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Scholarly Paper (Advanced Seminar), 2005, 20 Pages
Author: M.A. Marcus Puknatis
Subject: German Studies - Modern German Literature
Details
Institution/College: LMU Munich (Institut für deutsche Philologie)
Tags: Amulett, Conrad, Ferdinand, Meyer, Auseinandersetzung, Kulturkampf, Deutschen, Reich, Conrad, Ferdinand, Meyers, Prosawerk
Year: 2005
Pages: 20
Grade: 2
Bibliography: ~ 11 Entries
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-638-59587-2
ISBN (Book): 978-3-638-80276-5
File size: 136 KB
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Abstract
Den Hauptgegenstand der folgenden Arbeit bildet Conrad Ferdinand Meyers erste veröffentlichte Erzählung „Das Amulett“. Conrad Ferdinand Meyer wurde durch seine Eltern, bereits in frühster Jugend mit politischen und religiös-konfessionellen Konflikten konfrontiert. Meyer, der durch diese prägenden Konflikte für die Themenbereiche der Politik und des Christentums sehr sensibilisiert wurde, entwickelte daher bereits in jungen Jahren ein starkes Interesse an tagespolitischen sowie religiösen Fragen. Die prägenden Ereignisse in seiner Kindheit formten Meyer zu einer Art Rebellen gegen gesellschaftliche Zwänge. Mit der Fähigkeit, sich ohne Widerstand den gegebenen Verhältnissen anzupassen, erlernte er die Sprache der verstellten, indirekten Kritik - der Ironie. Meyer versuchte in einigen seiner Novellen durch seine Ironie, in denen oftmals das Prinzip der polaren Themenstellung enthalten ist, unentwegt zwischen den Polen zu vermitteln und einen Ausgleich zwischen Gegensätzlichem zu erreichen. Er selber nimmt in seinen Texten durch seine sokratische Sichtweise dabei zumeist selbst keine klare oder eine nur sehr liberale Position ein. Diese Vorgehensweise impliziert natürlich eine gewisse Kritik an den vorherrschenden Zuständen. Im Amulett wird diese Kritik durch Erörterung konfessioneller Streitfragen und durch die Gegenüberstellung von Charakteren der beiden Konfessionen deutlich. Durch sein Interesse an der Epoche der französischen Glaubenskriege (Hugenottenkriege) ist es nicht weiter verwunderlich, dass Meyer zwischen den großen politischen und religiösen Differenzen des ausgehenden sechzehnten und beginnenden siebzehnten Jahrhunderts und den nationalen, sozialen und ideologischen Machtkämpfen seiner Zeit gewisse Parallelen sah. Vor diesem Hintergrund wird in der folgenden Arbeit diskutiert, in wiefern sich „das Amulett“ als kritische Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf im Deutschen Reich deuten lässt.
Excerpt (computer-generated)
Ludwig-Maximilians-Universität München
Institut für deutsche Philologie
NdL Hauptseminar:
Conrad Ferdinand Meyers Prosawerk
WiSe 04/05
Conrad Ferdinand Meyer
-
Das Amulett als kritische Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf im Deutschen Reich
Marcus Puknatis
Inhalt:
1. Einleitung S.01
2. Das Amulett als kritische Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf im Deutschen Reich S.03
2.1. Inhaltsangabe S.03
2.2. Der Kulturkampf im 19. Jahrhundert S.05
2.3. Die Struktur der Erzählung S.06
2.3.1. Die Klassifizierung des Textes S.06
2.3.2. Der Rahmen der Novelle S.08
2.4. Die Erzählfigur Hans Schadau S.11
2.5. Ideologiekritische Struktur S.13
3. Schluss S.16
Literatur S.18
1. Einleitung
