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Magisterarbeit, 2006, 192 Seiten
Autor: Beatrix Deiss
Fach: Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien
Details
Tags: Musik, Internet, Filesharing
Jahr: 2006
Seiten: 192
Note: 1.5
Literaturverzeichnis: ~ 159 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-59427-1
ISBN (Buch): 978-3-638-73981-8
Dateigröße: 3453 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Dieses Buch beschäftigt sich mit Filesharing im Internet, speziell mit dem Austausch von Musikdateien. In sogenannten Tauschbörsen schließen sich Internetznutzer mit Gleichgesinnten zu Netzwerken zusammen, um Filesharing zu betreiben, d.h. digitale Inhalte, vornehmlich Musik und Filme, über das World Wide Web zu tauschen bzw. voneinander zu kopieren. Die Teilnehmer der Netzwerke stellen dafür jeweils Dateien zur Verfügung, die sie auf ihren Computern gespeichert haben. Wer eine bestimmte Datei sucht, kann über die Tauschbörse herausfinden, wer diese hat und dann eine Verbindung mit dem Anbieter aufbauen, um sich die Datei auf den eigenen Computer zu kopieren. Diese Art der Datenübertragung bezeichnet man als Peer-to-Peer (P2P), denn sie findet direkt zwischen den beiden Teilnehmern statt, also von Nutzer zu Nutzer. Noch bis vor ein paar Jahren konnten die Musik-Tauscher ihr Treiben weitgehend unbehelligt ausleben. Inzwischen gehen aber die Musikindustrie und in deren Auftrag Staatsanwälte und Richter vermehrt gegen die Betreiber von Tauschbörsen und auch gegen deren Nutzer vor, weil die meisten der Inhalte dieser Tauschnetzwerke urheberrechtlich geschützt sind und als Raubkopien in Umlauf geraten. Über Filesharing und digitale Musikpiraterie wird momentan heftig debattiert, aber über die Piraten selbst wenig bekannt. Welche Motive bewegen sie zur Nutzung von Tauschbörsen, außer der offensichtlichen Kostenersparnis? Warum sind so viele bereit, ihre Musik im Internet für andere anzubieten, obwohl sie keinen ökonomischen Nutzen daraus ziehen können? Wie reagieren sie auf die zunehmende Gefahr, rechtlich belangt zu werden? Welche Rolle spielen ethische Überlegungen? Die vorliegende Studie will versuchen, einen Beitrag zur Schließung dieser Wissenslücke zu leisten und Einblicke in die Motive, Einstellungen und das konkrete Download- und Angebotsverhalten der Nutzer von Tauschbörsen 2006 in Deutschland zu geben. Außerdem wird eine Typologisierung vorgenommen, um herauszufinden, ob es einzelne Gruppen von Nutzern gibt, die sich im Hinblick auf diese Faktoren voneinander unterscheiden. Zur Datenerhebung wurde eine explorative Internetbefragung durchgeführt. Diese konzentrierte sich auf das Herunterladen von Musikdateien, denn diese machen einen sehr großen Teil der Inhalte von Tauschbörsen aus und haben in Hinsicht auf die ökonomischen Auswirkungen die größte Relevanz.
