Was ist eigentlich ein Soziolekt? Der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.

Was ist eigentlich ein Soziolekt? Der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache

Autor: Holger Schröder
Fach: Germanistik - Linguistik

Lesen Sie im E-Book



Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2006
Seiten: 27
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 17  Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 236 KB
Archivnummer: V68925
ISBN (E-Book): 978-3-638-61208-1
ISBN (Buch): 978-3-638-76857-3

Zusammenfassung / Abstract

In der Arbeit wird der Frage nachgegangen, was eigentlich ein „Soziolekt“ ist. Denn der Begriff selbst ist noch nicht für den Untersuchungsbereich, der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache, festgeschrieben und es werden synonym auch andere Begriffe verwendet. Ferner wird näher in den Untersuchungsbereich hineingegangen und die spezifischen sozialen Faktoren benannt sowie dargestellt. Des Weiteren wird auch geklärt, welche Einflüsse diese Faktoren nun auf die Sprache ausüben. Die Soziolinguistik möchte ja den Zusammenhang von Sprache in Bezug auf die gesellschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen erforschen und dabei klären, ob Zusammenhänge vorliegen und wenn ja, ob bei defizitärer Sprachausstattung eine Förderung möglich sei. Dieser Arbeitsbereich erlebte insbesondere in den 60er und 70er Jahren eine Blüte (siehe auch Ammon; Simon, 1975: 9-29). Dies ist wenig verwunderlich, wenn man die (Bildungs-) politische Situation jener Zeit mit betrachtet, denn diese war von einer linken und aufgeklärten Strömung geprägt. Als Folge versuchte man eben auch den ‚unteren Schichten’ eine entsprechende Förderung anzugedeihen. Um das schwindende Interesse an der Soziolinguistik zu erklären lohnt es sich das Vorwort zur Zweiten Auflage des Buches „Soziolekt und soziale Rolle“ von Wolfgang Steinig heranzuziehen. Dieses lieferte einen Erklärungsansatz, warum das Interesse an der Soziolinguistik so rückläufig sei. Denn die Auseinandersetzung mit dem kreativen und innovativen Potential der Bernsteinschen Gedanken habe die einseitiger werdende Soziologie, seiner Meinung nach, nicht akzeptieren wollen. Dies wiederum habe dazu geführt, dass sich kaum noch Erzieher, Bildungspolitiker und auch Laien dafür interessieren würden. Sicherlich hat Steinig damit recht, dass es durch einen ‚Richtungsstreit’ innerhalb dieser Disziplin zu einer abflachenden Rezeption kam. Doch muss man auch den gesellschaftlichen Wandel, der auch zu einem Wandel in der Bildungspolitik führte, in Betracht ziehen. Konservative und zum Teil auch reaktionäre Strömungen traten wieder verstärkt auf. Eine Konsequenz hiervon war, dass die (durchaus kritisch zu betrachtenden) Förderprogramme zum kompensatorischen Sprachunterricht abgeschafft und Gesamtschulen aufgelöst wurden. Der ‚Elitegedanke’ rückte wiederum in den Vordergrund, an einer Förderung nach dem Prinzip – die besten Chancen für alle – war man nicht mehr interessiert.

Textauszug (computergeneriert)

Pädagogische Hochschule Heidelberg, Seminar: Sprachliche Varietäten
Sommersemester 2005, Fachsemester: 7

Was ist eigentlich ein Soziolekt? –
Der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache

Holger Schröder

 


Inhaltsverzeichnis

1. Einführende Bemerkungen zum Thema der Arbeit  ...1

2. Die Anfänge der Soziolinguistik – ein historischer Abriss  ...2

2.1 Die Prägung der Sprachwissenschaft durch de Saussures und Chomsky ...4
2.2 Die Kode-Theorie von Basil Bernstein ...6
2.3 Die Differenzkonzeption William Labovs  ...10
2.4 Die ‚neuere’ Soziolinguistik  ...12

