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Autor: Prof. Dr. Peter P. Pachl
Fach: Musikwissenschaft
Details
Jahr: 2002
Seiten: 28
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 194 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-61218-0
ISBN (Buch): 978-3-638-67310-5
Zahlreich und zum Teil sehr populär sind die Bühnenwerke, die auf Erzählungen E. T. A. Hoffmanns fußen, während der Großteil der eigenen Bühnenwerke Hoffmanns vergessen oder bis heute unaufgeführt geblieben ist. Die Arbeit untersucht Hoffmanns Opernschaffen, insbesondere seine Opern "Unidine" und "Liebe und Eifersucht".
Zusammenfassung / Abstract
Peter P. Pachl: E. T. A. HOFFMANNS OPERN – Abstract Der 1776 in Königsberg geborene und 1822 in Berlin verendete Hoffmann war auch Regisseur, Dramaturg, Bühnenarchitekt, Beleuchtungsinspektor, Dekorateur, darüber hinaus Tiermagnetiseur und Ergründer physikalischer Phänomene. Er selbst sah sich nicht in erster Linie als Dichter, Theaterkapellmeister oder als Maler – und schon gar nicht „im Amte“, als Kammergerichtsrat, sondern als Tonsetzer. Die Arbeit untersucht zunächst Opern, für die literarische Vorlagen Hoffmanns die entscheidende Grundlage gebildet haben, wie Judith Weirs 1989 komponierte Hoffmann-Oper „Heaven Ablaze in His Breast“, Walter Braunfels’ „Prinzessin Brambilla“ oder Francesco Malipieros „I Capricci die Callot“. Den Schwerpunkt der Arbeit aber bilden E. T. A. Hoffmanns eigene Bühnenwerke: neben drei abendfüllenden Melodramen, eine Reihe von Schauspielmusiken, das Ballett „Arlequin“, drei Singspiele und vier romantische Opern. Dabei geht der Autor der Frage nach, warum Hoffmann seine Opernhandlungen – mit Ausnahme der verschollenen Oper „Die Maske“ - nicht selbst gedichtet hat. Mit unterschiedlichen dramaturgischen und musikalischen Schwerpunkten erfolgt die Betrachtung der musikalischen Bühnenwerke „Undine“ „Scherz, List und Rache“, „Die lustigen Musikanten“, „Aurora“, „Die ungebetenen Gäste oder Der Canonicus von Mailand“, „Dirna“, „Der Liebhaber nach dem Tode“, aber auch die bis heute unveröffentlichte Oper „Der Trank der Unsterblichkeit“ und – mit exemplarischer Ausführlichkeit – die bis heute unaufgeführte Oper „Liebe und Eifersucht“ nach Calderón de la Barca, mit einer dramaturgischen und musikalischen Analyse jeder Musiknummer dieser Partitur.
Textauszug (computergeneriert)
E. T. A. Hoffmanns Opern
von: Peter P. Pachl
Hoffmann geht es schlecht. – Bestens geht es seinem Doppelgänger, der fast jeden Abend auf einer der Opernbühnen der Welt um seine drei bis vier Lieben ringen darf, bisweilen noch mit gesprochenen Dialogen als deutsche Spielopern-Variante der Opéra comique (wie in dieser Spielzeit in Würzburg), zumeist aber immer opulenter als fünfaktige Grand Opéra. Immer wieder neue Takte wurden gefunden, um sein, des Doppelgängers Ende hinauszuzögern, das nun gar überhöht, mit einem Hymnus, der seinesgleichen sucht, triumphal überhöht wird (wie in der vergangenen Saison an der Deutschen Oper Berlin).
Ja, Hoffmann geht es wirklich schlecht, trotz eines so hinreißend sein Wesen mitempfindenden, andererseits aber die Opern außer der „Undine“ vernachlässigenden Romans von Peter Härtling (Hoffmann oder die vielfältige Liebe. Eine Romanze. Köln 2001, ISBN 3-462-02970-3). Denn Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus Hoffmann war „Ausgezeichnet im Amte, als Dichter, Tonkünstler, Maler“, wie es auf seinem Grabstein zu lesen steht. Und an erster Stelle der Subskribentenliste dieses Grabsteins steht der Name von Friedrich Heinrich Karl Baron de la Motte Fouqué. Jenes Dichters also, der das Libretto zu Hoffmanns bekanntester aber doch – trotz zwei Gesamtaufnahmen auf CD (Koch/Schwann 3-1092-2, sowie, mit vollständigen Dialogen, auf Bayer Records BR 100 256-58) und diversen, sporadischen Aufführungen – nicht im Bewusstsein der Opernbesucher verankerter Oper verfasst hat..
