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Scholary Paper (Seminar), 2005, 15 Pages
Author: Timm Gehrmann
Subject: Sociology - Culture, Technology, Peoples / Nations
Details
Institution/College: University of Wuppertal
Tags: Zivilisation, Hygiene, Elias, Theorie, Zivilisation, Entwicklung
Year: 2005
Pages: 15
Grade: 1,3
Bibliography: ~ 12 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-59517-9
ISBN (Book): 978-3-638-76849-8
File size: 154 KB
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Abstract
In der in allen Medien omnipräsenten Reklame muß man unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass in einer Zeit, in der der Mensch sich nicht mehr der Gefahr ausgesetzt sieht von wilden Tieren gefressen zu werden, kleinste Bakterien und Mikroben die größten Feinde des Menschen sind, und es deshalb gilt diese unter Zuhilfenahme der im Fernsehen angebotenen Sprays, Tücher und Putzmitteln zu vernichten. Neben den die Menschen verfolgenden Mikroben und Bakterien gelten auch menschliche Gerüche in der modernen zivilisierten Gesellschaft als nicht tragbar weshalb die ebenfalls, neben der Putz- und Reinigungsmittelindustrie, sehr große Branche der Kosmetik- und Körperpflegehersteller ihre ständig wachsende Produktpalette der Öffentlichkeit vorstellen. Neben Reinigungsmitteln, Körperpflegeprodukten etc. geben die Menschen in den entwickelten Ländern auch noch für Wasch- und Spülmittel unheimliche Summen aus1. Im Prozeß der Zivilisation haben sich im Rahmen der Verfeinerung der Sitten und Umgangsformen sowie der Affektreduktion in maßgeblicher Weise die Tischmanieren, Reinigungs- und Körperpflegegewohnheiten sowie das verrichten von Geschäften in eine Richtung verändert, die wir heute aus medizinischer Sicht als hygienischer bezeichnen, als dass was zuvor der Fall war. Aus verschiedenen Zeitdokumenten geht hervor, dass dabei zwischen prophylaktischen Maßnahmen, die der Verhütung von Krankheiten wie insbesondere Pest und Cholera, sowie zwischen Veränderungen dieser Gewohnheiten, die alleine der Unterstreichung der eigenen gesellschaftlichen Position dienen sollen, unterschieden werden kann. Im Rahmen dieser Arbeit werde ich versuchen neben den Ursachen die zu solchen „hygienisierten“ Verhaltensweisen führten auch die Fortführung dieses zivilisatorischen Prozesses in die heutige Zeit zu verfolgen.
Excerpt (computer-generated)
Bergische Universität Wuppertal
Seminar: Elias Theorie der Zivilisation und der kapitalistischen Entwicklung
Studiengang: Lehramt GYM Englisch / Sozialwissenschaften
Thema:
Zivilisation und Hygiene
vorgelegt von:
Timm Gehrmann
Fachsemester: 4. Semester (SS 05)
Inhalt
I Einleitung 3
II.1 Die Verfeinerung der Tischmanieren 4
II.2 Körperpflege 5
II.3 Gesundheitsprävention durch Hygiene 7
III Hygienisierung der Lebenswelt 11
IV Fazit 13
V Bibliographie 14
I Einleitung
In der in allen Medien omnipräsenten Reklame muß man unweigerlich zu dem Schluss kommen, dass in einer Zeit, in der der Mensch sich nicht mehr der Gefahr ausgesetzt sieht von wilden Tieren gefressen zu werden, kleinste Bakterien und Mikroben die größten Feinde des Menschen sind, und es deshalb gilt diese unter Zuhilfenahme der im Fernsehen angebotenen Sprays, Tücher und Putzmitteln zu vernichten. Neben den die Menschen verfolgenden Mikroben und Bakterien gelten auch menschliche Gerüche in der modernen zivilisierten Gesellschaft als nicht tragbar weshalb die ebenfalls, neben der Putz- und Reinigungsmittelindustrie, sehr große Branche der Kosmetik- und Körperpflegehersteller ihre ständig wachsende Produktpalette der Öffentlichkeit vorstellen. Neben Reinigungsmitteln, Körperpflegeprodukten etc. geben die Menschen in den entwickelten Ländern auch noch für Wasch- und Spülmittel unheimliche Summen aus1.
