Register or log in at GRIN

Your e-mail-address or password is wrong
Register now
For new authors: free, easy and fast
This will be used as your user name, please specify a valid e-mail address

Lost password

Your e-mail-address or password is wrong

Request a new password
'Prometheus' und 'Ganymed' als Höhepunkte des Sturm und Drang - ein Vergleich close

Please wait

Please install the Adobe Flash Player if no e-book is displayed.

'Prometheus' und 'Ganymed' als Höhepunkte des Sturm und Drang - ein Vergleich

Termpaper, 2004, 23 Pages
Author: Heike Esser
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Event: Sturm und Drang
Institution/College: University of Trier
Tags: Prometheus, Ganymed, Höhepunkte, Sturm, Drang, Vergleich, Sturm, Drang
Category: Termpaper
Year: 2004
Pages: 23
Grade: 1,0
Bibliography: ~ 25  Entries
Language: German
Archive No.: V68250
ISBN (E-book): 978-3-638-60912-8
ISBN (Book): 978-3-638-67270-2
File size: 177 KB
Notes :
Beurteilung des Dozenten:ausgezeichnete Hausarbeit! Die Interpretationen sind sehr facettenreich, der Vergleich überzeugend und ergiebig. Die Integration der Ergebnisse der umfangreichen Forschung in die Deutung oder deren Markierung als divergierende Position zeugt von Suveränität im Umgang mit Forschungsliteratur.


Abstract

Diese Arbeit setzt sich mit Goethes Hymnen "Prometheus" und "Ganymed" auseinander, die als lyrische Höhepunkte des Sturm und Drang gelten und programmatisch die Selbstermächtigung des Subjekts, die Selbstvergöttlichung des Genies, das sich von veralteten Autoritäten lossagt, ein neues Selbstbewusstsein und eine lebensbejahende Menschheit fordern. Auf den ersten Blick erscheinen die beiden Gedichte als vollkommene Gegensätze von Gottesverachtung und Hingabe an Gott, denn "Prometheus" steht als "Kulturstifter" für das aufklärerische Bestreben ein, sich gegen die angestammten "Vater-Autoritäten" die Freiheit zum Selberdenken, Selberhandeln und Selberdichten zu erstreiten. In "Ganymed" äußert sich die Erkenntnis, dass der Mensch in einer vollkommenen Einheit mit der Natur und dem Göttlichen existiert. Dieses Bewusstsein von Geborgenheit, dem Aufgehobensein in der Einheit mit Gott und der Natur, treibt die schon in "Prometheus" geforderte neue Lebensbejahung auf die Spitze und verwirklicht sie. Diese Arbeit liefert eine ausführliche Interpretation beider Hymnen, die neben dem Inhalt, der Form und der Sprache auch auf die Entstehung und den zugrunde liegenden Mythos eingeht und sich in einem abschließenden Vergleich die Gedichte auf das Programm der Stürmer und Dränger bezieht.


Excerpt (computer-generated)

Universität Trier, Fachbereich 2: Germanistik
Seminar: Sturm und Drang
WS 03/04

„Prometheus“ und „Ganymed“ als Höhepunkte des Sturm und Drang
Ein Vergleich

von: Heike Esser

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung 2

2. Interpretation von „Prometheus“ und Ganymed“ 2

2.1 „Prometheus“ 2

2.1.1 Entstehung und Mythos 2
2.1.2 Interpretation 4
2.1.3 Die Autonomie-Erklärung auf der politischen und persönlichen Ebene 9

2.2 „Ganymed“ 10

2.2.1 Entstehung und Struktur 10
2.2.2 Interpretation 11
2.2.3 Der Mythos und Goethes Lebensgefühl 14

3. Resümee und Vergleich der Hymnen als Zeugnisse des Sturm und Drang 15

3.1 Die Gottesvorstellung und der Genie-Gedanke 15
3.2 Prometheus und Ganymed als Sturm und Drang-Lyrik unter dem Aspekt von Form und Sprache 16
3.3 Resümee 17

4. Literaturverzeichnis 19



 

