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Termpaper, 2001, 19 Pages
Author: Agnes Uken
Subject: Philosophy - General Essays, Eras
Details
Tags: Glaubensfrage, Rationalismus, Irrationalismus, Popper, Erkenntnistheorie, Grenzen des Wissens, Papst Johannes Paul II, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Wissen und Glauben, Vernunft und Glaube, William James, Religion
Year: 2001
Pages: 19
Grade: 2,5
Bibliography: ~ 5 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-60925-8
ISBN (Book): 978-3-638-75420-0
File size: 148 KB
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Abstract
Karl Popper geht im Kapitel 24 seines Buches „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ davon aus, dass der traditionelle Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion überwunden sei. Die Frage der Wahl zwischen Wissen und Glauben stelle sich somit nicht mehr, sondern es gäbe lediglich noch eine Wahl zwischen zwei Glaubensarten. Zum einen den kritischen Rationalismus mit dem Glauben an die Vernunft und zum anderen den Irrationalismus mit dem Glauben an mystische, d.h. rational nicht erklärbare Fähigkeiten und an Gefühle. Warum es sich bei der Wahl zwischen diesen beiden Glaubensarten für Popper um eine moralische Frage handelt, soll im ersten Teil der Arbeit verdeutlicht werden. Die Frage der Möglichkeit der Synthese von Vernunft und Glaube in einer von wissenschaftlichen Erkenntnissen geprägten Welt ist für Popper in der bisherigen Weise nicht mehr relevant, da für ihn auch der Entscheidung für Vernunft und Wissenschaft ein Glaube zu Grunde liegt. Um den Glauben kommen wir nach Popper nicht herum, so dass sich nun die Frage erhebt, welche Art von Glaube der moralisch richtige ist. Popper bekennt sich zu einem Glauben an die menschliche Vernunft als Grundlage für die Einheit der Menschheit und als Garant für Frieden und Gleichheit aller Menschen. Diesen Glauben an die Vernunft sieht Popper durch historische Prophezeiungen und irrationalistische Auffassungen angegriffen. Daraus entwickelt Popper die These, der Konflikt zwischen dem Rationalismus und dem Irrationalismus sei der wichtigste intellektuelle und moralische Konflikt unserer Zeit. Der Position Poppers wird im zweiten Teil der Arbeit die Auffassung Papst Johannes Pauls II gegenüber gestellt, der nach Popper als ein typischer Vertreter des Irrationalismus angesehen werden kann. Eine Zwischenposition wird William James mit seinem Essay „The will to believe“ einnehmen, da er sich zwar wie Papst Johannes Paul II auf andere Erkenntnisformen neben der Vernunft beruft, aber eine Wahrheitsauffassung vertritt, die der Poppers vergleichbar ist.
Excerpt (computer-generated)
Eine Glaubensfrage: Die Entscheidung
zwischen Rationalismus und Irrationalismus
von: Agnes Uken
Einleitung 3
Irrationalismus versus Rationalismus 3
Konsequenzen der Wahl der Glaubensart 5
Zwei Erkenntnisvermögen: Glaube und Vernunft 7
Die Suche nach der Wahrheit – ein unlösbares Rätsel? 8
Eine Rechtfertigung des Glaubens 11
Der Glaube – eine echte Option 12
Empiristischer und absolutistischer Wahrheitsbegriff 13
Die religiöse Hypothese 14
Existentielle Entscheidungen 16
Religion als Kontingenzbewältigung 16
Schluss 17
Literaturverzeichnis 19
Einleitung
Karl Popper geht im Kapitel 24 seines Buches „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“1 davon aus, dass der traditionelle Konflikt zwischen Wissenschaft und Religion überwunden sei. Die Frage der Wahl zwischen Wissen und Glauben stelle sich somit nicht mehr, sondern es gäbe lediglich noch eine Wahl zwischen zwei Glaubensarten. Zum einen den kritischen Rationalismus mit dem Glauben an die Vernunft und zum anderen den Irrationalismus mit dem Glauben an mystische, d.h. rational nicht erklärbare Fähigkeiten und an Gefühle. Warum es sich bei der Wahl zwischen diesen beiden Glaubensarten für Popper um eine moralische Frage handelt, soll im ersten Teil der Arbeit verdeutlicht werden. Die Frage der Möglichkeit der Synthese von Vernunft und Glaube in einer von wissenschaftlichen Erkenntnissen geprägten Welt ist für Popper in der bisherigen Weise nicht mehr relevant, da für ihn selbst der Entscheidung für Vernunft und Wissenschaft ein Glaube zu Grunde liegt. Um den Glauben kommen wir nach Popper nicht herum, so dass sich nun die Frage erhebt, welche Art von Glauben der moralisch richtige ist. Popper bekennt sich zu einem Glauben an die menschliche Vernunft als Grundlage für die Einheit der Menschheit und als Garant für Frieden und Gleichheit aller Menschen. Diesen Glauben an die Vernunft sieht Popper durch historische Prophezeiungen und irrationalistische Auffassungen angegriffen. Daraus entwickelt Popper die These, der Konflikt zwischen dem Rationalismus und dem Irrationalismus sei der wichtigste intellektuelle und moralische Konflikt unserer Zeit.2
Der Position Poppers wird im zweiten Teil der Arbeit die Auffassung Papst Johannes Pauls II gegenüber gestellt, der nach Popper als ein typischer Vertreter des Irrationalismus angesehen werden kann. Eine Zwischenposition wird William James mit seinem Essay „The will to believe“3 einnehmen, da er sich zwar wie Papst Johannes Paul II auf andere Erkenntnisformen neben der Vernunft beruft, aber eine Wahrheitsauffassung vertritt, die der Poppers vergleichbar ist.
