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Examensarbeit, 2006, 78 Seiten
Autor: Charlotte Beyer
Fach: Anglistik - Literatur
Details
Tags: Australien, Englischunterricht, Sekundarstufe, Doris, Pilkingtons, Rabbit-Proof, Fence, Philip, Noyce, Long, Walk, Home
Jahr: 2006
Seiten: 78
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 84 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-59522-3
ISBN (Buch): 978-3-640-23804-0
Dateigröße: 403 KB
Diese Staatsarbeit stellt zwei moderne australische Texte, einen Roman und ein Buch, im Rahmen moderner Literaturtherie vor. Diese Texte sind Beispiele postkolonialer Literatur, weil in diesen das Thema der "stolen generations" verarbeitet wird. Nachdem die Texte und moderne Literaturtheorien vorgestellt wurden, werden auf dieser Basis konkrete, im Lehrplan Englisch für NRW verankerte Unterrichtsinhalte für einen Englischunterricht der Oberstufe dargelegt.
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Zusammenfassung / Abstract
In dieser Arbeit soll dargelegt werden, dass das Unterrichtsthema Australien im Rahmen des Englischunterrichts anhand des Romans Rabbit-Proof Fence von Doris PILKINGTON und seiner Verfilmung Long Walk Home von Regisseur Philip NOYCE den genannten Anforderungen durch Curriculum und Lehrplan gerecht werden kann, aber auch Orientierung in der Lebenswelt der Schüler vermitteln und so dem definierten Bildungsbegriff entsprechen kann. Das Thema Australien kann sich, besonders im Fremdsprachenunterricht, Problemfeldern wie Postkolonialismus und Postmodernismus, aber auch spezifisch australischen Themen von globaler Bedeutung öffnen […]. Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, dass die Behandlung von Long Walk Home und Rabbit-Proof Fence einen sinnvollen Gegenstand modernen Literaturunterrichts darstellt. Es werden wesentliche Lernziele und Inhalte vorgestellt, die sich aus dieser Behandlung ergeben können. Die Arbeit ist in drei Teile gegliedert: In einem ersten, theoretischen Teil sollen wichtige theoretische und didaktische Konzepte vorgestellt werden, die im Hinblick auf einen zeitgemäßen Literaturunterricht in der Sekundarstufe II sowie die gewählten literarischen Werke, also Film und Roman, relevant sind (2). Dies sind die Literaturtheorie mit ihrer Bedeutung für eine Beschäftigung mit Literatur, die Kulturtheorie und die postkoloniale Theorie in Bezug auf die inhaltliche Thematik der Werke sowie die Filmtheorie als Grundlage der Beschäftigung mit Film, mit ihren jeweiligen didaktischen, also für den Unterricht relevanten, Konzepten. Auf der Grundlage dieser zentralen wissenschaftlichen Theorien werden im zweiten und dritten Teil, in welchen es um konkrete Unterrichtskonzeptionen geht, zunächst Lernziele für eine Beschäftigung mit Long Walk Home und Rabbit-Proof Fence abgeleitet (3.1). Neben rechtlichen Vorgaben durch Lehrplan und Curriculum sind dies sowohl inhaltliche als auch methodische Lernziele, an denen sich die Unterrichtsgestaltung orientieren soll. Anschließend beschäftigt sich der dritte Teil mit Unterrichtsinhalten, welche sowohl den entwickelten Lernzielen als auch den zu Grunde liegenden relevanten Konzepten in Bezug auf Literaturunterricht gerecht werden (3.2). Diese Lerninhalte befassen sich mit den Inhalten, Strukturen, Hintergründen und schließlich einem Vergleich der beiden Medien.