Textauszug (computergeneriert)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Freie wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des
akademischen Grades Magister Artium
Musik aus dem Internet – Filesharing in p2p-Tauschbörsen
Beatrix Deiss
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 5
2. Darstellung des Untersuchungsgegenstands ... 8
2.1 Technische Voraussetzungen für Tauschbörsen ... 8
2.1.1 Datenkomprimierung mit MP3 ... 8
2.1.2 Verbreitung schneller Internetzugänge ... 9
2.2 Technische Grundlagen von Filesharing ... 10
2.2.1 Peer to Peer-Kommunikation ... 10
2.2.2 Allgemeine Funktionsweise von Tauschbörsen ... 11
2.2.3 Zentralisierte Netzwerke ... 12
2.2.4 Dezentralisierte Netzwerke ... 13
2.2.5 Hybrid-Netzwerke ... 14
2.2.6 Andere Filesharing-Netzwerke ... 15
2.3 Rechtslage ... 16
2.3.1 Urheberrechtlicher Schutz von Musikwerken ... 16
2.3.2 Novellierung des Urheberrechts ... 17
2.3.3 Anbieten von Musikdateien ... 18
2.3.4 Herunterladen von Musikdateien ... 18
2.3.5 Betreiben einer Tauschbörse ... 19
2.4 Reaktionen der Musikindustrie auf Filesharing ... 20
2.4.1 Gerichtliche Klagen ... 20
2.4.2 Technische Maßnahmen ... 22
2.4.3 Angebot legaler Alternativen ... 23
2.5 Zur Aktuellen Situation ... 25
3. Forschungsstand – Literaturüberblick über Studien zu Filesharing ... 27
3.1 Ethisches Verhaltensmodell für Filesharing ... 27
3.2 Sozialpsychologisches Modell zum Downloadverhalten ... 28
3.3 Auswirkungen von Strafandrohungen ... 29
3.4 Kooperationsverhalten ... 30
3.4.1 Empirische Studien zum Angebots- und Freeriding-Verhalten ... 30
3.4.2 Ökonomisches Kausalmodell zur Angebotsmotivation ... 31
3.4.3 Theoretische Erklärung für Kooperation in Tauschbörsen ... 33
3.5 Onlinebefragung deutscher Tauschbörsennutzer ... 34
3.6 Untersuchungen zu ökonomischen Auswirkungen ... 36
3.6.1 Theoretische Überlegungen aus der Ökonomie ... 36
3.6.2 Auswirkungen auf CD-Verkäufe – Empirische Untersuchungen ... 37
4. Theoretischer Hintergrund ... 41
4.1. Die Rational Choice-Theorie und die Spieltheorie ... 41
4.1.1 Annahmen der Rational Choice-Theorie ... 41
4.1.2 Grundlagen der Spieltheorie ... 43
4.1.3 Soziale Dilemmata und die Kollektivgutproblematik ... 44
4.1.4 Mögliche Lösungen von sozialen Dilemmata ... 45
4.1.5 Internettauschbörsen als Kollektivgüter ... 46
4.2 Die Theorie des Geplanten Verhaltens ... 47
4.2.1 Grundlagen der Theorie ... 47
4.2.2 Modell zur Theorie ... 48
4.2.3 Internettauschbörsen und die Theorie des geplanten Verhaltens ... 49
4.3 Der Uses and Gratifications-Ansatz ... 50
4.3.1 Ziele und Elemente des Ansatzes ... 50
4.3.2 GS/GO- und Erwartungs-Bewertungs-Modell ... 51
4.3.3 Ein integratives U&G-Modell ... 52
4.3.4 Bedürfnis- und Gratifikationstypologien ... 53
4.3.5 Anwendung des U&G-Ansatzes auf die Internetnutzung ... 54
4.3.6 Relevanz des U&G-Ansatzes für Internettauschbörsen ... 56
5. Forschungsfragen und Hypothesen ... 57
6. Empirische Untersuchung ... 62
6.1 Die Methode der Online-Befragung ... 62
6.1.1 Auswirkungen auf die Datenqualität ... 62
6.1.2 Auswirkungen auf die Repräsentativität ... 63
6.2 Messinstrument ... 65
6.3 Durchführung der Befragung ... 74
6.4 Beschreibung der Stichprobe ... 74
6.4.1 Datenbereinigung und gültige Fälle ... 74
6.4.2 Soziodemographische Merkmale der Befragten ... 75
6.4.3 Internetzugang der Befragten ... 76
7. Ergebnisse ... 78
7.1 Deskriptive Statistik des Downloadverhaltens ... 78
7.2 Operationalisierung der Persönlichkeits- und Einstellungskonstrukte ... 81
7.3 Umkodierung für Gruppenvergleiche ... 83
7.4 Test der Forschungsfragen und Hypothesen ... 83
7.4.1 Nutzungsmotive ... 84
7.4.2 Einflüsse auf das Downloadverhalten ... 90