Irrationalismus versus Rationalismus
Die Begriffe Vernunft und Rationalität werden von Popper synonym verwandt, sie schließen nicht nur rein intellektuelle Tätigkeiten ein, sondern auch Beobachtungen und Experimente, diese stehen damit also nicht im Gegensatz zum Empirismus sondern zum Irrationalismus. Rationalismus ist nach Popper eine Einstellung, „die bereit ist, kritische Argumente zur Kenntnis zu nehmen und von der Erfahrung zu lernen. Er ist im Grunde eine Einstellung, die zugibt, dass ich mich irren kann, dass du recht haben kannst und dass wir zusammen vielleicht der Wahrheit auf die Spur kommen werden.“4Die rationalistische Einstellung entspricht der Einstellung der Vernunft und ist damit der wissenschaftlichen Einstellung ähnlich. Denn auch im wissenschaftlichen Diskurs versucht man, sich durch Austausch von Argumenten und beobachtendes Experimentieren der Wirklichkeit anzunähern, wohlwissend, dass jedes folgende Experiment eine einmal gefundene Theorie sowohl bestätigen als auch widerlegen kann. Einen unkritischen Rationalismus schließt Popper allerdings als logisch unhaltbar aus und tritt für einen selbstkritischen Rationalismus ein, da das Prinzip des Rationalismus, „jede Annahme zu verwerfen, die sich weder durch ein Argument noch durch die Erfahrung stützen lässt“5 einen Widerspruch enthält: die damit gesetzte Prämisse ist selbst nicht mehr argumentativ zu begründen, dies wird aber in der Prämisse gefordert. Da wir mit unserer Sprache und unserem Denken immer schon dem Vernunftprinzip verpflichtet sind, also immer schon eine rationalistische Einstellung eingenommen haben, um überhaupt argumentieren zu können, ist eine Letztbegründung des Vernunftprinzips nicht möglich. Somit liegt der Entscheidung für das Vernunftprinzip und damit dem Rationalismus selbst weder ein rationales Argument noch eine begründbare Wahrheit zu Grunde, sondern diese ist nach Popper eine Annahme, ein Glaube an die Vernunft, analog dem Glaubensbekenntnis der Religionen. Mit der Entscheidung für den Rationalismus ist also zugleich ein Schritt in Richtung des Irrationalismus verbunden, da man statt auf die argumentierende Vernunft auf einen Glauben zurückgreifen muss, und genau dieser Tatsache ist sich der kritische Rationalismus im Unterschied zu einem umfassenden und unkritischen Rationalismus bewusst.
Dem Rationalismus stellt Popper den Irrationalismus gegenüber, den er in totalitären oder dogmatischen Ideologien verkörpert sieht. Diese Auffassungen stehen dem kritischen Rationalismus insofern gegenüber, als dass sie mit absoluten Wissens- und Wahrheitsansprüchen operieren und somit konträr zu der Annahme stehen, alles Wissen sei Vermutungswissen und grundsätzlich falsifizierbar. Der Irrationalismus gibt zwar zu, dass wir mit der argumentativen Vernunft Wissen von den Dingen erlangen, räumt aber ein, der Mensch sei der Hauptsache nach nicht rational, sondern von Gefühlen und Leidenschaften bestimmt. Hier wird statt an klares Denken und an Erfahrungen zu appellieren - an Gefühle und Leidenschaften appelliert.6
Zwar wird auch der Irrationalismus Vernunft und klares Denken nicht vollständig verwerfen, doch ist er ihnen nicht verpflichtet. Damit gründet der Irrationalismus sich auf Argumentationsweisen, die auf Begründung, intersubjektive Nachvollziehbarkeit oder wissenschaftliche Nachprüfbarkeit verzichten.
Konsequenzen der Wahl der Glaubensart
[...]
1 Karl Popper, Die offene Gesellschaft und ihre Feinde, Band II Falsche Propheten Hegel, Marx und die Folgen, 7. Auflage
2 Popper S. 262
3 William James, The will to believe (1896) S. 1-31, in: The will to believe, London 1931
4 Popper S. 263
5 Popper S. 269
6 Zwar gibt es auch religiöse Erfahrungen, wie Wunder, Offenbarungen und Erscheinungen, doch sind diese nicht intersubjektiv nachprüfbar und wiederholbar, und haben somit im rationalen Diskurs keinen Platz.
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