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Scholary Paper (Seminar), 2006, 19 Pages
Author: Simon Tewes
Subject: History - Early and Ancient History
Details
Institution/College: University of Paderborn
Tags: Gründungsorakel, Historien, Herodots, Kontext, Zentrale, Kolonisationssteuerung, Orakel, Erfindung, Polis, Antiken, Griechenland
Year: 2006
Pages: 19
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 13 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-58679-5
ISBN (Book): 978-3-638-75413-2
File size: 219 KB
Es werden in dieser Arbeit alle in den Historien Herodots gegebenen Gründungsorakel in ihrem historischen Kontext analaysiert. Ein Versuch zur Prüfung der historischen Relevanz der Orakel für die griechische Expansion erfolgt im Anschluss daran.
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Abstract
In der archaischen Zeit sorgte die „große Kolonisation“ innerhalb einer relativ kurzen Zeit – man geht etwa vom Zeitraum 750 bis 500 v. Chr. aus1 – für eine vergleichsweise weite Streuung von griechischen Kolonien im Mittelmeerraum. Südgallien, Süditalien, und Sizilien waren während dieser Wanderungsbewegung vor allem die Ziele der griechischen Siedler. Einen beeinflussenden Faktor bei Koloniegründung stellte das Orakel von Delphi dar. Etliche Zeugnisse von „Gründungsorakeln“ sind in den Werken Herodots enthalten. Primär geht es in dieser Hausarbeit um die Diskussion, welchen Einfluss das delphische Orakel auf die ersten literarisch erfassbaren Gründungen hatte. Unter Berücksichtigung der oben genannten Quelle und ausgewählter Forschungsliteratur soll die Funktion des Orakels von Delphi im Kontext der überlieferten Gründungsberichte genauer untersucht werden. Betrachtet man die Forschungsmeinungen zu diesem Thema, so stellt man fest, dass trotz mannigfaltigen Veröffentlichungen immer noch eine rege Kontroverse geführt wird. So weisen Fontenrose und Londey darauf hin, dass fast alle Gründungsorakel Erfindungen seien, welche im Nachhinein in die Gründungsberichte gesetzt wurden, um den Gründungen einen „göttlichen“ Rahmen zu verleihen. Andere Historiker, wie Rohrbach, sind der Meinung, dass die Kolonisation an sich ein Akt des Opferns an Delphi und die Orakel der Pythia bloßer Ausdruck sakraler Bedürfnisbefriedigung seien. Ferner herrscht, vor allem in der älteren Forschung, die Meinung vor, dass Delphi eine „Kolonisationsagentur“ gewesen sei. Delphi wurde dabei sowohl die Rolle des Informationszentrums, als auch die einer Instanz zur Kolonisationssteuerung zuerkannt. Wie sich daran bereits erkennen lässt, ist also sowohl die historische Glaubwürdigkeit der Orakel an sich als auch einen Schritt weiter gehend deren Intention strittig. In der Seminararbeit geht es nun darum, in den in den Historien Herodots enthaltenen Gründungsberichten Hinweise auf die tatsächliche Rolle des Orakels zu ermitteln und die Orakel auf ihre historisch Auswertbarkeit hin zu untersuchen.
Excerpt (computer-generated)
Einführung in das Studium der Alten Geschichte:
„Die Polis im antiken Griechenland“
WS 05/06
Die Gründungsorakel in den
Historien Herodots in ihrem Kontext
Zentrale Kolonisationssteuerung durch das Orakel
oder reine Erfindung?
von
Simon Tewes
INHALTSVERZEICHNIS
1) Einleitung 2
2) Die Gründungsorakel in den Historien Herodots in ihrem Kontext – Zentrale Kolonisationssteuerung durch das Orakel oder reine Erfindung? 3
3) Abschlussbetrachtung 14
4) Quellenverzeichnis 16
5) Bibliographie 16
1) Einleitung
In der archaischen Zeit sorgte die „große Kolonisation“ innerhalb einer relativ kurzen Zeit – man geht etwa vom Zeitraum 750 bis 500 v. Chr. aus1 – für eine vergleichsweise weite Streuung von griechischen Kolonien im Mittelmeerraum. Südgallien, Süditalien, und Sizilien waren während dieser Wanderungsbewegung vor allem die Ziele der griechischen Siedler.
Einen beeinflussenden Faktor bei Koloniegründung stellte das Orakel von Delphi dar. Etliche Zeugnisse von „Gründungsorakeln“ sind in den Werken Herodots2 enthalten. Primär geht es in dieser Hausarbeit um die Diskussion, welchen Einfluss das delphische Orakel auf die ersten literarisch erfassbaren Gründungen hatte. Unter Berücksichtigung der oben genannten Quelle und ausgewählter Forschungsliteratur soll die Funktion des Orakels von Delphi im Kontext der überlieferten Gründungsberichte genauer untersucht werden.
