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Hauptseminararbeit, 2006, 29 Seiten
Autor: Sonja Loidl
Fach: Deutsch - Gattungen
Details
Institution/Hochschule: Universität Wien (Germanistik)
Tags: Märchen-Motive, Harry, Potter, Interpretation, Kinder-, Hausmärchen, Brüder, Grimm
Jahr: 2006
Seiten: 29
Note: 1
Literaturverzeichnis: ~ 32 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-60657-8
ISBN (Buch): 978-3-638-67259-7
Dateigröße: 190 KB
Eine Untersuchung über die Möglichkeit der Zuordnung von Harry Potter zu den Märchen. Außerdem werden ausgewählte Motive (z.B.: Antiheld, Aschenputtel, Elfen, Riesen, dankbare Tote,...) analysiert.
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Zusammenfassung / Abstract
In dieser Abhandlung wird die Frage behandelt, ob beziehungsweise inwieweit die Harry-Potter-Reihe in die kinderliterarische Gattung „Märchen“ eingeordnet werden kann. Zu diesem Zweck wird Rowlings Serie mit Definitionen der Gattung von Lüthi verglichen. Außerdem wird nachgewiesen werden, dass die Autorin zahlreiche Märchen-Motive in ihr Werk – mitunter in adaptierter Form – integriert hat. Einen auch nur annähernd vollständigen Motiv-Index der Harry-Potter-Romane zu erstellen würde den Rahmen dieser Untersuchung allerdings überschreiten. Deshalb erfolgt eine Beschränkung auf neun Motive, denen ich drei hinzufüge, die meiner Ansicht nach reine Kreationen der Autorin sind. Für Zitate und „Potter-Begriffe“ werden die Orginialversionen der Bücher herangezogen werden, da ich aus Gründen, die an dieser Stelle nicht erläutert werden sollen, an der Qualität der deutschen Übersetzung zweifele. Gelegentlich werde ich aber deutsche Begriffe – sollten sie stark vom Original abweichen – in Klammer dazusetzen. Die Bezeichnung „Romane“ für die Harry-Potter-Bücher wird im Rahmen dieser Arbeit im Sinn einer langen, fiktiven Erzählung in Prosa verwendet. Auch ein paar allgemeine Bemerkungen zum Phänomen, das das Werk darstellt, können natürlich nicht ausgespart bleiben. In die vorliegende Untersuchung sind die Bände eins bis inklusive sechs integriert.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Wien
Institut für Germanistik
SE Ältere dt. Lit.: Zur Interpretation der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm
Märchen-Motive in ‚Harry Potter’
Sonja Loidl
(SS 2006)
Inhaltsverzeichnis
1. Allgemeine Bemerkungen 3
2. Bemerkungen zum Begriff „Motiv“ 3
3. Bemerkungen zu „Harry Potter“ 4
3.1. Das Phänomen 4
3.2. Gattungszuordnung 5
4. Die Harry-Potter-Romane als Märchen? 6
4.1. Aarnes und Thompsons Märchenkategorisierung 6
4.2. Volksmärchen oder Kunstmärchen? 7
4.3. verwandte Gattungen 11
5. Motive in „Harry Potter“ 12
5.1. einzigartige Motive der Autorin 12
5.2. Märchen-Motive 14
6. Weiterführendes und Resümee 26
7. Literaturverzeichnis 27
1. Allgemeine Bemerkungen
In dieser Arbeit behandle ich die Frage, ob beziehungsweise inwieweit die Harry-Potter-Reihe in die kinderliterarische Gattung „Märchen“ eingeordnet werden kann.
Zu diesem Zweck werde ich Rowlings Serie mit Definitionen der Gattung von Lüthi vergleichen. Außerdem werde ich nachweisen, dass die Autorin zahlreiche Märchen-Motive in ihr Werk – mitunter in adaptierter Form – integriert. Einen auch nur annähernd vollständigen Motiv-Index der Harry-Potter-Romane zu erstellen würde den Rahmen dieser Arbeit allerdings überschreiten. Ich beschränke mich daher auf neun Motive, denen ich drei hinzufüge, die meiner Ansicht nach Kreationen der Autorin sind.
Ich ziehe für Zitate und „Potter-Begriffe“ die Orginialversionen der Bücher heran, da ich aus Gründen, die an dieser Stelle nicht erläutert werden sollen, an der Qualität der deutschen Übersetzung zweifele. Gelegentlich werde ich aber deutsche Begriffe – sollten sie stark vom Original abweichen – in Klammer dazusetzen.
Die Bezeichnung „Romane“ für die Harry-Potter-Bücher wird im Rahmen dieser Arbeit im Sinn einer langen, fiktiven Erzählung in Prosa verwendet.
Auch ein paar allgemeine Bemerkungen zum Phänomen, das das Werk darstellt, können natürlich nicht ausgespart bleiben.
