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"Hilf mir es selbst zu tun!" Maria Montessoris didaktisches Material in der Frühförderung

Autor: Felix Heinrich
Fach: Pädagogik - Heil- und Sonderpädagogik

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Details

Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 63
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 55  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 255 KB
Archivnummer: V68358
ISBN (E-Book): 978-3-638-60976-0
ISBN (Buch): 978-3-638-73771-5
Anmerkungen :
Maria Montessoris Pädagogik wird hauptsächlich zur Erziehung gesunder Kinder eingesetzt. Diese Arbeit soll zeigen, dass das didaktische Material Montessoris sehr gut in der Frühförderung zur Therapie behinderter und von Behinderung bedrohter Kindern eingesetzt werden kann.

Zusammenfassung / Abstract

Diese Arbeit soll zeigen, dass das didaktische Material Maria Montessoris sehr gut in der Frühförderung zur Therapie behinderter und von Behinderung bedrohter Kindern eingesetzt werden kann. In Kapitel 1 werden Zielsetzungen, Aufgabenfelder und zentrale Grundsätze der Frühförderung dargestellt. Kapitel 2 umreißt wichtige Gedanken und Konzepte der Montessori-Pädagogik. Im dritten Kapitel erfolgt eine Beschreibung des didaktischen Materials. Das letzte Kapitel schließlich zeigt, warum das didaktische Material für den Einsatz in der Frühförderung geeignet ist. Es wird erörtert, wie das Material und dessen Präsentation an verschiedene Behinderungen angepasst werden kann. Weiter wird untersucht, für welche Behinderungen der Einsatz Montessoris didaktischer Materialien sinnvoll sein kann. Unterschiedliche Organisationsformen einer Montessori-Heilpädagogik werden skizziert. Zu guter Letzt wird die konkrete Arbeit mit Montessori-Material durch Beispiele veranschaulicht.

Textauszug (computergeneriert)

Hilf mir es selbst zu tun! Maria Montessoris
didaktisches Material in der Frühförderung

von: Felix Heinrich

 


Inhalt

Fragestellung  5

1. Frühförderung 7

1.1. Zielsetzungen 7
1.2. Zielgruppe 7
1.3. Aufgabenfelder  8

1.3.1. Prävention und Früherkennung 8
1.3.2. Diagnostik  9
1.3.3. Förderung und Therapie des Kindes  11
1.3.4. Beratung und Begleitung der Bezugspersonen  12
1.3.5. Soziale Integration  12
1.3.6. Koordination der Hilfesysteme 13

1.4. Grundsätze der Frühförderung  14

1.4.1. Ganzheitlichkeit  14
1.4.2. Familienorientierung 14
1.4.3. Interdisziplinarität 15
1.4.4. Vernetzung  17

2. Montessori-Pädagogik  19

2.1. Der psychische Embryo 19
2.2. Sensible Phasen  20
2.3. Die vorbereitete Umgebung 21
2.4. Deviation und Normalisation  22
2.5. Polarisation der Aufmerksamkeit  23

3. Das didaktische Material  25

3.1. Materialklassen 27
3.2. Übungen des praktischen Lebens 27

3.2.1. Kategorisierung der Übungen des praktischen Lebens  28

Übungen zur persönlichen Pflege 28
Übungen im Umgang mit anderen Menschen 28
Übungen zur Pflege der Umgebung 29

3.3. Sinnesmaterial  29

3.3.1. Gestaltungsprinzipien des Sinnesmaterials  31

Isolation von Eigenschaften 31
Materialisierte Abstraktion  32
Sachliche Fehlerkontrolle  32
Ästhetische Qualität  33
Aktivität 33
Begrenzung 33
Ordnung  34

3.3.2. Kategorisierung des Sinnesmaterials  35

Sinnesmaterial für das Entdecken von Kontrasten, Identitäten und Abstufungen  35
Sinnesmaterial für die Förderung des visuellen und auditiven Unterscheidungsvermögens 36
Sinnesmaterial zur Förderung verschiedener Sensibilitäten 36

