Pygmalien von George Bernard Shaw - My Fair Lady von Alan Jay Lerner: ein Vergleich

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Details
Autor: Eva Maria Mauter
Fach: Medien / Kommunikation - Sonstiges
Veranstaltung: Musicals und Musicalverfilmungen
Institution/Hochschule: Universität Paderborn
Jahr: 1996
Seiten: 18
Note: keine Benotung
Literaturverzeichnis: ~ 8 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 96 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-60088-0
ISBN (Buch): 978-3-638-95507-2
Zusammenfassung / Abstract
In dieser Hausarbeit wird das Libretto des amerikanischen Musicals My Fair Lady von Alan Jay Lerner mit seiner literarischen Vorlage, George Bernard Shaws Theaterstück Pygmalion, A Romance in Five Acts vergleichen. Dabei werden solche Abwandlungen und Veränderungen der litera¬rischen Vorlage betont, die durch ihre musicalspezifische Besonderheit aus dem Theaterstück Pygmalion das Musical My Fair Lady entstehen ließen. Hierbei werden insbesondere die Büh¬nengestaltung, die Songs und die Anzahl der mitwirkenden Charaktere berücksichtigt. Zu den größten Verschiebungen in My Fair Lady führt jedoch die veränderte Darstellung einiger Cha¬raktere, worauf im punktuellen Vergleich besonderes Gewicht gelegt wird. Auf die geringfügigen Änderungen, die für das Verständnis eines amerikanischen Publikums vorgenommen werden mußten, wird hingewiesen werden. Einleitend wird die Figur des Pygmalion beschrieben, wie sie sich in der Literatur von der griechischen Antike bis in die Moderne darstellt, wobei berücksichtigt wird, wie sich die verschiedenen Werke sowohl auf Shaws Pygmalion, wie auch auf Lerners My Fair Lady auswirken.
Textauszug (computergeneriert)
Musicals und Musicalverfilmungen
WS 95/96
Eva Maria Brockmann
Pygmalion von George Bernard Shaw -
My Fair Lady von Alan Jay Lerner: ein Vergleich
Gliederung
1. Einleitung S.3
2. Die Figur des Pygmalions S.3
3. Vergleich von Shaws Pygmalion und Lerners My Fair Lady im Einzelnen S.6
3.1. Bühnengestaltung S.6
3.2. mitwirkende Charaktere S.8
3.3. Songs S.9
3.4. charakterliche Veränderungen S.11
3.5. London-Broadway S.15
4. Schlußbemerkung S.16
5. Bibliographie S.18
1. Einleitung
In dieser Hausarbeit werde ich das Libretto des amerikanischen Musicals My Fair Lady von Alan Jay Lerner mit seiner literarischen Vorlage, George Bernard Shaws Theaterstück Pygmalion, A Romance in Five Acts vergleichen.
Dabei sollen solche Abwandlungen und Veränderungen der literarischen Vorlage betont werden, die durch ihre musicalspezifische Besonderheit aus dem Theaterstück Pygmalion das Musical My Fair Lady entstehen ließen. Hierbei werde ich u.a. die Bühnengestaltung, die Songs und die Anzahl der mitwirkenden Charaktere berücksichtigen.
Zu den größten Verschiebungen in My Fair Lady führt jedoch die veränderte Darstellung einiger Charaktere, worauf ich im punktuellen Vergleich besonderes Gewicht legen werde.
Auf die geringfügigen Änderungen, die für das Verständnis eines amerikanischen Publikums vorgenommen werden mußten, wird hingewiesen werden.
Einleitend werde ich mich mit der Figur des Pygmalions befassen wie sie sich in der Literatur von der griechischen Antike bis in unsere Zeit darstellt und dabei im Besonderen berücksichtigen, wie sich die verschiedenen Werke sowohl auf Shaws Pygmalion, wie auch auf Lerners My Fair Lady auswirken.
2. Pygmalion
So wie Shaws Pygmalion Lerners My Fair Lady zu Vorlage diente, so bediente sich Shaw einer altbekannten Vorlage, die jedoch immer wieder abgewandelt wurde.
Bereits in der griechischen Antike stößt man auf die Figur des Pygmalion. Pygmalion ist ein König von Zypern, der sich in ein Elfenbeinbild der Göttin Aphrodite verliebt.
Er versinnbildlicht die Figur, die sich in das perfekte Abbild verliebt. Ovid wandelt die Figur des Pygmalions in seinen Metamorphosen in sofern ab, als er sich nicht nur in ein perfektes Abbild verliebt, sondern daß er dieses auch selbst geschaffen hat. Ovids Pygmalion, ebenfalls König von Zypern, sucht die perfekte Frau. Als er sie nicht findet, schnitzt er sie sich in Elfenbein und verliebt sich in sein Werk. Aphrodite erhört sein Bitten, der Statue Leben zu verleihen und Pygmalion heiratet sie.
Bei Jean Jaques Rousseau ist Pygmalion ein Bildhauer der die perfekte Statue geschaffen hat. Er nennt sie Galathée und fleht Venus an, ihr Leben zu verleihen. Pygma-lion wird erhört. Galathée erkennt ihr Selbst, ihre Eigenständigkeit als Wesen, welche ihr von Pygmalion auch zuerkannt wird.
Franz von Suppés Operette "Die schöne Galathée" ist ein frivoler Abklatsch. Galathée ist lediglich Lust- und Kaufobjekt, die von Pygmalion als Besitz betrachtet und behandelt und auf seinen Wunsch hin von Venus wieder in eine Statue zurück verwandelt wird, als er ihrer nicht mehr Herr wird.
