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Autor: Nina Hanisch
Fach: Frauenstudien / Gender-Forschung
Details
Tags: Erinnerungen, Großen, Vaterländischen, Krieg
Jahr: 2006
Seiten: 26
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 9 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 172 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60947-0
Textauszug (computergeneriert)
Universität Konstanz
Seminar: „Kinder, Küche, Kommunismus.“ Frauen in der Sowjetunion
Abgabetermin: 29.09.2006
Erinnerungen an den Großen Vaterländischen Krieg
von: Nina Hanisch
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Frauen im Großen Vaterländischen Krieg 4
3 Private Erinnerungen 6
3.1 Swetlana Alexijewitsch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ 6
3.2 Barbara Alpern Engel und Anastasia Posadskaya-Vanderbeck „A Revolution of Their Own“ 9
3.3 Gemeinsamkeiten, Unterschiede und eigene Gedanken 12
4 Bedeutung von Erinnerungen 15
5 Öffentliche Erinnerungen 17
6 Das Leben nach dem Krieg 20
7 Fazit 23
8 Literatur- und Quellenverzeichnis 25
1 Einleitung
Der zweite Weltkrieg gilt in der Geschichte als der grausamste Krieg aller Zeiten. In den vier Jahren der Kriegsdauer wurden Millionen Menschen auf der Erde getötet, gefoltert und hingerichtet. Die Anzahl derer, die nach dem Krieg mit den schlimmen Erfahrungen leben mussten, ist unzählbar. Um einen Einblick in das Leben des Krieges zu gewinnen, handelt diese Arbeit von jenen Erfahrungen. Diese stammen von den Frontfrauen der Sowjetunion. Etwa eine Million von ihnen diente im Großen Vaterländischen Krieg in den Streitkräften.1 Über die Heldentaten der männlichen Soldaten ist viel in der Geschichte geschrieben worden, doch wie erging es den Frauen, die Seite an Seite mit den Männern gekämpft haben? Inwieweit kann die öffentliche Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg mit der privaten Erinnerung zweier Frauen, die im Krieg gedient haben, gleichgesetzt werden? Dieser Frage soll in der vorliegenden Arbeit nachgegangen werden. Für den Vergleich werden dafür zwei Interviews unterschiedlicher Autorinnen herangezogen. Es muss vorab festgehalten werden, dass sich die Arbeit aus einem Großteil von Zitaten zusammensetzt, um die genauen Wortlaute und Empfindungen der Frauen wiederzugeben. Dies stellt für eine realitätsnahe Darstellung der Erlebnisse die beste Lösung dar.
Der erste Erfahrungsbericht stammt aus dem Buch „Der Krieg hat kein weibliches Gesicht“ von Swetlana Alexijewitsch. Sie hat mit einer Vielzahl von Veteraninnen gesprochen und ihre Erinnerungen an den Krieg in einem Buch veröffentlicht. Dem gegenübergestellt wird ein Interview, geführt von Barbara Alpern Engel und Anastasia Posadskaya-Vanderbeck, das in dem Buch „A Revolution of Their Own“ niedergeschrieben wurde. Herauszufinden gilt es, inwieweit Unterschiede zwischen den beiden Interviewpartnerinnen bestehen. Welche Erfahrungen haben sie im Krieg gemacht und wie gehen sie mit diesen um? Bestehen unterschiedliche Wahrnehmungen der Dinge? Um den Bogen zur Hauptfrage zu spannen muss geklärt werden, welche Fakten über die Frontfrauen in der Öffentlichkeit der Nachkriegszeit bekannt sind. Dafür wird ein grober Überblick über den Großen Vaterländischen Krieg und die Situation der Frauen in der Sowjetunion gegeben.
Gleichermaßen von Bedeutung ist die Klärung von Erinnerungen allgemein in der Geschichte. Welchen Einfluss haben sie auf die Interviewsituationen und in der Öffentlichkeit? Diese Frage wird bei der Vorstellung der Interviews eine Rolle spielen. Zunächst liefert der folgende Punkt einen Überblick über die Situation der Frauen zu Beginn des zweiten Weltkrieges, um im Anschluss die beiden Interviews vorzustellen.