2. Bemerkungen zum Begriff „Motiv“
Max Lüthi bezeichnet ein Märchen-Motiv als das kleinste Element einer märchenhaften Erzählung, das sich im Laufe der Überlieferung erhalten hat.1
Im Allgemeinen ist mit dem literaturwissenschaftlichen Begriff Motiv „ein stoffl.-themat., situationsgebundenes Element, dessen inhaltl. Grundform schematisiert beschrieben werden kann […]“2 gemeint.
Weitere mögliche Untergliederung wie etwa in Typusmotiv, Situationsmotiv, Leitmotiv, Kernmotiv u.a. ist für diese Arbeit nicht von Belang.
3. Bemerkungen zu „Harry Potter“
3.1. Das Phänomen3
„Harry Potter“ ist eindeutig der Kinder- und Jugendliteratur zugeschrieben. Allerdings lässt sich anhand dieses Beispiels die Tatsache, dass Kinder und Jugendliche auch lesen, was ursprünglich eigentlich nicht für sie bestimmt war, umdrehen: Erwachsene (und derer nicht wenige) stürzen sich genauso wie Kinder, wenn nicht noch mehr, auf Rowlings Bücher. Ein interessanter Punkt im Zusammenhang mit den Harry-Potter-Büchern ist, dass sie nicht nur altersunabhängig rezipiert werden, sondern auch kulturunabhängig. Sie wurden bereits in 47 Sprachen übersetzt.
Was macht das Werk so anziehend? Eines der stilistischen Merkmale von Rowling ist ihr Eklektizismus: Sie verbindet Elemente aus bestimmten Mythen (z.B. Fluffy, der Zerberus nachempfunden wurde, oder Namen wie Arthur und Minerva), Elemente aus anderen Sprachen oder Sprachhistorisches (z.B. Dumbledore, Grindelwald oder Fleur Delacour), Elemente unzähliger literarischer Texte (z.B. stammt der Name Hermione [laut Angabe der Autorin4] aus Shakespeares „Ein Wintermärchen“), Elemente aus Wissenschaften (z.B.: Astronomie: Sirius, der Hundestern, ist Namengeber für einen Zauberer, der sich in einen Hund verwandeln kann), und auch märchenhafte Elemente, wie diese Arbeit ausführlich demonstriert.
Dieses Merkmal bewirkt u. a. die Doppelcodierung der Romane: Erwachsene fühlen sich auf anderer Ebene abgesprochen und erkennen Zusammenhänge und Verweise, die Kindern verborgen bleiben. Das, und der über weite Strecken parodistische Stil, sind mit großer Wahrscheinlichkeit wesentliche Gründe für die weit verbreitete „Pottermania“.
Einige der Gründe, die Kaspar Spinner für die Faszination an der Harry-Potter-Reihe angibt, treffen durchaus auch auf die Märchen-Rezeption zu:
- Ein Element der Handlung sind Minderwertigkeitsgefühle, ein anderes Grandiositäts-Phantasien. Identifikation mit dem Helden fällt bei solchen Empfindungen nicht schwer. Sie liegen auch vielen Märchen zugrunde. Der Typus des Antihelden, des Jüngsten oder Dümmsten, der am Ende den Sieg davonträgt und die Belohnung einstreicht, schlägt in diese Kerbe.
- Angstlust spielt im Märchen – zumindest für jüngere Rezipienten mit Sicherheit - eine große Rolle. Auch „Harry Potter“ bietet genug Grundlage für diese Empfindung, da Harry seine gefährlichen Abenteuer (bis dato) immer überlebt hat.
- Auch der Sieg über das böse und den Tod sowie die Verknüpfung von realer und phantastischer Welt sind Aspekte, die das Märchen und Rowlings Serie miteinander teilen und eine psychologisch erklärbare Faszination auf Leser ausüben.
3.2. Gattungszuordnung5
[...]
1 Max Lüthi: Das europäische Volksmärchen. Form und Wesen. 4. erw. Aufl.. - München: Francke 1974. S. 18.
2 Metzler Literatur Lexikon. Begriffe und Definitionen. Günther und Irmgard Schweikle [Hrsg.]. 2. überarbeitete Aufl.. – Stuttgart: J. B. Metzlersche Verlagsbuchhandlung 1990. S. 312.
3 Angelika Mühlbauer: Generic hybridity in the Harry Potter novels. - Wien, Univ., Dipl.-Arb. 2004. S. 70ff, 86ff, 91ff, 101ff. Gottfried Wurst: Harry Potter. Eine heilsame Aufregung. – In: Heidi Lexe [Hrsg.]: "Alohomora!". Ergebnisse des ersten Wiener Harry-Potter-Symposions. - Wien: Ed. Praesens 2002. S. 98ff. Kaspar H. Spinner [Hrsg.]: Im Bann des Zauberlehrlings? Zur Faszination von Harry Potter. - Regensburg: Pustet 2001. S. 11ff. Suman Gupta: Re-reading Harry Potter. - Basingstoke: Palgrave Macmillan 2003. S. 17.
4 http://www.quick-quote-quill.org/articles/1999/1099-pressclubtransc.html. [25.6. 2006, 19.00h].
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