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Abbau mineralischer, oberflächenaher Rohstoffe am Beispiel Schleswig-Holsteins

Termpaper, 2005, 33 Pages
Author: Bastian Naumann
Subject: Geography / Earth Science - Regional Geography

Details

Category: Termpaper
Year: 2005
Pages: 33
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 26  Entries
Language: German
Archive No.: V67748
ISBN (E-book): 978-3-638-60497-0
ISBN (Book): 978-3-638-67233-7
File size: 4475 KB
Notes :
Der Abbau selbst, die abgebauten Rohstoffe, die Art der Vorkommen, die hinter dem Abbau stehenden Verwaltungen, die Unternehmen, der Naturschutz, was nach der Nutzung passiert. Behandelt wird alles mit Beispielen aus dem Ton-, Kreide- und vor allem aus dem Kiesabbau.


Abstract

Schleswig-Holstein (S-H) gilt gemeinhin als sehr rohstoffarmes Bundesland, was jedoch keineswegs bedeutet, dass es hier keine abbaufähigen Rohstoffe gibt. Neben Erdöl gibt es unter den glazigenen Schichten sogar Braunkohle, doch werde ich Energieträger in dieser Arbeit außen vor lassen. Die anderen gewonnen Rohstoffe sind indes durchweg den Massengütern zuzuordnen. Das Gros dieser Rohstoffe, die nicht aus anstehendem Gestein gewonnen werden, wäre ohne das Weichselglazial nicht vorhanden und ist darüber hinaus ein wesentlicher Bestandteil des glazialen Geschiebes. Der Abbau dieser Rohstoffe, welche in Form des Tagebaus stattfindet, stellt einen großen Eingriff in die Umwelt dar und ist deswegen häufig Gegenstand von Konflikten zwischen den jeweiligen Nutzern der Landschaft. Der Bergbau, worunter auch der Abbau oberflächennaher Rohstoffe (AOR) in einem Land ohne wirkliche Berge offiziell fällt, hat zwar keine allzu große wirtschaftliche Bedeutung für S-H, doch formt er seine Landschaft in erheblichen Maße auf vielfältige Art und drückt ihm so vielerorts einen unverwechselbaren Stempel auf. Nach einer topographischen Einordnung gehe ich kurz auf die jeweilige Entstehungsgeschichte und den Abbau der Lagerstätten, welcher von der Raumordnung und diversen Gesetzen geregelt wird, ein. Darüber hinaus werde ich sowohl die wirtschaftliche Funktion dieser Rohstoffe im Wandel der Zeit, als auch die aus ihrer Nutzung resultierenden Konflikte und Probleme in Umwelt und Gesellschaft beleuchten. Schließlich beende ich meine Ausführungen mit den Perspektiven dieses Abbaus und setze mich mit den unterschiedlichen Nutzungskonzepten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für die bereits ausgebeuteten Lagerstätten auseinander.


Excerpt (computer-generated)

Geographisches Institut der Christian-Albrechts Universität zu Kiel
Hauptseminar: Schleswig-Holstein Landeskunde
Wintersemester 2005/2006
30. November 2005

Abbau mineralischer, oberflächenaher Rohstoffe
am Beispiel Schleswig-Holsteins

von: Bastian Naumann

 


Gliederung

1. Einleitung

2. Entstehung, Vorkommen, Abbau der Lagerstätten von

2.1. Kies und Sand
2.2. Ton
2.3. Kreidekalk

3. Entstehung, Vorkommen, Abbau und Verwendung der Rohstoffvorkommen an

3.1. Quarzsand
3.2. Gips
3.3. Titaneisen
3.4. Raseneisenerz
3.5. Eisenocker

4. Gesetzlicher und landesplanerischer Rahmen für den Abbau

4.1. Landes- und Regionalplanung:

4.1.1. Organisation
4.1.2. Rechtliche Grundlagen
4.1.3. Strukturelemente der Freiraumbildung bzgl. des AOR
4.1.4. Grundsätze der Landes- und Regionalplanung bzgl. des AOR

4.2. Gesetzlicher Rahmen
4.3. Genehmigungsverfahren für den AOR
4.4. Konsequenzen

5. Standortfaktoren für den Abbau

6. Der Weg der oberflächennahen Rohstoffe von der Lagerstätte zum Verbraucher

6.1. Kies
6.2. Ton
6.3. Kreidekalk

7. Konflikte und Probleme beim Abbau der Rohstoffe

7.1. zwischen Bürger und AOR
7.2. zwischen Landwirtschaft und AOR
7.3. zwischen Natur und AOR

