Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
Bomben im Paradies - Bali und der Anschlag close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

Bomben im Paradies - Bali und der Anschlag

Diploma Thesis, 2005, 109 Pages
Author: Verena Christmann
Subject: Sociology - War and Peace, Military

Details

Category: Diploma Thesis
Year: 2005
Pages: 109
Grade: 1,2
Bibliography: ~ 205  Entries
Language: German
Archive No.: V67711
ISBN (E-book): 978-3-638-58743-3

File size: 793 KB


Excerpt (computer-generated)

Universität Bonn
Philosophische Fakultät
Seminar für Orientalische Sprachen

Diplomarbeit
zur Erlangung des Grades
einer Diplom-Regionalwissenschaftlerin Südostasien

Bomben im Paradies - Bali und der Anschlag

Verena Christmann

 

Inhaltsverzeichnis


Einleitung: ... 1

Eine Botschaft an die Welt ... 1
Bali ... 2
Der Welt größte Industrie ... 4
Die vorliegende Arbeit ... 5

Erstes Kapitel: Die Entstehung des Paradieses ... 7

Die Konstruktion des Bali –Images ... 7
    Bali, das Touristenparadies – Imagekonstruktion in der Tourismusbranche ... 7
    Geschichte einer kulturellen Begegnung und die Interaktion globaler und lokaler Netzwerke ... 13
Balis historische Entwicklung zum „Paradies“ ... 17
    Erste Begegnungen ... 17
    Die Geburt eines Mythos ... 19
    Bali, „kulturelle Spitze“ der Nation ... 22
        „Mutter Bali“ ... 22
        „Schaufenster“ der Republik ... 24
        „Provinz des Friedens“ ... 26

Zweites Kapitel: Was es bedeutet, ein Touristenparadies zu sein

- Sozio-kulturelle, sozio-ökonomische und ökologische Auswirkungen des Tourismus auf Bali ... 28
Das Dilemma des Kulturtourismus und die „Touristifizierung“ der balinesischen Kultur ... 28
Globalisierung und Modernisierung ... 32
Abhängigkeiten, Rückkopplungseffekte und die Verteilung der Profite ... 36
Disparität, Migration und deren soziale Folgen ... 40
Wassermangel, Müll und Erosion ... 43
Bali - Die perfekte Lösung? ... 43

Drittes Kapitel: Die Zerstörung des Paradieses? ... 45

Der Anschlag – Folge globaler Einbindung der Insel? ... 45
    Fakten, Täter und Motive ... 45
    Die Hintergründe: Globalisierung und Radikalisierung ... 49
        „Kampf der Kulturen“ oder „blockierte Kommunikation“? ... 50
        „Weak Link in the Anti-Terror Chain” – Islamischer Radikalismus in Indonesien ... 58
Balis Image nach dem Anschlag ... 63
    Balinesische Reaktionen auf den Anschlag ... 63
        Erste Reaktionen – zwischen Fassungslosigkeit und Mitgefühl ... 63
        Die ökonomische Krise ... 64
        Der Sicherheitsaspekt ... 69
        Die Beziehung der Balinesen zu muslimischen Mitbürgern und zum indonesischen Staat ... 70
        Die Beziehung der Balinesen zum „Westen“ ... 76
        Selbstdarstellung der Balinesen als Opfer ? ... 77
    Internationale Reaktionen auf den Anschlag ... 79
        Erste Reaktionen - zwischen Panik, „Coolness“ und Alptraum ... 79
        Bali-Werbung danach ... 81
        Die Rückkehr der Touristen ... 85

Schlussbetrachtung ... 86

Literaturverzeichnis ... 90

Anhang: Bali-Karte ... 103

 

 