2 Frauen im Großen Vaterländischen Krieg
Der zweite Weltkrieg gilt als der größte Konflikt in der Geschichte. Die Opferzahlen sprechen für sich. Circa sechzig Millionen Menschen ließen ihr Leben in diesem Krieg. Vier Jahre lang, von 1941-1945, kämpften vor allem Deutschland, Japan und Italien gegen die restlichen Länder der Welt. Für die Sowjetunion begann der eigentliche Krieg in ihrem Land mit dem deutschen Überfall im Morgengrauen des 22.Juni 1941.2 Damit nahm der wohl blutigste Feldzug des Krieges seinen Lauf. Über die genauen Einzelheiten des Krieges soll an dieser Stelle nicht geschrieben werden. Vielmehr gilt es die Frauen und ihre Rolle zu dieser Zeit in Augenschein zu nehmen. Im zweiten Weltkrieg leisteten etwa eine Million Frauen ihren Dienst in der Roten Armee. Die Anzahl der Männer schwankte zwischen drei und fünf Millionen im Jahr 1941.3 Dies zeigt, dass der Anteil der Frauen erheblich hoch war. Sie machten gut 1/5 der Heerstärke aus. Ihr Einsatz stellte etwas historisch Neues dar. In Ländern wie Deutschland oder Großbritannien wurden gleichermaßen Frauen für das Militär einberufen, jedoch niemals in dem Ausmaß wie es in der Sowjetunion der Fall war. Die Problematik, die dabei besteht, ist, dass kaum Statistiken über die genaue Anzahl der Frauen oder ihre Arbeitsfelder vorhanden sind. Die größte Quelle bilden in dem Fall die Urkunden und Orden, die von der Roten Armee ausgegeben wurden. Ausgezeichnet wurden jedoch nur vereinzelte Frauen, der Großteil der Soldatinnen erhielt keine Anerkennung für ihre Arbeit. Die Frage, die sich stellt, ist, wie konnte es zu einer derartigen Mobilisierung der Frauen in jener Zeit kommen? In der Sowjetunion galt die Wehrpflicht bis zum zweiten Weltkrieg nur für Männer.4 Nach Ausbruch des Krieges meldeten sich zahlreiche junge Mädchen für die Armee freiwillig. Sie wollten wie die Männer für ihr Vaterland kämpfen. Aufgrund der hohen Verluste der Roten Armee in den ersten beiden Kriegsjahren ging die Regierung dazu über alle kriegstauglichen Frauen zu mobilisieren.5 Verheiratete Frauen und Mütter waren von dieser Mobilisierung hingegen ausgeschlossen. Die so genannte „Scheinfreiwilligkeit“, wie es nach dem Krieg hieß, wurde aufgehoben. Die Mehrzahl der Frauen, die im Krieg dienten, wurde als Krankenschwestern, Wäscherinnen oder Telefonistinnen eingesetzt.6 Eine Ausbildung erhielten sie dabei nur in seltensten Fällen. Viel eher wurden ihnen nur die grundlegendsten Kenntnisse im jeweiligen Tätigkeitsfeld beigebracht. Oftmals mussten die Frauen direkt an der Front arbeiten, so dass der Umgang mit der Waffe für sie dazu gehörte.
[...]
1 Vgl. Mascha, Nina, Katjuscha. Frauen in der Roten Armee 1941-1945. Ausstellungskatalog. Hrsg. von Deutsch-russischen Museum Karlshorst. Berlin 2002. S.7.
2 Vgl. Hildermeier, Manfred. Geschichte der Sowjetunion 1917-1991. München 1998. S.601.
3 Vgl. Ebd., S.603.
4 Vgl. Mascha, Nina, Katjuscha. Frauen in der Roten Armee 1941-1945. Ausstellungskatalog. Hrsg. von Deutsch-russischen Museum Karlshorst. Berlin 2002. S.12.
5 Vgl. Ebd.
6 Vgl. Ebd., S.7.
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