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Autor: Andreas Fischer
Fach: Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Details
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Philosophie)
Tags: Emile, Rolle, Leibesübungen, Erziehungskonzept, Rousseaus, Rousseau, Erziehung, Bürger
Jahr: 2007
Seiten: 22
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 12 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 178 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60446-8
ISBN (Buch): 978-3-638-67223-8
Zusammenfassung / Abstract
„Dies ist das große Geheimnis der Erziehung, es so einzurichten, dass körperliche und geistige Übungen einander gegenseitig zur Entspannung dienen.“ Diese Aussage und die Überlegung, dass körperliche Erfahrungen die Ausbildung der Sinne und schließlich der Vernunft begründen und fördern, können Rousseaus Erziehungsphilosophie hinsichtlich der Rolle der Leibesübungen grob zusammenfassen. Rousseau wurde 1712 in Genf geboren, er starb 1778 in Ermenonville (Frankreich). 1762 veröffentlichte er seinen Erziehungsroman ‚Emile’ eines der einflussreichsten pädagogischen Werke überhaupt. Als Vertreter der Aufklärung wandte er sich in ‚Emile’ bewusst gegen die Normen und (erzieherischen) Methoden seiner Zeit. Diese Arbeit befasst sich mit Jean Jacques Rousseaus ‚Emile’ und hat zum Ziel die Rolle der körperlichen Übungen in seiner Erziehungsphilosophie herauszuarbeiten. Weiterhin sollen Einflüsse auf Rousseau einerseits sowie die Einflüsse des ‚Emile’ auf philosophisch-pädagogische Strömungen andererseits beleuchtet werden.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig, Philosophie – Magister Nebenfach
Hauptseminar: Rousseau – Erziehung zum Bürger
Wintersemester 2006/2007
‚Emile’ – Die Rolle der Leibesübungen im
Erziehungskonzept Rousseaus
von: Andreas Fischer
Inhalt
1. Einführung 2
2. Die Rolle der Leibesübungen im Erziehungskonzept Rousseaus 3
2.1. Drei Typen der Leibeserziehung 5
3. Einflüsse auf Rousseaus Gedanken zur Erziehung
3.1. John Locke 11
3.2. Johann Gottlob Krüger 15
4. Der Einfluss Rousseaus auf spätere geistige Strömungen
4.1. Die Philanthropen 16
4.2. Johann Christoph Friedrich Guthsmuths 17
5. Zusammenfassung 20
6. Literatur und Quellen 21
1. Einführung
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Jean Jacques Rousseaus ‚Emile’ und hat zum Ziel die Rolle der körperlichen Übungen in seiner Erziehungsphilosophie herauszuarbeiten. Weiterhin sollen Einflüsse auf Rousseau einerseits sowie die Einflüsse des ‚Emile’ auf philosophisch-pädagogische Strömungen andererseits beleuchtet werden.
Rousseau wurde 1712 in Genf geboren, er starb 1778 in Ermenonville (Frankreich). 1762 veröffentlichte er seinen Erziehungsroman ‚Emile’ eines der einflussreichsten pädagogischen Werke überhaupt. Als Vertreter der Aufklärung wandte er sich in ‚Emile’ bewusst gegen die Normen und (erzieherischen) Methoden seiner Zeit. „Dies ist das große Geheimnis der Erziehung, es so einzurichten, dass körperliche und geistige Übungen einander gegenseitig zur Entspannung dienen.“1
Diese Aussage und die Überlegung, dass körperliche Erfahrungen die Ausbildung der Sinne und schließlich der Vernunft begründen und fördern, können Rousseaus Erziehungsphilosophie hinsichtlich der Rolle der Leibesübungen grob zusammenfassen. Rousseau wurde stark vom englischen Philosophen John Locke und seinem Werk ‚Thoughts Concerning Education’ (1693), das sich hinsichtlich der körperlichen Erziehung hauptsächlich mit dem Thema der Abhärtung befasst, beeinflusst und war seinerseits Inspiration für nachfolgende Denker und Geistesströmungen, wie etwa die der Philanthropie mit ihren Vertretern Basedow und Guthsmuths.
2. Die Rolle der Leibesübungen im Erziehungskonzept Rousseaus
Die Ausbildung der körperlichen Fähigkeiten und Anlagen spielen im Erziehungskonzept für Emile eine tragende Rolle. Rousseau verarbeitet dabei sowohl die Ideen von John Locke, der sich im ersten Teil seines Werkes ‚Gedanken über Erziehung’ ausführlich dem Thema der körperlichen Abhärtung widmet und die Bedeutung dessen für die physische Gesundheit der Kinder hervorhebt. Außerdem ergänzt Rousseau diese Gedanken um die Forderung nach aktiver körperlicher Betätigung als Teil einer richtigen und ausgeglichenen Erziehung. Zum Einfluss Lockes auf Rousseau werde ich an späterer Stelle in dieser Arbeit zurückkommen.