4. Montessoris didaktisches Material in der Frühförderung 37

4.1. Eignung des didaktischen Materials für die Frühförderung 37

4.1.1. Aufforderungscharakter  37
4.1.2. Sachliche Fehlerkontrolle 38
4.1.3. Bewegungsschulung und Muskelgedächtnis  39
4.1.4. Zuwachs an Selbständigkeit und Selbstbewusstsein 40
4.1.5. Hilfe zur Selbsthilfe und Vertrauen in die Fähigkeiten des Kindes 41
4.1.6. Prophylaxe 42
4.1.7. Arbeit aus innerer Motivation  42
4.1.8. „Versinken“ in einer Tätigkeit  43
4.1.9. Sinnesschulung und Förderung des abstrakten Denkvermögens 44

4.2. Didaktisches Material in der Frühförderung – bei welchen Behinderungen?  45
4.3. Anpassung des didaktischen Materials an die Bedürfnisse behinderter Kinder 46
4.4. Organisationsformen der Montessori-Heilpädagogik im Frühförderbereich  48
4.5. Beispiele für den Einsatz didaktischen Materials in der Frühförderung 50

4.5.1. Förderung eines zwei Jahre alten Mädchens mit Tetraparese 51
4.5.2. Löffelübung für etwa dreijährige Kinder  54

4.6. Zusammenfassung 56

Literatur 60



 

Fragestellung

Maria Montessoris Pädagogik wird hauptsächlich zur Erziehung gesunder Kinder eingesetzt. Dabei gründen die pädagogischen Erfahrungen Montessoris auf der Arbeit mit behinderten Kindern in der Psychiatrischen Klinik in Rom und später der staatlichen Schwachsinnigen- Schule, welche Montessori zwei Jahre leitete (Mario Montessori sen. 1978, 17).

Auf der Suche nach einem Konzept zur Erziehung Geistigbehinderter entdeckte Montessori die Werke der in Vergessenheit geratenen französischen Ärzte Jean Marc Gaspard Itard und Edouard Seguin, welche sie konsequent weiter entwickelte (Hellbrügge 1978a, 36ff).

Mit überraschendem Ergebnis:

Unter ihrer geschickten Anleitung holten die Kinder, die ja bisher als »Idioten« gegolten hatten, ihren Entwicklungsrückstand auf, und zwar in einem verblüffenden Ausmaß: zahlreiche der schwachsinnigen Anstaltskinder lernten so gut lesen und schreiben, dass sie sich mit normalen Kindern zusammen einer öffentlichen Prüfung unterziehen konnten. (Hellbrügge 1978a, 40)

Die Erziehung der Geistigbehinderten erfolgte maßgeblich durch das didaktische Material1, einer Serie von Gegenständen und Übungen, die nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten erstellt wurde. Diese Arbeit soll zeigen, dass das didaktische Material Montessoris sehr gut in der Frühförderung zur Therapie behinderter und von Behinderung bedrohten Kindern eingesetzt werden kann. Im Kapitel 1 werden Zielsetzungen, Aufgabenfelder und zentrale Grundsätze der Frühförderung dargestellt, um dem Leser ein Verständnis für die moderne Frühförderung zu vermitteln. Kapitel 2 umreißt die wichtigsten Grundsätze und Konzepte der Montessori- Pädagogik. Dabei werden die Bestandteile der Montessori- Pädagogik vorgestellt, die für den Einsatz im Frühförderbereich relevant sind.

Im dritten Kapitel erfolgt eine Beschreibung des didaktischen Materials. Das letzte Kapitel schließlich zeigt, warum das didaktische Material für den Einsatz in der Frühförderung geeignet ist. Es wird erörtert, wie das Material und dessen Präsentation an verschiedene Behinderungen angepasst werden kann. Weiter wird untersucht, für welche Behinderungen der Einsatz Montessoris didaktischer Materialien sinnvoll ist. Unterschiedliche Organisationsformen einer Montessori-Heilpädagogik werden skizziert. Zu guter Letzt wird die konkrete Arbeit mit Montessori- Material durch Beispiele verdeutlicht.

1. Frühförderung

1.1. Zielsetzungen

Speck betrachtet den Begriff Frühförderung als übergeordnete Bezeichnung für ein „komplexes Arbeitssystem“ (Speck 2001, 269). Die Komplexität dieses Systems ergibt sich nach Weiß, Neuhäuser und Sohns aus der Aufgabenstellung, zum einen entwicklungshemmende Faktoren des Kindes zu minimieren, zum anderen aber entwicklungsanregende Faktoren durch medizinische Behandlung, Therapie oder sonstige Hilfen zu fördern (Weiß/Neuhäuser/Sohns 2004, 23). Sohns definiert Aufgabenfelder und Grundsätze der Frühförderung wie folgt:

