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Spiralförmiger Weg neuer Bildfindungen: Franz Schrekers "Die Gezeichneten" auf der Bühne

Scholarly Essay, 2005, 19 Pages
Author: Prof. Dr. Peter P. Pachl
Subject: Theater Studies

Details

Category: Scholarly Essay
Year: 2005
Pages: 19
Language: German
Archive No.: V68926
ISBN (E-book): 978-3-638-61209-8

File size: 161 KB
Notes :
Ausführlich wird der Weg der Bildfindungen udn szenischen Deutungen von Franz Schrekers Oper "Die Gezeichneten" dargelegt.



Excerpt (computer-generated)

Spiralförmiger Weg neuer Bildfindungen:
Franz Schrekers "Die Gezeichneten" auf der Bühne

von: Peter P. Pachl

 


Vorwort: Salzburg und die „Gezeichneten“ 2

1. Die Salzburger „Gezeichneten“ als konzertantes Seelengemälde (16.8.1984)  3

2. Frankenstein im menschenleeren Frankfurt oder „Die Gezeichneten“ als szenische Provokation (20. 1. 1979)  5

3. Der Juden-Krüppel und der schwule SS-Mann oder „Die Gezeichneten“ als politisches Zeitbild in Düsseldorf (18. 12. 1987)  11

4. Die 1:1-Umsetzung der szenischen Vorschriften erweist sich als nicht mehr ausreichend: Die Schweizer Erstaufführung der „Gezeichneten“ an der Züricher Oper (20. 12. 1992)  13

5. Auf den Pfaden der ersten Wiederaufführung, schlüssig weiterentwickelt: „Die Gezeichneten“ in Stuttgart (22. 1. 2002)  14



 

Schrekers am 25. April 1918 in Frankfurt uraufgeführte Oper "Die Gezeichneten" ist die Geschichte vom hässlichen Alviano, der sein Aussehen durch ein künstliches Paradies kompensiert, in welches seine adligen Freunde junge Mädchen entführen und dort bei Orgien ermorden. Die Malerin Carlotta, als Herzkranke ebenfalls "gezeichnet", verliebt sich in den Gezeichneten, doch ihre Liebe versiegt, sobald sie Alviano gemalt hat. Dann erliegt sie dem starken und schönen Tamare, durch den sie auch zu Tode kommt. Alviano kann durch die Schenkung seiner Insel Elysium an die genuesische Bevölkerung weder den Frevel der adligen Freunde noch seine eigene Verurteilung verhindern; er tötet den Nebenbuhler Tamare und wird verrückt.

Vorwort: Salzburg und die „Gezeichneten“

Salzburg und die „Gezeichneten“ das ist ein neues Thema – zumindest was die Bühnenpräsentation angeht.

Dabei standen die Zeichen nicht schlecht, dass der Salzburger Festspielinitiator und bedeutendste Regisseur des 20 Jahrhunderts, Max Reinhardt, und der in seinen Opernhandlungen exzentrischste Opernkomponist des frühen 20. Jahrhunderts, Franz Schreker, künstlerisch hätten zusammenfinden können.

Immerhin gab es in Max Reinhardts Berliner Kammerspielen eine Schreker-Aufführung: die Schwestern Else und Bertha Wiesenthal tanzten am 4. November 1910 neben „Offenbachtänzen“ und Josef Strauß’ “Dorfschwalben“ eine Komposition von Franz Schreker, die auf dem Programmzettel als „Weißer Walzer“ angekündigt war, vermutlich also Schrekers „Valse lente“, den die Tanzschwestern, weiß gewandet, exerzierten. Für die österreichische Erstaufführung des „Mirakel“ in der Wiener Rotunde am 17. September 1912 hatte sich Reinhardt ausdrücklich die Mitwirkung Franz Schrekers gewünscht. In einem Schreiben an Berthold Held vom 21. August 1912 listet Reinhardt seine Anforderungen für die Musik auf, die ein 200-köpfiges Orchester plus „dreißig große Pauken und Trommeln“ umfassen:

„Für den Chor ist Schreker sehr erwünscht!
(...) Der Chor muss sehr groß und erstklassig sein, rechtzeitig studieren!!!
(...) Ein Kinderchor und Knabenchor ebenfalls rechtzeitig zu beschaffen und einzustudieren.“1
Aber leider kam es nicht zu der avisierten Zusammenarbeit.

Immerhin erfolgte eine zweite Annäherung und höchstwahrscheinlich auch eine Begegnung von Max Reinhardt mit Franz Schreker, als der Meisterregisseur seine und Erich Wolfgang Korngolds Neufassung der „Fledermaus“ auf die Bühne brachte. Schrekers Gattin, die insbesondere in Franz Schrekers Opern gefeierte Sopranistin Maria Schreker, sang und spielte am 24. Oktober 1929 in der Regie Max Reinhardts die Rosalinde in der Premiere der Strauß- Operette im Berliner Theater am Nollendorfplatz.2

Gleichwohl schaffte es keine Oper Franz Schrekers auf die Salzburger Festspielbühne, weder unter der Ägide Max Reinhardts, noch unter der seiner Nachfolger unterschiedlicher politischer Couleurs. Eine Ausnahme bildeten „Die Gezeichneten“ im Sommer 1984 – durchaus hochkarätig besetzt, aber nur konzertant und obendrein arg gekürzt.

1. Die Salzburger „Gezeichneten“ als konzertantes Seelengemälde (16.8.1984)

[...]


1 Max Reinhardt: Ich bin nichts als ein Theatermann. Briefe, Reden, Aufsätze, Interview, Gespräche, Auszüge aus den Regiebüchern. Herausgegeben von Hugo Fetting. Berlin 1989, S. 183.

2 Heinrich Huesmann: Welttheater Reinhardt. Bauten, Spielstätten, Inszenierungen. München 1983, Nr. 2017.


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