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Can We Trust Social Capital?

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2003, 24 Pages
Author: Matthias Schmid
Subject: Economics / Business: Political Economics

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2003
Pages: 24
Grade: 1,5
Bibliography: ~ 15  Entries
Language: German
Archive No.: V67852
ISBN (E-book): 978-3-638-60549-6

File size: 716 KB


Excerpt (computer-generated)

Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Hauptseminar: “Wachstum, Entwicklung, Stabilität”
WS 2002/03

Can We Trust Social Capital?

von: Matthias Schmid

 


Inhaltsverzeichnis

1. Ein neuer Modebegriff  2

2. Konzept des Sozialkapitals  3

2.1. Sozialkapital als Attribut des Individuums  3
2.2. Sozialkapital als Netzwerkattribut 5
2.2.1. Die Bürgergesellschaft 7

3. Making Democracy Work  10

3.1. Messen der institutionellen Performanz  11
3.2. Gründe für die unterschiedliche institutionelle Performanz  11
3.3. Indizien für bürgergesellschaftliches Leben in den Regionen  12
3.4. Gründe für die Nord-Süd Diskrepanz im Sozialkapital  14

4. Kritik  15

Anhang  16

Literaturverzeichnis 22


 

 

1. Ein neuer Modebegriff

Soziales Kapital – so lautet der wörtlich aus dem Amerikanischen übersetzte und in der Kommunitarismus-Idee zu findende Terminus, der seit den 90er Jahren beachtliche Aufmerksamkeit unter Soziologen, Politologen und Ökonomen erreicht hat. Doch was genau ist unter diesem neuen Modebegriff zu verstehen? „Zahllose Begriffspaare wie ‚innere Kohäsion’ (Biedenkopf), ‚gesellschaftlicher Klebstoff’ (Hirschmann), ‚ziviler Treibstoff’ (Heitmeyer), ‚Gemeinsinn als Festiger’ (Sommer), ‚Sozialenergie’ (Klages), ’soziale Bindekraft’ (Schäuble) oder ‚soziale Ozonschicht’ (Hurrelmann) (...)“1 versuchen in blumiger Sprache dieses Phänomen zu umschreiben. Die am weitesten gefasste Definition der Sozialkapitalhypothese wird eng mit dem Politologen Robert Putnam assoziiert. „His claim is that membership in associations strengthens political and economic efficiency even though the assaciations themselves play no role in either the polity or the economy.”2 In seiner komparativen Studie „Making Democracy Work” über die unterschiedliche institutionelle und wirtschaftliche Performanz der nördlichen und südlichen Regionen Italiens liefert er empirische Beweise für seine Theorie. Dennoch äußern viele Wissenschaftler Kritik an der ökonomischen Relevanz der Sozialkapitaltheorie.

Die folgende Arbeit versucht, aus den existierenden Ansichten und Definitionen eine Erklärung des vielfältig verwendbaren Begriffes Soziales Kapital herauszubilden, dieses Konzept anhand von Beispielen zu veranschaulichen und kritisch zu beleuchten. Im Mittelpunkt steht dabei Putnams Italienstudie.

2. Konzept des Sozialkapitals

Das Konzept des Sozialkapitals lässt sich aufgrund seines Facettenreichtums nicht in Form eines handlichen Lexikoneintrags präsentieren. „Authors recognize that if they are going to use the term, then they must define how they will use it.“3 Es sind generell zwei grundlegend verschiedene theoretische Ansätze zu unterscheiden. „Linking and connecting social capital has a double character as a collective structure and individual asset”:4 Gewöhnlich wird Sozialkapital als Attribut einer netzwerkartigen Gesellschaft beschrieben, wenn beispielsweise Jacobs von Nachbarschaftsnetzwerken oder Putnam von Kennzeichen des sozialen Lebens – Netzwerke, Normen und Sozialvertrauen sprechen.5 Daneben existiert noch die Auffassung von Sozialkapital als eine Funktion des individuellen Handelns, der eigenen Persönlichkeit und der eigenen sozialen Beziehungen.

2.1. Sozialkapital als Attribut des Individuums

In dieser Analyse wird soziales Kapital definiert „(...) as a person’s social characteristics – including social skills, charisma, and the size of his Rolodex6 – which enables him to reap market and non-market returns from interactions with others.”7 Einzelne Individuen gehen deshalb Verbindungen ein oder schließen sich zu nach außen geschlossenen Gruppen zusammen, die auf persönlichen Beziehungen, langjährigen Freundschaften, familiären oder religiösen Bindungen oder im Laufe der Zeit erworbener Reputation basieren, um Transaktionskosten zu senken. Denn das dabei rekrutierte Sozialkapital fördert und erleichtert die Kooperation zwischen den einzelnen Individuen, indem es beispielsweise auf der Reziprozität zwischen Freunden aufbaut.8 Bei diesem mikroinstitutionellen Ansatz wird eine klare Analogie zum konventionellen Begriff des Sachkapitals deutlich. Person A tut etwas für Person B, investiert also eigene Ressourcen im Vertrauen darauf, dass B sich in Zukunft dafür einmal erkenntlich zeigt. Somit ist A in Besitz eines Kreditbelegs, der es ihm erlaubt, zu gegebener Zeit von B ebenfalls einen Gefallen einzufordern. Je mehr solcher Kreditbelege ein Individuum auf sich vereinigt, desto höher ist der Vorrat an fremdem individuellen Sozialkapital, auf den es zurückgreifen kann. Die Möglichkeit, solche persönlichen Kredite in Anspruch nehmen zu können oder zu müssen, hängt von vielen Faktoren ab: vom Vorhandensein alternativer Hilfe, zum Beispiel von Seiten der Sozialpolitik des Staates, von der eigenen finanziellen Situation, von der kulturell bedingten Tendenz, Hilfe anzubieten oder nach ihr zu fragen oder von der Größe des eigenen Vorrats an Beziehungen und Bekanntschaften.9 Von entscheidender Bedeutung bei derartigen Transaktionen ist die vermeintliche Vertrauenswürdigkeit des Handlungspartners und die eigene Bereitschaft, spezifisches Vertrauen aufzubringen, wie es sich zum Beispiel beim Verfassen und Abschließen von Verträgen zeigt. Nicht jedes mögliche Ereignis kann hierbei vorhergesehen werden oder es wird aufgrund seiner geringen Eintrittswahrscheinlichkeit im Vertragstext vernachlässigt. Dies reduziert die Transaktionskosten erheblich, verlangt jedoch von den beteiligten Parteien ein gewisses Maß an Kooperation und Vertrauen, falls ein unerwarteter Fall eintritt, der nicht explizit im Vertrag geregelt ist.10 Doch erst wiederholte Vorführung vertrauenswürdigen Verhaltens und der damit erworbene gute Ruf, über ein hohes Potential an Sozialkapital zu verfügen, können jemanden zu einem begehrten Geschäftspartner machen.

[...]


1 Braun (2002), S.345

2 Arrow (1999), S.4

3 Sobel (2002), S.144

4 Leicht (2000), S.61

5 vgl. Glaeser (1999), S.2

6 Terminkalender, Adressbuch

7 Glaeser (2000), S.4

8 vgl. Fukuyama (2000), S.3

9 vgl. Coleman (1998), S.20f.

10 vgl. Solow (1999), S.8


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