7.4.3 Kooperation/Angebot ... 98
7.4.4 Einflüsse auf das Kooperationsverhalten ... 99
7.4.5 Veränderung des Konsumverhaltens ... 106
7.4.6 Typologie der Nutzer ... 108
8. Diskussion ... 113
8.1 Zusammenfassung der Ergebnisse ... 113
8.2 Kritik der vorliegenden Studie ... 115
8.3 Bedeutung für die Forschung ... 116
8.4 Zukunftsausblick ... 119
8.4.1 Schlussfolgerungen in der Perspektive der Tauschbörsen ... 119
8.4.2 Schlussfolgerungen in der Perspektive der Musikindustrie ... 121
8.4.3 Ein möglicher Kompromiss: Die Kultur-Flatrate ... 122
Verzeichnis der Literatur- und Internetquellen ... 124
Anhang A: Glossar ... 135
Anhang B: Verbindungsüberblick ... 139
Anhang C: Screenshots von eMule ... 140
Anhang D: Das Gefangenendilemma ... 142
Anhang E: Internetseiten, auf denen der Fragebogen verlinkt wurde ... 144
Anhang F: Fragebogen ... 147
Anhang G: Tabellen ... 175
1. Einleitung
Anfang Juni diesen Jahres gingen im Rahmen einer Demonstration in Göteborg und Stockholm etwa 500 „Piraten“ auf die Straße.1 Allerdings handelte es sich dabei nicht um wilde Gestalten mit Augenklappe und Säbel, sondern um digitale Freibeuter. Sie segeln für ihre Raubzüge nicht über die sieben Weltmeeren, sondern surfen zuhause mit dem Computer weltweit durchs Internet. In sogenannten Tauschbörsen schließen sich diese Internetznutzer mit Gleichgesinnten zu ganzen Netzwerken zusammen, um Filesharing zu betreiben, d.h. digitale Inhalte, vornehmlich Musik und Filme, über das World Wide Web zu tauschen bzw. voneinander zu kopieren. Die Teilnehmer der Netzwerke stellen dafür jeweils Dateien zur Verfügung, die sie auf ihren Computern gespeichert haben. Wer eine bestimmte Datei sucht, kann über die Tauschbörse herausfinden, wer diese hat und dann eine Verbindung mit dem Anbieter aufbauen, um sich die Datei auf den eigenen Computer zu kopieren. Diese Art der Datenübertragung bezeichnet man als Peer-to-Peer (P2P), denn sie findet direkt zwischen den beiden Teilnehmern statt, also von Nutzer zu Nutzer. Als Piraterie kann Filesharing betrachtet werden, weil die meisten der Inhalte dieser Tauschnetzwerke urheberrechtlich geschützt sind und als Raubkopien in Umlauf geraten.
Noch bis vor ein paar Jahren konnten die Musik- und Filmpiraten ihr Treiben weitgehend unbehelligt ausleben. Inzwischen gehen aber die Musikindustrie und in deren Auftrag Staatsanwälte und Richter vermehrt gegen die Betreiber von Tauschbörsen und auch gegen deren Nutzer vor. Eines der momentan beliebtesten Netzwerke ist BitTorrent, mit dem vor allem große Dateien wie Filme oder ganze CD-Alben schnell heruntergeladen werden können. Damit die nachfragenden Nutzer herausfinden können, wo sich eine Datei im Netzwerk befindet, gibt es im Internet privat betriebene Indexseiten, die die entsprechenden Informationen und Links bereithalten, sogenannte Trackerseiten. Eine der größten dieser Seiten für das weltweite BitTorrent-Netzwerk wird von Stockholm aus betrieben. Passend zum Selbstverständnis der Betreiber heißt sie „The Pirate Bay“, die Piratenbucht. Bei einer Razzia Ende Mai 2006 wurden die Räume von „The Pirate Bay“ von Polizisten durchsucht, drei Männer wurden vorübergehend festgenommen und 200 Server beschlagnahmt. Die Internetseite musste zeitweilig vom Netz gehen, der Betrieb wurde aber bereits nach einer Woche eingeschränkt wieder aufgenommen. Aus Empörung gegen die Polizeiaktion gingen die bisher anonym von zuhause agierenden Piraten zu Hunderten auf die Straße und schwenkten Totenkopfflaggen. In Schweden sind die Filesharer seit Januar 2006 in einer eigenen Piratenpartei („Piratpartiet“) organisiert, die mehr Mitglieder hat als die Grünen.
