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Isolationsfurcht als Bestandteil der Theorie der Schweigespirale - Eine sozialpsychologische Annäherung

Scholary Paper (Seminar), 2002, 19 Pages
Author: Beatrix Deiss
Subject: Communications: Theories, Models, Terms and Definitions

Details

Category: Scholary Paper (Seminar)
Year: 2002
Pages: 19
Grade: 1.3
Bibliography: ~ 18  Entries
Language: German
Archive No.: V68246
ISBN (E-book): 978-3-638-60909-8
ISBN (Book): 978-3-638-76843-6
File size: 137 KB

Abstract

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem wichtigen sozialpsychologischen Aspekt von Elisabeth Noelle-Neumanns Theorie der Schweigespirale, mit der Isolationsfurcht. Bei der Literatursuche zeigte sich, wie auch Noelle-Neumann feststellte, dass dieses Thema bisher nicht zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung geworden war. Außer ihr hatten sich lediglich ihre Studenten damit beschäftigt; Hinweise findet man nur noch in der Sozialpsychologie. Es soll im folgenden versucht werden, einen Einblick in die Bedeutung der Isolationsfurcht innerhalb der Schweigespirale zu geben. Zunächst wird der Begriff der öffentlichen Meinung aus sozialpsychologischer Perspektive definiert, dann folgt eine kurze Zusammenfassung der Theorie der Schweigespirale. Im dritten Teil gehe ich näher auf das eigentliche Thema, die Isolationsfurcht, auf ihre Rolle in der Theorie sowie auf Bedingungen und Ursachen für ihre (Nicht-) Wirksamkeit ein. Dem schließt sich die Erläuterung drei verschiedener Vorgehensweisen zum Testen der Isolationsfurcht an. Nachdem auf verschiedene zum theoretischen Konzept der Schweigespirale geäußerten Kritikpunkte eingegangen wurde, werden in einer Schlussbetrachtung einige abschließende Überlegungen (zu dieser Thematik) aufgestellt.


Excerpt (computer-generated)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Kommunikationswissenschaft (Zeitungswissenschaft)
Proseminar I: Theorien und Modelle der Massenkommunikation
Wintersemester 2001/2002, 1. Fachsemester

Isolationsfurcht als Bestandteil der Theorie der Schweigespirale.
Eine sozialpsychologische Annäherung

von: Beatrix Deiß

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Das sozialpsychologische Konzept öffentlicher Meinung 2

3. Die Theorie der Schweigespirale  4

4. Die Isolationsfurcht 5

4.1 Die Rolle der Isolationsfurcht in der Theorie  5
4.2 Bedingungen für die Wirksamkeit von Isolationsfurcht  6
4.3 Biologische Ursache: der Geselligkeitstrieb?  6
4.4 Menschen ohne Isolationsfurcht  7

5. Vorgehensweisen beim Nachweis von Isolationsfurcht  8

5.1. Laborversuche von Asch und Milgram 8
5.2. Droh-Satzergänzungstest von Noelle-Neumann 10
5.3 Frageserien zum Indikator Peinlichkeitsempfinden von Hallemann 11

6. Kritik an der Schweigespirale im Hinblick auf die Isolationsfurcht 13

6.1 Einfluss von Bezugsgruppen und Persönlichkeitsmerkmalen  13
6.2 Alternative Handlungstheorien  14

7. Schlussbetrachtung  15

8. Literaturverzeichnis  17



 

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem wichtigen sozialpsychologischen Aspekt von Elisabeth Noelle-Neumanns Theorie der Schweigespirale, mit der Isolationsfurcht. Bei der Literatursuche zeigte sich, wie auch Noelle-Neumann feststellte, dass dieses Thema bisher nicht zum Gegenstand der wissenschaftlichen Forschung geworden war. Außer ihr hatten sich lediglich ihre Studenten damit beschäftigt; Hinweise findet man nur noch in der Sozialpsychologie.

Es soll im folgenden versucht werden, einen Einblick in die Bedeutung der Isolationsfurcht innerhalb der Schweigespirale zu geben. Zunächst wird der Begriff der öffentlichen Meinung aus sozialpsychologischer Perspektive definiert, dann folgt eine kurze Zusammenfassung der Theorie der Schweigespirale. Im dritten Teil gehe ich näher auf das eigentliche Thema, die Isolationsfurcht, auf ihre Rolle in der Theorie sowie auf Bedingungen und Ursachen für ihre (Nicht-) Wirksamkeit ein. Dem schließt sich die Erläuterung drei verschiedener Vorgehensweisen zum Testen der Isolationsfurcht an. Nachdem auf verschiedene zum theoretischen Konzept der Schweigespirale geäußerten Kritikpunkte eingegangen wurde, werden in einer Schlussbetrachtung einige abschließende Überlegungen (zu dieser Thematik) aufgestellt.

