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Details

Veranstaltung: Proseminar Medienlehre
Institution/Hochschule: Ludwig-Maximilians-Universität München
Tags: Pressesystem, Frankreich, Vergleich, Deutschland, Proseminar, Medienlehre
Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 13
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 10  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 119 KB
Archivnummer: V68279
ISBN (E-Book): 978-3-638-60930-2
ISBN (Buch): 978-3-638-75421-7

Zusammenfassung / Abstract

Frankreich war und ist ein sehr zentralistisches Land: Paris und die umliegende Region ist die wirtschaftlich bedeutendste Gegend, weshalb sich dort auch die meisten Medien etabliert haben, mit Ausnahme der regionalen. Der deutsche Staat hingegen entstand auf der Grundlage der einzelnen bereits bestehenden Bundesländer, die in allen kulturellen Bereichen immer noch das letzte Wort haben. Entsprechend entwickelten sich die Medien in allen Bundesländern mehr oder weniger gleichermaßen und es gibt keine Konzentration auf einen geographischen Bereich, wie es im Nachbarland Frankreich der Fall ist. Schon diese kulturellen Hintergründe deuten daraufhin, dass es diverse Unterschiede zwischen den Mediensystemen der beiden Länder geben muss. Andererseits führen globale Entwicklungen wie die des Fernsehens und Internets zu Konsumtrends, die in Deutschland und Frankreich ähnlich ausfallen. Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über den Status Quo eines Einzelbereiches des französischen Mediensystems, nämlich des Pressesystems geben und dabei den Vergleich zu Deutschland ziehen. Betrachtet werden die klassischen Printmedien, also sowohl die nationalen als auch die regionalen Tageszeitungen sowie die besonders in Frankreich wichtigen Zeitschriften und Magazine. Außen vor bleiben jedoch die Wochenzeitungen sowie die Internetauftritte der Tageszeitungen und Magazine beider Länder. Der Punkt Rechtsgrundlagen und Finanzierung der Presse erläutert kurz die für die französische Presse relevanten Gesetzestexte. Näher eingegangen wird hier auf die Funktion des Staates, der in Frankreich eine nicht unerhebliche Rolle bei der Finanzierung der Verlagserzeugnisse spielt. Hier treten die Unterschiede zu Deutschland besonders stark zu Tage.

Textauszug (computergeneriert)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für Kommunikationswissenschaft
Sommersemester 2006, 4. Fachsemester
Proseminar II: Medienlehre

Das Pressesystem in Frankreich im Vergleich zu Deutschland

von: Evelyn Glose

 


Gliederung

1. Einleitung 3

2. Die nationalen Tageszeitungen 3

3. Die regionalen Tageszeitungen 6

4. Zeitschriften und Magazine 8

5. Rechtsgrundlagen und Finanzierung der Presse 9

6. Zusammenfassung 11

7. Bibliographie 13




 

1. Einleitung

Frankreich war und ist ein sehr zentralistisches Land: Paris und die umliegende Region ist die wirtschaftlich bedeutendste Gegend, weshalb sich dort auch die meisten Medien etabliert haben, mit Ausnahme der regionalen. Der deutsche Staat hingegen entstand auf der Grundlage der einzelnen bereits bestehenden Bundesländer, die in allen kulturellen Bereichen immer noch das letzte Wort haben. Entsprechend entwickelten sich die Medien in allen Bundesländern mehr oder weniger gleichermaßen und es gibt keine Konzentration auf einen geographischen Bereich, wie es im Nachbarland Frankreich der Fall ist. Schon diese kulturellen Hintergründe deuten daraufhin, dass es diverse Unterschiede zwischen den Mediensystemen der beiden Länder geben muss. Andererseits führen globale Entwicklungen wie die des Fernsehens und Internets zu Konsumtrends, die in Deutschland und Frankreich ähnlich ausfallen.

Die vorliegende Arbeit soll einen Überblick über den Status Quo eines Einzelbereiches des französischen Mediensystems, nämlich des Pressesystems geben und dabei den Vergleich zu Deutschland ziehen. Betrachtet werden die klassischen Printmedien, also sowohl die nationalen als auch die regionalen Tageszeitungen sowie die besonders in Frankreich wichtigen Zeitschriften und Magazine. Außen vor bleiben jedoch die Wochenzeitungen sowie die Internetauftritte der Tageszeitungen und Magazine beider Länder.

