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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 30 Pages
Author: Beatrix Deiss
Subject: Communications: Research, Studies, Enquiries
Details
Tags: Wahrnehmungsphänomene, Wirkungsforschung
Year: 2006
Pages: 30
Grade: 1.3
Bibliography: ~ 30 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-60704-9
File size: 128 KB
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Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Hauptseminar: Wahrnehmungsphänomene in der Wirkungsforschung
Wahrnehmungsphänome in der Wirkungsforschung
Zusammenhänge zwischen dem Third-Person-Effekt und den psychologischen Konzepten Optimistic Bias, soziale Isolation und psychologische Distanz
Beatrix Deiß
Wintersemester 2005/06
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Theoretischer Hintergrund 3
2.1 Der Third-Person-Effekt 3
2.2 Impersonal Impact – Psychologische Distanz 4
2.3 Optimistic Bias 5
2.4 Optimistic Bias und TPE 6
3. Hypothesen 9
4. Methode 11
4.1 Durchführung der Untersuchung 11
4.2 Fragebogen 11
4.2.1 TPE und psychologische Distanz 11
4.2.2 Optimistic Bias 12
4.2.3 Soziale Isolation 12
4.2.4 Medienkompetenz 12
4.2.5 Andere Einflussfaktoren 13
4.3 Problematik von Online-Befragungen 14
5. Ergebnisse 16
5.1 Stichprobe 16
5.2 TPE und psychologische Distanz 17
5.3 TPE, Soziodemographie und Mediennutzung 18
5.4 TPE und Medienkompetenz 19
5.5 TPE und soziale Isolation 20
5.6 TPE und OB 20
5.7 Regressionsanalyse mit allen unabhängigen Variablen 22
6. Diskussion 24
Literatur 26
Anhang: Tabellen 29
1. Einleitung
Die Proteste gegen die in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten veröffentlichten Mohammed-Karikaturen, zeigen wieder einmal, welche Wirkung Medieninhalte – selbst über Kontinente hinweg – haben können. Sehr viel stärkeres Wirkungspotential wird allerdings meist dem Fernsehen als audiovisuellem Medium zugesprochen. In der Kommunikationswissenschaft beschäftigt sich die Medienwirkungsforschung mit zahlreichen Hypothesen und Theorien zum Einfluss von Medieninhalten auf die Rezipienten. Neben dem tatsächlichen Einfluss ist hierbei auch interessant, wie Menschen diesen Einfluss selbst einschätzen und wahrnehmen. Denn bereits eine angenommene Beeinflussung durch Medieninhalte kann Verhaltensänderungen hervorrufen, etwa wenn Menschen sich einer Meinung anschließen, die sie – aufgrund der Medienberichterstattung – irrtümlich für die Mehrheitsmeinung in der Gesellschaft halten. Außer dieser Theorie der sogenannten „Pluralistic Ignorance“ gibt es noch einige andere Phänomene, die beschreiben, dass Menschen häufig verzerrte oder falsche Vorstellungen davon haben, wie, bei wem und wie stark Medien eigentlich wirken, beispielsweise „Looking Glass“ oder „Hostile Media“. Ein vielfach untersuchtes Phänomen verzerrter Wahrnehmung ist der „Third-Person-Effekt“, demzufolge Menschen annehmen, die Medien würden andere stärker beeinflussen als sie selbst.
Im Rahmen des Hauptseminars „Wahrnehmungsphänomene in der Wirkungsforschung“ im Wintersemester 2005/06 am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung führten die Seminarteilnehmer eine Untersuchung durch, die mögliche Einflussfaktoren und Zusammenhänge zwischen diesen verschiedenen Phänomenen untersuchen sollte. Ich werde mich in diesem Forschungsbericht vor allem auf drei Teilaspekte der Untersuchung beziehen, die sich auf den Zusammenhang dreier psychologischer Konzepte mit dem Third-Person-Effekt beziehen: „Optimistic Bias“, soziale Isolation und psychologische Distanz. Zunächst wird der Forschungsstand zum Third-Person-Effekt und seinen möglichen Einflussfaktoren aufgearbeitet, dann folgt ein Teil über die psychologischen Mechanismen von „Impersonal Impact“ (was der psychologischen Distanz entspricht), Optimistic Bias und sozialer Isolation, die mit dem TPE in Verbindung gebracht wurden. Aus diesen theoretischen Grundlagen leiten sich dann die Hypothesen und Forschungsfragen ab. Nach einer kurzen Beschreibung der Untersuchungsanlage und der Methode werden die Ergebnisse erläutert und abschließend in einer Zusammenfassung diskutiert.
