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Autor: Tina Weil
Fach: Soziologie - Kinder und Jugend
Details
Tags: Sozialisationsstörungen, Schwangerschaft, Adoleszenz
Jahr: 2001
Seiten: 28
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 17 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 125 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-10446-3
ISBN (Buch): 978-3-638-67609-0
Abb. 1 fehlt
Zusammenfassung / Abstract
Im Hinblick auf die überwiegend ungewollten Schwangerschaften junger Mädchen, spielt vor allem die Entwicklung im Sinne des psychologischen Begriffs der Adoleszenz eine wichtige Rolle, der durch Dieter Bürgin wie folgt sehr anschaulich definiert wurde. ,,Der Adoleszente in dieser mehrjährigen Übergangszeit lässt sich mit einem Trapezkünstler vergleichen, der seinen schwingenden Halt losgelassen hat, nun frei durch die Luft wirbelt und die gegenüberliegenden Trapezteile noch nicht gefasst hat - eine Phase höchster Verletzlichkeit, in welcher Erscheinungen wie Suizidversuche, Anorexie, Depression, psychotische Zustände, sexuelle Abartigkeiten, Drogenkonsum und Delinquenz unvermittelt gehäuft auftreten." Andererseits ist die Adoleszenz im Wesentlichen eine Entwicklungsaufgabe, die Herausforderungen wie die Ablösung von den Eltern, die Schaffung einer reifen Sexualität, den Abschluss der kognitiven Entwicklung und die Bildung einer stabilen Identität mit einem eigenständigen Über-Ich an die Jugendlichen stellt. Als entscheidenden Entwicklungsschritt möchte ich an dieser Stelle ,,die Fähigkeit, den Verlust der Primärobjekte zu betrauern", herausgreifen, die bei adoleszenten Müttern nicht erreicht wird. Diese Mädchen sind unfähig ihre eigene Identität, aber auch ihre Rolle in der Gesellschaft aufzubauen und zu akzeptieren. Das Kind wird als Substitut für die abgebrochene Beziehung zu den eigenen Eltern oder früheren Bezugpersonen genutzt und ist lediglich eine Attrappe für so viele bewusste und unbewusste Wünsche der Adoleszentin. Im folgenden wird der Zusammenhang zwischen der Sozialisation der jungen Frauen und ihrer ungewollten Schwangerschaft beziehungsweise Mutterschaft erörtert, um diese Vermutungen und Rückschlüsse in empirischer Vorgehensweise zu überprüfen.
Textauszug (computergeneriert)
Sozialisationsstörungen infolge von ungewollter
Schwangerschaft in der Adoleszenz
Tina Weil
1. Einleitung
2. Entstehung einer ungewollten Schwangerschaft
2.1 Herkunft, soziales Umfeld
2.2 Die Pubertät
2.3 Sexualität - Verhütung
2.4 Weitere Gründe
3. Mutterschaft in der Adoleszenz
3.1 Die familiäre und außerfamiliäre Sozialisation
3.2 Die besondere Rolle adoleszenter Mütter in der Gesellschaft
3.3 Spezifische Problemstellungen für junge Mütter
3.4 Die Rolle des Kindsvaters
3.5 Zukunft und Beruf
4. Schluss
5. Anlagen
6. Literaturverzeichnis
1.Einleitung
Zeitungstext über die Tötung eines Kindes durch seine 20-jährige Mutter
Siehe Quellenangabe unten.1
Dieser erschreckende Zeitungsbericht löst wohl bei jedem Leser große Betroffenheit und vor allem Unverständnis aus. Wie kommt eine Mutter dazu ihr eigenes Kind auf solch brutale Weise zu behandeln, ja gar zu töten? Bezeichnenderweise ist es in diesem Falle aber eine ,,20-jährige Mutter"! Die widersprüchlichen Aussagen dieser jungen Frau legen die Vermutung nahe, dass es für Mütter dieser Altersgruppe im allgemeinen keine leichte Aufgabe zu sein scheint ihr Kind verantwortungsbewusst und adäquat großzuziehen ohne dabei selbst in schwerwiegende Krisensituationen zu geraten. Wer betrachtet, dass Mädchen zwischen 14 und 23 Jahren, auf die ich mich im folgenden beziehen werde, selbst im konfliktreichen Jugendalter stecken, beurteilt obenstehende Situation unter Umständen mit weniger Kopfschütteln. Dieses Lebensalter ist vor allem durch seinen dichotomen Charakter gekennzeichnet, der die Pubertät als körperliche Reifung und die Adoleszenz als ,,seelische Auseinandersetzung mit den körperlichen und psychosozialen Veränderungen an der Schwelle zum Erwachsenwerden"2 vereint. Im Hinblick auf die überwiegend ungewollten Schwangerschaften der jungen Mädchen, spielt vor allem die Entwicklung im Sinne des psychologischen Begriffs der Adoleszenz eine wichtige Rolle, der durch Dieter Bürgin wie folgt sehr anschaulich definiert wurde. ,,Der Adoleszente in dieser mehrjährigen Übergangszeit lässt sich mit einem Trapezkünstler vergleichen, der seinen schwingenden Halt losgelassen hat, nun frei durch die Luft wirbelt und die gegenüberliegenden Trapezteile noch nicht gefasst hat - eine Phase höchster Verletzlichkeit, in welcher Erscheinungen wie Suizidversuche, Anorexie, Depression, psychotische Zustände, sexuelle Abartigkeiten, Drogenkonsum und Delinquenz unvermittelt gehäuft auftreten."3 Andererseits ist die Adoleszenz im Wesentlichen eine Entwicklungsaufgabe, die Herausforderungen wie die Ablösung von den Eltern, die Schaffung einer reifen Sexualität, den Abschluss der kognitiven Entwicklung und die Bildung einer stabilen Identität mit einem eigenständigen Über-Ich an die Jugendlichen stellt.4 Als entscheidenden Entwicklungsschritt möchte ich an dieser Stelle ,,die Fähigkeit, den Verlust der Primärobjekte zu betrauern"5, herausgreifen, die bei adoleszenten Müttern nicht erreicht wird. Diese Mädchen sind unfähig ihre eigene Identität, aber auch ihre Rolle in der Gesellschaft aufzubauen und zu akzeptieren. Das Kind wird als Substitut für die abgebrochene Beziehung zu den eigenen Eltern oder früheren Bezugpersonen genutzt und ist lediglich eine Attrappe für so viele bewusste und unbewusste Wünsche der Adoleszentin.6
Im folgenden wird der Zusammenhang zwischen der Sozialisation der jungen Frauen und ihrer ungewollten Schwangerschaft beziehungsweise Mutterschaft erörtert, um diese Vermutungen und Rückschlüsse in empirischer Vorgehensweise zu überprüfen.
[...]
1 NWZ vom 22.05.2001
2 Resch, 1996, S. 231
3 Bürgin, 1988, S. 65
4 vgl. Jongbloed-Schurig, 1998, S.99
5 Berger, 1988, S. 33
6 vgl. Berger, 1988, S. 35
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