Der Punkt Rechtsgrundlagen und Finanzierung der Presse erläutert kurz die für die französische Presse relevanten Gesetzestexte. Näher eingegangen wird hier auf die Funktion des Staates, der in Frankreich eine nicht unerhebliche Rolle bei der Finanzierung der Verlagserzeugnisse spielt. Hier treten die Unterschiede zu Deutschland besonders stark zu Tage.

2. Die nationalen Tageszeitungen

Wie in Abbildung 1 zu sehen ist, wartet die nationale französische Tagespresse mit elf Titeln auf, während den deutschen Lesern sieben nationale Titel präsentiert werden (Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, Frankfurter Rundschau, TAZ, BILD und Handelsblatt). Als französische Besonderheiten können L’Equipe und Paris Turf gelten, die sich einzig und allein mit dem Thema Sport beschäftigen, wobei der Schwerpunkt bei Paris Turf im Bereich der Pferderennen liegt. Aujourd’hui en France und Le Parisien haben bis auf ein paar Seiten den selben Inhalt: Aujourd’hui en France ist die nationale Ausgabe des Parisien, aus der alle Pariser Themen gestrichen werden (vgl. Weber/Woltersdorff 2001: 53). Diese Zeitung zählt zusammen mit France Soir zu den Boulevard-Blättern Frankreichs, wobei diese nicht annährend die Vier-Millionen-Auflage der deutschen BILD-Zeitung erreichen (vgl. Grosse/Seibold 2003: 52). Dies mag unter anderem daran liegen, dass Politik, Wirtschaft und andere „seriöse“ Themen in der Presse einen hohen Stellenwert einnehmen und man deshalb nicht von einer echten Boulevard-Presse, wie sie in Deutschland oder England existiert, sprechen kann (vgl. Albert 2004: 141; Grosse/Seibold 2003: 73).

Abb. 1: Verkaufte Auflagen der nationalen französischen Tagespresse von 1998 und 2005 (vgl. Bertrand 21999: 74 bzw. OJD) [Abbildung in der Downloaddatei vorhanden]

Vergleicht man die verkauften Auflagen von 1998 und 2005 der nationalen Tagespresse, so ist in neun Fällen ein Rückgang zu verzeichnen. Wie in Deutschland, spricht man auch in Frankreich von einer prekären Lage der Tagespresse, die seit 1945 andauert (vgl. Miège 2004: 311). Jedoch sieht die Situation in Deutschland bei weitem nicht so Tageszeitungs-feindlich aus wie in Frankreich: Im Jahr 2000 wurden in Frankreich nur 180 Exemplare pro 1000 Einwohner über 15 Jahre verkauft, während es in Deutschland immerhin 371 Exemplare waren (vgl. Albert 2004: 42). Damit sank die Verkaufsauflage der französischen nationalen Tageszeitungen von 1985 bis 2000 um 29,5 Prozent, was eine Gesamtauflage von 2,35 Millionen Exemplaren im Jahr 2000 ergibt. In Deutschland lag die Gesamtauflage gut dreimal so hoch: 7,4 Millionen Exemplare wurden hier im Jahr 2000 aufgelegt (vgl. Mathien 2004: 123 f.; Grosse/Seibold 2003: 161).

Lediglich zwei französische Tageszeitungen sind nicht vom Auflagenschwund betroffen: Das „Doppel“ Le Parisien bzw. Aujourd’hui en France sowie die katholisch orientierte Tageszeitung La Croix. Im ersten Fall scheint dies an der seit 1994 bestehenden Aufteilung des Titels in eine Pariser Regional- sowie eine Provinzausgabe zu liegen, die bei der Leserschaft großen Anklang gefunden haben muss. Im Falle von La Croix zeichnet die gut ausgebaute Abonnement-Kultur dieser Zeitung für die Auflagensteigerung verantwortlich: Rund 90 Prozent der Auflage wird über Abo vertrieben, wohingegen bei allen anderen Tageszeitungen durchschnittlich nur zirka 20 Prozent der Auflage nach Hause geliefert wird (Stand 2002; vgl. Albert 2004: 142). Die solide und modernisierte Erscheinungsweise dieser Zeitung scheint stetig neue Abonnenten anzuziehen (vgl. Albert 2004: 145).

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