Einleitung


Eine Botschaft an die Welt

Am 12. Oktober 2002 ereigneten sich „die schlimmsten Bombenanschläge in der Geschichte Indonesiens“ (Niesen, 2002): Kurz nach 23 Uhr explodierten drei Bomben auf Bali, bei denen über 200 Menschen ums Leben kamen und über 300 Menschen verletzt wurden. Zu den Opfern zählten vor allem Touristen. Zwei der Bomben explodierten vor bzw. in Diskotheken in Kuta, Balis „Touristenmeile“, die dritte Bombe etwa 100 Meter entfernt vom US-Konsulat in Denpasar.
Der Anschlag ereignete sich genau ein Jahr, einen Monat und einen Tag nach dem Anschlag des elften September 2001 auf das „World Trade Center“ in New York und am Jahrestag des Anschlags auf die „USS Cole“ im Jahr 20001. Somit lassen sich die Bomben auf Bali in eine Chronologie internationaler Terroranschläge einfügen, die allgemein als Angriffe gegen die „westliche Welt“ verstanden werden. Als Täter des Bali-Anschlags wurden Mitglieder der indonesischen islamisch-militanten „Jemaah Islamiyah“ („Islamische Gemeinschaft“) verhaftet und verurteilt. Die Organisation gilt als Arm der „Al-Qaeda“2 in Südostasien.
Die globale Dimension des Bali-Anschlags ist damit ausreichend geklärt: Die Bomben sind Teil eines Konflikts, der sich leicht in aktuelle Debatten über internationalen Terrorismus, einen „Kampf der Kulturen“ oder Ost-West-Dichotomien, „Kulturalismus“, „kulturellen Imperialismus“ oder „kulturelle Hegemonie“ als Folge der Globalisierung westlicher Lebensstile und des Kapitalismus eingliedern lässt. Der Anschlag auf das „World Trade Center“ hatte bereits die ganze Welt, vor allem aber die Bevölkerung der Vereinigten Staaten in einen Schock versetzt und existierende Weltbilder ins Schwanken gebracht. Der Anschlag auf Bali fiel daher in eine Zeit allgemeiner, internationaler Terrorangst und Verunsicherung bezüglich der bestehenden globalen Systeme und Machtverhältnisse, die in Form von Diskussionen und Medienberichten, politischen Veranstaltungen, Maßnahmen und Gesetzgebungen spür- und sichtbar werden. Auch eine in den internationalen Medien, als Reaktion auf den Anschlag, häufig gestellte Frage drückte die allgemeine Angst und Verunsicherung aus: „Und was wird am dreizehnten November 2003 geschehen?“
Mit Hilfe der Massenmedien hat der Terrorismus damit erneut sein Ziel erreicht, durch Gewalt eine Botschaft an die Welt zu senden und internationale Aufmerksamkeit für sich selbst und für die eigene Sache zu gewinnen. Denn Terror, die Anwendung von Gewalt zur Erreichung politischer Ziele, ist all zu oft die Folge eines Gefühls der Benachteiligung einzelner Gruppen das in bestehenden Ungerechtigkeiten und Missverhältnissen wurzelt. Als ideologische Motivation des Bali-Anschlags gilt die Religion, genauer gesagt der Islam. Den Hintergrund aber bilden globale Ungleichgewichte, die letztendlich vermutlich weniger mit kulturellen, geschweige denn religiösen Unterschieden, als mit politischen und ökonomischen Machtverhältnissen zu tun haben.


