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Zum Persönlichkeitsprofil des Egmont

Scholary Paper (Seminar), 2006, 19 Pages
Author: Michael Schadow
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Einführung in die Dramenanalyse - Goethes Klassische Dramen
Institution/College: University of Potsdam (Institut für Germanistik)
Tags: Persönlichkeitsprofil, Egmont, Einführung, Dramenanalyse, Goethes, Klassische, Dramen
Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2006
Pages: 19
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 6  Entries
Language: German
Archive No.: V67883
ISBN (E-book): 978-3-638-60567-0
ISBN (Book): 978-3-638-79367-4
File size: 279 KB

Abstract

Wie Schiller bereits bemerkte, ist die Figur des Egmont gleichsam verbindendes Element des durchweg in Prosa gehaltenen Stückes, wie Quelle eines dramatischen Konfliktes, an welchem der Titelheld letztlich selbst zugrunde geht. Weiterhin wird dem Drama und damit auch dessen Protagonisten Egmont häufig eine besondere Mehrdimensionalität bescheinigt, weshalb der Gehalt des Stückes, wie Goethe selbst meinte, sich „nicht auf einmal herauslesen läßt"3. Grund genug also, dem Charakter Egmonts besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Hierfür sollen in Folgenden Egmonts Persönlichkeitszüge, die Goethe anhand von Urteilen aus Egmonts Umgebung sowie durch Äußerungen und Handlungen des Protagonisten selbst deutlich macht, untersucht werden. Auch wenn sich die unterschiedlichen Persönlichkeitsdimensionen an einigen Textstellen überschneiden, werde ich versuchen, den Volkshelden Egmont (II.1.), den Politiker Egmont (II.2.) sowie Egmont in seiner Rolle als Privatperson (II.3.) getrennt voneinander zu analysieren. In einem letzten Schritt sollen die dabei zu Tage getretenen Besonderheiten im Persönlichkeitsprofil des Egmont mit Hilfe der Goetheschen Vorstellung vom „Dämonischen“ geklärt werden (III.). Abschließende Aufgabe bleibt es dann die Ergebnisse in der Gesamtschau zusammenzufassen (IV.). 3 Äußerung Goethes auf seiner Italienischen Reise am 3. November 1787, abgedruckt in: Goethe, J.W.: Johann Wolfgang von Goethe. Werke, Kommentare und Register. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden, Bd. 4: Dramen II, hg. v. E. Trunz, 12., neubearb. U. erw. Aufl., München 1981, S. 618f., S. 618 (im Folgenden wird diese Ausgabe abgekürzt durch HA, Bd. 4).


Excerpt (computer-generated)

Seminararbeit

Zum Persönlichkeitsprofil des Egmont

vorgelegt von 

Michael Schadow

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung   1

II. Zum Persönlichkeitsprofil des Egmont   2

II.1. „Hoch! Dem großen Egmont hoch!“
- Egmont als Volksheld zwischen Schein und Sein   2
II.2. Egmont der Politiker   4
II.2.1. Die politischen Vorstellungswelt Egmonts   5
II.2.2. „er schadet uns und nützt sich nicht“ - zum politischen Handeln Egmonts    8
II.3. „Nein, Klärchen, das bin ich nicht.“ - Egmont als Privatmann?   11

III. Egmont und Goethes Vorstellung vom „Dämonischen“    13

IV. Zusammenfassung    15

 

 

I. Einleitung


„Hier ist keine hervorstechende Begebenheit, keine vorwaltende Leidenschaft, keine Verwickelung, kein dramatischer Plan, nichts von dem allem; - eine bloße Aneinanderreihung mehrerer einzelner Handlungen und Gemälde, die beinahe durch nichts als den Charakter zusammengehalten werden, der an allem Anteil nimmt, und auf den sich alle beziehen. Die Einheit des Stückes liegt also weder in den Situationen noch in irgend einer Leidenschaft, sondern sie liegt in dem Menschen."1

Diese kritischen Worte Schillers (1759-1805) zielen ins Zentrum jenes klassischen2 Dramas, dessen Titel bezeichnenderweise mit dem seines Protagonisten identisch ist: „Egmont“. Von Goethe (1749-1832) bereits 1757 begonnen, jedoch erst 1787, nach zwölfjähriger Arbeit während seiner Italienreise beendet, entführt das auf historischen Tatsachen basierende Stück den Leser in die Stadt Brüssel gegen Mitte des 16. Jahrhunderts. Ebenso wie der restliche Teil der gegenüber der Reformation ursprünglich durchaus aufgeschlossenen Niederlande ist die Stadt von den Spaniern besetzt. Eine kleine Gruppe von Adeligen um den Grafen Egmont von Gaure (1522-1568) leistet allerdings Widerstand gegen die katholische Fremdherrschaft der Spanier. Die historische Figur des Egmont verliert dabei, ebenso wie die von Goethe erschaffene, letztlich ihr Leben.

