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Der Peronismus und sein Vermächtnis an das politische System Argentiniens.Trägt der Peronismus Schuld an der Krise Argentiniens?

Seminararbeit, 2004, 23 Seiten
Autor: Helmut Wagner
Fach: Politik - Pol. Systeme - Historisches

Details

Kategorie: Seminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 23
Note: 1,0
Literaturverzeichnis: ~ 27  Einträge
Sprache: Deutsch
Archivnummer: V69047
ISBN (E-Book): 978-3-638-61237-1
ISBN (Buch): 978-3-638-72174-5
Dateigröße: 251 KB
Anmerkungen :
Kleinere Korrekturen im vgl. zur Originalversion.


Zusammenfassung / Abstract

Wirft man einen Blick zurück auf das Argentinien zu Beginn des 20. Jahrhunderts, so bietet sich dem Betrachter auf den ersten Blick ein Land mit glänzenden Perspektiven. Eine gemeinsame Verbindung zum lateinamerikanischen Kontinent schien damals lediglich bezüglich der geographischen Lage herstellbar. Im Vergleich zu seinen Nachbarländern war Argentinien sowohl in sozialer als auch politisch-institutioneller Hinsicht weitaus fortgeschrittener, ins Auge stach jedoch insbesondere die wirtschaftliche Überlegenheit. Diese basierte auf einer Exportökonomie, die sich in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts entwickelte und dem Land bis in die 30er Jahre hinein großen Reichtum und Wohlstand bescherte. Zu dieser Zeit zählte es zu den fortgeschrittensten Ländern und sein Entwicklungsniveau glich in etwa dem Australiens, Kanadas und Südeuropas. Durch seine Entwicklungsvoraussetzungen war das Land geradezu prädestiniert dafür, einen dynamischen Industrialisierungsprozess zu durchlaufen. Argentinien spielte in einer anderen Liga als der Rest des Kontinents und blickte frohen Mutes in die Zukunft. Statt dauerhafter Prosperität folgten jedoch Peronimus, unzählige Militärdiktaturen und ein dramatischer wirtschaftlicher Abstieg. Argentinien konnte sein Entwicklungspotential nicht nutzen und zu Beginn des neuen Jahrhunderts könnte der Kontrast zur ehemals vielversprechenden Ausgangssituation kaum größer sein: das Land liegt wirtschaftlich am Boden und befindet sich in einem derart umfassenden Geflecht aus ökonomischen, sozialen und politischen Krisen, dass die Lage fast ausweglos erscheint. Argentinien ist heute längst auf dem Boden der Tatsachen angekommen und damit der Illusion beraubt, dem allgemeinen lateinamerikanischen Schicksal entrinnen zu können. Welche Schuld an dieser Entwicklung trägt dabei das populistische Regime unter Juan D. Peron? Um dieser Frage nachzugehen, werden zuerst die historischen Aufstiegsbedingungen des Peronismus dargestellt. Es folgt eine Analyse seiner inhaltlichen Programmatik, sowie eine Charakterisierung und Einordnung dieser Herrschaftsform. Nach einer Erläuterung seiner Erfolgsbedingungen und Machtquellen, wird dann die Frage nach den Gründen für das Scheitern des Peronismus erörtert. Die Klärung der Schuldfrage erfolgt schließlich aufgrund einer objektiv-historischen Analyse des peronistischen Erbes auf sozialem, ökonomischem und politischem Gebiet. Fazit der Bewertung: » Eine gelungene Analyse mit differenzierter Abwägung. «


Textauszug (computergeneriert)

Ludwig-Maximilians-Universität München
Geschwister-Scholl-Institut für Politische Wissenschaften
Proseminar: Demokratisierung in Lateinamerika
Sommersemester 2004, 20. September 2004

Der Peronismus und sein Vermächtnis an das Politische System Argentiniens

Trägt der Peronismus Schuld an der argentinischen Misere?

von: Helmut Wagner

 


INHALTSVERZEICHNIS

A Einleitung...2

B Der Peronismus und sein Vermächtnis an das politische System Argentiniens...3

I. Die Bedingungen seines Aufstiegs. Antwort auf eine Krise...3
II. Der Peronismus...4
1. Die Programmatik des Peronismus...4
2. Der Peronismus und lateinamerikanischer Populismus...5
3. Machtquellen und Charisma...6

III. Gründe für das Scheitern. Eine polarisierte Gesellschaft...8

IV. Das peronistische Vermächtnis und die argentinische Krise...11
1. Die Gesellschaft...11
2. Die Wirtschaft...12
3. Die Politik...13

C Fazit...16

Literaturverzeichnis...18




 

A Einleitung

Wirft man einen Blick zurück auf das Argentinien zu Beginn des 20. Jahrhunderts, so bot sich dort dem Betrachter auf den ersten Blick ein Land mit glänzenden Perspektiven. Eine gemeinsame Verbindung zum lateinamerikanischen Kontinent schien lediglich bezüglich seiner geographischen Lage herstellbar. Im Vergleich zu seinen Nachbarländern war Argentinien sowohl in sozialer als auch politisch-institutioneller Hinsicht weitaus fortgeschrittener, ins Auge stach jedoch insbesondere die wirtschaftliche Überlegenheit. Diese basierte auf einer Exportökonomie, die sich in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts entwickelte und dem Land bis in die 30er Jahre hinein großen Reichtum und Wohlstand bescherte.1 Durch seine Entwicklungsvoraussetzungen war das Land geradezu prädestiniert
dafür, einen dynamischen Industrialisierungsprozess zu durchlaufen. Noch in den 30er Jahren zählte es zu den fortgeschrittensten Ländern und sein Entwicklungsniveau glich in etwa dem
Australiens, Kanadas und Südeuropas.2 Argentinien spielte in einer anderen Liga als der Rest des Kontinents und blickte frohen Mutes in die Zukunft.

