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Autor: Christian Drollmann
Fach: Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Details
Tags: Aikido, Arbeit
Jahr: 2007
Seiten: 27
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 19 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 195 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60917-3
ISBN (Buch): 978-3-638-67236-8
Die Arbeit ist Bestandteil einer integrierten Fachprüfung in den Fächern Methodik/Didaktik der sozialen Arbeit und Pädagogik.
Zusammenfassung / Abstract
Nach einer Erläuterung des Begriffs Aikido und einem Exkurs zur Geschichte, schreibt Christian Drollmann sehr persönlich über seine Erfahrung mit der Selbstverteidigungskunst Aikido. Dabei zieht er Parallelen zur Lerntheorie und Individualpsychologie Adlers. Im zweiten Teil der Arbeit steht der wechselseitige Zusammenhang zwischen motorischer und psychischer Entwicklung des Menschen im Mittelpunkt. Erfahrungen mit martial arts in der Sonderpädagogik und im Konfliktmanagement können ohne weiteres auf die soziale Arbeit übertragen werden. Sein Schlusswort wirkt auf den Leser eventuell befremdlich, zeugt aber von Drollmanns tiefer Überzeugung mit Harmonie (Ai) und Energie (Ki) den richtigen Weg (Do) gehen zu können.
Textauszug (computergeneriert)
Aikido in der sozialen Arbeit?
von: Christian Drollmann
5. Semester Abgabetermin: 14. Januar 2007
INHALTSVERZEICHNIS
ÜBERBLICK 4
1. WAS IST AIKIDO? 4
1.1. Annäherung 4
1.2. „Ai“, „Ki“ und „Do“ 6
1.3. Exkurs: Geschichte des Aikido 7
2. PERSÖNLICHE ERFAHRUNGEN, ERKENNTNISSE UND REFLEKTIONEN 11
3. BEWEGUNGSPÄDAGOGIK, JUDO, AIKIDO 16
3.1. Bewegungspädagogik 17
3.2. Judo 19
3.3. Aikido 21
3.3.1. Aikido im Konfliktmanagement 21
3.3.2. Andere hochmoderne Aikido-Anwendungen 22
4. RESÜMME 24
5. SCHLUSSWORT 25
QUELLENANGABEN 27
„Lernen ist Erfahrung.
Alles andere ist einfach nur Information.“
(Albert Einstein)
Überblick
In dieser Hausarbeit soll untersucht werden, ob und wie Aikido möglicherweise in der sozialen Arbeit –insbesondere in der Pädagogik- verwendet werden kann beziehungsweise wie es möglicherweise schon verwendet wird. Nicht Gegenstand der Betrachtung sind die sportlichen Aspekte und Wirkungen des Aikido. Im ersten Teil wird als Einstieg eine erste Beschreibung des Aikido geliefert und der geschichtliche Hintergrund des Aikido aufgezeigt werden.
Der zweite Teil besteht aus meinen eigenen Erfahrungen mit und Gedanken zu Aikido. Hier wird auch klar werden, wie ich auf die Idee der Verwendung des Aikido in der sozialen Arbeit gekommen bin. Sicherlich wird einiges des hier Dargestellten eine Vorwegnahme von Aspekten sein, die gleich nochmals aufgegriffen werden, denn der dritte Teil enthält die Ergebnisse meiner Literaturauswertung, die ich nach Verfassen der vorangehenden Teile betrieben habe. Teil vier schließlich resümmiert die vorherigen Teile.
1. Was ist Aikido?
1.1. Annäherung
Aikido ist eine moderne Kampfkunst, in der Selbstverteidigungstechniken geübt werden. Körperliche Kraft spielt eine absolut untergeordnete Rolle. Trainiert wird meist paarweise, wobei die Partner bei jeder neuen Übung gewechselt werden. Die Gruppen lassen sich gut heterogen aus älteren und jüngeren Teilnehmern, Frauen, Männern, Anfängern und Fortgeschrittenen zusammensetzen. Ein Großteil besteht aus Techniken mit leerer Hand, also ohne Waffen. Ein weiterer Teil beinhaltet Schwert-, Stock- und Messertechniken, wobei es auch verschiedene Kombinationen gibt. Nicht zuletzt wird –meist in der Aufwärmphase- einige Zeit mit allgemeiner und spezieller Gymnastik so wie mit Atemübungen und Übungen zur Konzentration verbracht. Jeweils zu Beginn und Ende des Trainings wird kollektiv ein kleines Verbeugungs-Ritual durchgeführt.