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Der Third-Person-Effekt
Der von Davison 19831 erstmals beschriebene Third-Person-Effekt (TPE) besagt, dass Menschen eine Tendenz zeigen, „to overestimate the influence that mass communications have on the attitudes and behavior of others“2, dass sie also die Wirkung der Massenmedien auf andere, auf dritte Personen, für stärker halten als auf sich selbst. So berichtete Davison unter anderem von dem Fall, dass während des zweiten Weltkriegs schwarze US-Soldaten auf einer Insel im Südpazifik stationiert waren, die von weißen Offizieren befehligt wurden. Als die Japaner über der Insel Flugblätter abwarfen, in denen sie an den Zusammenhalt von schwarzen und „gelben“ Menschen appellierten, veranlassten die weißen Offiziere den Abzug der schwarzen Soldaten. Zwar hielten sie sich selbst für immun gegen die japanische Propaganda, meinten aber, dass sich die schwarzen Soldaten davon beeinflussen lassen würden. Davisons Methoden zur Erforschung des Phänomens des TPE entsprachen zwar nicht den Anforderungen, die an wissenschaftliche Studien gestellt werden3, seine Annahmen wurden aber von zahlreichen anderen Untersuchungen bestätigt. Paul, Salwen und Dupagne führten 2000 eine Meta-Analyse von 32 veröffentlichten und unveröffentlichten Studien zum TPE durch.4 Aus der gesamten Effektgröße des TPE von r = 0.50 über alle Studien folgerten die Autoren, dass dieses Phänomen relativ robust und konsistent auftritt.5 Der Effekt ist bei vielfältigen Themen bestätigt worden, etwa bei gewalttätigen und frauenfeindlichen Liedtexten, Gewalt im Fernsehen, Präsidentschaftsdebatten, Erdbebenwarnungen und vielen anderen.6 Allerdings tritt der TPE nicht bei allen Menschen auf, sondern nur bei etwa der Hälfte durchschnittlicher Stichproben, teilweise zeigen sie sogar einen First-Person-Effekt, d.h. sie nehmen einen stärkeren Einfluss auf sich selbst als auf andere an.7 Warum dies so ist, konnte in der bisherigen Forschung nicht geklärt werden. Auch der Einfluss der Demographie auf den TPE wurde untersucht, die Ergebnisse zeigen Tendenzen, zeichnen aber nicht immer ein klares Bild, welche Variablen wirklich mit dem TPE zusammenhängen.8
Der TPE wird anscheinend mit zunehmendem Alter größer,9 die Forschungslage zum Einfluss der Bildung ist widersprüchlich,10 dasselbe gilt für die Mediennutzung.11 Soziodemographische Merkmale deuten möglicherweise auf andere zugrundeliegende Faktoren hin, die Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Medienwirkung bei sich selbst und bei anderen haben.12 Es wird aber argumentiert, dass höheres Alter, höhere formale Bildung und bestimmte Mediennutzung die Menschen mit der „capacity to view themselves as more knowledgeable than others and less susceptible to harmful media influence”13 ausstatten und so den TPE vergrößern. Paul, Salwen und Dupagne untersuchten in ihrer Meta-Analyse, welche Variablen den TPE vermindern oder verstärken und stellten fest, dass die Art der Stichprobenziehung einen erheblichen Einfluss hat. Stichproben, die nicht nach dem Zufallsprinzip zusammengestellt wurden bzw. studentische Stichproben ergaben einen größeren TPE als Zufalls- und nicht-studentische Stichproben. Dies würde wieder für einen Einfluss der Bildung sprechen, da Studenten sich für gebildeter und damit weniger anfällig für Beeinflussung durch die Medien halten als andere.14
Verschiedene psychologische Theorien sind für die Erklärung des TPE herangezogen worden, etwa das Elaboration Likelihood Modell, die soziale Kategorisierungstheorie oder die Attributionstheorie.15 Zwei der vielversprechendsten psychologischen Mechanismen, die mit dem TPE in Verbindung gebracht wurden, sind Impersonal Impact und Optimistic Bias.
2.2 Impersonal Impact – Psychologische Distanz
[...]
1 vgl. Davison 1983.
2 ebd. S. 3.
3 vgl. Brosius/Engel 1997, S. 325.
4 vgl. Paul/Salwen/Dupagne 2000.
5 vgl. ebd. S 78ff.
6 vgl. Salwen/Dupagne 2003, S. 60.
7 vgl. Paul/Salwen/Dupagne 2000, S. 58.
8 vgl. ebd.; vgl. Salwen/Dupagne 2003, S. 214.
9 vgl. Brosius/Engel, S. 338.
10 vgl. Brosius/Engel 1997, S. 338.
11 vgl. ebd. S. 338f., vgl. Salwen/Dupagne 2001, S. 213f.
12 vgl. Perloff 1996, S. 186.
13 Salwen/Dupagne 2001, S. 214.
14 vgl. Paul/Salwen/Dupagne 2003, S. 78.
15 vgl. ebd. S. 59.
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