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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2006, 22 Pages
Author: Nils Schnelle
Subject: Politics - Political Systems - Germany
Details
Institution/College: Catholic University Eichstätt-Ingolstadt
Tags: WASG, Gründung, Fusion, Linkspartei, Hauptseminar, Parteien, Deutschland
Year: 2006
Pages: 22
Grade: 2,0
Bibliography: ~ 41 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61054-4
ISBN (Book): 978-3-638-68071-4
File size: 143 KB
Die Arbeit stellt die Entstehung der WASG dar, geht auf ihr Verhältnis zu SPD und PDS ein und beleuchtet die schwierige, durch die vorgezogene Bundestagswahl 2005 beschleunigte Zusammenarbeit mit der PDS. Des weiteren wird der Weg zur Fusion (rechtliche Fragen, Vorbehalte beider Seiten; bis Oktober 2006) beschrieben und die Widerstände innerhalb der WASG (Wahl des Berliner Abgeordnetenhauses, linksextreme Strömungen in der Partei) bewertet, ein kurzer Programmvergleich schließt die Arbeit ab.
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Abstract
Mit der „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ gründete sich 2005 eine neue Partei in Deutschland, die sich nicht nur als regionale Partei begreift und den Anspruch erhebt, die Interessen eines nicht unerheblichen Teils der Bevölkerung zu vertreten. Die Entstehung wirft vor allem zwei Fragen auf: zum ersten die Frage nach der Motivation zur Gründung einer neuen Partei links von der SPD und damit auch die Frage nach der Programmatik, zum anderen die Frage nach den Erfolgsaussichten eines solchen Unterfangens. Alle früheren Versuche, eine bedeutende Partei links von der SPD zu etablieren, schlugen fehl; weder kommunistische Parteien wie die DKP, noch die aus einer anderen Partei hervorgegangenen Gruppen wie die Demokratischen Sozialisten haben langfristig und überregional Bedeutung erlangen können. Außerdem stellte sich die Frage, wie sich die SPD und die PDS gegenüber denjenigen, die auf dasselbe Wählerreservoir zielen würden, verhalten würden. Denkbar waren neben strikter Konkurrenz auch Kooperation (auf Landesebene z.B.) und eine Korrektur des eigenen Kurses in Richtung des neuen Gegners, um die gefährdeten Wählerstimmen zu behalten (im Bezug auf die SPD). Diese Frage wurde, beschleunigt durch die Entscheidung zu Neuwahlen, im Lauf des Jahres 2005 beantwortet, im Bezug auf das Verhältnis der beiden linken Parteien PDS und WASG zueinander jedoch keinesfalls endgültig geklärt. Die Fusion von Linkspartei.PDS und WASG wurde unlängst (im Sommer 2007) vollzogen, diese Arbeit soll die schwierige und mit diversen Rückschlägen verbundene Zusammenarbeit (auch im Wahlkampf 2005) von der Gründung der WASG bis zum Sommer 2006 beleuchten sowie Sinn und Nutzen einer Fusion für die WASG untersuchen. Der Schwerpunkt wird auf der Kritik an dem Bündnis innerhalb der WASG liegen, außerdem wird, ausgehend von einem kurzen programmatischen Vergleich beider Parteien, ein Ausblick auf die mögliche weitere Entwicklung der Fusion gegeben.
Excerpt (computer-generated)
Katholische Universität Eichstätt - Ingolstadt
Hauptseminar: Die politischen Parteien in Deutschland
Sommersemester 2006
Die WASG
Von der Gründung bis zur geplanten Fusion mit der Linkspartei
von: Nils Schnelle
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Gründung der WASG 4
2.1 Gefahr von links für die SPD? 5
3. Die Entwicklung des Verhältnisses der WASG zur PDS 7
3.1 Die Zusammenarbeit nach der NRW-Wahl 8
4. Widerstand gegen die Fusion auf Seiten der WASG 9
4.1 Widerstand innerhalb der WASG im Sommer 2005 10
4.2 Die Eskalation im Nordosten 10
4.3 Die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus 13
5. Konsequenzen für die Fusion 14
6. Literatur 17
1. Einleitung
Mit der „Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit“ gründete sich 2005 eine neue Partei in Deutschland, die sich nicht nur als regionale Partei begreift und den Anspruch erhebt, die Interessen eines nicht unerheblichen Teils der Bevölkerung zu vertreten. Die Entstehung wirft vor allem zwei Fragen auf: zum ersten die Frage nach der Motivation zur Gründung einer neuen Partei links von der SPD und damit auch die Frage nach der Programmatik, zum anderen die Frage nach den Erfolgsaussichten eines solchen Unterfangens. Alle früheren Versuche, eine bedeutende Partei links von der SPD zu etablieren, schlugen fehl; weder kommunistische Parteien wie die DKP, noch die aus einer anderen Partei hervorgegangenen Gruppen wie die Demokratischen Sozialisten haben langfristig und überregional Bedeutung erlangen können1.