Im Prozeß der Zivilisation haben sich im Rahmen der Verfeinerung der Sitten und Umgangsformen sowie der Affektreduktion in maßgeblicher Weise die Tischmanieren, Reinigungs- und Körperpflegegewohnheiten sowie das verrichten von Geschäften in eine Richtung verändert, die wir heute aus medizinischer Sicht als hygienischer bezeichnen, als dass was zuvor der Fall war. Aus verschiedenen Zeitdokumenten geht hervor, dass dabei zwischen prophylaktischen Maßnahmen, die der Verhütung von Krankheiten wie insbesondere Pest und Cholera, sowie zwischen Veränderungen dieser Gewohnheiten, die alleine der Unterstreichung der eigenen gesellschaftlichen Position dienen sollen, unterschieden werden kann. Im Rahmen dieser Arbeit werde ich versuchen neben den Ursachen die zu solchen „hygienisierten“ Verhaltensweisen führten auch die Fortführung dieses zivilisatorischen Prozesses in die heutige Zeit zu verfolgen.
II.1 Die Verfeinerung der Tischmanieren
Der Zivilisationsprozeß manifestiert sich häufig in der Kultur; Und im Rahmen einer Betrachtung der Veränderungen im Bereich der Hygiene, Gesundheit und Sauberkeit ist es deshalb Sinnvoll sich unter anderem die Veränderung der Verhaltensmodellierungen bei Tische anzusehen.
Bei der Verfeinerung der Tischmanieren stehen rationale Begründungen, die heute zumindest zum Teil, wenn sie auch selbst nicht immer ganz rational sind2, häufig herbeigeführt werden, zu Beginn der Veränderungen der Sitten und Gebräuche des Essens eher im Hintergrund. Zunächst sind die Gründe, die für ein gutes bzw. schlechtes Benehmen sprechen, rein gesellschaftlich definiert. So wird schlechtes Benehmen im Rahmen der damaligen Zeit zunächst als nicht „courtois“ also nicht höfisch bezeichnet3. Eher selten wird in Benimmregeln direkt auf die Peinlichkeitsschwelle der Anderen verwiesen4. Vermutlich wurden diese Prozesse in Gang gesetzt um ein gewissen Grad an Distinktion vom einfachen Volk zu erreichen5, in Anlehnung an ähnliche Distinktionsprozesse in den weltlichen Oberschichten die unter Anderem die äußerliche Sauberkeit als Merkmal aufwiesen6. In folge dessen ließ sich beobachten, dass die Verhaltensweisen und das Benehmen in den adeligen Schichten Europas sehr viel homogener war als das der einzelnen Schichten innerhalb eines begrenzten Raumes7.
Dabei liegen diesen Veränderungen keinerlei rationale Begründungen zu Grunde, sondern es werden diese eher erst im Nachhinein herangeführt um die veränderte Affektlage zu rechtfertigen, ja sogar sie voranzutreiben und zu verfestigen8. Folglich sind Hygienisierungsprozesse im Rahmen der Veränderung der Tischmanieren eher zufällig in Gang gekommen.
[....]
1 So ergibt das Wägungsschema des Statistischen Bundesamtes, dass zur Berechnung der Inflation herangezogen wird (Warenkorb) folgendes : Ausgaben in Prozent des Einkommens : Körperpflege: 2,756%, Aufwendungen für Waschmittel etc. : 0,413 % = 3,169 %. D.h., dass jeder Bundesbürger ca. 3 % seines Bruttoeinkommens für Waren und Dienstleistungen ausgibt, die der Reinlichkeit des Selbst und der Wohnung etc. dienen sollen. Dabei sind die Anschaffungs- und Unterhaltskosten für Waschmaschinen, Geschirrspüler, Spülwasser etc. noch nicht eingerechnet. (Quelle : http://www.destatis.de/download/d/preis/waegsch02.pfd ) Ausdruck siehe Anhang A.
2 Goudsblom, S. 220 ff.
3 Elias Bd.1, S. 245
4 ibid, S. 245
5 Zwar hat Bourdieux die Distinktion nicht historisch erläutert, jedoch kann man wohl davon ausgehen, dass die herrschende Adelsschicht neben Kleidung, Freizeitgestaltung, Sprache etc. sich auch und vor allem über ihre Umgangsformen (courtly love etc.) definierte und vorm Volk absetzte. Vgl. Bourdieux, S. 104 ff.; Elias Bd1, S. 258
6 Vigarello, S. 97
7 Elias Bd. 1, S. 249
8 ibid., S. 247
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