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Kindheit heute - ein modernes Verständnis von Kindererziehung

Termpaper, 2007, 67 Pages
Author: Tamara Di Quattro
Subject: Pedagogy - Family Education

Details

Category: Termpaper
Year: 2007
Pages: 67
Bibliography: ~ 14  Entries
Language: German
Archive No.: V68362
ISBN (E-book): 978-3-638-60977-7
ISBN (Book): 978-3-638-71001-5
File size: 372 KB
Notes :
Diplompädagogin und freie Autorin


Abstract

Die kindlichen Lebenswelten sind vielschichtig und für die Entwicklung von großer Bedeutung; sie haben sich im Laufe der zeit strukturell verändert, und dies wirkt einflussreich auf das Kindsein und die Kindheit ein. Im Gegensatz zu früher stehen Kindern heutzutage vielfältige Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung zur Verfügung. Kinder werden als eigenständige Persönlichkeiten in unserer heutigen Gesellschaft respektiert, und sie genießen in der heutigen Erziehung ein großes Maß an Partizipationsmöglichkeit. Doch die moderne Gesellschaft birgt auch zahlreiche Risiken, denen Kinder heute ausgesetzt sind. Es herrschen Konsumzwänge und Konkurrenzdenken , innerfamiliäre Spannungen, Leistungsdruck und soziale Verunsicherung. Strukturelle Veränderungen der Kindheit haben sich auf allen sozialen Lebensbereichen vollzogen, und sie haben bedeutende Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen; sie betreffen die unmittelbaren Lebensbedingungen von Kindern und ihre Lebenserfahrungen. Damit sind Kinder erheblichen Belastungen ausgesetzt. Dies in einer Phase, die entwicklungsbiologisch betrachtet als äußerst sensibel zu betrachten ist, da in der Kindheit zahlreiche entwicklungsbedingte Aufgaben bewältigt werden müssen. Sie stellen wichtige Entwicklungsinhalte dar, und die Art ihrer Bewältigung und die Erfahrungen, die Kinder in Verbindung mit diesen Lebensaufgaben machen, sind ausschlaggebend für die Entwicklung der Persönlichkeit und somit ein Leben lang prägend. Umso wichtiger erscheint es, sich den gegenwärtigen Verhältnissen bestmöglich anzupassen, und über ein modernes Verständnis von Kindererziehung zu verfügen, damit der Umgang mit nachfolgenden Generationen adäquat und effektiv, vor allem im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstverwirklichung, erfolgen kann. Diese Arbeit beschäftigt sich rückblickend mit dem historischen Verlauf von Kindheit und verschafft dem Leser ein Bild über verschiedene Ansätze der aktuellen Kindheitsforschung. Weiterhin geht es um die Strukturveränderungen von Kindheit, die sich in den sozialen Lebensbereichen von Kindern nachzeichnen lassen. Am Ende befasst diese Arbeit sich mit gegenwärtigen Entwicklungs- und Gesundheitsproblemen von Kindern und behandelt abschließend Ansätze der Gesundheitsförderung.


Excerpt (computer-generated)

Kindheit heute
Ein modernes Verständnis von Kindererziehung

von: Tamara Di Quattro

 


Inhalt

Hinführung zum Thema 4

Kapitel 1 Kindheit im historischen Verlauf  6

1.1 Was bedeutet überhaupt der Begriff „Kindheit“?  6
1.2 Rückblick: Kindheit früher  6
1.3 Entstehung und Entwicklung von Kindheit  7

Kapitel 2 Ansätze der Kindheitsforschung  9

2.1 Psychologische und soziologische Theorien 9

2.1.1 Psychoanalyse  9
2.1.2 Lerntheorien  11
2.1.3 Theorie der kognitiven Entwicklung 15
2.1.4 Theorie der sozialen Interaktion 17

2.2 Integrative Theorien  19

2.2.1 Die systematisch-ökologische Theorie  19
2.2.2 Die Sozialisationstheorie 24

Kapitel 3 Strukturveränderungen von Kindheit in sozialen Lebensbereichen  27

3.1 Lebensbereich Familie  27

3.1.1 Familiengröße 27
3.1.2 Veränderung von Familienformen  28
3.1.3 Erwerbstätigkeit beider Eltern und Konsequenzen für Partnerschaft und Kind 30
3.1.4 Scheidung und Ein-Eltern-Familien 33
3.1.5 Auswirkungen elterlicher Arbeitslosigkeit  34
3.1.6 Der Wandel der Beziehungen innerhalb der Familie 35

