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Autor: Sebastian Schneemelcher
Fach: Geschichte - Neuere Geschichte, 19. Jhdt.
Details
Institution/Hochschule: Carl von Ossietzky Universität Oldenburg (Geschichte)
Tags: Lage, Bauern, Jahrhundert, Polen, Jahrhundert
Jahr: 2003
Seiten: 20
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 151 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-61057-5
ISBN (Buch): 978-3-638-90329-5
Diese Hausarbeit befasst sich mit der wirtschaftlichen und sozialen Lage der polnischen Bauern und Landbevölkerung im 18. Jahrhundert und stellt Untersuchungen an, ob es sich im gesellschaftlichen System Polens um eine modernere Form von Sklaverei handelte oder die Systematik differenzierter zu sehen ist.
Zusammenfassung / Abstract
„Weil es der ganzen Welt vor Augen steht, daß nirgends der Bauer unter schwererer Bedrückung lebt als allein in Polen (...) “ (Stefan Garczynski, Wojewode von Posen, 1742) Die soziale und wirtschaftliche Lage von Polens Bauern im 18. Jahrhundert wurde nach der Einschätzung von vielen aufgeklärten Menschen wie Stefan Garczynski, dem deutschen Schriftsteller Joachim Schulz und dem englischen Historiker Coxe als dramatischer, unterdrückter und rückständiger eingestuft als in allen vergleichbaren Nationen und sogar offen mit der antiken Sklaverei verglichen. Polen galt als Land in dem die Gutsherrschaft und Leibeigenschaft eine deutliche Ausprägung aufwies. Diese Hausarbeit soll sich der Frage widmen, ob tatsächlich die Lage der polnischen Bauern dermaßen schlecht einzuschätzen war, wie es Garcynski und Andere behaupteten oder ob nicht die von ihnen vorgenommene Verallgemeinerung der wirtschaftlichen und sozialen Lage deutlich hinterfragt werden muß. Dazu werde ich im Folgenden auf die rechtliche Lage der Bauern eingehen und die Wirtschaftsstruktur Polens im 18. Jahrhundert betrachten. Ein Vergleich mit anderen Nationen (vor allem Preußen) bietet sich an einigen Stellen an. Das 18. Jahrhundert, das in der polnischen Geschichte als ein Jahrhundert der großen Umbrüche bezeichnet werden kann (man denke an die polnischen Teilungen, die Persönlichkeit Stanislaw August, etc.), bietet außerdem interessante Reformansätze, die mit dem absoluten Schwerpunkt der polnischen Landwirtschaft von mir aufgegriffen werden sollen. Zum Abschluß der Hausarbeit soll ein Resümee stehen, in dem ich zu einer eigenen Einschätzung der wirtschaftlichen und sozialen Situation der polnischen Bauern gelangen möchte und die oben genannte Ausgangsfrage beantworten will. Die Auswahl der von mir berücksichtigten Literatur umfaßt neben Werken, die die Sozialstruktur Polens und die wirtschaftliche Entwicklung bzw. deren Wandel betrachten, bewußt auch einen Reisebericht von Joachim Friedrich- Wilhelm Schulz (der Polen im Jahre 1793 bereiste) und einen Aufsatz von Zbigniew Kwasny, die in einer sehr wertvollen Weise der Ausgangsfrage dienlich sein werden.
Textauszug (computergeneriert)
Die soziale und wirtschaftliche Lage der
polnischen Bauern im 18. Jahrhundert
von: Sebastian Schneemelcher
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 3
II. Die Fronarbeit als Organisationsform der polnischen Landwirtschaft 4
III. Die rechtliche Lage der untertänigen polnischen Bauern 8
IV. Die wirtschaftliche Entwicklung der polnischen Landwirtschaft und damit verbundene Konflikte im Fronwesen 10
V. Reformbestrebungen zur Verbesserung der Lage in der polnischen Landwirtschaft und der Bauern und ihre Durchsetzbarkeit 13
VI. Resümee oder „Waren Polens Bauern im 18. Jahrhundert allesamt gleichwertig versklavt?“ 17
VII. Literaturverzeichnis 20
I. Einleitung
„Weil es der ganzen Welt vor Augen steht, daß nirgends der Bauer unter schwererer Bedrückung lebt als allein in Polen (...) “ 1
(Stefan Garczynski, Wojewode von Posen, 1742)
Die soziale und wirtschaftliche Lage von Polens Bauern im 18. Jahrhundert wurde nach der Einschätzung von vielen aufgeklärten Menschen wie Stefan Garczynski, dem deutschen Schriftsteller Joachim Schulz und dem englischen Historiker Coxe als dramatischer, unterdrückter und rückständiger eingestuft als in allen vergleichbaren Nationen und sogar offen mit der antiken Sklaverei verglichen. Polen galt als Land in dem die Gutsherrschaft und Leibeigenschaft eine deutliche Ausprägung aufwies. Diese Hausarbeit soll sich der Frage widmen, ob tatsächlich die Lage der polnischen Bauern dermaßen schlecht einzuschätzen war, wie es Garcynski und Andere behaupteten oder ob nicht die von ihnen vorgenommene Verallgemeinerung der wirtschaftlichen und sozialen Lage deutlich hinterfragt werden muß.