Die Partei trat im September 2006 bei der schwedischen Reichstagswahl an, verpasste aber mit weniger als einem Prozent der Stimmen den Einzug ins Parlament.2
Nicht nur die Bildung spezieller Parteien (die es auch in vielen anderen europäischen Staaten und den USA gibt, in Deutschland wurde am 10. September 2006 die „Piratenpartei“ gegründet3), sondern auch die immer heftigeren Reaktionen der Gegenseite, der Musikindustrie, zeigen, wie aktuell und brisant das Thema der Tauschbörsen ist. Auf der einen Seite stehen die Nutzer der Netzwerke, die kostenlos aus einer riesigen Auswahl von digitalen Inhalten schöpfen will. Auf der anderen Seite befindet sich die Musikindustrie, die die Rechte an den meist urheberrechtlich geschützten Werken besitzt und die mit sinkenden Verkaufszahlen zu kämpfen hat. Sie geht zunehmend mit rechtlichen Klagen gegen Betreiber und Nutzer der Netzwerke gleichermaßen vor, weil sie in ihnen die Ursache für den Absatzrückgang erkannt haben will.
Auch wenn heftig über Filesharing und digitale Musikpiraterie debattiert wird, ist über die Piraten selbst wenig bekannt. Welche Motive bewegen sie zur Nutzung von Tauschbörsen, außer der offensichtlichen Kostenersparnis? Warum sind so viele bereit, ihre Musik im Internet für andere anzubieten, obwohl sie keinen ökonomischen Nutzen daraus ziehen können? Wie reagieren sie auf die zunehmende Gefahr, rechtlich belangt zu werden? Welche Rolle spielen ethische Überlegungen? Einige Studien, die meisten aus dem USamerikanischen Raum, haben seit Einführung der ersten Tauschbörse Napster im Jahr 1999 versucht, solche Fragen zu beantworten. Die einzigen deutschen Untersuchungen zu diesem Thema wurden 20014 und 20035 durchgeführt, seitdem hat sich aber im Bereich des Filesharing einiges verändert. Es sind neue Programme hinzugekommen (wie etwa BitTorrent), das rechtliche Vorgehen gegen Nutzer ist verschärft worden, die Musikindustrie kontert inzwischen mit eigenen kommerziellen Downloadangeboten.
Die vorliegende Studie will versuchen, einen Beitrag zur Schließung dieser Wissenslücke zu leisten und Einblicke in die Motive, Einstellungen und das konkrete Download- und Angebotsverhalten der Nutzer von Tauschbörsen 2006 in Deutschland zu geben. Außerdem wird eine Typologisierung vorgenommen, um herauszufinden, ob es einzelne Gruppen von Nutzern gibt, die sich im Hinblick auf diese Faktoren voneinander unterscheiden. Zur Datenerhebung wurde eine explorative Internetbefragung durchgeführt. Diese konzentrierte sich auf das Herunterladen von Musikdateien, denn diese machen einen sehr großen Teil der Inhalte von Tauschbörsen aus und haben in Hinsicht auf die ökonomischen Auswirkungen die größte Relevanz.
[...]
1 vgl. Schmitt/Stöcker 2006, 06. Juni.
2 vgl. ebd.; Musikwoche.de 2006a, 06. Juni.; Wikipedia 2006.
3 vgl. http://piratenpartei.de/; PPÖ Bundesvorstand 2006; Heinzelmann 2006, 12. September.
4 vgl. Haug/Weber 2001.
5 vgl. Becker 2004.
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