3.2 Lebensbereich Schule 36

3.2.1 Leistungserwartungen und Leistungsdruck 37
3.2.2 Hausaufgabensituation und familiäre Atmosphäre  38
3.2.3 Schulstress und gesundheitliche Situation  38
3.2.4 Schule als Lebens- und Erfahrungsraum von Kindern  39

3.3 Lebensbereich Freizeit  42

3.3.1 Kindliche Aktivitäten  42
3.3.2 Spielkontakte und Freundschaften  43
3.3.3 Freizeit und Medien  44

Kapitel 4 Entwicklungs- und Gesundheitsprobleme  50

4.1 Was bedeutet „Gesundheit“?  50
4.2 Erscheinungsformen chronischer Krankheiten im Kindesalter  52
4.3 Psychosomatische Krankheiten 53

4.3.1 Auffälligkeiten im Leistungsbereich 54
4.3.2 Auffälligkeiten im affektiven Bereich 57
4.3.3 Medikamenten- und Drogenkonsum 59
4.3.4 Vernachlässigung, Misshandlung und sexueller Missbrauch  59

4.4 Ansätze der Gesundheitsförderung  60

Resümee und Fazit  62

Literaturverzeichnis 66


 

 

Hinführung zum Thema

Die kindlichen Lebenswelten sind vielschichtig und für die Entwicklung von großer Bedeutung; sie haben sich im Laufe der zeit strukturell verändert, und dies wirkt einflussreich auf das Kindsein und die Kindheit ein. Im Gegensatz zu früher stehen Kindern heutzutage vielfältige Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung zur Verfügung. Kinder werden als eigenständige Persönlichkeiten, als einmalige und unverwechselbare Individuen in unserer heutigen Gesellschaft respektiert, und sie genießen in der heutigen toleranten Erziehung ein großes Maß an Partizipationsmöglichkeit. Doch die moderne Gesellschaft birgt neben vielen Chancen auch zahlreiche Risiken, denen Kinder heute ausgesetzt sind. Es herrschen u.a. starke Konsumzwänge und Konkurrenzdenken in der Gleichaltrigengruppe, innerfamiliäre Spannungen, Leistungsdruck, ganz zu schweigen von der bestehenden Armut und der sozialen Verunsicherung im öffentlichen Bewusstsein der Gesellschaft. Strukturelle Veränderungen der Kindheit haben sich auf allen sozialen Lebensbereichen vollzogen, und sie haben bedeutende Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen; sie betreffen die unmittelbaren Lebensbedingungen von Kindern und ihre Lebenserfahrungen. Damit sind Kinder erheblichen Belastungen ausgesetzt, sowohl psychischer und sozialer, als auch gesundheitlicher Art. Dies in einer Phase, die entwicklungsbiologisch betrachtet als äußerst sensibel zu betrachten ist, da in der Kindheit zahlreiche entwicklungsbedingte Aufgaben bewältigt werden müssen, wie der Erwerb des Urvertrauens und der Aufbau einer stabilen Beziehung zu den elterlichen Bezugspersonen, das Entwickeln von Denkschemata und kognitiven und emotionalen, sozialen und motorischen Fähigkeiten, später die Bejahung der eigenen Geschlechtsrolle und der Aufbau einer Geschlechtsidentität und einer positiven Einstellung zum eigenen Körper, der Aufbau von Wert- und Moralvorstellungen, der Eintritt in die Gleichaltrigengruppe und der Aufbau sozialer Beziehungen, Identitätssuche und Identitätsaufbau. All diese schwierigen Aufgaben stellen wichtige Entwicklungsinhalte dar, und die Art ihrer Bewältigung und die Erfahrungen, die Kinder in Verbindung mit diesen Lebensaufgaben machen, sind ausschlaggebend für die Entwicklung der Persönlichkeit und somit ein Leben lang prägend. Umso wichtiger erscheint es, sich den gegenwärtigen Verhältnissen bestmöglich anzupassen, und über ein modernes Verständnis von Kindererziehung zu verfügen, damit der Umgang mit nachfolgenden Generationen adäquat und effektiv, vor allem im Sinne der Persönlichkeitsentwicklung und Selbstverwirklichung, erfolgen kann. Das erste Kapitel dieser Arbeit beschäftigt sich rückblickend mit dem historischen Verlauf von Kindheit. Dem Leser wird ein Bild vermittelt, was Kindheit früher bedeutet hat, wie Kindheit entstanden ist und wie sich die Vorstellungen von Kindern im Laufe der gesellschaftlichen Modernisierung verändert und entwickelt haben. Das zweite Kapitel verschafft dem Leser ein Bild über verschiedene Ansätze der aktuellen Kindheitsforschung. Es werden hierzu theoretische Ansätze der psychologischen, soziologischen, pädagogischen und gesundheitswissenschalftlichen Forschung zur Kindheit berücksichtigt. Nur durch die Beachtung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse kann im Bewusstsein von Erwachsenen ein modernes Verständnis von Kindererziehung und Kinderschutz entstehen und sich verfestigen.