In gewisser Hinsicht scheint Shaws Pygmalion eine Synthese aus Ovids, Rousseaus und Suppés Abhandlungen zu sein. Professor Higgins, welcher die Figur des Pygmalion verkörpert, erkennt Menschen, die in einer derartigen Weise wie Eliza sprechen, jedes Vorhandensein einer Seele und das Recht auf Leben ab.1 Er arbeitet an Eliza (Galathée) mit der Euphorie eines Künstlers, der aus einem rohem Felsbrocken etwas Vollkommenes schaffen möchte.2 Anders als in den vorhergehenden Versionen wird Eliza nicht erst im Nachhinein "Seele" verliehen, sondern sie ist bereits bevor sie zu Higgins kommt eine eigenständige Persönlichkeit, was jedoch von Higgins unerkannt bleibt.3 Wie in Suppés Operette behandelt und betrachtet er Eliza als sein Werk und sein Eigentum, was im fünften Akt deutlich wird, als Eliza das Haus verlassen hat und Higgins sie wie einen verloren Gegenstand von der Polizei suchen läßt.4 Anders als bei Rousseau, wo Galathée erst nach ihrer Vollendung und Belebung ihr Selbst erkennt, ist sich Eliza ihrer Persönlichkeit und der Verwandlung, welche sie durch die Bearbeitung von Higgins und Pickering erfährt, die ganze Zeit über bewußt.5 Higgins erkennt sie jedoch - im Gegensatz zu Rousseaus Pygmalion - erst dann als respektables Lebewesen an, als diese sich vollständig von ihrem "Erschaffer" lossagt.6 Immer wieder wird zunächst von Mrs Pearce, dann von Mrs Higgins und später von Eliza selbst die Frage aufgeworfen, was aus ihr nach ihrer "Vollendung" geschehen soll. Higgins weigert sich darüber nachzudenken, da ihn nur der Prozeß der Wandlung selbst fasziniert. Ihm wäre daher auch eine Rückverwandlung im Sinne Suppés recht, was hier die Rückkehr in die Gosse bedeutet.7 Angesichts der Unmöglichkeit einer Rückverwandlung und in Anbetracht des Verlustes der Unabhängigkeit8 ist Elizas Weigerung, sich ihm zu versklaven9 eine Charakterstärke eigen, die Higgins soziale Unreife nur noch deutlicher betont. Ganz klar hat Eliza erkannt, daß es wenig erstrebenswert ist, sich den Partner nach seinem Idealbild zu verändern oder zu erschaffen10, was Higgins, auch nachdem Eliza ihn endgültig verlassen hat, nicht begreifen wird. Diesem Ansatz ist eine aufgeklärte Sozialkritik zu eigen, der sich Lerners My Fair Lady verschließt.
[...]
1 "A woman who utters such depressing and disgusting sounds has no right to be anywhere - no right to live. Remember that you are a human being with a soul and the divine gift of articulate speech [...]." G.B. Shaw, Pygmalion, S.1-94 und A.J.Lerner, My Fair Lady, S.95-191 in Pygmalion and My Fair Lady, hrsg. von Richard H. Goldstone (New York: Signet, 1975), hier S. 11. Alle weiteren Zitate aus diesem Buch nur unter Angabe der Seitenzahl, bzw. im direktem Vergl. ggf. zuzügl. des Titels des jeweiligen Stückes; bei Zitaten im Text erfolgt dieAngabe der Seitenzahl in Klammern im Text.
2 "But you have no idea how frightfully interesting it is to take a human being and change her into a quite different human being by creating a new speach for her.", "[We′re] Inventing new Elizas." S.53.
3 "You will jolly soon see whether she has an idea that I havnt put into her head or a word that I havnt put into her mouth. I tell you I have created this thing out of the squashed cabbage leaves of Covent Garden [...]." S.78. "Higgins (looking at her in cool wander): The creature is nervous, after all." S.64.
4 "Mrs Higgins: [...]What right have you to go to the police and give the girl′s name as if she were [...] a lost umbrella, or something?" S.73.
5 "[...] but now I cant go back to it. You told me, you know, that when a child is brought to a foreign country, it picks up the language [...], and forgets its own. Well, I am a child in your country. I have forgotten my own language, and can speak nothing but yours." S.80.
6 "Higgins: [...] By George, Eliza, I said I′d make a woman of you; and I have. I like you like this. Liza: Yes: you turn round and make up to me now that I′m not afraid of you, and can do without you. Higgins: Of course I do, you little fool. Five minutes ago you were like a millstone round my neck. Now youre a tower of strength: a consort battleship. [...]" S.88.
7 "Well, when Ive done with her, we can throw her back into the gutter; and then it will be her own business again; [...]" S.23. "Why didnt you leave me where you picked me out of - in the gutter? You thank God it′s all over, and that now you can throw me back again there, do you?" S.64. "[...] If you cant stand the coldness of my sort of life, and the strain of it, go back to the gutter.[...]" S.87.
8 "Oh! if I only could go back to my flower basket! I should be independent of both you and father and all the world! Why did you take my independence from me? Why did I give it up? I′m a slave now, for all my fine clothes."S.85.
9 "You think I must go back to Wimpole Street because I have nowhere else to go but father′s. But dont you be too sure that you have me under your feet to be trampeld on [...]." S.87.
10 "Higgins: Can he make anything of you? Thats the point. Liza: Perhaps I could make something of him. But I never thought of us making anything of one another; and you never think of anything else. I only want to be natural." S.86.
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