Dazu werde ich im Folgenden auf die rechtliche Lage der Bauern eingehen und die Wirtschaftsstruktur Polens im 18. Jahrhundert betrachten. Ein Vergleich mit anderen Nationen (vor allem Preußen) bietet sich an einigen Stellen an. Das 18. Jahrhundert, das in der polnischen Geschichte als ein Jahrhundert der großen Umbrüche bezeichnet werden kann (man denke an die polnischen Teilungen, die Persönlichkeit Stanislaw August, etc.), bietet außerdem interessante Reformansätze, die mit dem absoluten Schwerpunkt der polnischen Landwirtschaft von mir aufgegriffen werden sollen. Zum Abschluß der Hausarbeit soll ein Resümee stehen, in dem ich zu einer eigenen Einschätzung der wirtschaftlichen und sozialen Situation der polnischen Bauern gelangen möchte und die oben genannte Ausgangsfrage beantworten will.
Die Auswahl der von mir berücksichtigten Literatur umfaßt neben Werken, die die Sozialstruktur Polens und die wirtschaftliche Entwicklung bzw. deren Wandel betrachten, bewußt auch einen Reisebericht von Joachim Friedrich- Wilhelm Schulz (der Polen im Jahre 1793 bereiste) und einen Aufsatz von Zbigniew Kwasny, die in einer sehr wertvollen Weise der Ausgangsfrage dienlich sein werden.
II. Die Fronarbeit als Organisationsform der polnischen Landwirtschaft
Wie in ganz Osteuropa bildete auch in Polen die Bauernschaft die deutliche Mehrheit in der Gesamtbevölkerung. Schätzungen zufolge waren etwa 72 % der polnischen Bevölkerung im 18. Jahrhundert dem Bauernstand rechtlich zugeordnet.2 Darüber hinaus geht der Kleinproduzentenkreis. Dieser wurde v.a. durch diejenigen Einwohner der Kleinstädte, die ihren Unterhalt hauptsächlich durch den Ackerbau bestritten, gebildet. Der überwiegende Teil der Bauern (60% bis 70%) war auf adeligen Gütern seßhaft, der Rest auf geistlichen- oder königlichen Gütern. Eine geringe Zahl von Bauern gehörte auch den größeren königlichen Städten direkt an. Die Leibeigenschaft kennzeichnete den größten Teil der bäuerlichen Bevölkerung, auch wenn der Anteil von freien Bauern seit dem ausgehenden Mittelalter stetig zugenommen hatte. Er lag je nach Region bei 10% (Großpolen) und 20% (Ermland und Westpreußen).
Die Leibeigenschaft der polnischen Bauern unterschied sich deutlich von der Art der in westeuropäischen Ländern vorkommenden Leibeigenschaft. In Polen hatten alle Feudallasten den Umstand, daß der Untertan den herrschaftlichen Acker nützte oder wenigstens seine Wohnung auf dem herrschaftlichen Besitz hatte, während Feudallasten in Westeuropa auf Leib- und Rechtsuntertänigkeit begründet wurden. Wer in Polen also außerhalb der herrschaftlichen Besitzungen lebte brauchte keine Frondienste zu leisten. Diese besondere Form der Leibeigenschaft bildete sich in Polen aufgrund der sogenannten „Vorwerksproduktion“ heraus. Dieses „Wirtschaftsideal für den Adel“ sah ohne jeglichen Lohnaufwand auf Grund von Fronarbeit eine Bewirtschaftung von Ackerland vor, das direkt dem Gutsherren unterstand. Ein sensibles Gleichgewicht zwischen dem Areal des Vorwerks und den Bedürfnissen der Bauern war elementar wichtig für den Erfolg dieser Wirtschaftsform.
[...]
1 Zitiert nach Jörg K. Hoensch, Sozialverfassung und politische Reform - Polen im vorrevolutionären Zeitalter - , Köln 1973, S. 151
2 Vgl. i. F. Wladyslaw Rusinski, Veränderungen in der Struktur und ökonomischen Lage der polnischen Bauernschaft an der Wende vom 18. Zum 19. Jahrhundert, in: Der Bauer Mittel- und Osteuropas im sozio-ökonomischen Wandel des 18. Und 19. Jahrhunderts, Köln 1973, S. 83 ff.
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