2. Das sozialpsychologische Konzept öffentlicher Meinung

Zunächst soll auf den Begriff der „öffentlichen Meinung“ eingegangen werden, der eine wichtige Rolle in der Theorie der Schweigespirale spielt. 1965 stellte der amerikanische Wissenschaftler Harwood Childs rund 50 Definitionen dafür zusammen, die er in der Literatur gefunden hatte.1 Dies macht deutlich, wie wenig Überinstimmung über die Bedeutung dieses Begriffes sowohl in der Wissenschaft als auch in der Umgangssprache besteht2. Noelle-Neumann erstellte eine eigene Definition von „öffentlicher Meinung“. Danach muss zunächst auf die sozialpsychologische Bedeutung des Wortes „öffentlich“ eingegangen werden, von der im 20. Jahrhundert bis dahin nicht mehr gesprochen worden war. Gemeint ist damit der Mensch in seiner nach außen gewendeten Existenz, der in größter Offenheit der Gesellschaft ausgesetzt ist und seine Aufmerksamkeit gespannt auf die Umwelt richtet und zwar aus der Furcht vor Isolation und aus dem Bedürfnis nach Zustimmung durch die Umwelt; man kann daher von „Öffentlichkeit als Bewußtseinszustand“3 sprechen. Die sozialpsychologische Bedeutung von „öffentlich“ meint nach Noelle-Neumann also „den Menschen in seiner Schwäche, seiner Abhängigkeit von der Urteilsinstanz seiner Umwelt [...], seine empfindliche soziale Haut, seine soziale Natur.“4
Ihre Definition von öffentlicher Meinung geht von den verschiedenen Aggregatszuständen aus, wie Tönnies sie 1922 beschrieben hat:5 Im flüssigen Zustand, also im Bereich sich wandelnder Normen und Auffassungen, in dem sich auch der Prozess der Schweigespirale abspielt, besteht sie aus Meinungen und Verhaltensweisen, die man in der Öffentlichkeit äußern kann ohne sich zu isolieren. Im festen Aggregatszustand, also in dem Bereich, wo Sitten, Traditionen und Normen sich verfestigt und etabliert haben, meint öffentliche Meinung jene Meinungen und Verhaltensweisen, die man öffentlich zeigen oder einnehmen muss, wenn man Isolation vermeiden will.6
Öffentliche Meinung ist ein Prozess, der ständig in der Öffentlichkeit abläuft und den Konsens in werthaltigen Bereichen bewirkt und aufrechterhält. Dies erreicht sie durch den sozialen Druck der Isolationsdrohungen, den sie auf die Menschen ausübt, mit dem sie Zuwiderhandlungen unterbindet und sie zur Konformität mit den allgemein anerkannten Meinungen zwingt. Dadurch wird ein Gleichgewichtszustand zwischen verschiedenen Einstellungen und Verhaltensweisen hergestellt, die Funktion der öffentlichen Meinung ist also die soziale Kontrolle, die Integration in der Gesellschaft und damit ihre Erhaltung.7

3. Die Theorie der Schweigespirale

[...]


1 vgl. Elisabeth Noelle-Neumann 1980: Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung - unsere soziale Haut, München, S. 84. Bezug nehmend auf Childs, Harwood L. 1965: Public Opinion. Nature, Formations, and Role. Princeton u.a., S.14-26.

2 vgl. Michael Hallemann 1990: Peinlichkeit. Ein Ansatz zur Operationalisierung von Isolationsfurcht im sozialpsychologischen Konzept öffentlicher Meinung, Inaugural-Dissertation, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, S. 2.

3 Elisabeth Noelle-Neumann 1980, S. 90.

4 ebd.

5 vgl. Ferdinand Tönnies 1922: Kritik der öffentlichen Meinung, Berlin, S. 137f.

6 vgl. Elisabeth Noelle-Neumann 1980, S. 91f.

7 vgl. Elisabeth Noelle-Neumann 1991, S. 323ff.


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