[Frühförderung beinhaltet] spezielle Hilfeangebote für Kinder im Vorschulalter mit körperlichen, geistigen oder seelischen Auffälligkeiten und ihre Bezugspersonen mit dem Ziel eine mögliche Entwicklungsgefährdung möglichst früh zu erkennen und mittels fachlicher und menschlicher Hilfen dazu beizutragen, dem Kind die bestmöglichen Bedingungen zum Aufbau seiner Persönlichkeit und zur Entwicklung seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten zur Alltagsbewältigung zu schaffen. […] Die Eckpfeiler Früher Hilfen, Prävention, Förderung und Kooperation mit den Bezugspersonen, können in vielfältiger Art und durch verschiedene Berufsgruppen in der Praxis begründet und entwickelt werden; sie sind dabei stets den Grundsätzen Interdisziplinarität, Ganzheitlichkeit, Familienorientierung, Hilfe zur Selbsthilfe und sozialer Integration verpflichtet und beziehen das soziale Umfeld mit ein (Weiß/Neuhäuser/Sohns 2004, 23).

1.2. Zielgruppe

Die Frühförderung versteht sich als Förder- und Beratungsangebot für behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder im Säuglings-, Kleinkind- und Vorschulalter und deren Eltern bzw. primären Bezugspersonen (Weiß/Neuhäuser/Sohns 2004, 23). Die Begriffe Behinderung und drohende Behinderung sind zur rechtlichen und finanziellen Absicherung der Frühförderung von großer Bedeutung. Laut § 2 Abs. 1 SGB IX gelten Menschen als behindert, „wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen“.

Der Ausdruck drohende Behinderung ist an den folgenden Stellen gesetzlich verankert: § 39 Abs. 2 BSHG; § 2 Abs. 1 SGB IX; § 35a Abs. 1 KJHG. Er bezeichnet Entwicklungsverzögerungen und Auffälligkeiten der Entwicklung, die zu manifesten Behinderungen führen können. Es ist davon auszugehen, dass bei drohender Behinderung durch gezielte Förderung einer manifesten Behinderung entgegengewirkt werden kann (Weiß/Neuhäuser/Sohns 2004, 53f).

1.3. Aufgabenfelder

Die Angebote der Frühförderung müssen sich über ein breites Spektrum erstrecken, um wirkungsvoll einer drohenden oder manifesten Behinderung des Kindes begegnen zu können. Neben der kindspezifischen Förderung ist es dabei sehr wichtig, auf das „Eltern-Kind- System“ (Bronfenbrenner) unterstützend einzuwirken. Als Pflichtleistungen nach SGB IX lassen sich die folgenden Bereiche unterscheiden:

1.3.1. Prävention und Früherkennung

Innerhalb der Frühförderung kommt der Prävention eine entscheidende Rolle zu. Durch präventive Maßnahmen sollen Entwicklungspotentiale und Kompensationsmöglichkeiten eines von Behinderung bedrohten Kindes genutzt werden. Neben der individuellen Förderung des Kindes soll dies durch die Unterstützung stärkender Faktoren, in der Regel der Familie, erreicht werden (Weiß/Neuhäuser/Sohns 2004, 82). In den letzten beiden Jahrzehnten stiegen die Betreuungsraten im Bereich der Frühförderung stark an. Als Ursachen dafür vermuten Weiß et al. neben der Zunahme bestimmter Gefährdungen (vor allem im sprachlichen, motorischen und psychosozialen Bereich) (Sohn 2002, 3- 6), die steigenden Ansprüche an die kindliche Leistungsfähigkeit in einer zunehmend auf Konkurrenz ausgerichteten Gesellschaft (Weiß/ Neuhäuser/Sohns 2004, 82).

Nach Weiß et al. gehört das Einwirken auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen, z.B. bei Elternabenden in Kindertagesstätten oder durch gezielte Erziehungsberatung, ebenfalls zu den Aufgaben der Frühförderung (Weiß/Neuhäuser/Sohns 2004, 82).

[...]


1 Der Begriff didaktisches Material wird in dieser Arbeit synonym für Montessori-Material oder wissenschaftliches Material verwendet. Er schließt alle Gegenstände und Übungen ein, die Montessori zur Erziehung gesunder und behinderter Kinder nach wissenschaftlichen Kriterien entwarf. Ebenso umfasst er neu entwickeltes Material, das den Prinzipien Montessoris entspricht.

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