„Das Ziel der Erziehung? Es ist das Ziel der Natur selber:[…]“2 Dieser Satz ist Zentral in Rousseaus Erziehungskonzept und hat so auch hinsichtlich der Erziehung des Leibes eine große Bedeutung. Im Grunde ist diese Aussage sogar der Kern für die Sinnhaftigkeit der Leibeserziehung. An mehreren Stellen im ‚Emile’ kommt Rousseau auf dieses Herzstück seiner Erziehungstheorie zurück, so auch in den vier Leitsätzen, deren erster fordert die Kinder alle Kräfte benutzen zu lassen, die ihnen naturgegeben sind.3 Die Entwicklung der Kinder ist also der Naturwille, welcher nicht behindert werden darf. „Um den Körper zu kräftigen und das Wachstum zu fördern, hat die Natur Mittel, die man niemals stören darf.“4 Die Natur hat den Menschen mit den Anlagen zur Entwicklung körperlicher Widerstandsfähigkeit und Kraft ausgestattet, damit er sein überleben und den Erhalt seiner Art sichern kann. Der Arterhalt ist letztlich das primäre Ziel der Natur; der Mensch muss seine Rolle im Natursystem ausfüllen und erfüllen können.
Durch die Zivilisation, die schon zu Rousseaus Zeiten weit fortgeschritten war, hatte es der Mensch nicht mehr nötig alle ihm möglichen Kräfte zu entwickeln und seine Anlagen sowie Instinkte auszuschöpfen. Der Mensch verkümmerte in diesem Zusammenhang und widmete das Gros seiner Energie der Entwicklung der geistigen Fähigkeiten. Trotz der Wertschätzung Rousseaus für die geistige Erziehung fordert er, der Natur wieder Raum zu geben und ihren Teil in der Ausbildung des Menschen einnehmen zu können, ohne das sie durch anerzogene Gewohnheiten verändert wird.5 Gleichwohl meint Rousseau auch, das ein Mensch für seine geistige Entfaltung die körperliche Betätigung braucht, dass es sich bei diesen beiden Dingen nicht um sich gegenseitig ausschließende Elemente der Ausbildung handelt, wie es beispielsweise Aristoteles vertrat.
Der griechische Philosoph erkannte zwar ebenfalls die Wichtigkeit der Leibesübungen, in seinen Worten der Gymnastik, an. Jedoch nur zur Ausbildung eines gesunden und widerstandsfähigen Körpers und zur Erlangung von Tapferkeit. Zum Verhältnis Geist und Körper meinte er, „man soll sich nicht gleichzeitig mit dem Körper und dem Geiste anstrengen. Denn jede der Anstrengungen wirkt in gegensätzlicher Richtung: die Anstrengung des Körpers hindert den Intellekt und umgekehrt.“6 Rousseau ‚antwortet’ darauf mit der Aussage, dass es nichts weiter als ein Irrtum ist, zu glauben dass das Trainieren des Körpers dem Geist schadet. Sind doch beide Elemente voneinander abhängig, der Geist leitet den Körper und der Körper beherbergt den Intellekt7. Ähnlich wie Lockes Bemerkung über Körper und Geist34 lautet auch Rousseaus Aussage, wonach ein kraftloser Körper die Seele schwächt8.
[...]
1 Jean Jacques Rousseau: Emile oder über die Erziehung aus: Johann Christoph Friedrich Guthsmuths: Gymnastik für die Jugend. Berlin, 1953 S. 416
2 Jean Jacques Rousseau: Emile oder über die Erziehung. Paderborn, 1971 S. 11
3 Vgl. Jean Jacques Rousseau: Emile oder über die Erziehung. Paderborn, 1971 S. 47
4 Jean Jacques Rousseau: Emile oder über die Erziehung. Paderborn, 1971 S. 63
5 Vgl. Jean Jacques Rousseau: Emile oder über die Erziehung. Paderborn, 1971 S. 11
6 Aristoteles: Politik. München, 1973 S. 254
7 Vgl. Jean Jacques Rousseau: Emile oder über die Erziehung. Paderborn, 1971 S. 102
8 Vgl. Jean Jacques Rousseau: Emile oder über die Erziehung. Paderborn, 1971 S. 29
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