"And the Shark, he has Teeth" - Brechts Exil in America und Nachwirken am Broadw... close Bitte warten
"And the Shark, he has Teeth" - Brechts Exil in America und Nachwirken am Broadway

Autor: Janek Liebetruth
Fach: Theaterwissenschaft

Lesen Sie im E-Book



Details

Veranstaltung: HS Brecht für das 21. Jahrhundert
Institution/Hochschule: Freie Universität Berlin (Theaterwissenschaft)
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2007
Seiten: 33
Note: 1,7
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 1063 KB
Archivnummer: V68825
ISBN (E-Book): 978-3-638-61157-2
ISBN (Buch): 978-3-638-67303-7

Zusammenfassung / Abstract

Ein Mann, stets und ständig in jeder Lage, ob privat oder beruflich, kräftig zu zubeißen, bewusst oder unbewusst – Bertolt Brecht. Seine hingebungsvolle Arbeit an seinen Stücken, machten ihn wohl oft zum Regiedespoten, wohl auch wenn er für die Regie gar nicht verantwortlich war. Privat war Brecht auch nicht gerade das, was man einen sympathischen Menschen nennen würde. Mit seinem offenen, politischen, streitsüchtigen Wesen konnten sich viele der ‚höflichen’ Amerikaner nicht anfreunden. James K. Lyon zitierte in seinem Buch Brecht in America die Ehefrau von Charles Laughton, Elsa Lanchester, über den Charakter von Brecht wie folgt: „Hätte Brecht der Kommunistischen Partei angehört, wäre er Antikommunist geworden. Er verhielt sich immer >anti-<, so dass er gegen ein Land war, sobald er ein Teil davon wurde [...] Ich glaube er war prinzipiell >anti-<.“ Besonders in seinem siebenjährigen Exil in den Vereinigten Staaten ‚attackierte’ der Hai und Kommunist Brecht immer wieder vor allem auch die Kultur des Landes, welches als die Wiege des Kapitalismus angesehen wird. Aber genau wie sein tierisches Ebenbild ist Brechts größtes Problem verkannt und missverstanden zu sein. Doch nichtsdestotrotz bleibt der Einfluss den die Vereinigten Staaten von Amerikas auf Brecht hatten, wenn auch unterschwellig, bestehen. Vielleicht hat „God’s own country“ mehr Spuren hinterlassen als Brecht selber zugegeben hätte. Viele seiner Theorien lassen sich heute im Fernsehen und in Filmen der Traumfabrik Hollywood wieder finden – allen voran sein berüchtigter V-Effekt. So richtig heimisch und Wohl zu fühlen scheint er sich in diesem ‚Neuen Atlantis’ seiner Jugend nicht. Obwohl er später die sieben Jahre, die er in den USA verbracht, nur noch als „Exile in Paradise“ beschreibt. Brechts wiederholte Versuche in der Theaterwelt der USA erfolgreich zu sein, sein Scheitern, die Gründe dafür, sowie zusätzlich 5 Inszenierungen der „Dreigroschenoper“ am Broadway ohne Brechts direkte Beteiligung, sollen im Folgenden untersucht und analysiert werden.

Textauszug (computergeneriert)

Freie Universität Berlin
Institut für Theaterwissenschaft
HS Brecht für das 21. Jahrhundert

"And the shark he has teeth"
Brechts Exil in America und Nachwirken am Broadway

Hauptseminararbeit

vorgelegt von: Janek Liebetruth
vorgelegt am: 15.02.2007

 

Inhaltsverzeichnis

1. Why the shark has teeth? ... 3

2. Brechts „Exile in Paradise“ ... 5
2.1. Der Weg in den amerikanischen (Alb-)Traum ... 5
2.2. Das (Über) Leben in der „City of Angels“ ... 5
2.3. The Rapid Walk Home ... 8
2.4. Warum Brecht scheiterte? ... 8
2.5. Nachwirkungen ... 11

3. Die THREEPENNY OPERA und Der Weg der ‚richtigen’ Übersetzung ... 11
3.1. Der erste „missglückte“ Versuch: 1933 ... 12
3.2. The Longest Run: 1954-61 ... 13
3.3. Für Eine Neue Generation?: 1976 ... 19
3.4. 3 Groschen-(Rock)Oper: 1989 ... 21
3.5. Mackie Messer fährt zweigleisig: 2006 ... 24

4. Ausblick: Die Threepenny Opera im 21. Jahrhundert ... 28

5. Literaturverzeichnis ... 29
 

1. Why the shark has teeth?

Ein Mann, stets und ständig in jeder Lage, ob privat oder beruflich, kräftig zu zubeißen, bewusst oder unbewusst – Bertolt Brecht. Seine hingebungsvolle Arbeit an seinen Stücken, machten ihn wohl oft zumRegiedespoten, wohl auch oft wenn er für die Regie gar nicht verantwortlich war. Privat war Brecht wohl auch nicht gerade das, was man einen sympathischen Menschen nennen würde. Mit seinem offenen, politischen, streitsüchtigen Wesen konnten sich viele der ‚höflichen’ Amerikaner nicht anfreunden. James K. Lyon zitierte in seinem Buch Brecht in America die Ehefrau von Charles Laughton, Elsa Lanchester, über den Charakter von Brecht wie folgt: „Hätte Brecht der Kommunistischen Partei angehört, wäre er Antikommunist geworden. Er verhielt sich immer >anti-<, so dass er gegen ein Land war, sobald er ein Teil davon wurde [...] Ich glaube er war prinzipiell >anti-<.“1

Besonders in seinem siebenjährigen Exil in den Vereinigten Staaten ‚attackierte’ der Hai und Kommunist Brecht immer wieder vor allem auch die Kultur des Landes, welches als die Wiege des Kapitalismus angesehen wird. Aber genau wie sein tierisches Ebenbild ist Brechts größtes Problem verkannt und missverstanden zu sein.

