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Zwischen Empfindsamkeit und Emanzipation - Geschlechtsspezifische Identitätsentwürfe in Angelika Kauffmanns Porträtgemälden

Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2001, 17 Pages
Author: Mag. Petra Vera Rüppel
Subject: German Studies - Modern German Literature

Details

Category: Scholarly Paper (Advanced Seminar)
Year: 2001
Pages: 17
Grade: 1,7
Bibliography: ~ 10  Entries
Language: German
Archive No.: V68768
ISBN (E-book): 978-3-638-59498-1

File size: 112 KB


Excerpt (computer-generated)

„Zwischen Empfindsamkeit und Emanzipation –
Geschlechtsspezifische Identitätsentwürfe in Angelika Kauffmanns
Porträtgemälden“

Seminararbeit für das Hauptseminar
„Geschlechtertopographien in Werken der Klassik“
Sommersemester 2001

vorgelegt von

Petra Rüppel

 

 

1 Einleitung  3

2 Biographischer Abriss. Studienjahre  3

3 Die gesellschaftpolitische und soziokulturelle Situation im England des 18. Jahrhunderts  4
3.1 Die britische Porträtmalerei im 18. Jahrhundert  6
3.1.1 Das Porträtstudio und seine Funktionen  7
3.1.2 Turquerie – Das Studio als Ort weiblicher Begegnung und Kommunikation  7

4 Weiblichkeitsmodelle in Angelika Kauffmanns Bildnissen  9
4.1 „Diese Frau ist eine so schöne Seele wies wenige giebt“ – Selbstinszenierung der Künstlerin  9
4.2 Frauenbilder. Von weiblichen Qualitäten  10
4.3 Männerbilder. Das Konzept des Androgynen  12

5 Angelika Kauffmann im Vergleich mit Sir Joshua Reynolds  14

6 Künstlerischer Nachlass  16

Literaturverzeichnis  17

 

 

1 Einleitung

Angelika Kauffmann (1741-1807) gilt als eine der bedeutendsten Künstlerinnen des 18. Jahrhunderts und erlangte insbesondere aufgrund ihrer Porträtgemälde bereits zu Lebzeiten eine internationale Reputation, die ihr den Zugang zu den höchsten Gesellschaftskreisen Italiens und Englands sicherte und materiellen Wohlstand bescherte.

Im folgenden soll gezeigt werden, in welcher Form sich Angelika Kauffmann in deutlicher Abgrenzung zu ihren männlichen Kollegen als individualistisch-innovative Künstlerin etablierte und inwieweit der von ihr selbst geschaffene Mythos um ihre Person mit der geschlechtsspezifischen Inszenierung von Weiblichkeit und Männlichkeit in ihren Bildnissen korrespondiert.

2 Biographischer Abriss. Studienjahre

Zum tieferen Verständnis von Angelika Kauffmanns beruflicher und persönlicher Entwicklung empfiehlt sich eine kurze Beleuchtung jener Jahre vor ihrer Übersiedelung nach London, die sich als prägend für ihre weitere Laufbahn sowie ihre künstlerische Selbstinszenierung erweisen sollten:

Angelika Kauffmann wurde am 30.10.1741 in Chur geboren. Sie selbst hat sich zeitlebens dagegen gewehrt, als eine „Schweizer Malerin“ gesehen zu werden und betonte, „nur aus Zufall“1 dort geboren zu sein – eigentlich stammte ihre Familie väterlicherseits aus Schwarzenberg im Bregenzerwald, und eben diesen Ort empfand sie als ihre wirkliche Heimat. In Chur wurde sie geboren, da ihr Vater, Johann Joseph Kauffmann, ein einfacher, aber angesehener Wandermaler, im Jahre 1739 zum Hofmaler des Bischofs von Chur ernannt wurde und 1740 Cleophea Lutz, ein Mädchen aus einer gutbürgerlichen, aber verarmten Graubündner Familie, heiratete.

Als die Arbeit am Churer Dom getan war, verließ Johann Kauffmann mitsamt Frau und Kind die Stadt und übersiedelte ins Veltlin im Süden der Schweiz. Dort wurde er schließlich nach Marbegno berufen, wo Malergehilfen für die Ausstattung einer Pfarrkirche gesucht wurden. Hier entstand nun auch das früheste von Angelika Kauffmann erhaltene Werk, ein Selbstporträt der damals Dreizehnjährigen. Ihr Vater erkannte das Talent der Tochter früh und förderte es auf spielerische Art. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass Angelika Kauffmann eine Art musische Generalbegabung besaß: ihr wurde ebenfalls ein überdurchschnittliches musikalisches Talent attestiert, sie konnte sehr gut singen und auf dem Cembalo spielen. Darüber hinaus war sie sehr sprachbegabt, beherrschte als erwachsene Frau Englisch, Französisch und Italienisch fließend in Wort und Schrift.

Nach Jahren des Lernens und Ausübens der Kunst auf handwerklicher Ebene begab sich Angelika Kauffmann gemeinsam mit dem Vater auf eine ausgedehnte Studienreise nach Italien, deren Stationen alle bedeutenden Gemäldegalerien in Bologna, Venedig, Florenz und Rom waren. - In Bologna, wo zur damaligen Zeit ein reger und in dieser Form einzigartiger Kunstbetrieb herrschte - die Bologneser Kunstakademie war auch für Frauen zugänglich, was beispielsweise in München noch einhundertfünfzig Jahre später nicht der Fall war –, schloss Angelika Kauffmann ein mehrmonatiges Diplomstudium ab. Als nächstes verweilten Vater und Tochter in Florenz, wo neben Deutschen vor allem Engländer anzutreffen waren, die zu Angelika Kauffmanns Hauptauftraggebern wurden: neben ihrem Studium an der florentinischen Akademie fertigte sie zahlreiche Porträts englischer Adeliger und knüpfte auf diese Weise erste Kontakte zu England, wo sie später einen wichtigen Teil ihres Lebens verbringen sollte. - Nun folgten ihre Jahre in Rom, die für ihre Karriere ebenfalls von großer Bedeutung waren – hier fertigte sie unter anderem ein Porträt des deutschen Altertumsforschers Winckelmann, das als das beste Porträt des berühmten Gelehrten und zugleich als Angelikas bestes Werk überhaupt gilt. Im Jahre 1765 kehrte sie der Stadt jedoch den Rücken, um – nach einem kurzen Aufenthalt in Venedig – schließlich nach London zu gehen, in die Stadt, der ein Großteil ihrer Auftraggeber entstammte und in der sie bereits vor ihrer Ankunft einen hervorragenden Ruf genoss.2

3 Die gesellschaftpolitische und soziokulturelle Situation im England des 18. Jahrhunderts

Die englische Gesellschaft im 18. Jahrhundert ist gekennzeichnet durch eine politische sowie kulturelle Machtverschiebung von einer größtenteils aristokratischen Basis hin zu einem Bündnis zwischen Großgrundbesitzern und einflussreichen Kaufleuten; der bislang privilegierte Adel wurde zunehmend von einer rasch wachsenden Mittelschicht zurückgedrängt.3

[....]


1 Obermeier, Siegfried. Die Muse von Rom, S. 11.

2 Vgl. Obermeier, Siegfried. Die Muse von Rom, S. 11-49.

3 Vgl. Schröder, Hans-Christoph. Englische Geschichte, S. 38/ 39.


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