8. Alternativen zum konventionellen AOR

9. Was geschieht nach der Ausbeutung der Lagerstätten

9.1. bis Anfang der Neunziger
9.2. Aktuelle Tendenzen

10. Bibliographie

 


 

1. Einleitung:

Schleswig-Holstein (S-H) gilt gemeinhin als sehr rohstoffarmes Bundesland, was jedoch keineswegs bedeutet, dass es hier keine abbaufähigen Rohstoffe gibt. Neben Erdöl gibt es unter den glazigenen Schichten sogar Braunkohle, doch werde ich Energieträger in dieser Arbeit außen vor lassen. Die anderen gewonnen Rohstoffe sind indes durchweg den Massengütern zuzuordnen. Das Gros dieser Rohstoffe, die nicht aus anstehendem Gestein gewonnen werden, wäre ohne das Weichselglazial nicht vorhanden und ist darüber hinaus ein wesentlicher Bestandteil des glazialen Geschiebes. Der Abbau dieser Rohstoffe, welche in Form des Tagebaus stattfindet, stellt einen großen Eingriff in die Umwelt dar und ist deswegen häufig Gegenstand von Konflikten zwischen den jeweiligen Nutzern der Landschaft. Der Bergbau, worunter auch der Abbau oberflächennaher Rohstoffe (AOR) in einem Land ohne wirkliche Berge offiziell fällt, hat zwar keine allzu große wirtschaftliche Bedeutung für S-H, doch formt er seine Landschaft in erheblichen Maße auf vielfältige Art und drückt ihm so vielerorts einen unverwechselbaren Stempel auf. Nach einer topographischen Einordnung gehe ich kurz auf die jeweilige Entstehungsgeschichte und den Abbau der Lagerstätten, welcher von der Raumordnung und diversen Gesetzen geregelt wird, ein. Darüber hinaus werde ich sowohl die wirtschaftliche Funktion dieser Rohstoffe im Wandel der Zeit, als auch die aus ihrer Nutzung resultierenden Konflikte und Probleme in Umwelt und Gesellschaft beleuchten. Schließlich beende ich meine Ausführungen mit den Perspektiven dieses Abbaus und setze mich mit den unterschiedlichen Nutzungskonzepten der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft für die bereits ausgebeuteten Lagerstätten auseinander.

2. Entstehung, Vorkommen und Abbau der Lagerstätten

Die oberflächennahen Rohstoffe unterteilt man nach Erkundungsstand, räumlicher Ausdehnung, Verwendungsmöglichkeit, den sich aus der geologischen Situation ergebenden Abbaubedingungen und der aktuellen und einmal möglichen Bedeutung für die Versorgung einzelner Wirtschaftsräume und –Zweige in die Rohstoffkategorien „Lagerstättengebiete“ und „Rohstoffvorkommen“ und grenzt sie so voneinander ab. Lagerstättengebiete enthalten hochwertige Rohstoffe, die sowohl räumlich begrenzt als auch von erheblicher räumlicher Ausdehnung sind und unter den derzeitigen wirtschaftlichen Bedingungen als rohstoffwirtschaftliche Versorgungsbasis dienen bzw. für den Abbau geeignet erscheinen.

2.1. Kies- und Sandlagerstätten

Entstehung:

Die Kiese und Sande S-H sind wie das Land selbst als ein Produkt der letzten beiden Eiszeiten, also der früheren Saaleeiszeit (2oo.ooo – 125.ooo Jahre v.H.) und der letzten, der Weichseleiszeit (8o.ooo – ca. 15.ooo Jahren v.H) anzusehen. Die maximale Ausdehnung der jeweiligen glazialen Eismassen zeigt folgende Abbildung 1 aus Schmidtke 2005. Der skandinavische Schild war für die Gletscher das Hauptsquellgebiet. Hier erreichten die eine Mächtigkeit von bis zu 3.000m Gletscher. Vom Quellgebiet floss das Eis dank seiner Plastizität gen Zehrgebiete, also zumeist nach Süden hin, ab. Das Eis kam jedoch wegen des ozeanischen Einflusses des Atlantiks nicht direkt aus Norden, sondern eher aus nordöstlicher Richtung, wie man deutlich an den vom Eis geschaffenen Oberflächenformen der glazialen Serie1, wie zum Beispiel den Förden, sehen kann. Auf schleswig-holsteinischem Boden schließlich war der ozeanische Einfluss so groß, dass sich hier das Abtauen der Gletscher und der Eisnachschub die Waage hielten, so dass über S-H die Eisrandlagen der beiden Glaziale lagen. Auf dem langen Weg vom skandinavischen Schild nach S-H erodierte das Gletschereis das anstehende Gestein der dortigen Gebirge in allen Formen und Größen und beförderte es mit sich. Dort, wo die Gletscher abschmolzen, luden sie es ab und bildeten somit aus diesem Material, dem Geschiebe, die Grund- und Endmoränen, die das Bild S-H des östlichen Hügellandes und der Hohen Geest bestimmen. Selbiges Geschiebegemisch beinhaltete dank der destruktiven Arbeit des Gletschers auch große Felsbrocken, den so genannten Findlingen, große bis kleine Steine, und alle kleineren Kornfraktionen. Neben Kiessanden enthalten besonders die Endmoränen, aber auch die Grundmoränen oftmals mit großen Blockpackungen.