Im dritten Kapitel geht es um die Strukturveränderungen von Kindheit, die sich in den sozialen Lebensbereichen von Kindern nachzeichnen lassen. Zum einen wird die Familie als erste Sozialisationsinstanz mit ihren tiefgreifenden Veränderungen beschrieben, zum anderen wird in diesem Kapitel auch näher auf das Schulsystem eingegangen. Zuletzt wird hier noch der Freizeitbereich von Kindern behandelt. Das vierte Kapitel befasst sich mit gegenwärtigen Entwicklungs- und Gesundheitsproblemen von Kindern und behandelt abschließend Ansätze der Gesundheitsförderung. Das fünfte und letzte Kapitel fasst noch einmal die wesentlichen Aspekte dieser Arbeit auf und schließt mit einem Fazit ab.

Diese Arbeit ist somit für Eltern, Erzieher1, Lehrer, Pädagogen und alle interessant, die mit Kindern zu tun haben, sich mit ihnen auseinandersetzen oder sich mit der kindlichen Entwicklung und Erziehung beschäftigen oder sich für sie begeistern lassen. Man erhält grundlegende Informationen über verschiedene relevante Aspekte zum Thema Kindheit, die ausführlich und anschaulich beschrieben und dargestellt werden.

Kapitel 1

Kindheit im historischen Verlauf

1.1 Was bedeutet überhaupt der Begriff „Kindheit“?

Wenn wir von Kindheit sprechen, weiß jeder, was gemeint ist, und zwar bezeichnet der Begriff eine bestimmte Phase im Leben eines Menschen. Zeitlich betrachtet spricht man von einer Zeit, die mit der Geburt anfängt, und dem Einsetzen der Jugend, das heißt dem Erwerb der Geschlechtsreife, der ersten Menstruation beim Mädchen und der ersten Pollution beim Jungen, aufhört. Als Erwachsener verbindet man mit der Kindheit vor allem die Schulzeit, aber auch frühe Kindheitserinnerungen, die sich in das Gedächtnis sozusagen „eingebrannt“ haben, und die man nicht mehr vergisst. Auf kindlichen Erfahrungen beruht letztendlich die Entwicklung des Selbst, der Persönlichkeit. Die Kindheit und kindliche Erfahrungen sind damit ausschlaggebend und prägend für die individuelle weitere Entwicklung2.

1.2 Rückblick: Kindheit früher

Aries (1978, zit. n. Bründel/Hurrelmann 1996) beschreibt auf klare Weise das Zusammenleben von Kindern und Erwachsenen im frühen Mittelalter. Zu dieser Zeit hatte es den Begriff Kindheit noch gar nicht gegeben; Kinder wurden als „die kleinen Erwachsenen“ bezeichnet und auch so betrachtet. In diesem Sinn verrichteten Kinder, nach einer kurzen postnatalen Phase der totalen Abhängigkeit, nahezu dieselben Arbeiten wie Erwachsene, aßen dasselbe Essen, wohnten in demselben Raum und pflegten dieselben sozialen Kontakte wie Erwachsene (ebd.). Somit gab es zwar selbstverständlich Kinder, aber keine Kindheit im Sinne einer Lebensphase.

Die Funktionen von Familien früher waren eher praktischer Natur. Eine Familie bedeutete eine kollektive Lebensform zum Erhalt des Lebens und Fortgang der Besitztümer und des Namens. Aspekte, die unter den Begriff Emotionalität fallen würden, waren nicht von Bedeutung. Kinder, oder besser gesagt, die „kleinen Erwachsenen“ sowie auch die übrigen Familienmitglieder hatten ihre Pflichten zu erfüllen und dienten ausschließlich der familialen Gemeinschaft. Individualität war ebenso wenig wie Privatheit nicht existent; Kinder wurden nicht als eigenständige Persönlichkeiten, als Individuen mit eigenen Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen betrachtet. Wichtig war mehr die Tatsache, eine gewisse Anzahl an Kindern zu haben, nicht aber das Kind als Einzelnes. So nahmen auch trauernde Momente im Falle des Todes eines Kindes in früheren Familien keinen großen Raum ein; man war dann darauf bedacht, das Kind zugunsten der familiären Pflichterfüllung schnellstmöglich zu ersetzen (ebd.).

