V Zusammenfassung und Einschätzung  18

VI Quellen- und Literaturverzeichnis 19

 

 

I. Einleitung

Etwa 10 km südlich von Augsburg zwischen den Flüssen Lech und Wertach befindet sich eine Heidelandschaft, die heute ein Militärflugplatz ziert. Gemeint ist das Lechfeld, welches als Schlachtfeld und Lagerplatz Eingang in die Geschichtsschreibung gefunden hat. Es ist der Schauplatz, wo sich am 10. August des Jahres 955 das Heer der Ungarn und das unter Führung Otto des Grossen befindliche, aus vielen Teilen des Reiches bestehende Heer gegenüberstanden.1 Otto entschied die Schlacht für sich und setzte damit unbestritten einen Meilenstein, der seinem weiteren Wirken nicht unwesentlich Vorschub geleistet hat.2 „Ottos innenpolitische Lage wurde wie nie zuvor gesichert“3 und er gerät in eine Situation höchsten Gottesgnadentums wenn nicht sogar in eine Ausgangsbedingung zum Empfang der Kaiserkrone 9624.
Der ungünstige Stern, unter dem Ottos Politik und damit auch der militärische Erfolg stand und in welcher Weise sich die Kunde des Sieges als nützlicher Helfer erwies, werden u. a. im Zentrum meiner Betrachtungen stehen.
Bemerkenswert ist, dass dieser Entscheidung auch schon von Zeitgenossen eine höhere Beachtung zufiel als anderen Schlachten und Fehden, bildete doch „die Kriegerische Betätigung eines der Hauptfelder des Herrschertums“5. Dies wird deutlich, indem Chroniken und Annalen, die sonst nur in knappster Art berichten, durch den Zusatz „mit Gottes Hilfe“ eine beispiellose Verbindung eines Herrschers mit Gott herstellen, und Geschichtsschreiber wie Widukind von Korvei einen Stil entwickelten, der eine mythologisch religiöse Bildhaftigkeit erzeugt, wie schon Otto selbst die Kunde seines Sieges „durch das Walten der Kraft Gottes bewirkt“6 sah und ein neues Selbstverständnis seiner Herrschaft verbreitete. Der Korveier Mönch Widukind bietet mit seinem Hauptwerk, der Sachsengeschichte, eine Umfassende zeitgenössische Darstellung für die Regierung Ottos I. und ist neben dem Bischof Ulrich von Augsburg einer der beiden Hauptquellen zur Lechfeldschlacht 955. Er konnte, wie er selbst berichtet nur strictim et per partes7 wiedergeben, er selektierte sozusagen das, was er für besonders wichtig empfand: Die Kämpfe gegen die Ungarn 933 und 9558 nehmen einen beträchtlichen Teil in Der Sachsengeschichte ein und dominieren nicht nur in Quantität sondern enthalten auch Hinweise auf das Alte Testament und andere „parallele“ Begebenheiten.

Ist Widukind auch nicht allein geeignet, um den Hergang des Ereignisses vollständig zu rekonstruieren9, so lässt sich doch nachvollziehen, wie die Ereignisse auf Widukinds Umfeld gewirkt haben, denn er bezog sein Wissen hauptsächlich aus mündlichen Berichten der oberen Kreise und von diversen Viten.10

Für die zeitgenössische Bedeutung der Schlacht schätze ich die Quelle Widukind sehr wertvoll ein, weil er und viele andere für die Gegenwart und Zukunft schrieben11. Man sollte bedenken, Widukinds Informationen stammen aus einem Milieu, in dem sich die Lechfeldschlacht und ihre Wertung schon manifestiert hat und über die die Grossen bzw. das Umfeld Ottos schon im Konsens stand. Aus diesem Zusammenhang ist zu erwarten, dass Widukind in seinem Werk bereits vom königlichen Umfeld akzeptierte „Tatsachen“ für die Nachwelt festhält und preist.12 Es war schließlich davon auszugehen, dass die Schrift, wenn auch Mathilde gewidmet13, von Otto gelesen werden würde. So ist auch zu beantworten, auf welche Weise die Quelle zum Verständnis des Ottonischen Königtums beiträgt und ob mit dem Ungarnsieg eine neue Zeit anbricht.14

II. Die Situation im Reich am Vorabend des letzten Ungarneinfalls

1. Ottos Selbstverständnis

936 ging mit dem Tod Heinrich d. I. auch eine Herrschaftsphilosophie, die sich am besten mit den Worten „primus inter pares“15 beschreiben lässt, zu ende. Schon bei seiner Krönung verzichtete Heinrich auf die Salbung, also die sakrale Legitimierung seiner Macht und praktizierte auch eine auf gegenseitigem Konsens und Gleichberechtigung mit den Grossen beruhenden Herrschaftsform. Der Adel genoss, wenn man so will, ein Verhältnis der amicitia und des Königs Funktion verwirklichte sich darin, unterschiedliche Interessen von Gruppierungen im Reich auszutarieren um den Frieden aufrecht zu erhalten. Dies geschah nach gültiger und allgemein anerkannter Gewohnheit durch Gesten und Riten wie der clementia. Nun stellten Rituale in der Zeit der Ottonen ein wesentliches Element der Sichtbarmachung von Ranggefügen und Beziehungen in der adeligen Welt dar.

[...]


1 G. ALTHOFF S. 106

2 ebd. 107

3 J.K.KUNDERT S. 77

4 G.ALTHOFF S. 109

5 Hierzu auch ein Verweis auf die 3 Ständelehre des Mittelalterlichen Gesellschaft: Jeweils ein Teil der 3 Stände leistet den anderen in Gebet, Kampf oder Arbeit einen Dienst. Demnach waren Fehden und Kampfeshandlungen durchaus nicht unüblich, vergl. dazu SPRINGER 199

6 L. WEINRICH S. 297

7 Widukind v. Corvey S. 17 (Vorrede)

8 H. KELLER, Machabaerorum pugnae. S. 417

9 So ist Widukind z.B. nicht über die Belagerung von Augsburg vor der eigentlichen Schlacht auf dem Lechfeld informiert. Widukind gibt hier eine Genauigkeit des Ablaufes vor, die zwar wahrscheinlich von einem Augenzeuge stammen muss, jedoch auf tieferen Einblick in die Taktik und die geographischen Gegebenheiten kein Wissen hat. Beiträge werden zeitlich aus dem Zusammenhang gerissen und sind nicht vollständig. siehe dazu B: EBERL.........

10 J.K.KUNDERT S. 78

11 H. KELLER, Ottonische Königsherrschaft. S. 101

12 ebd. S. 99

13 Widukind v. Corvey S. 17 (Vorrede)

14 M. SPRINGER S. 199

15 G. HARRTMANN S. 125

Kommentare

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