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Autor: Nils Wiegand
Fach: Kunst - Fotografie / Film
Details
Institution/Hochschule: Eberhard-Karls-Universität Tübingen (Kunsthistorisches Institut)
Tags: Jürgen, Klauke, Transformer, Konstruktion, Körpern, Blicken, Intermedialität, Performativität, Identität, Identitätskonstruktionen
Jahr: 2007
Seiten: 18
Note: 2,0
Literaturverzeichnis: ~ 18 Einträge
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 202 KB
ISBN (E-Book): 978-3-638-61259-3
Diese Arbeit reflektiert die fotografische Serie "Transformer" von Klauke vor dem Hintergrund der zeitgenössichen und aktuellen Identitäts- und Performativitätsdiskussionen. Performativität wird dabei als konstitutives Merkmal der Identitäsbildung verstanden, was in Klaukes Bildwelten näher analysiert und problematisiert wird.
Textauszug (computergeneriert)
Eberhard-Karls-Universität Tübingen, Kunsthistorisches Institut
HS: Intermedialität und Performativität: Identität und Identitätskonstruktionen seit 1970
WS 2006/ 2007, 7. Fachsemester
Jürgen Klauke, Transformer –
Konstruktion von Körpern und Blicken
von: Nils Wiegand
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Jürgen Klauke – Fotografie & Performance 4
2.1. Performative Aspekte des Fotografischen 4
2.2. Körper 7
3. Transformer – Identität und Körper 9
3.1. Inszenierung des Männlichen und Transvestismus 9
3.2. Inszeniertes Geschlecht oder: Die Macht des Blicks 12
4. Abbildungsnachweis 16
5. Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
You’ve got your mother in a whirl.
She’s not sure if you’re a boy or a girl.
(David Bowie, Rebel Rebel)
Diese Arbeit beschäftigt sich mit Jürgen Klaukes fotografischer Serie Transformer (1973), die die Diskurse um Transvestismus, geschlechtliche Rollenschemata und Körperlichkeit hinsichtlich der Frage nach dem Zusammenhang von Körper und Geschlecht thematisiert. Der Transformer-Serie nähert sich diese Arbeit, indem sie zunächst den Zusammenhang von Fotografie und Identität erörtert. Anschließend werden Identitätskonzepte referiert, die hinsichtlich der Frage nach Geschlechtlichkeit problematisiert werden. Identität, und das heißt im Zusammenhang mit der Transformer-Serie insbesondere geschlechtliche Identität, wird als Konstrukt erörtert, worauf Klauke in den Bildern explizit Bezug nimmt. Dabei wird die These vertreten, dass Klauke in der dreiteiligen Bildersequenz keine Aufhebung der Geschlechtergrenzen propagiert, sondern diese als Effekte eines kulturell normierten Blicks im Bild thematisch hinterfragt.
Evelyn Weiss diskutiert in der Retrospektive von Klaukes Gesamtwerk die Transformer-Serie ausschließlich auf der Folie von Travestie, einer Frau-Mann-Ambivalenz sowie dem Umdenken der Geschlechterrollen.1 Dies als Ansatzpunkt aufgreifend werden zudem Aspekte des Transvestismus aufgegriffen, um die spezifische Bildsprache von Klaukes Foto- Performance zu analysieren.
Die Inszenierung einer geschlechtlich determinierten Identität erfolgt dabei immer auf der Folie eines performativen Subjektbegriffs. „Geschlechtsidentitäten entstehen performativ; in dem Moment, wo sie gesagt werden, sind sie produziert; Denken/ Sprechen/ Handeln und Bedeutung-Erlangen bzw. –besitzen fallen in eins.“ 2 Die im Bild inszenierte Geschlechtsidentität soll somit als Konstrukt betrachtet werden, das Klauke seinem künstlerischen telos entsprechend gebraucht, um mittels der Fotografie eine Dokumentation und Analyse von subjektiver und objektiver Wirklichkeit im Spiegel der Ich-Identität 3 vorzunehmen.