Während der ganzen Zeit, die auf der Matte verbracht wird, ist eine gewisse Etikette zu beachten. Diese war in Japan wesentlich strenger einzuhalten, als dies hier und heute der Fall ist. Eine Besonderheit die das Aikido von den meisten anderen Kampf-Künsten unterscheidet ist, dass keine Wettkämpfe durchgeführt werden. Wohl schon alleine dadurch entwickelt sich eine weniger konkurrierende Situation zwischen den Einzelnen als bei anderen (Wett-)kampfsportarten. Auch gibt es für die unterschiedlichen Graduierungen keine farbigen Gürtel, was gut zu dem Selbstverständnis passt, dass im Zweifelsfall alle Anfänger sind. Andererseits gibt es im Aikido aber auch eine den Graduierungen folgende Hierarchie, die dazu führt, dass jeder weiß, wo er steht. Ein anderer Unterschied ist, dass die meisten Aikidotechniken im Vergleich zu „abgehackten“ Techniken anderer Kampfstile „rund“ sind und viele Hebel statt gegen die mit der natürlichen Bewegungsrichtung der Körpergelenke ausgeführt werden. Die Angriffe werden nicht abgeblockt, sondern die Angriffsenergie wird umgelenkt bzw. ins Leere laufen gelassen.
Es werden ausschließlich Selbstverteidigungstechniken gelehrt. Es geht viel mehr darum, seinen eigenen Standpunkt zu behaupten oder zu finden, als darum, gegen andere aktiv zu werden. Wie Morihiro Saito –der langjährigste Schüler des Aikidobegründers- schreibt:
„The emphasis in Aikido is on the spiritual growth of the individual through the acquisition of defensive skills. The ethical dimension of Aikido permeates every aspect of its practise both on and off the mat. In the philosophy of Aikido´s founder, Morihei Ueshiba, Aikido is a means for uniting people into a “one world family”. It is not a means for hurting others, but is rather a way of “loving selfprotection”.” (Saito &Pranin 1994)
Durch Aikido-Training wird die Motorik, die Konzentration, die Beweglichkeit und das Wohlbefinden verbessert. In den folgenden Kapiteln wird noch deutlicher werden, was Aikido ist.
1.2. „Ai“, „Ki“ und „Do“
Diese drei japanischen Silben lassen sich nicht eindeutig und perfekt ins deutsche übersetzen. Am üblichsten sind jedoch als entsprechende Übersetzungen für:
- „Ai“: Harmonie, Liebe
- „Ki“: Lebensenergie
- „Do“: Weg.
Die japanische Silbe „Do“ entspricht dem chinesischen „Tao“. Mit „Weg“ soll zum Ausdruck gebracht werden, dass der Übende quasi „open end“ auf einem von ihm selbst gewähltem Übungsweg Menschen folgt, die schon länger als er selbst diesen Weg beschreiten. Von und mit jenen gilt es zu Lernen. Dabei gibt es kein erreichbares Ziel, an dem man ankommen könnte, vielmehr handelt es sich um ein repetitives Einüben einer bestimmten Kunst. Uns Europäern ist dies nicht so geläufig wie asiatischen Kulturen. In Asien gibt es schon lange viele „Wegkünste“, wie zum Beispiel Zen oder Judo. Einige davon haben im letzten Jahrhundert auch in Europa mehr oder weniger Verbreitung gefunden. Die Kunst wird dabei nicht als bloßer Selbstzweck verfolgt, sondern zielt auf den ganzen Menschen, seine ganze Existenz und Persönlichkeit. Im Vergleich zu europäischen Lehrmethoden verlangt das Beschreiten eines solchen Übungsweges dem Schüler konsequenteste Aufmerksamkeit und hohen Respekt gegenüber dem Lehrer ab. Verglichen mit der hier traditionell bekannten Meisterschaft in einem Handwerk, ist bei den Wegkünsten nicht zu erwarten, nach einigen „Gesellenjahren“ selbst Meister zu sein. Dazu ist für japanische Vorstellungen die Meisterschaft ein viel zu hohes Niveau, als dass es jeder, der sich einigermaßen anstrengt, erreichen könnte. Beim Aikido zeigen sich die Auswirkungen der zurückgelegten Wegstrecke deutlich daran, wie elegant sich die, die schon lange Zeit üben und manchmal schon relativ alt sind (der Aikidobegründer praktizierte bis ins höchste Alter Aikido) im Vergleich zu den neueren Weggefährten ausnehmen, die anfänglich mehr oder weniger unbeholfen wirken.
Etwas verkürzt gesagt, ist das einzige das man um Aikido zu lernen tun muss, Üben. Denn „wer übt, kann gar nichts dagegen tun, dass er besser wird“ (xxx 2004). Jigoro Kano, der Begründer des Judo, begriff „Do“ auch als Weg, allerdings als einen, auf dem der Grundsatz „gegenseitige Hilfe für den wechselseitigen Fortschritt und das beiderseitige Wohlergehen“ (nach: Beudels & Anders 2002) ist. Auch die „Lebensenergie“ ist nichts, was in Europa auf alte Traditionen zurückblicken kann. In anderen Kulturen aber weiß man schon seit Jahrhunderten um diese Energie, die mitunter auch als „kosmische Energie“ bezeichnet wird. In Indien z.B. kennt man sie als „Prana“, in Japan eben „Ki“ und in China entsprechend „Chi“ genannt. Diese Silben kennen wir mitunter aus auch hier er-lernbaren Traditionen wie etwa Tai- Chi oder Reiki.
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