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Autor: Robert Meyer
Fach: Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
Details
Tags: Fernsehen, Eine, Gefahr, Demokratie
Jahr: 2006
Seiten: 34
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 13 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 209 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60883-1
In der Arbeit geht es um die Auseinandersetzung mit den von Pierre Bourdieu in seinen Vorlesungen "Über das Fernsehen" aufgestellten Hypothesen. Leitende Fragestellung ist hierbei, ob die von Bourdieu auf französische Verhältnisse im Feld der Medien, speziell des Fernsehens, zutreffenden Aussagen auch auf die deutsche Fernsehlandschaft zu übertragen sind.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Hannover
Institut für Politische Wissenschaft, Vordiplom
3. Fachsemester, WS 2005/06
Das Fernsehen – Eine Gefahr für die Demokratie?
von: Robert Meyer
EINLEITUNG 2
1. PIERRE BOURDIEU „ÜBER DAS FERNSEHEN“ 4
1.1. Das journalistische Feld 4
1.2. Mechanismen einer ungewollten, wirksamen politischen Zensur 6
1.3. Die Gefahren des Fernsehens für die Demokratie 8
1.4. Lösungsansätze 10
2. FERNSEHEN AUS POLITIKWISSENSCHAFTLICHER SICHT 11
3. ZUR SITUATION DES FERNSEHENS IN FRANKREICH 12
3.1. Politische und kulturelle Aufgaben des französischen Fernsehens 13
3.2. Institutionelle und normativ-rechtliche Rahmenbedingungen des französischen Fernsehens 14
3.3. Die Rolle des Fernsehens im Prozess der politischen Kommunikation 16
4. ZUR SITUATION DES FERNSEHENS IN DEUTSCHLAND 18
4.1. Die gesellschaftliche Rolle des Fernsehens in Deutschland 20
4.2. Institutionelle und normativ-rechtliche Rahmenbedingungen des deutschen Fernsehens 21
4.3. Die Rolle des Fernsehens im Prozess der politischen Kommunikation 25
5. VERGLEICH DER FERNSEHSYSTEME FRANKREICHS UND DEUTSCHLANDS 27
SCHLUSSBETRACHTUNG 29
QUELLENNACHWEIS 32
Einleitung
„In Russland wird das Volk durch die Partei verdummt, in den Vereinigten
Staaten durch die Television“ Friedrich Dürrenmatt
Die Medien gelten in der Politikwissenschaft neben Judikative, Exekutive und Legislative als die vierte Macht im Staat, als eine tragende Säule moderner Demokratien im Informationszeitalter. Ihnen wird die Aufgabe zugedacht, in modernen Massengesellschaften den notwendigen öffentlichen Raum herzustellen, in dem sich demokratische, also zustimmungsabhängige und informationspflichtige Herrschaft verwirklichen kann. Damit haben sie vor allem die Funktion, grundlegende Quelle politisch relevanter Informationen zu sein, die jedem einzelnen Staatsbürger die Teilnahme am politischen Leben einer demokratisch organisierten Gesellschaft ermöglichen soll. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist das Fernsehen. Ein Medium, dessen gesellschaftliche Bedeutung im alltäglichen und politischen Leben stetig zunimmt. Neben der Presse ist es für die meisten in einer Demokratie lebenden Menschen bereits heute die wichtigste Informationsquelle und für viele, gerade Angehörige der unteren Gesellschaftsschichten, oftmals die Einzige. Folglich müssen sich Politik und Politikwissenschaft mit den Auswirkungen der weiten Verbreitung des Mediums und seiner zunehmenden Akzeptanz als Hauptinformationsquelle auseinandersetzen.