Den Hauptgegenstand der folgenden Arbeit bildet Conrad Ferdinand Meyers erste veröffentlichte Erzählung „Das Amulett“. Conrad Ferdinand Meyer, am 11. Oktober 1825 in Zürich geboren, wurde durch seine Eltern, den Lehrer Ferdinand Meyer, der als gemäßigter Liberaler dem Regierungsrat und dem Großen Rat angehörte, und somit den von der französischen Juli-Revolution ausgelösten radikaldemokratischen Bestrebungen der Zeit ablehnend gegenüber stand und dessen Frau Elisabeth Meyer, die deutliche Züge einer religiösen Fanatikerin trug, bereits in frühster Jugend mit politischen und religiösen, konfessionellen Konflikten konfrontiert. Meyer, der durch diese prägenden Konflikte für die Themenbereiche der Politik und des Christentums sehr sensibilisiert wurde, entwickelte daher bereits in jungen Jahren ein starkes Interesse an tagespolitischen sowie religiösen Fragen. Die prägenden Ereignisse in seiner Kindheit, wie unter anderem der Kontakt mit seinen Nachbarn Carl und Julius Fröbel, die der aufkeimenden sozialistischen Bewegung angehörten und durch die er mit fortschrittlichoppositioneller Literatur in Kontakt kam, welche Ihn schwer beeindruckte, formten Meyer zu einer Art Rebellen gegen gesellschaftliche Zwänge. Gezeichnet von Depressionen und seelischer Instabilität, verfiel Meyer in fortgeschrittenem Alter in eine zeitweilige Resignation, die an Stelle der Rebellion trat, da er merkte, dass aktiver Widerstand gegen gesellschaftliche Zwänge in seiner Lage ähnlich sinnlos ist, wie das gerade gescheiterte revolutionäre Aufbegehren der Völker gegenüber einer scheinbar unabwendbaren, fatalen geschichtlichen Eigengesetzlichkeit. Mit der Fähigkeit, sich ohne Widerstand den gegebenen Verhältnissen anzupassen, erlernte er die Sprache der verstellten, indirekten Kritik - der Ironie. Meyer versuchte in einigen seiner Novellen durch seine Ironie, in denen oftmals das Prinzip der polaren Themenstellung enthalten ist, unentwegt zwischen den Polen zu vermitteln und einen Ausgleich zwischen Gegensätzlichem zu erreichen. Er selber nimmt in seinen Texten durch seine sokratische Sichtweise dabei zumeist selbst keine klare oder eine nur sehr liberale Position ein. Diese Vorgehensweise impliziert natürlich eine gewisse Kritik an den vorherrschenden Zuständen. Im Amulett wird diese Kritik durch Erörterung konfessioneller Streitfragen und durch die Gegenüberstellung von Charakteren der beiden Konfessionen deutlich. Durch sein Interesse an der Epoche der französischen Glaubenskriege (Hugenottenkriege), das er dem Paris-Aufenthalt 1857 verdankt, ist es nicht weiter verwunderlich, dass Meyer zwischen den großen politischen und religiösen Differenzen des ausgehenden sechzehnten und beginnenden siebzehnten Jahrhunderts und den nationalen, sozialen und ideologischen Machtkämpfen seiner Zeit gewisse Parallelen sah. Durch das Bestreben in vielen seiner Werke, kraft der historischen Analogie, den Konflikt von Recht <-> Macht und Politik <-> Sittlichkeit zu illustrieren und die literarisch vermittelte geschichtliche Erfahrung in die Gegenwart einzubinden (vgl.1), und inspiriert durch den sich erneuernden Lauf der Geschichte sowie einen Quelltext über die Bartholomäusnacht, den Meyer bei dem befreundeten Historiker Hans Georg von Wyss anforderte (vgl.2), führt er im Amulett dem Leser die Folgen dieses Glaubenskonflikts am Beispiel der exakt nachgezeichneten Bartholomäusnacht, also des Brudermordes in seiner monumentalen, vollkommen sinnlosen Ausprägung, vor Augen (vgl.3). Vor diesem Hintergrund lässt sich „das Amulett“ durchaus als kritische Auseinandersetzung mit dem Kulturkampf im Deutschen Reich deuten.
[...]
1 Knapp, G.P.: C.F. Meyer: Das Amulett, Historische Novellistik auf der Schwelle zur Moderne; Schöningh Verlag; Paderborn; 1985; S. 34
2 Knapp, S. 27
3 Knapp, S. 94
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