Betrachtet man die Forschungsmeinungen zu diesem Thema, so stellt man fest, dass trotz mannigfaltigen Veröffentlichungen immer noch eine rege Kontroverse geführt wird.3
So weisen Fontenrose4 und Londey5 darauf hin, dass fast alle Gründungsorakel Erfindungen seien, welche im Nachhinein in die Gründungsberichte gesetzt wurden, um den Gründungen einen „göttlichen“ Rahmen zu verleihen. Andere Historiker, wie Rohrbach, sind der Meinung, dass die Kolonisation an sich ein Akt des Opferns an Delphi und die Orakel der Pythia bloßer Ausdruck sakraler Bedürfnisbefriedigung seien.6 Ferner herrscht, vor allem in der älteren Forschung, die Meinung vor, dass Delphi eine „Kolonisationsagentur“7 gewesen sei.
des Informationszentrums, als auch die einer Instanz zur Kolonisationssteuerung zuerkannt. Wie sich daran bereits erkennen lässt, ist also sowohl die historische Glaubwürdigkeit der Orakel an sich als auch einen Schritt weiter gehend deren Intention strittig.
Für meine Arbeit erwiesen sich die Aufsätze von W.G. Forrest, P. Londey sowie die Monographien von J. Boardman, M. J. de Araùjo Caldas, J. Fontenrose, M. Giebel, J. Kirchberg, I. Malkin, T. Miller und H.H. Rohrbach als hilfreich.
2) Die Gründungsorakel in den Historien Herodots in ihrem Kontext – Zentrale Kolonisationssteuerung durch das Orakel oder reine Erfindung?
Blickt man auf die Zeit der großen Kolonisation (ca. 750 bis 500 v. Chr.) im archaischen Zeitalter zurück, so machten sich in diesem Zeitraum verhältnismäßig viele Griechen auf, ihre Heimat gegen fremde Gefilde einzutauschen. So wird der Kolonisationsprozess an sich in etlichen Textpassagen in den Historien des Herodot geschildert.
Etliche Ursachen wie Überbevölkerung und Missernten führten dazu, zahlreiche Griechen zur Auswanderung zu bewegen.8 Für die Organisation – wenn man es denn so nennen will – einer neuen Koloniegründung waren mehrere Komponenten wichtig. In den Kolonisationsberichten treten häufig dieselben Interessensgruppen bzw. Parteien auf. Zunächst wäre da der Oikist zu nennen, welcher als „Gründervater“ einer solchen Unternehmung vorstand.9 Im Anschluss daran wären die Siedlergruppe zu nennen und die Metropolis des Gründers bzw. der Siedler. Eine Etappe, die in fast allen Berichten einen Platz einnimmt, ist das Orakel von Delphi.
Im Folgenden soll nun geklärt werden, welchen Platz die Orakelsprüche in den durch Herodot überlieferten Gründungsberichten einnehmen und welche Intention sie haben. Der detaillierteste Gründungsbericht findet sich im viertel Kapitel der Historien, in welchem die Gründung Kyrenes, die laut Rohrbach10 um 631 v. Chr stattgefunden haben dürfte, geschildert wird.11
[....]
1 Vgl. Londey, P., Greek colonists and delphi, in: Australian congress of classical archaeology 1 (1985), S.118.
2 Herodot, Historien, übs. von A. Horneffer, Stuttgart 41971.
3 Gute Überblicke über den aktuellen Forschungsstand finden sich bei: Malkin, Irad, Religion and colonization in ancient Greece (Studies in Greek and Roman religion 3), Leiden 1987, S.17ff.
Miller, Theresa, Die griechische Kolonisation im Spiegel literarischer Zeugnisse, Tübingen 1997, zugl. Diss. München 1997, S. 88ff.
4 Vgl. Fontenrose, Joseph, The delphic oracle, London 1987, S.137ff.
5 Vgl. Londey, P (1985), S.121.
6 Vgl. Rohrbach, Hans Hermann, Kolonie und Orakel. Untersuchungen zur sakralen Begründung der griechischen Kolonisation, Leipzig 1960, zugl. Diss. masch. Leipzig 1960. S.33.
7 Vgl. Curtius, E., 9. Griechische Geschichte, Berlin 1871. Zit. nach Rohrbach (1960), S.52: „Es war eine ihrer [der delphischen Priesterschaft] wichtigsten Aufgaben, alle Welt- und Völkerkunde, welche irgend erreichbar war, bei sich zu vereinigen und sich so in den Stand zu setzen, dem Colonisationstriebe der Hellenen die richtigen Bahnen anzuweisen […].“ Siehe dazu auch Malkin (1987), S.18 und Giebel, Marion, Das Orakel von Delphi. Geschichten und Texte, Stuttgart 2001, S.31.
8 Vgl. Giebel (2001), S.29.
Vgl. Boardman, John, Kolonien und Handel der Griechen. Vom späten 9. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr., München 1981, S.191ff.
9 Zur Bedeutung des Oikisten siehe Leschhorn, Wolfgang, Gründer der Stadt, Stuttgart 1984.
10 Vgl. Rohrbach (1960), S.31.
11 Hdt. IV, 147ff.
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