1.3 Entstehung und Entwicklung von Kindheit

Im späten Mittelalter änderte sich die Einstellung zu Kindern zunehmend. Man fing an, Gefallen am kindlichen Wesen zu finden und räumte Kindern nach und nach mehr Zeit ein, um ihnen das Spielen zu ermöglichen. Im Laufe der Zeit konzentrierte man sich darüber hinaus verstärkt auf die Erziehung und Bildung von Kindern. In diesem Sinn hieß es, ein Kind zu erziehen, ihm ordentliches Benehmen beizubringen, es auf das gesellschaftliche Leben vorzubereiten und es zu ′formen′ (Aries 1978, zit. n. Bründel/Hurrelmann 1996). Mit der Erweiterung der Familienfunktionen durch die Kindererziehung, und dem Bedürfnis der Erwachsenen, Kinder zu bilden, entstand etwa im 14. Jahrhundert der Begriff „Kindheit“. Außerhalb der Familie wurden Kinder nun in Seminaren und Kollegs erzogen und gebildet. Allerdings sollten den Kindern, die nicht aus reichen Familien stammten, diese Vorzüge verwehrt bleiben. Einerseits lag dies daran, dass sich der Wandelprozess in den Einstellungen in armen Familien wesentlich langsamer vollzog, als es in wohlhabenden Familien geschah; im Gegensatz zu bürgerlichen Familien hatten Erwachsene, deren Leben von Armut gekennzeichnet war, einfach nicht den Anspruch und den Wunsch, ihre Kinder zu bilden. Andererseits waren arme Eltern gezwungen, die Kinder als Arbeitskraft auszunutzen, weswegen sie in Manufakturen, im Handel und Gewerbe sowie in frühkapitalistischen Fabriken wie Erwachsene schwerste Arbeiten verrichten mussten. Erst mit dem Aufkommen der allgemeinen Schulpflicht und der größeren Entlöhnung von erwachsenen Arbeitskräften, ging die Kinderarbeit etwas zurück, bis sie schließlich mit der Einführung des gesetzlich festgelegten Verbots von Kinderarbeit bis zur Vollendung der Schulpflicht im Jahr 1890 endgültig und gänzlich abgeschafft wurde (vgl. Bründel/Hurrelmann 1996).

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierten sich die Schule, und später auch der Kindergarten als Institutionen, um eine Erziehung und Bildung aller Kinder außerhalb des Hauses sicherzustellen. Damit haben sich auch die Vorstellungen über Kindheit und über Kinder als eigenständige Persönlichkeiten und einmalige, unverwechselbare Individuen schließlich im Bewusstsein der Menschen integriert und verfestigt. Die emotionale Bedeutung von Kindern für ihre Eltern ist heutzutage so hoch wie nie (ebd.). Im Laufe der Modernisierung haben sich in den kindlichen Lebenswelten starke strukturelle Modifizierungen und daraus resultierende Konsequenzen für die Kindheit ergeben. Bevor diese ausführlich dargestellt werden, sollen vorab die wesentlichen theoretischen Ansätze der aktuellen Kindheitsforschung beschrieben werden.

Kapitel 2

Ansätze der Kindheitsforschung

[...]


1 Gemeint sind auch immer Erzieherinnen, Lehrerinnen, Pädagoginnen usw. Der Einfachheit halber und zur Erleichterung der Lesbarkeit wird in dieser Arbeit auf die weibliche Geschlechtsform von Berufsgruppen verzichtet.

2 Die vorgeburtliche Entwicklung wird hierbei außer Acht gelassen, wenngleich sie für die spätere Persönlichkeit ebenfalls von Bedeutung ist; so postuliert Rauh (1995, zit. n. Bründel und Hurrelmann 1996), dass die vorgeburtliche Entwicklung zur Kindheit mitzuzählen sei, da die Persönlichkeitsentwicklung eines Kindes nicht erst nach der Geburt beginnt, sondern auch vorgeburtliche Erfahrungen einen Einfluss auf die Persönlichkeit nehmen


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