3. Begriffliche Schwierigkeiten – Soziolinguistik als Varietätenlinguistik  ...14

3.1 Der Begriff Soziolekt  ...16

4. Die Bedeutung außersprachlicher Parameter und ihre Auswirkungen auf die Sprache ...19

5. Reflexion und rückblickende Betrachtungen ...23

6. Literatur  ...24


 

1. Einführende Bemerkungen zum Thema der Arbeit

In der vorliegenden Seminararbeit möchte ich mich mit einer Teildisziplin der Sprachwissenschaft, der Soziolinguistik und dabei im Besonderen mit dem „Soziolekt“ beschäftigen.
Hierbei gehe ich der Frage nach, was eigentlich ein „Soziolekt“ ist. Denn der Begriff selbst ist noch nicht für den Untersuchungsbereich, der Einfluss sozialer Faktoren auf die Sprache, festgeschrieben und es werden synonym auch andere Begriffe verwendet. Des Weiteren werde ich in den Untersuchungsbereich hineingehen und die spezifischen sozialen Faktoren benennen sowie darstellen, ferner auch klären welche Einflüsse diese nun auf die Sprache ausüben.
Auf dieses Thema wurde ich im Zuge des Seminars „Sprachliche Varietäten“ aufmerksam. Die Soziolinguistik möchte ja den Zusammenhang von Sprache in Bezug auf die gesellschaftlichen und sozialen Lebensbedingungen erforschen und dabei klären, ob Zusammenhänge vorliegen und wenn ja, ob bei defizitärer Sprachausstattung eine Förderung möglich sei. Dieser Arbeitsbereich erlebte insbesondere in den 60er und 70er Jahren eine Blüte (siehe auch Ammon; Simon, 1975: 9-29). Dies ist wenig verwunderlich, wenn man die (Bildungs-) politische Situation jener Zeit mit betrachtet, denn diese war von einer linken und aufgeklärten Strömung geprägt. Als Folge versuchte man eben auch den ‚unteren Schichten’ eine entsprechende Förderung anzugedeihen. Da ich mich, auch als Student des Faches Geschichte, sehr für sozialistische Theorie interessiere zieht sich hier ein zweiter Faden der das Interesse, nun unter dem Aspekt der Sprache, begründet.
Während meines bisherigen Studiums bin ich bisher wenig über dieses Thema gestolpert. Wenn man nun das Vorwort zur Zweiten Auflage des Buches „Soziolekt und soziale Rolle“ von Wolfgang Steinig1 heranzieht erklärt dieses, warum das Interesse an der Soziolinguistik so rückläufig sei. Denn die Auseinandersetzung mit dem kreativen und innovativen Potential der Bernsteinschen Gedanken habe die einseitiger werdende Soziologie, seiner Meinung nach, nicht akzeptieren wollen. Dies wiederum habe dazu geführt, dass sich kaum noch Erzieher, Bildungspolitiker und auch Laien dafür interessieren würden. Sicherlich hat Steinig damit recht, dass es durch einen ‚Richtungsstreit’ innerhalb dieser Disziplin zu einer abflachenden Rezeption kam. Doch muss man auch den gesellschaftlichen Wandel, der auch zu einem Wandel in der Bildungspolitik führte, in Betracht ziehen. Konservative und zum Teil auch reaktionäre Strömungen traten wieder verstärkt auf. Eine Konsequenz hiervon war, dass die (durchaus kritisch zu betrachtenden) Förderprogramme zum kompensatorischen Sprachunterricht abgeschafft und Gesamtschulen aufgelöst wurden. Der ‚Elitegedanke’ rückte wiederum in den Vordergrund, an einer Förderung nach dem Prinzip – die besten Chancen für alle – war man nicht mehr interessiert. In meiner folgenden Arbeit werde ich mich hauptsächlich an die Ausführungen von M. Hartig, N. Dittmar, W. Steinig und B. Schlieben-Lange halten. Auch das „Studienbuch Linguistik“ von A. Linke, M. Nussbaumer und P.R. Portmann haben mir dabei geholfen ein gutes Fundament für die weitere Auseinandersetzung mit dem Thema zu legen.

