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Scholarly Essay, 2003, 10 Pages
Author: Prof. Dr. Peter P. Pachl
Subject: Theater Studies
Details
Year: 2003
Pages: 10
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-61214-2
File size: 93 KB
Der bis zur Bücherverbrennung meistgelesene deutsche Humorist war Rideamus, Pseudonym für den Berliner Rechtsanwalt Fritz Oliven.
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Excerpt (computer-generated)
Rideamus (Fritz Oliven)
von: Peter P. Pachl
Rideamus, zu deutsch: lasst uns lachen, war das Pseudonym des Berliner Juristen Dr. Fritz Oliven. Rideamus war im ersten Drittel unseres Jahrhunderts der erfolgreichste deutsche Humorist, – bis ein extrem humorloses Regime seine Bücher verbrannte. Der 1874 in Breslau geborene Oliven lebte seit seiner Schulzeit in Berlin. Hier wurde der erfolgreiche Schriftsteller 1926 Präsident des Bundes deutscher Liedermacher und war von 1926 bis 1933 im Vorstand der GEMA. 1939 gelang ihm die Flucht vor der Judenverfolgung über Paris nach Porto Alegre in Brasilien, wo er 1956 hochbetagt starb.
Rideamus’ humoristische Gedichtsammlungen waren jeweils reich garniert mit jugendstilhaften Zeichnungen von Paul Haase, Hermann Wilke, Rolf Niczky, Ludwig Rainer, Paul Telemann, Edmund Edel, Hermann Abeking, Ernst Heilemann und Paul Kraemer. Sie erschienen ohne Jahresangabe zu Anfang des 20. Jahrhunderts in den Berliner Verlagen Schlesische Verlagsanstalt und Harmonie und erreichten Millionen-Auflagen. Besonders populär wurde Rideamus’ gereimte Geschichte „Willis Werdegang“, die anlässlich des einhunderttausendsten Buches als besondere Jubiläums-Ausgabe erschien.Weitere Titel: „Lenz und Liebe“, „Lauter Lügen“, „Berliner Bälle“, „Lustige Liebe“, „Wilde Sachen“, „Reinfälle“, „Die Erfindung der Sittlichkeit“, „Reisemärchen“, „Kleinigkeiten“, „Das Wohltätigkeitskonzert“ (ein satyrisches Gedicht mit begleitender Musik ad libitum von William Walter), „Hugdietrichs Brautfahrt“ und – als Fortsetzung der Geschichten um Willi – „Der neue Willi“. Diese Geschichten wurden nicht nur gern gelesen, sondern auch gehört, vorgetragen auf Varieté-Bühnen von bekannten Rezitatoren, wie Macell Salzer. Für das Sprechtheater veröffentlichte Rideamus die burlesken Einakter „Mitzi- Mutzi“, „Die Tuscadoras“ und „Der Traum des Kanzleidiätars Casimir Lulatsch aus Potschappel bei Dräsden“.
Rideamus dichtete die Gesangstexte zu den Operetten „Der Vetter aus Dingsda“, „Der Vielgeliebte“, „Wenn Liebe erwacht“, „Verliebte Leute“, „Die Ehe im Kreise“ von Eduard Künneke, zu Walter Kollos Operetten „Drei alte Schachteln“ und „Frauen haben das gern“, sowie zu Kollos Revuen „An und aus“, „Drunter und drüber“, „Noch und Noch“, „Achtung, Welle 505!“ und „Die Männer sind mal so“. Publiziert wurden auch deutsche Songfassungen von Rideamus, etwa zu Gene Williams’ Foxtrott „Ukulele Lullaby“ (unter dem Titel „Fern aus Hindostanien“), aber auch originale Rideamus-Gedichte in Vertonung, etwa das Chanson „Das barmherzige Mädel“, komponiert von James Rothstein. Auf Schellackplatten erschienen u. a. „Mit dir möchte’ ich am Sonntag angeln geh’n“ gesungen von Marlene Dietrich.
Für den jungen Oscar Straus verfasste Rideamus die burleske Operette „Die lustigen Nibelungen“ (1904) und – nach seinem eigenen humoristischen Versgedicht – „Hugdietrichs Brautfahrt“ (1905), aber auch Texte zu dessen Überbrettl-Liedern, wie „Der Teufel ist ein Mann von Wort“, „Irgendwas“, „Katerserenade“, „Das nüchterne Mädel“, „Didel-Dudel“, „Donnerwetter“, „Ach Hildegard“, „Mein, Dein, Sein“ und „Das erste Abenteuer“.
Dem Namen Rideamus getreu, tragen seine Memoiren, die er mit 73 Jahren veröffentlichte, den Titel „Ein heiteres Leben“. Die humoristisch-fiktive Autobiographie erschien 1951 im Füllhorn-Verlag Berlin und 1957 im Wilhelm Goldmann Verlag in München. Wer sich darin Aufschlüsse über die politische Situation im Deutschland der Zwanziger- und frühen Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts und über die Flucht und das Exil des Autors verspricht, wird enttäuscht. Schon der Umschlagklappentext vermeldet „Es ist müßig, im einzelnen abzuwägen, was an dieser Autobiographie Dichtung und was Wahrheit ist.“ Im Deutschland des späten Wiederaufbaus und des beginnenden Wirtschaftswunders waren solche Rückbesinnungen nicht gefragt. Rideamus erweist sich hier als ein anderer „Willi“, manche hier prosaisch kurzweilig erzählte Geschichten finden sich in gereimter Form bereits in seinen Gedichtbänden und sind unzweifelhaft autobiographischer Natur, so etwa die Schilderungen der Verwandtschaft und des Familienrates.
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