Dies ist in der BRD seit Anfang der 60’er Jahre in vielerlei Hinsicht getan worden. Zahlreiche kommunikationspolitisch orientierte Studien über die Auswirkung von Fernsehen auf das Wahlverhalten der Bundesbürger sowie Untersuchungen über Zugangsmöglichkeiten zu elektronischen Informationsquellen bestätigen dies. Darüber hinaus hat sich auch die bundesdeutsche Justiz, besonders das Bundesverfassungsgericht (BverfG), in einer ganzen Reihe von medienpolitisch wirksamen Entscheidungen zu Fragen der Zensur, Finanzierung, dem Verhältnis von Staat und Fernsehen sowie der demokratischen Organisation innerhalb der Institutionen des Rundfunks geäußert. Ob in Justiz, Politik oder Politikwissenschaft, fast immer steht das Interesse an der Gewährleistung und Sicherung des von den Medien geschaffenen öffentlichen Raumes und das ihn mitkonstituierende Menschenrecht der freien Meinungsäußerung im Vordergrund der Debatten. Dabei wird häufig von einer positiven Auswirkung liberalistischer Organisationsstrukturen des Medienmarktes auf die Vielfalt von Sendern, freier Meinungsäußerung und letztlich der Informationsqualität ausgegangen.
Grundlage der Arbeit bildet eine dieser weitverbreiteten Auffassung entgegengesetzte Argumentation des französischen Soziologen Pierre Bourdieu. In seinen beiden Vorlesungen „Über das Fernsehen“ stellt er das Funktionieren des Mediums in Hinblick auf die Schaffung eines demokratisch öffentlichen Raumes, die Verbreitung politisch relevanter Informationen für die Bürger und die Gewährleistung freier Meinungsäußerung unter den Bedingungen liberalistischer Wirtschaftsstrukturen in Frage. Bourdieus Argumentation geht soweit, in der jetzigen Form des Mediums eine Gefahr für die Demokratie zu sehen.
In der Arbeit sollen Bourdieus Bedenken anhand der Situation des deutschen und französischen Mediensystems auf ihre Begründetheit hin überprüft werden. Hierfür erfolgt in Kapitel 1 eine ausführliche Zusammenfassung Bourdieus Argumentation und Sichtweise. Daran schließt sich in Kapitel 2 eine Einordnung des Gegenstandes in die Politikwissenschaft sowie eine Begründung, warum sie sich mit dem Phänomen Fernsehen beschäftigen sollte, an. Im mittleren Teil der Arbeit, Kapitel 3 und 4, werden mit Hilfe einer schwerpunktmäßigen Analyse der Situation des Fernsehens in Frankreich und Deutschland beide Mediensysteme einander gegenübergestellt. Kapitel 5 beinhaltet einen kurzen zusammenfassenden Vergleich. In der Schlussbetrachtung findet sich dann die Bewertung der Gefahren, die Bourdieu im Fernsehen sieht, aus politikwissenschaftlicher Sicht.
1. Pierre Bourdieu „Über das Fernsehen“
In seinen beiden Vorlesungen „Über das Fernsehen“ verfolgt Bourdieu mit einer sozilogisierenden Betrachtungsweise der Probleme, welche die Verbreitung des Fernsehens mit sich bringt, ein durchaus politisches Ziel. Die Wahrung der Demokratie, ihrer grundlegenden Werte Freiheit und Autonomie, und damit letztlich die Sicherung der Bedingungen für die intellektuellen Errungenschaften, gerade in den Bereichen von Wissenschaft und Kunst.1
In Analogie zu Marx macht Bourdieu deutlich, dass die am Produktionsprozess der Fernsehsendungen Beteiligten einer ganzen Reihe von Zwängen unterliegen, welchen der Einzelne sich nicht entziehen kann, da er sich ihrer meist gar nicht bewusst ist bzw. sie nicht als wirkliche Zwänge erlebt. Folglich macht Bourdieu in seinen Vorlesungen jene Gesetze der Medienbranche zum Thema seiner Betrachtung, unter denen die Produktion von Fernsehsendungen erfolgt, sowie den Habitus derjenigen, die für Informationsbeschaffungen innerhalb der Branche zuständig sind. Er zeigt auf, durch welche Mechanismen der Prozess Fernsehen zu einem großen Teil unbeabsichtigt, heißt unbewusst, von den miteinander verflochtenen Menschen so ausgestaltet wird, dass das Medium seiner ihm zugedachten Rolle innerhalb einer demokratisch verfassten Gesellschaft nicht nachkommen kann. Denn es ermöglicht dem Einzelnen nicht den Zugriff auf die notwendigen Informationen, welche ihm die Partizipation am politischen Leben und damit an den politischen Entscheidungen der Gesellschaft gestatten.2 Damit geht er in der Betrachtung des Phänomens Fernsehen weiter, als dies die meisten politischen Untersuchungen tun, die sich gegenwärtig fast immer der reinen Analyse institutioneller und normativer Rahmenbedingungen widmen.