Bali

Wenn auch von internationaler Bedeutung und eingebettet in wichtige globale Prozesse, so hatte der Anschlag in erster Linie Folgen für Bali und seine Bewohner selbst. Die Insel, als Teil der Gruppe der Kleinen Sunda-Inseln, liegt im östlichen Indonesien zwischen den Inseln Java und Lombok. Mit etwa 5.561 Quadratkilometern macht sie, als eine der mehr als 13.000 Inseln Gesamtindonesiens, nur etwa 0,29 Prozent der Staatsfläche aus. Die für die Insel große Zahl von knapp drei Millionen Einwohnern entspricht nur etwa zwei Prozent der indonesischen Bevölkerung.3 Der Süden Balis ist am dichtesten bevölkert. Er ist das traditionelle kulturelle Zentrum der Insel, mit der Hauptstadt Denpasar, in deren Umfeld sich auch der internationale Flughafen und das Haupttouristengebiet bestehend aus Kuta, Legian, Seminyak, Tuban und Sanur befinden. Eine Gebirgskette in Zentralbali trennt die Insel vulkanischen Ursprungs in einen schmalen Küstenstreifen im Norden und eine besonders fruchtbare Region im Süden.
Die Bewohner sprechen Balinesisch und Indonesisch. Über 90 Prozent der Bevölkerung sind Hindus, der Rest verteilt sich auf Muslime (5,36 Prozent), Christen (0,8 Prozent) und Buddhisten (0,56 Prozent). Der balinesische Hinduismus stellt eine besondere Form der Religion dar, die rituelle und dramatische Elemente gegenüber philosophischen und mystischen Aspekten hervorhebt (Geertz, 1975:9). Neben vielen Gemeinsamkeiten mit dem indischen Hinduismus unterscheidet sie sich vor allem auch durch ihr flexibles Kastensystem von diesem.4 Der Hinduismus an sich wiederum unterscheidet Bali von den mehrheitlich muslimisch geprägten anderen Regionen, Inseln und Völkern Indonesiens: „Bali is almost as Hindu as Indonesia is Moslem“ (Weltbank, 2002:6): Im Jahre 2000 machten die Muslime etwa 88,4 Prozent Indonesiens Bevölkerung aus.
Den Balinesen gelten die Berge als Sitz der Götter und der heiligen Vorfahren, das Meer gilt als Heimat der Unterwelt-Dämonen.5 Die Menschen leben in einer „mittleren Welt“. Sie haben die Aufgabe, ein Gleichgewicht zwischen Gut und Böse herzustellen, indem sie das Wohlwollen der Götter erflehen und die Dämonen besänftigen (Radetzki- Stenner, 1989:78).6 Das religiöse Ziel, eine kosmische Harmonie herzustellen und aufrechtzuerhalten, durchzieht alle Lebensbereiche. Auch die balinesische Sozialstruktur und gesellschaftliche Organisation sind demnach von der Religion bestimmt: Dörfer entsprechen Tempelsystemen und soziale Gruppen organisieren sich um spezifische Tempel herum.7 Die Beziehungen zwischen diesen Gruppen und die Gruppenzugehörigkeiten werden über religiöse Rituale definiert. Die Gruppen existieren weitgehend unabhängig voneinander, ihre Mitgliedermengen überschneiden einander jedoch häufig (Geertz, 1975:14). Das Hauptprinzip balinesischer Sozialstruktur basiert laut Geertz auf der funktionalen Spezifität der Gruppen (1975:30).
Neben der Religion hebt der Tourismus Bali kulturell und ökonomisch in eine besondere Position innerhalb des indonesischen Nationalstaats. Als touristisches Zentrum der Nation trägt Bali zum nationalen Devisenhaushalt bei und ist im Ausland vor allem aufgrund seiner hinduistischen Kultur bekannter als Indonesien selbst. Der größte Anteil des balinesischen BIP wiederum wird durch den Tourismussektor in den südlichen Distrikten Badung, Gianyar und der Hauptstadtregion Denpasar erwirtschaftet. Während der Anteil armer Menschen in Indonesien für das Jahr 2002 mit 16 Prozent angegeben wird, lag die Armutsrate für Bali – dank der Tourismusindustrie – bei nur vier Prozent (Weltbank, 2003:4).8

 

[...]