Außerdem stellte sich die Frage, wie sich die SPD und die PDS gegenüber denjenigen, die auf dasselbe Wählerreservoir zielen würden, verhalten würden. Denkbar waren neben strikter Konkurrenz auch Kooperation (auf Landesebene z.B.) und eine Korrektur des eigenen Kurses in Richtung des neuen Gegners, um die gefährdeten Wählerstimmen zu behalten (im Bezug auf die SPD). Diese Frage wurde, beschleunigt durch die Entscheidung zu Neuwahlen, im Lauf des Jahres 2005 beantwortet, im Bezug auf das Verhältnis der beiden linken Parteien PDS und WASG zueinander jedoch keinesfalls endgültig geklärt. Diese Arbeit soll die schwierige und mit diversen Rückschlägen verbundene Zusammenarbeit von WASG und PDS bzw. später Linkspartei beleuchten sowie Sinn und Nutzen einer Fusion für die WASG untersuchen. Der Schwerpunkt wird auf der Kritik an dem Bündnis innerhalb der WASG liegen, außerdem wird, ausgehend von einem kurzen programmatischen Vergleich beider Parteien, ein Ausblick auf die weitere Entwicklung der Fusion gegeben.
2. Die Gründung der WASG
Es gab zwei wesentliche Gründe für die Entstehung einer neuen Partei links von der SPD mit dem Anspruch, sich bundesweit zu etablieren: zum einen die durch den Kurs der SPD (Agenda 2010 und die Hartz-Gesetze) verursachte Schwäche derselben und dem resultierenden Unmut in großen Teilen der Bevölkerung2, zum anderen die Beschränkung der schon existierenden PDS auf den Osten Deutschlands. Zwar stellt die PDS an sich selbst den Anspruch - trotz vorrangiger Vertretung der Interessen der Bevölkerung in den neuen Bundesländern - in ganz Deutschland wirken zu wollen3, die Realität aber sieht anders aus, wie auch Gregor Gysi 2006 eingestehen musste4.
Der Gründung der WASG als neuer Linkspartei gingen zwei (zunächst) voneinander unabhängig entstandene Initiativen voraus, zum einen die bayrische „Initiative Arbeit & soziale Gerechtigkeit“ (im folgenden ASG abgekürzt) um die Fürther IG-Metall-Funktionäre Thomas Händel und Klaus Ernst, zum anderen die „Wahlpolitischen Alternative 2006“ (im folgenden Wahlalternative abgekürzt), die in Berlin begründet wurde. Letztere besteht anfangs aus „Ver.di-Funktionären, linken Wissenschaftlern, enttäuschten Sozialdemokraten und Kommunisten“5, die sowohl aus Berlin als auch aus Norddeutschland und dem Ruhrgebiet stammen6.
Die Herkunft der Mitglieder der beiden Gruppierungen lässt einen direkten Rückschluss auf die Motivation der Beteiligten zu: als Auslöser wird stets die „Agenda 2010“ der SPD unter Gerhard Schröder als Bundeskanzler und SPD-Vorsitzendem genannt, ebenso wie die unter der rot-grünen Koalition verabschiedeten Hartz-Gesetze, insbesondere Hartz-47. Das Ziel der ersten, losen Gruppierungen beider mag das Erreichen einer Kurskorrektur der SPD-Politik gewesen sein, doch die SPD reagierte auf die Äußerungen der Begründer der ASG mit Ordnungsverfahren und einem drohenden Parteiausschluss8, derart offenen Widerstand konnte die SPD-Führung in den schwierigen Zeiten nicht gebrauchen. Die Frage, ob bei einem Einlenken der SPD und dem Zeigen von Diskussionsbereitschaft u.U. keine neue linke Partei entstanden wäre (oder zumindest ohne die Beteiligung der ASG), bleibt somit offen.
So schlossen sich ASG und die Wahlalternative zunächst zum Verein „WASG e.V.“ zusammen, im November 2004 wurde auf einem Bundeskongress die Parteigründung beschlossen und im Dezember von über 90% der Mitglieder bestätigt, ebenso wurde beschlossen, dass die Partei unter dem Namen „Arbeit & soziale Gerechtigkeit – Die Wahlalternative“, kurz WASG, zur Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen im Mai 2005 antreten solle9. Die WASG hielt vom 6. bis 8. Mai 2005 schließlich ihren ersten Parteitag ab und konstituierte sich.
2.1 Gefahr von links für die SPD?
[...]
1 Meuche-Mäker, Meinhard: Die PDS im Westen 1990-2005. Schlussfolgerungen für eine neue Linke. In: Texte der Rosa-Luxemburg-Stiftung Bd. 25. Karl Dietz Verlag. Berlin. 2005. S. 67.
2 Vgl. Heunemann, Falk: Die Kooperation der PDS und der WASG zur Bundestagswahl 2005. Magisterarbeit. Friedrich-Schiller-Universität. Jena. 2006. S. 11-13.
3 Brie, Michael (Hrsg.): Die Linkspartei. Ursprünge, Ziele, Erwartungen. Texte der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bd. 23. Karl Dietz Verlag. Berlin. 2005. S. 16-17.
4 Heunemann S. 11.
5 Feldenkirchen, Markus und Nelles, Roland: Linkes Schnäppchen. In: Der Spiegel 13/2004. S. 44.
6 Heunemann S.13.
7 Vgl. Meves, Helge: „Die Wahlalternative – eine andere Politik ist möglich“. In: Brie, Michael: Die Linkspartei. Ursprünge, Ziele, Erwartungen. Texte der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Bd. 23. Karl Dietz Verlag. Berlin. 2005. S. 26.
8 Feldenkirchen und Nelles S. 44.
9 „Linksbündnis will zur NRW-Wahl antreten“. Die Welt Online vom 22.11.2004. und „Parteien verlieren Mitglieder“. Die Welt Online vom 21.12.2004.
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