1.1. Das journalistische Feld
Der eigentliche Untersuchungsgegenstand Bourdieus ist das journalistische Feld. Gedacht als Mikrokosmos, als strukturierter gesellschaftlicher Raum mit eigenen Gesetzen. Seine Struktur ist durch seine Lage innerhalb der gesamten Gesellschaft und den Kräften, welche zwischen ihm und anderen Mikrokosmen herrschen, mitbestimmt. Die relative Autonomie des Feldes ist der Grund für Bourdieus Ansicht, dass sich die Vorgänge innerhalb des journalistischen Feldes nicht durch exogene Faktoren, wie z.B. ökonomische, allein erklären lassen. Vielmehr wirkt auch innerhalb des Feldes eine ganze Reihe von Kräfteverhältnissen, von denen einige über die gegenseitige direkte Beeinflussung der einzelnen Fernsehsender und Journalisten hinaus für die Beteiligten unsichtbar bleiben. Die Gesamtheit der Kräfteverhältnisse innerhalb und außerhalb des journalistischen Feldes muss für eine Analyse des Geschehens berücksichtigt werden.3
Für die Form der Konkurrenz der einzelnen Sender um hohe Einschaltquoten, also ihr konkretes Handeln, ist der relative, nicht direkt sichtbare Stellenwert der einzelnen Sender innerhalb des journalistischen Feldes entscheidend. Es wird um Erhalt oder Veränderung des relativen Stellenwertes, des bestehenden Kräftefeldes und damit um die Chancen zur Beeinflussung des Feldes gekämpft. Dabei spielt sich die Konkurrenz der einzelnen Sender in Form von Konkurrenz zwischen den einzelnen Journalisten und Produzenten ab, die auch immer um ihren eigenen Stellenwert innerhalb der Sender kämpfen. Diese erfahren die ökonomischen Zwänge nicht vorrangig als wirtschaftlichen Kampf um Gewinne und Einschaltquoten, sondern als Jagd nach der Exklusivmeldung, der Sorge um das berufliche Ansehen und in Form eines Berufsethos.4
Das journalistische Feld wirkt wiederum selbst auf andere Felder ein, nach Bourdieu vorrangig auf alle Felder der Kulturproduktion. Die Liberalisierung des journalistischen Feldes und damit der Einzug der kommerziellen Logik in die journalistischen Produktionsprozesse ermöglichen es der Wirtschaft, über das Medium Fernsehen, aufgrund seiner Bedeutung innerhalb des Feldes, zunehmend Druck auf die restlichen Presseerzeugnisse auszuüben. Diese passen sich, um konkurrenzfähig zu bleiben, der Themenvorgabe durch das Fernsehen an, wodurch letztlich auch auf die restlichen Felder der Kulturproduktion der kommerzielle Druck lastet.5
1.2. Mechanismen einer ungewollten, wirksamen politischen Zensur6
[...]
1 vgl. Pierre Bourdieu: Über das Fernsehen. Frankfurt a. M. 1998, S.50ff.
2 dazu ausführlicher ebd., S.15-48
3 dazu ausführlicher ebd., S.55-57
4 vgl. ebd., S.57f. und darüber hinaus S.68ff.
5 dazu ausführlicher ebd., S.76-80
6 Bei dem Kapitel handelt es sich um eine Zusammenfassung Bourdieus Gedankengang im ersten Vortrag „Das Fernsehstudio und seine Kulissen“. Sofern nicht anders kenntlich gemacht vgl. ebd., S.15-52
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