1. Einleitung

Goethes Hymnen „Prometheus“ und „Ganymed“ gelten als programmatische Höhepunkte der Selbstermächtigung des Subjekts, der Selbstvergöttlichung des Genies im Sturm und Drang, das sich von veralteten Autoritäten lossagt, ein neues Selbstbewusstsein, neues Lebensgefühl, eine lebensbejahende Menschheit fordert. Diese beiden Gedichte, die auf den ersten Blick als die vollkommenen Gegensätze von Gottesverachtung und Hingabe an Gott erscheinen, stehen jedoch nicht nur durch die Form der Hymne in einer Beziehung zueinander. Zwischen der aggressiv ausgerufenen Selbstbestimmung des Prometheus und dessen Forderung nach Trennung von Göttlichem und Menschlichem und Ganymeds leidenschaftlicher Anbetung und Hingabe an die alles durchwirkende göttliche All-Natur gibt es einen Zusammenhang, den Goethe selbst durch seine Anordnung der Gedichte in den Werkausgaben betont. Im achten Buch von „Dichtung und Wahrheit“1 beschreibt er den Zusammenhang als ein komplementäres Verhältnis der Pulse Verselbsten und Entselbstigung. Deshalb werden die Hymnen in der Forschung häufig als Goethes Gestaltung der komplementären Seiten seines damaligen Weltbildes gelesen.
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der beiden Hymnen zueinander und versucht dabei nicht nur an Goethes Interpretationsvorgabe hängen zu bleiben. Als Erstes werden die Gedichte mit „Prometheus“ beginnend interpretiert und im Anschluss daran wird im letzten, vergleichenden Teil auf das Verhältnis von „Prometheus“ zu „Ganymed“, besonders auf den unterschiedlichen Gottesbegriff, eingegangen. In diesem abschließenden Teil versuche ich auch auf die zu Beginn gestellte Behauptung, dass die beiden Hymnen Höhepunkte der Sturm und Drang-Periode darstellen, zu untermauern. Dazu werden die herausragenden Merkmale der Dichtung der Geniezeit, die in den Hymnen verwirklicht sind, herausgegriffen und erläutert.