Statt dauerhafter Prosperität folgten jedoch Peronimus, unzählige Militärdiktaturen und ein dramatischer wirtschaftlicher Abstieg. Argentinien konnte sein Entwicklungspotential nicht nutzen und zu Beginn des neuen Jahrhunderts könnte der Kontrast zur ehemals viel versprechenden Ausgangssituation größer kaum sein: das Land liegt wirtschaftlich am Boden und befindet sich in einem derart umfassenden Geflecht aus ökonomischen, sozialen und politischen Krisen, dass die Lage fast ausweglos erscheint. Argentinien ist heute längst auf dem Boden der Tatsachen angekommen und damit der Illusion beraubt, dem allgemeinen lateinamerikanischen Schicksal entrinnen zu können.

Im Rahmen dieser Arbeit soll nun versucht werden, der Frage nachzugehen, ob und inwiefern dem Peronismus die Schuld bzw. Mitverantwortung an der heutigen desaströsen Situation angekreidet werden kann. Nach einer kurzen Skizzierung der Aufstiegsbedingungen soll hierzu der Peronismus bezüglich seiner inhaltlichen Programmatik analysiert und hinsichtlich seiner Herrschaftsform charakterisiert werden. Im Anschluss an die Darstellung seiner Machtressourcen soll dann nach den Gründen für das Scheitern des Peronismus gefragt werden. Es folgt eine Analyse der Hinterlassenschaften des Peronismus auf sozialem, ökonomischem und politischem Gebiet. Die Arbeit schließt dann mit einem persönlichen Fazit meinerseits zur eben benannten Fragestellung.

 

B Der Peronismus und sein Vermächtnis an das politische System Argentiniens

I. Die Bedingungen seines Aufstiegs. Antwort auf eine Krise

Als auslösendes Moment derjenigen Entwicklungen, die letztlich der Entstehung der peronistischen Bewegung den Boden bereitet haben, muss wohl die Weltwirtschaftskrise von 1930 erachtet werden. Sie zeigte erstmals die Anfälligkeit des argentinischen Wirtschaftsmodells einer Agrarexportökonomie gegenüber konjunkturellen Schwankungen auf dem Weltmarkt auf3 und stand am Beginn einer Periode argentinischer Herrschaft, die als década infame (1930-1943) in die argentinische Geschichte eingehen sollte. Eine externe Krise erforderte eine Neuausrichtung der argentinischen Wirtschaft durch die herrschende Oligarchie und offenbarte im Scheitern dieser schonungslos die internen sozio-ökonomischen Missstände.

Unter dem formalen Deckmantel der Institutionen einer liberalen Demokratie herrschte in Wirklichkeit eine Agraroligarchie, die sich ihre Macht durch systematischen Wahlbetrug, Bestechung und Korruption sicherte.4 Sie instrumentalisierte den Staat für ihre eigenen Zwecke und entschied letztlich über die politische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung Argentiniens unter dem Primat der Sicherung der eigenen Vormachtstellung. Sie blockierte dabei in wirtschaftlicher Hinsicht eine grundlegende Veränderung des argentinischen Wirtschaftsmodells5, die der Verletzbarkeit des Agrarexportmodells sowie der wachsenden Bedeutung der einsetzenden importsubstituierenden Industrialisierung Rechnung trug. In ähnlich autistischer Weise wurde der durch den Beginn der Industrialisierung einsetzende grundlegende Wandel der Sozialstruktur ignoriert und den neu aufstrebenden gesellschaftlichen Kräften, Arbeiterschaft und Industriebourgeoisie, systematisch die politische Partizipation verweigert.6 Dieses Verhalten führte schließlich zu einer Polarisierung der Gesellschaft und brachte die Notwendigkeit einer gesamtgesellschaftlichen und am Gemeinwohl orientierten Entwicklungsstrategie durch einen überparteilichen Staat mit sich.7 Der Militärputsch von 1943 beendete die década infame und läutete den Beginn peronistischer Herrschaft ein. Der Peronismus war im Wesentlichen eine Reaktion und Antwort auf diese politische, ökonomische und soziale Krise.
Im folgenden Abschnitt soll nun erst einmal der inhaltliche Gehalt der peronistischen Antwort näher bestimmt werden, bevor die Bewegung als solche charakterisiert und eingeordnet wird.

[...]


1 Halperín Donghi, T., Argentinien, 1996, S.18-19

2 Kürzinger, E., Entwicklung, 1988, S.I

3 Birle, P., Unternehmer, 1995, S.79

4 Birle, P., Unternehmer, 1995, S.78

5 Kürzinger, E., Entwicklung, 1988, S.31-35

6 Boris, D./Hiedl, P., Geschichte, 1978, S.45

7 Waldmann, P., Peronismus, 1974, S.54


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