2. Transformer – Fotografie & Performance
In der dreiteiligen Transformer-Serie von 1973 ist zunächst in jedem Bild der Künstler selbst zu sehen. Er sitzt auf einem roten Sessel in einer nicht weiter definierbaren bzw. in einer nicht verortbaren, fahlen Umgebung. Er trägt - in allen drei Bildern die Beine übereinander geschlagen – rote, lederne Stiefel sowie eine eng anliegende rote Lederhose. Um den nackten Oberkörper trägt er an der Brust einen Riemen, an den auf der Höhe der Brust bzw. anstelle der Brustwarzen je ein phallusförmiges Gebilde befestigt ist. Des weiteren trägt er eine rote Lederjacke mit einem roten Pelzkragen. Das Gesicht ist kalkweiß geschminkt, wobei die rot geschminkten Lippen hervorstechen. Zudem trägt er eine die Augenpartie verdeckende Maske, die er in der dritten Fotografie (Abb. 2) anhebt, während er, sich im Sessel leicht aufrichtend, mit der linken Hand eines der phallusförmigen Gebilde zu seiner herausgestreckten Zunge führt. Durch diese Pose wird zudem der rote Nagellack an der linken Hand des Künstlers sichtbar. Die Körperhaltung in der ersten Fotografie (siehe Abb.1) ist hingegen betont lässig gehalten, der Künstler sitzt zurückgelehnt, die Zunge ist deutlich sichtbar. In der zweiten Fotografie sitzt er ähnlich wie in der dritten leicht aufgerichtet und scheint den um seine Brust gespannten Riemen festzuziehen.
[Abbildungen in der Downloaddatei vorhanden]
2.1.Performative Aspekte des Fotografischen
Bevor diese Arbeit zu einer Analyse der Transformer-Serie gelangt, sollen zunächst einige Bemerkungen zur spezifischen Medialität der Fotografie und ihren Zusammenhang zur Performativität gemacht werden.
Die Fotografie ist ein indexalisches Bildmedium, d.h. man kann davon ausgehen, dass das Zeichen ein Referential besitzt, das mit ihm in einem kausalen Verhältnis steht. Demnach gibt es etwas in der Realität, auf das das Foto als Zeichen verweist. Mit anderen Worten setzt sich die Fotografie als apparatives Bildmedium mit einem real existierenden, konkreten, einzelnen Objekt in Bezug. Der Fotografie wurde zudem ein hohes Maß an Objektivität zugerechnet, „da sie wie der menschliche Sehprozeß funktioniert und empirisches Wissen mechanisch, objektiv und ohne subjektive Gedanken oder Gefühle zur Verfügung stellt.“ 4 Fotografiehistorisch ergaben sich aus soziologischer Perspektive Gebrauchsweisen, die lediglich dokumentarischen Zwecken dienten. 5
[...]
1 Weiss, Evelyn: Ikonographische Aspekte im Gesamtwerk. In: Jürgen Klauke – Eine Ewigkeit ein Lächeln. Zeichnungen, Fotoarbeiten, Performances 1970/86. Hg. v. Andreas Vowinckel u. Evelyn Weiss. Köln 1986. S. 9-15. Hier: S. 9.
2 Rüter, Christian: Der konstruierte Leib und die Leibhaftigkeit der Körper – Die Relevanz des Körpers für eine Männer-Erforschung. In: Kritische Männerforschung – Neue Ansätze in der Geschlechtertheorie. Hg. v. BauSteineMänner. Berlin; Hamburg 1996. S. 76-107. Hier: S. 86.
3 Vowinckel, Andreas: Jürgen Klauke – Obsession und Chiffre. In: Jürgen Klauke – Eine Ewigkeit ein Lächeln. Zeichnungen, Fotoarbeiten, Performances 1970/86. Hg. v. Andreas Vowinckel u. Evelyn Weiss. Köln 1986. S. 137-148. Hier: S. 139.
4 Pultz, John: Der fotografierte Körper. Köln 1995. S. 9.
5 Vgl.: Johnson, William; Rice, Mark; Williams, Carla: Geschichte der Photographie. Köln 2005. S. 36-139.
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