Textauszug (computergeneriert)
Universität zu Köln
Englisches Seminar
Australien im Englischunterricht der Sekundarstufe II: Doris Pilkingtons "Rabbit-Proof Fence" und Philip Noyce′ "Long Walk Home"
Charlotte Beyer
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
2 Theoretische Grundlagen ... 4
2.1 Konzepte und Ansätze eines modernen Literaturunterrichts in der Sekundarstufe II ... 4
2.1.1 Literaturtheorie und Literaturdidaktik ... 5
2.1.2 Kulturkonzepte und Kulturdidaktik ... 9
2.1.3 Postkoloniale Theorie und didaktische Umsetzung im Literaturunterricht ... 14
2.1.4 Filmtheorie und Filmdidaktik ... 19
2.2 Bedeutung der vorgestellten Konzepte eines modernen Literaturunterrichts für Long Walk Home und Rabbit-Proof Fence als Unterrichtsthemen ... 22
3 Unterrichtskonzeptionen ... 25
3.1 Lernziele einer Behandlung der ausgewählten Werke im Englischunterricht ... 25
3.1.1 Curriculare Vorgaben: Lernziele eines Literaturunterrichts im Fach Englisch der Sekundarstufe II an Gymnasien ... 25
3.1.2 Inhaltliche Lernziele einer Beschäftigung mit Australien ... 29
3.1.3 Methodische Lernziele der Roman- und Filmanalyse ... 31
3.2 Lerninhalte ... 34
3.2.1 Historische, kulturelle und literarische Hintergründe von Long Walk Home und Rabbit-Proof Fence ... 35
3.2.2 Der Roman im Unterricht: Analyse von Textgestalt und Textaussage ... 42
3.2.3 Film im Unterricht ... 47
3.2.3.1 Analyse und Rezeption ... 47
3.2.3.2 Long Walk Home als Literaturverfilmung ... 54
4 Schlussbetrachtung ... 58
5 Literaturverzeichnis ... 62
6 Anhang ... 70
1 Einleitung
Der Englischunterricht der Sekundarstufe II an Gymnasien und Gesamtschulen wurde in jüngster Zeit durch eine Reihe von administrativen und regulativen Veränderungen beeinflusst, welche im Sinne des demokratischen Prinzips der Chancengleichheit auf gleiche Lernbedingungen für alle Schüler abzielen. Die Einführung des Zentralabiturs hat zu einer verbindlicheren Festlegung des Lehrkanons und damit zu einer genaueren Vorgabe der zu behandelnden Themen und Inhalte in den Lehrplänen geführt. Schulen haben im Rahmen des Schulprogramms schulinterne Curricula mit inhaltlichen und methodischen Zielen erstellt, denen die konkreten Unterrichtsinhalte entsprechen sollen. Dem Lehrer und auch den Schülern1 bleibt weniger Freiraum für eigene Vorschläge der Unterrichtsgestaltung. Diese regulativen Verschärfungen erheben für den Unterricht den Anspruch, jeden Unterrichtsinhalt daraufhin zu überprüfen, ob er mit den allgemeinen Zielen von Lehrplan und Curriculum übereinstimmt.
Jedoch nicht nur die schulische Situation, sondern auch das Umfeld der Schüler unterliegt fortwährend Veränderungen: Wachsende Mobilität, aber auch Medien wie das Fernsehen und das Internet sind verantwortlich für eine zunehmend globalisierte Welt und haben die Lebenswelt komplizierter und unüberschaubarer gemacht. Schüler müssen ihre eigene Identität, welche sich aus kulturellen, historischen, politischen, sozialen und individuellen Elementen zusammensetzt, finden und immer weiter anpassen, um sich in der zusammenwachsenden Welt, in der sie mit unzähligen anderen Identitäten konfrontiert werden, zurechtfinden zu können. Neben diesem Identitätskonzept sind auch instrumentelle Fähigkeiten in Form von Sprache, Wissen, Informationsbeschaffung und -bewertung etc. auf allen Ebenen erforderlich, damit Orientierung in der Welt funktionieren kann. Es ist die Aufgabe der Schule, die Schüler zu Kompetenzen der Identitätsfindung, der Orientierung und der instrumentellen Fähigkeiten anzuleiten. Der bekannte Pädagoge Wolfgang KLAFKI betrachtet in seinem Werk Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik die Beschäftigung mit den sogenannten ‚epochaltypischen Schlüsselproblemen‘ als zentrales Element eines Bildungsbegriffs, welcher eine vielseitige Bildung mit den Zielen der Selbstbestimmung, Mitbestimmung und Solidarität des Einzelnen vermitteln will. Unter epochaltypischen Schlüsselproblemen versteht Klafki aktuelle Probleme der globalen Gesellschaft (KLAFKI 1985).
In dieser Arbeit soll dargelegt werden, dass das Unterrichtsthema Australien im Rahmen des Englischunterrichts anhand des Romans Rabbit-Proof Fence von Doris PILKINGTON und seiner Verfilmung Long Walk Home von Regisseur Philip NOYCE den genannten Anforderungen durch Curriculum und Lehrplan gerecht werden kann, aber auch Orientierung in der Lebenswelt der Schüler vermitteln und so dem definierten Bildungsbegriff entsprechen kann. Das Thema Australien kann sich, besonders im Fremdsprachenunterricht, Problemfeldern wie Postkolonialismus und Postmodernismus, aber auch spezifisch australischen Themen von globaler Bedeutung öffnen: So beschäftigt sich der stolen generations narrative, zu dem Long Walk Home und Rabbit-Proof Fence gerechnet werden, mit Themen wie Rassismus und Völkermord, Kulturkonflikten, Identitätskonzepten und indigenen Lebensweisen. Australische Literatur ist nach RADDATZ in mehrerlei Hinsicht für den Englischunterricht geeignet, denn die Thematik kann schülerorientierten Unterricht fördern, der sich mit zentralen Problemen der Jugendlichen auseinandersetzt und interkulturell ausgerichtet ist (RADDATZ 2000: 69ff.).