Die Seminararbeit möchte ich mit einem historischen Abriss beginnen lassen, der nach den Anfängen der Soziolinguistik fragt. Hiernach werde ich mehrere Persönlichkeiten und deren Theorien vorstellen und kurz erläutern. Im weiteren Verlauf möchte ich die begrifflichen Schwierigkeiten darstellen und auf weitere Nachbarbegriffe eingehen. Hierdurch kann ich nun auf die sozialen Faktoren eingehen, beziehungsweise den Einfluss außersprachlicher Parameter wiedergeben, die auf die Sprache einwirken. Zuletzt möchte ich mich um eine kurze Reflexion bemühen.


2. Die Anfänge der Soziolinguistik – ein historischer Abriss

Wenn man sich heute das Vorlesungsverzeichnis der Pädagogischen Hochschule betrachtet, kann man durchaus feststellen, dass die Behandlung linguistischer Konzeptionen und Theorien bei weitem nicht mehr so im Vordergrund stehen, wie dies vielleicht noch vor ca. 20 oder 25 Jahren der Fall war. Interessant ist es deshalb auch zu erfahren, dass zu jener Zeit die Soziolinguistik und deren Hypothesen zum „Allgemeingut“ der Studentenbewegung, der pädagogischen Hochschulen und der Studienseminare gehörte.2 Es könnte natürlich auch möglich sein, dass das Institut durchaus ein Interesse daran hat, eine umfängliche Bildung in den linguistischen Theorien zu ermöglichen, doch wegen Geld- bzw. Personalmangels nicht umsetzen kann. Doch ist es auch Tatsache, dass nach dem Theorie-Boom in den 60er und 70er Jahren eine gewisse Ernüchterung einsetzte. So sei die Soziolinguistik von den gesellschaftspolitischen und emanzipatorischen Absichten abgerückt3, was das Interesse zusätzlich abflachen ließ.

Beginnen möchte ich mit einigen soziolinguistischen Problemstellungen. Vorerst könne man die Grundannahme stellen, dass eine Gesellschaftsstruktur auf irgend eine Art und Weise mit einer Sprachstruktur verbunden sei. Jedoch könne man an diese Annahme von zwei Seiten herangehen. Zum einen können Sprachen nur innerhalb bestimmter Gesellschaften, Schichten oder Nationen existieren und darin fortbestehen.4 Zum anderen bedingen Sprachen erst Minderheitengruppen oder sogar Nationen. Sprache bedingen jedoch nicht allein gesellschaftliche Gruppen, sondern auch die „Erfassung der Wirklichkeit“, die ja auch sprachlich vollzogen werde. Die Unterscheidung konkreter Gegenstände sei durch die Sprache selbst oft vorgegeben und daher auseinander zuhalten (z.B. die Kategorie für „grün“ und „braun“). Den konkreten Gegenständen stünden Abstrakta gegenüber wie zum Beispiel „Sprache“ oder „Gesellschaft“. Inwiefern nun die gesellschaftliche Erfassung der Wirklichkeit durch sprachliche Strukturen vorgegeben ist, wurde oft diskutiert. Zuerst war es Humboldt, der in seiner Hypothese die sprachlich vermittelte „Weltansicht“ formulierte. In der so genannten „Sapir-Whorf-Hypothese“ wurde die Bestimmtheit dieser Wirklichkeitserfassung verabsolutiert.5 Danach spiele die Sprache eine weitaus größere Rolle als ursprünglich angenommen. Eben aus dem Problem von „sprachlichem Relativismus“ und „sprachlichem Determinismus“ entwickelten sich erste Ansätze zu einer systematischen Soziolinguistik.6 In den USA ist Sapir dabei einer sprachwissenschaftlichen Richtung zuzurechnen, die ethnologisch orientiert war, aber auch soziologische Fragen tangierte.7

[...]


1 Vgl. Steinig, 19862: 4

2 Vgl. Schlieben-Lange, 19913: 57

3 Vgl. Huneke; Steinig, 2002: 17ff.

4 Vgl. Schlieben-Lange, 19913: 17

5 Vgl. ebd.: 18

6 Vgl. Hartig, 1985: 36

7 Vgl. Schlieben-Lange, 19913: 30

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/68925/