Bereits während seiner Kindheit träumte er von der Neuen Welt und den Abenteuern und Geschichten die auf den Direktorensohn im „Neuen Atlantis“ warteten. Brecht wuchs in einer Zeit auf, in der Amerika die Phantasie der meisten Europäer beflügelte. Es waren die Jahre der ersten großen Migrationswelle. Viele Deutsche, Iren, Skandinavier machten sich auf, um ein Teil dieses ‚American Dreams’ zu werden. Es ist die Zeit in der der Mythos über das „Land wo Milch und Honig fließen’ geboren wurde. Als sich Brecht aber verstärkt mit dem Marxismus beschäftigte und in ihm eine Lehre gefunden hatte, die seiner Seele entsprach, entfernte er sich mehr und mehr vom Idealbild seiner Jugend. Stellte die USA doch die höchste Entwicklung der kapitalistischen Systems und somit seine finsterste Form dar. Somit symbolisierte für ihn das marxistische System in der Sowjetunion immer mehr das System der Zukunft. Dass Brecht nicht ins sowjetische Exil gegangen ist, hatte wohl den Grund, dass einige seiner Freunde und Kollegen, die dies getan hatten, auf effektive Weise von Stalin zum Schweigen gebracht wurden. Somit blieb bei seiner Flucht vor den Nationalsozialisten nur noch die Flucht aus Europa nach Amerika, in das Land in das der andere Teil seiner Freunde geflüchtet war.

Als bekennender Kommunist, obwohl nie aktives Mitglied einer kommunistischen Partei war, war er der amerikanischen Justiz relativ schnell ein Dorn im Auge. Der veröffentlichte Teil seine FBI-Akte beginnt am 6.Maerz 1943 und umfasst hauptsächlich Berichte von Observationen, sowie Aussagen und Interviews von Menschen in Brechts Nähe.
Doch nichtsdestotrotz bleibt der Einfluss den die Vereinigten Staaten von Amerikas auf Brecht hatten, wenn auch unterschwellig, bestehen. Vielleicht hat „God’s own country“2 mehr Spuren hinterlassen als Brecht selber zugegeben hätte. Immerhin wechselte er seinen Namen von Berthold in die mehr anglifizierte Form Bertolt oder Bert. Außerdem schien er wie besessen von dem Gedanken gewesen zu sein am Broadway Fuß zu fassen. Viele seiner Stücke, darunter Im Dickicht der Städte, Happy End, Die heilige Johanna der Schlachthöfe, Der Flug der Lindbergs sowie diverse Dramenfragment und Gedichte spielen in Amerika.

Auf der anderen Seite muss aber auch der Einfluss den Brecht im Nachhinein auf die Kulturlandschaft der USA gehabt hat, erwähnt und untersucht werden. Viele seiner Theorien lassen sich heute im Fernsehen und in Filmen der Traumfabrik Hollywood wieder finden – allen voran sein berüchtigter V-Effekt.

So richtig heimisch und wohl zu fühlen scheint er sich in diesem ‚Neuen Atlantis’ seiner Jugend nicht. Obwohl er später die sieben Jahre, die er in den USA verbracht, nur noch als „Exile in Paradise“ beschreibt. Brechts wiederholte Versuche in der Theaterwelt der USA erfolgreich zu sein, sein Scheitern, die Gründe dafür, sowie zusätzlich 5 Inszenierungen der „Dreigroschenoper“ am Broadway ohne Brechts direkte Beteiligung, sollen im Folgenden untersucht und analysiert werden.
 

2. Brechts „Exile in Paradise“

2.1. Der Weg in den amerikanischen (Alb-)Traum

Als in der Nacht vom 27. zum 28. Februar 1933 der Reichstag in Berlin brennt und das Ende der Weimarer Verfassung und den Beginn des ungehemmten Machtausbaus der Nationalsozialisten in Deutschland einläutet, bereitet der 1898 in Augsburg geborene Bertolt Brecht bereits seinen Weg ins Exil vor. Über Prag, Wien, Zürich kommt er schließlich auf Einladung einer befreundeten Schriftstellerin nach Dänemark. Dort verbleiben er und seine Frau Helene Weigel, sowie ihre beiden Kindern Stefan und Barbara, fünf Jahre und immigrieren schließlich nach Aufenthalten in Stockholm und Helsinki im Mai 1941 in die Vereinigten Staaten. Bereits 1939 in Kopenhagen hat Brecht einen Antrag auf ein Einwanderungsvisum bei der hiesigen US-Botschaft gestellt. Da ihm, wie vielen anderen Exilanten, aber von Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt wurden, kommt Brecht auf eine Warteliste für Staatenlose. Für Antragsteller auf dieser Liste konnte es bis zu zwei Jahren dauern bis das Visum bewilligt wurde.

[...]


1 Lyon 58

2 Lyon 20

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/68825/