1 Am 12. Oktober 2000 wurde ein Anschlag auf den amerikanischen Zerstörer „USS Cole“ im Hafen von Aden, Jemen verübt. Es gab 17 Tote und 39 Verletzte. Der Anschlag wird heute der „Al Qaeda“ angerechnet.
2 Die „Al-Qaeda“ („Dschihad-Basis“) gilt seit dem Anschlag auf das „World Trade Center“ als die Basis eines weltweiten, islamistisch-terroristischen Netzwerks, welches das Ziel verfolgt, ein globales Kaliphat aller islamischen Nationen zu errichten. Die Organisation, so heisst es, unterstützt die Radikalisierung islamistischer Gruppen weltweit, in Form von Ausbildungsangeboten für islamistische Kämpfer und finanzieller Unterstützung. „Al Qaeda“, bestehend seit den 1980er Jahren, soll an vielfältigen Terroranschlägen in der ganzen Welt beteiligt gewesen sein. Diese richteten sich vor allem gegen US-Amerikaner, Juden und sogenannte Verschwörer. Als Anführer der Organisation wird Osama bin Laden genannt. Seit der Ablösung der Taliban in Afghanistan soll die Führung auf südasiatische und südostasiatische Länder sowie den Mittleren Osten verteilt sein. Angesichts der unklaren Strukturen wird die Existenz der „Al Qaeda“ von kritischen Stimmen angezweifelt. Sie sei eine bloße „Phantomorganisation“, die den machtpolitischen Interessen der USamerikanischen Regierung diene.
3 Die Balinesen sind damit die siebtgrößte ethnische Gruppe Indonesiens (Picard, 1996:13).
4 Heute gehört der größte Bevölkerungsteil der untersten Kaste der „Sudra“ an. Die oberen Kasten sind die der „Kesatria“ (ehemalige Adelskaste), „Wesia“ (ehemalige Kriegerkaste) und der Brahmanen (Priester). Die Titel sind nicht zwingend mit Berufen verbunden (außer bei den Brahmanen) und der Umgang mit ihnen ist sehr individuell. Es gibt kaum allgemein anerkannte Einstufungen der Titel (Geertz, 1975:21).
5 Diese kosmische Orientierung richtet sich nach dem Fluss des Wassers: reines Wasser kommt aus den Bergen und fließt ins Meer, wo es die Unreinheiten entlässt, die es auf seinem Weg angesammelt hat (Picard, 1996:13).
6 „Tri Hita Karana“ („Drei Ursachen der Harmonie“) lautet das Konzept, der drei Beziehungen der Balinesen zu ihrer Umwelt, in denen es gilt, Harmonie zu bewahren: Die Beziehung der Menschen zu Gott, die Beziehung der Menschen zu ihrer sozialen Umwelt und die Beziehung der Menschen zu ihrer physischen Umwelt.
7 Geertz spricht vom balinesischen Tempelsystem als „soziale Matrix“ (1975:12). Gruppen, die sich um Tempel herum organisieren sind beispielsweise die „subak“, Bewässerungsgemeinschaften, oder die „banjar“, die die lokalen Moral- und Verhaltensregeln erstellen und bewachen sowie für die lokale Wohlfahrt zuständig sind. Beide Gruppen sind Teil des „desa adat“, einer Dorfgemeinschaft aus kooperierenden Tempelgruppen. Das „desa adat“ ist im Grunde ein Stück heiliges Land, das Gemeinschaftlichkeit symbolisiert und definiert (Geertz, 1975:16). Jedes „desa adat“ besteht aus drei großen Tempeln, den „khayangan tiga“. Die heiligen lokalen Verhaltensweisen und Moralvorstellungen, die durch die „banjar“ institutionalisiert werden, unterscheiden die „desa adat“ voneinander und definieren so deren jeweiliges Gemeinschaftsgefühl.
8 Die zugrundeliegende Weltbank-Definition von „Armut“ orientiert sich an < 1 US$ pro Tag.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit

Author: Claudia Nickel
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2006 Download as PDF-file for 4,99 EUR

Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens

Author: Maik Philipp
Presentations, Models, Tutorials, Instructions, 2004 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/67711/bomben-im-paradies-bali-und-der-anschlag
please wait Please wait