Wie Schiller bereits bemerkte, ist die Figur des Egmont gleichsam verbindendes Element des durchweg in Prosa gehaltenen Stückes, wie Quelle eines dramatischen Konfliktes, an welchem der Titelheld letztlich selbst zugrunde geht. Weiterhin wird dem Drama und damit auch dessen Protagonisten Egmont häufig eine besondere Mehrdimensionalität bescheinigt, weshalb der Gehalt des Stückes, wie Goethe selbst meinte, sich „nicht auf einmal herauslesen läßt"3. Grund genug also, dem Charakter Egmonts besondere Aufmerksamkeit zu schenken.

Hierfür sollen in Folgenden Egmonts Persönlichkeitszüge, die Goethe anhand von Urteilen aus Egmonts Umgebung sowie durch Äußerungen und Handlungen des Protagonisten selbst deutlich macht, untersucht werden. Auch wenn sich die unterschiedlichen Persönlichkeitsdimensionen an einigen Textstellen überschneiden, werde ich versuchen, den Volkshelden Egmont (II.1.), den Politiker Egmont (II.2.) sowie Egmont in seiner Rolle als Privatperson (II.3.) getrennt voneinander zu analysieren. In einem letzten Schritt sollen die dabei zu Tage getretenen Besonderheiten im Persönlichkeitsprofil des Egmont mit Hilfe der Goetheschen Vorstellung vom „Dämonischen“ geklärt werden (III.). Abschließende Aufgabe bleibt es dann die Ergebnisse in der Gesamtschau zusammenzufassen (IV.).

II. Zum Persönlichkeitsprofil des Egmont

II.1. „Hoch! Dem großen Egmont hoch!“ 4 - Egmont als Volksheld zwischen Schein und Sein

Gleich zu Beginn des ersten Aufzuges wird Egmont dem Leser aus der Sicht des Volkes vorgestellt. Anlässlich eines Armbrustschießens, das der Soldat Buyck gewinnt, kommt das Gespräch auf dessen Herren, den Grafen Egmont. Dieser sei ein vorzüglicher Lehrmeister, der mit „der Büchse trifft (…), wie keiner in der Welt“5. Überhaupt, so Soest, sei „alle Welt dem Grafen Egmont so hold“6, dass er von allen auf Händen getragen werde. Den Grund dafür liefert der Krämer - gleichsam als Kontrastbild zu Phillip II., der kein Herz für das Volk habe und die Niederländer nicht liebe - sofort: Egmont sei ein Herrscher, dem man seine Güte ansehe, dem „die Fröhlichkeit, das freie Leben, die gute Meinung aus den Augen sieht“7. Egmont, so scheint es, wird vom Volk als besonderer, überaus charismatischer Mensch wahrgenommen, als gütiger Herrscher, der seinen Untertanen sehr nahe steht. Dieser Eindruck verstärkt sich, als Rysum und Buyck von ihren Erlebnissen in den Schlachten von St. Quintin und Gravelingen berichten. Besonders in letzterer habe Egmont auch als Feldherr ritterliche Größe bewiesen, denn waghalsig und in vorderster Linie kämpfend habe er sich ohne zu Zögern in das feindliche Feuer begeben, so dass ihm sogar sein „Pferd unter dem Leibe niedergeschossen“8 wurde. Doch was hier vom Volk als Beweis für Egmonts Größe und seine Fähigkeiten als Feldherr gesehen wird, stellt sich bei genauerer Betrachtung als allzu leichtsinnig heraus, denn nicht Egmont hat die zunächst unentschiedene9 Schlacht gewonnen, sondern die Engländer, die mit ihren Schiffen „unter dem Admiral Malin von ungefähr von Dünkirchen her vorbeifuhren“10. So war es eigentlich das Schicksal, welches Egmont begünstigte und die Schlacht bei Gravelingen entschied.

[....]


1 Aus Friedrich Schillers anonymer Rezension des "Egmont", veröffentlicht in der "Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung" von September 1788, abgedruckt in: Wagener, H. (Hg.): Erläuterungen und Dokumente. Johann Wolfgang von Goethe. Egmont, Stuttgart 1985, S. 76-78, S. 77.

2 Obwohl das Stück auch Elemente des Sturm und Drang aufweist, zählt die moderne Forschung den „Egmont“ doch zur Weimarer Klassik, vgl. dazu u.a. Borchmeyer, D.: Weimarer Klassik. Portrait einer Epoche, Weinheim 1994.

3 Äußerung Goethes auf seiner Italienischen Reise am 3. November 1787, abgedruckt in: Goethe, J.W.: Johann Wolfgang von Goethe. Werke, Kommentare und Register. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden, Bd. 4: Dramen II, hg. v. E. Trunz, 12., neubearb. U. erw. Aufl., München 1981, S. 618f., S. 618 (im Folgenden wird diese Ausgabe abgekürzt durch HA, Bd. 4).

4 HA, Bd. 4, S. 374, Z. 1.

5 Ebd., S. 371, Z. 23f.

6 Ebd., S. 372, Z. 34.

7 Ebd., Z. 35ff.

8 Ebd., S. 373, Z. 18.

9 Vgl. ebd., Z. 19: „(...) und wir stritten lange hinüber herüber (...)“.

10 Ebd., Z. 24f.


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