Der 1776 in Königsberg geborene und 1822 in Berlin verendete Hoffmann war auch Regisseur, Dramaturg, Bühnenarchitekt, Beleuchtungsinspektor, Dekorateur, darüber hinaus Tiermagnetiseur und Ergründer physikalischer Phänomene. Er selbst sah sich nicht in erster Linie als Dichter, Theaterkapellmeister oder als Maler – und schon gar nicht „im Amte“, als Kammergerichtsrat, sondern als Tonsetzer. Das deutsche Schubladen-Denken hat den brillanten und sogar in seinen juristischen Entscheidungen äußerst modern handelnden Hoffmann jedoch ausschließlich unter die Dichter eingeordnet.
Zahlreiche von Hoffmanns Partituren sind verschwunden, andere so gut wie verschwunden, da sie bis heute unveröffentlicht in Archiven schlummern. Das Musiktheater, wäre arm ohne seine Dichtungen, – die von anderen für die Musikbühne dramatisiert und komponiert wurden, allen voran von Offenbach („Les Contes d’Hoffmann „), wie fast unzähliger anderer, die Hoffmanns Phantasie adaptierten, wie Leo Délibes („Coppelia“), Wendelin Weißheimer („Meister Martin und seine Gesellen“), Ferruccio Busoni („Die Brautnacht“), Sigmund von Hausegger („Zinnober“), Walter Braunfels („Prinzessin Brambilla“), Pjotr Iljitsch Tschaikowski („Der Nussknacker“), Paul Hindemith („Cardillac“) und Arghyris Kounadis („Der Sandmann“).
Zum Beispiel: Judith Weir...
„Einen ganzen flammenden Himmel in seiner Brust“ wäre die korrekte Übersetzung der 1989 komponierten Hoffmann-Oper „Heaven Ablaze in His Breast“ von Judith Weir, deren BBC-Verfilmung beim International Opera Screen Festival 1991 in Helsinki den ersten Preis gewonnen hat. Die 1954 in Aberdeen geborene Komponistin hat sich mit ihren Opernstoffen nach Ludwig Thieck („Blond Eckbert“), Jeremias Gotthelf („The Black Spider“) und E. T. A. Hoffmann als eine Spezialistin für deutsche Romantik erwiesen. Weirs Oper, die neben der Hauptfigur musikalisch mit einem Vokalsextett und zwei Klavieren auskommt, ist eine sehr exakte Umsetzung von Hoffmanns Novelle „Der Sandmann“ aus dessen „Nachtstücken“, die im vergangenen Jahr ihre deutsche Erstaufführung erlebte.
Zum Beispiel Malipiero...
Auch die Oper des 1973 verstorbenen italienischen Komponisten Francesco Malipiero fußt, wie Braunfels’ 1909 uraufgeführte gleichnamige Oper, auf Hoffmanns Novelle „Prinzessin Brambilla“ aus den „Phantasiestücken nach Callots Manier“. In „I Capricci die Callot“ integriert Malipiero Callots Karikaturen, die den Dichter inspiriert hatten, zu Rahmenfiguren seiner selbst getexteten, dreiaktigen Oper. Die im zweiten Weltkrieg entstandene Partitur birgt sich, wie ihre dramatischen Gestalten, hinter allerlei archaisierenden Masken und ist bei aller gebotenen Groteske, Phantastik und Skurrilität in eine gefällige Tonsprache gekleidet, mit diversen Rückbezügen zu Monteverdi und zur Polyphonie von Wagners „Meistersingern“, aber auch strukturell vorausweisend auf Dallapiccola und Nono. Die Oper wurde nach der deutschen Erstaufführung, 1951 in Berlin, hierzulande 1999 in Kiel zur Wiederaufführung gebracht und erschien bei cpo auf CD (cpo 999 830-2).
Oder Hoffmann selbst...
Der wichtigste und umfangreichste Teil von Hoffmanns kompositorischem (?)uvre ist der Bühne gewidmet, neben drei abendfüllenden Melodramen, einer Reihe von Schauspielmusiken und dem Ballett „Arlequin“ (bei cpo auf der CD 999 606-2, zusammen mit der Schauspielmusik zu „Das Kreuz an der Ostsee“) drei Singspiele und vier romantische Opern.
Nur für seinen Opernerstling „Die Maske“ (1799) hatte Hoffmann sich selbst das Libretto verfasst, danach verließ er sich auf fremde Vorlagen: auf Goethes „Scherz, List und Rache“ (1802), Brentanos „Die lustigen Musikanten“ (1805), Rohrmanns „Die ungebetenen Gäste“ (1805), Calderóns „Liebe und Eifersucht“ (1807), von Sodens „Der Trank der Unsterblichkeit“ (1808) und „Sabinus“ (1810), von Holbeins „Aurora“ (1812), Seyfrieds „Saul, König in Israel“ (1811) und Salice-Contessas „Der Liebhaber nach dem Tode“ (1822).
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