2. Interpretation von „Prometheus“ und „Ganymed“

2.1 „Prometheus“

2.1.1 Entstehung und Mythos

Goethes Prometheus-Hymne entstand zwischen Herbst 1773 und Herbst 1774, eine genauere Fixierung des Zeitpunktes ist jedoch laut Forschung nicht möglich. Der Zusammenhang von der Hymne und dem gleichnamigen Dramenfragment ist ähnlich oft diskutiert worden wie die Datierung der Hymne. Anzunehmen ist, dass das zweiaktige Fragment im Sommer oder Herbst 1773 verfasst und die Hymne aus diesem herausgearbeitet wurde.2 Goethe hat das Gedicht ursprünglich nicht zur Publikation bestimmt, da er nur wenige Abschriften für seine Vertrauten Johann Heinrich Merck, Friedrich Heinrich Jacobi und Charlotte von Stein anfertigte. Einer breiten Öffentlichkeit wurde „Prometheus“ erstmals durch Jacobis unberechtigten Abdruck in seiner „Abhandlung über die Lehre des Spinoza in Briefen an den Herrn Mendelssohn“3 bekannt, wo er das Gedicht als atheistisches Skandalon präsentierte. Obwohl er die Hymne anonym publizierte, war der Verfasser leicht zu erraten, denn das Gedicht „Das Göttliche“ ging der Hymne, mit Angabe des Verfassers voraus. Auf diese Weise, erinnert sich Goethe in „Dichtung und Wahrheit“ rückblickend, diente das Gedicht zum „Zündkraut einer Explosion“4, weil Lessing die Hymne spinozistisch deutete und Jacobi daraufhin die Lehre des Spinoza kritisch behandelte. Dadurch wurde der Spinozismus-Streit entfacht, der jedoch selbst kaum etwas zum Verständnis der Hymne beitrug.5 Nach dieser eigenartigen Veröffentlichung nahm Goethe sie in die „Zweite Sammlung“ seiner „Vermischte[n] Gedichte“ auf, die im achten Band der „Schriften“ 1789 erschienen. Für diesen Druck überarbeitete Goethe sein Gedicht. Diesem Eingriff fiel das Kompositum „Knabenmorgen Blütenträume“ (50f) zum Opfer, wovon nur der zweite Teil übernommen wurde. Die meisten Editionen greifen, um das Gedicht in der Sprache seiner Entstehungszeit zu präsentieren, auf die Merck-Handschrift6 oder auf die „Erste Weimarer Gedichtsammlung“7 zurück, deren Fassungen des Gedichts sich jedoch in der Strophengliederung nicht unbedeutend unterscheiden. In der Weimarer Gedichtsammlung umfasst die erste Strophe die Verse 1-12, in der Merck-Handschrift werden die Verse 8-12 als eigene Strophe gesetzt, wodurch die metonymische Bewegung von „Erde“(6), „Hütte“(8), „Herd“(10) und „Glut“(11) unterbrochen wird.8 Im Folgenden wird die Fassung der Ersten Weimarer Gedichtsammlung nach dem Abdruck in der Frankfurter Ausgabe zitiert. Die Figur des Prometheus ist schon dem griechischen Mythos nach als Empörer der Götter bekannt. Er betrog Zeus bei einer Opfergabe, stahl das Feuer im Olymp, als Zeus es den Menschen vorenthielt und brachte es auf die Erde. Für diese Tat wurde Prometheus, der Sohn des Titanen Iapetos, grausam bestraft. Er wurde an einen Felsen geschmiedet, wo ihm ein Adler täglich, die in der Nacht nachwachsende Leber, aushackte. Die in Goethes Hymne auffälligste Verarbeitung des Mythos ist das Bild des Menschenschöpfers Prometheus, der aus Wasser und Erde Menschen formt. Goethe schnitt sich dieses „alte Titanengewand“9 nach seiner Vorstellung zurecht. In der Hymne wurden nur die Kernbestände des Mythos aufgegriffen, was Goethe störte ließ er weg. Die mythologisch identifizierbaren Elemente der Hymne hat er zum Teil sehr verändert, damit sie seiner Vorstellung vom unabhängig schaffenden Genie entsprechen. So ist das Bild des Menschen formenden Prometheus keine reine Nacherzählung der Mythologie, sondern in die Rhetorik der promethischen Selbstbehauptung verwebt.10 Goethes Prometheus hat die „Glut“(11) seines Herdes und Herzens den Göttern nicht gestohlen, sie ist sein Stolz und Eigentum, das ihm Zeus neidet. Anstelle des Opferbetrugs wird von „Opfersteuern“(16) gesprochen. Die Bestrafung durch Zeus scheint zunächst gar nicht im Gedicht erwähnt zu werden, jedoch erinnert der 43. Vers mit „zum Manne geschmiedet“ an das Bild des am Kaukasus angeschmiedeten Prometheus. Goethe knetete sich selbst den mythologischen Stoff in seine Form, wie Prometheus die Erde nach seinem Bilde. Die so von Goethe zurechtgeschneiderte mythologische Figur nimmt neue Bedeutungen an, indem er christliche und zeitgenössisch-literarische, gesellschaftliche und persönliche Momente in seine Hymne einwebte.11

2.1.2 Interpretation

[...]


1 Vgl. FA 1, 14, S 385.

2 Vgl. Mülder-Bach: Prometheus, S. 107. Reinhardt. Prometheus und die Folgen, S. 146, bes. Anm. 53.

3 In: Jacobi, Friedrich Heinrich: Werke. S. 1-253.

4 FA1, 14, S. 697.

5 Vgl. Mülder-Bach, S. 107f. Schmidt: Die Geschichte des Genie-Gedankens, S. 263. Mehr zum Spinozismus- Streit in: Bollacher, Martin: Der junge Goethe und Spinoza.

6 Die Fassung der Merck-Handschrift wurde in der Münchener Ausgabe abgedruckt. (MA,1, S. 229-231).

7 Diese Fassung wurde in der Hamburger Ausgabe und in der Frankfurter Ausgabe abgedruckt, die zusätzlich auch die Version Goethes Überarbeitung für die „Schriften“ enthalten. (FA1, 1,S. 203-204 u. S. 329-330).

8 Vgl. Mülder-Bach, S. 108.

9 FA1, 14, S. 697.

10 Vgl. Reinhardt, S.149.

11 Vgl. Conradi: J. W. v. Goethe. Prometheus, S. 219f. Mülder-Bach, S. 110f. Pietzcker: Goethes Prometheus Ode S. 59-61.


Comments

No comments yet

Add Comment
Your comment is reviewed before being published

Other users also were interested in the following titles:

Das Volksstückbegriff bei Brecht

Author: Maia Tabukashvili
German Studies - Modern German Literature, 2002 Download as PDF-file for 5,99 EUR

This text can be quoted and accessed from this url:

http://www.grin.com/e-book/68250/prometheus-und-ganymed-als-hoehepunkte-des-sturm-und-drang-ein-vergleich
please wait Please wait