Je nach Intensität der Eiszeit variierte die Ausdehnung der Gletscher, die so immer wieder bereits aufgeschüttete Moränen überfuhren und neue auftürmten. So bildeten sich zahlreiche End- und Grundmoränenzüge, wobei erstere stets die Maximalausdehnung eines so genannten Eiszeitstadiums darstellen. Der Eisrand oszillierte also in Abhängigkeit von wärmeren und kälteren Phasen und Jahreszeiten, wobei Vorstöße einzelner Gletscherzungen die Lage der Moränen noch verkomplizierten. Im Brandenburger, dem ältesten Stadium fand das Weichselglazial seine größte Ausdehnung. Demnach hinterließen die Gletschermassen der darauf folgenden Stadien ihre jeweiligen Endmoränenzügen, durch das Oszillieren oftmals mehrere hintereinander, stets in einer zumindest von einem vorigen Stadium geschaffenen Grundmoränenlandschaft. Dank dieses Wanderns des Eisrandes verschoben sich ergo auch die „Quellen“ der Schmelzwasserflüsse, die Gletschertore.

Aus den Gletschertoren flossen immense Mengen an Schmelzwasser, die bis hin zum tonnenschweren Findling, wie „der alte Weddelbrooker“, alle Korngrößen mit einer reißenden Strömung aus dem Gletscher heraustransportierten. Diese reißende Strömung entwickelte sich wegen der Tatsache, dass diese subglazialen Ströme als Höhlenströme flossen. Die immensen Schmelzwassermassen von der Gletscheroberfläche und –Unterseite konnten sich nur bedingt innerhalb des Gletscherkörpers ausdehnen; dieser Druck konnte sich ergo nur in der Fließgeschwindigkeit äußern. Diese subglazialen Ströme traten nun aus den Gletschertoren zu Tage und erodierten in Kontakt mit den jeweiligen Hinterlassenschaften der vorigen Glaziale selbige in großem Umfang bzw. durchstießen sie (Kühn und Lamcke 1936; 9ff, Gripp 1964, Schmidtke 2004; 18ff).

Außerhalb des Gletschers dehnte sich das Schmelzwasser nun fächerartig auf. Dank der mit zunehmender Distanz zum Gletschertor kontinuierlich abnehmenden Fließgeschwindigkeit blieben die gröbsten Sedimente schnell liegen, während mit der wachsenden Entfernung zum Eisrand die Korngröße der Ablagerungsschichten abnahm. Sowohl die Ablagerungen der verschiedenen Korngrößen als auch die Mächtigkeit der Ablagerungsschichten unterlagen dabei denselben Schwankungen, wie der Gletscher und ergo seinem Materialtransport selbst. So kommt es, dass verschiedene Korngrößen in abgegrenzten Schichten am selben Ort scheinbar unlogisch übereinander liegen, wobei die Schichten selber bezüglich ihrer Korngröße meist ziemlich homogen aufgebaut sind (Picard 1956; 18f, Schmidtke 2004; 33). Die ursprünglich eher eckigen Geschiebe, die primär ein Produkt eines Abbruches waren und in den Endmoränen vorkommen, rundeten wegen der andauernden Kollisionen mit anderen Frachten innerhalb der Schmelzwasserströme stark ab, wurden ergo zu Geröll (Schmidtke 2004; 32).

[...]


1 Die glaziale Serie ist das Aufeinanderfolgen der einzelnen Komponenten des eiszeitlichen Hauptformenschatzes, vgl. Kurt-Dietmar Schmidtke, Die Entstehung Schleswig-Holsteins, Neumünster 2004, S. 42


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