Zeitgenössische Literatur ist ein zentrales Element des Englischunterrichts. Heute stammen viele der besten zeitgenössischen Werke von Verfassern mit kolonialem oder postkolonialem Hintergrund (LAZARUS 2004: 14). In jüngster Zeit stehen, hervorgerufen durch den 1996 veröffentlichten Report Bringing Them Home als Versöhnungsangebot an die Aborigines, aber auch die Olympischen Sommerspiele in Sydney im Jahre 2000, Aborigines als Schriftsteller im öffentlichen Interesse (van TOORN 2000: 44). Zwei Beispiele solcher Werke sind der Roman Rabbit-Proof Fence und seine Verfilmung, Long Walk Home. Diese basieren auf einer fiktionalisierten biographischen Erzählung und handeln von der Flucht dreier Mädchen, so genannter half-castes, d.h. Kinder mit einem schwarzen und einem weißen Elternteil, aus einem Erziehungslager im Südwesten Australiens. Diese half-castes wurden etwa von 1890 bis 1970 durch die australische Regierung von ihren Familien getrennt und in solche Erziehungslager gebracht (BERESFORD & OMAJI 1998: 20), weil man der Auffassung war, dass diese Kinder durch erzwungene Assimilation in die weiße Kultur ihrer schwarzen Herkunft entledigt werden könnten. PILKINGTON und später NOYCE thematisieren diese Problematik, indem sie die Reise dreier half-castes aus einem Lager in die mehr als 1000 Meilen entfernte Heimat schildern. Schon vorher gab es Romane und Berichte über die half-castes, doch Long Walk Home ist der erste Film über das Schicksal dieser Kinder, der weltweit Beachtung fand und von einem bekannten Regisseur produziert wurde (HUGHES-D’AETH 2002; KENNEDY 2004: 48). Im Rahmen eines kleinen Projektes für die vorliegende Arbeit haben Schüler der Jahrgangsstufe 12 eines Gymnasiums diesen Film im Englisch-Leistungskurs angesehen und anschließend einen Fragebogen bezüglich der Inhalte und Strukturen des Films ausgefüllt. Die Fragebogenvorlage ist im Anhang zur Einsicht beigefügt (vgl. Anhang 1). Bemerkenswert ist, dass der Film mit Ausnahme eines einzigen Schülers allen 15 anderen sehr gut gefallen hat. Erkundigungen bezüglich des bisherigen Englischunterrichts haben gezeigt, dass Australien, wenn überhaupt, nur im Rahmen eines Mittelstufen-Lehrbuchs, und dort vornehmlich unter geographischen Aspekten, behandelt wurde. Sowohl inhaltlich als auch struk-turell - durch die Kameraaufnahmen, die beeindruckenden Bilder der Landschaft und die eindringliche Musik - hat der Film den meisten Schülern sehr gut gefallen: Fast alle haben sich tief betroffen von der Thematik der ‚gestohlenen Generationen‘ gezeigt, von denen mit Ausnahme einer Schülerin keiner zuvor gehört hatte. Die Schüler haben mit den Mädchen mitgelitten und können das Verhalten des damaligen Chief Protector of Aborigines, Mr. Neville, nicht nachvollziehen. Die meisten würden gerne mehr über die Thematik erfahren. Diese Angaben verdeutlichen eine wesentliche Voraussetzung für die Unterrichtsgestaltung, nämlich das Interesse der Schüler. Wenn dieses, wie hier, gegeben ist, kann der Unterricht produktiv und in angenehmer Atmosphäre verlaufen. Die Angaben der Schüler verdeutlichen gleichzeitig die Option, Australien zu einem sinnvollen Unterrichtsgegenstand zu machen, und zwar aufgrund der Brisanz der Problematik und geringen Kenntnissen seitens der Schüler über diesen Kulturraum. Die Inhalte und Methoden, die im Rahmen des Unterrichtsprojektes behandelt werden sind, so soll diese Arbeit zeigen, relevant im Sinne eines modernen problemorientierten fremdsprachlichen Unterrichts, der notwendige Fähigkeiten weiterentwickeln muss.
[...]
1 Der Einfachheit halber wird im folgenden immer nur vom Lehrer und Schüler in der maskulinen Form die Rede sein, die weiblichen Formen jedoch selbstverständlich eingeschlossen.
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