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Wilhelm von Humboldt - Wie ist der Zusammenhang von Sprache, Denken und Wirklichkeit?

Termpaper, 2000, 14 Pages
Author: Anja Elstner
Subject: German Studies - Linguistics

Details

Category: Termpaper
Year: 2000
Pages: 14
Grade: 2,3
Bibliography: ~ 12  Entries
Language: German
Archive No.: V69178
ISBN (E-book): 978-3-638-61295-1

File size: 121 KB


Excerpt (computer-generated)

Technische Universität Chemnitz, Philosophische Fakultät
Proseminar: Geschichte der Sprachwissenschaft
Sommersemester 2000, 2. Semester

Wilhelm von Humboldt –
Wie ist der Zusammenhang von Sprache, Denken und Wirklichkeit?

von: Anja Merkel

 


Inhaltsverzeichnis

1. Wilhelm von Humboldt und seine Zeit  2

2. Grundzüge der Sprachphilosophie Wilhelm von Humboldts  4

2.1 Das Wechselwirkungsprinzip der Sprache 5
2.2 Sprache erschafft Wirklichkeit  7
2.3 Sprache als Energeia 9

3. Schlußbemerkungen  10

4. Literaturliste 12




 

1. Wilhelm von Humboldt und seine Zeit

Wilhelm von Humboldt, geboren am 22. Juni 1767 in Potsdam, gestorben 68 Jahre später am 8. April 1835 in Tegel, war einer der großen Denker seiner Zeit. Ohne weiteres läßt sich sein Name neben solche Größen stellen wie Goethe, Schiller, Schlegel, usw. Das von ihm entworfene und zweifellos auch gelebte humanistische Bildungsideal hat an seiner Aktualität in zweihundert Jahren nichts verloren. Er war 22 als die Französische Revolution ausbrach. Als Vertreter seiner Zeit war er vertraut mit dem damals aktuellen Wissenstand und trug durch sein Wirken wesentlich dazu bei, diesen zu erweitern.

Wilhelm von Humboldt lebte die Idealvorstellung eines Sprachforschers, da er gründliche Kenntnisse einzelner Sprachen mit einem umfassenden Sprachdenken verband und in Einklang brachte und somit erstmals Sprachwissenschaft und Sprachphilosophie vereinte. Seine sprachwissenschaftlichen Studien erstreckten sich auf zahlreiche Sprachen (darunter Baskisch, Ungarisch, verschiedene amerikanische Sprachen, Sanskrit, Chinesisch, Japanisch, Tatarisch, Birmanisch sowie Ägyptisch und andere semitische Sprachen).1 Er selbst sprach fließend Griechisch, Französisch, Italienisch, Spanisch und natürlich Deutsch, seine Muttersprache. Seine „Sprachstudien sind gekennzeichnet durch die enge Verknüpfung von empirischer Sprachforschung und philosophischer Reflexion.“2 Er war einer der großen Denker seiner Zeit und war „sein Leben lang im Sinne eines lebendigen Humanitätsideals bestrebt und tätig [...], seine Individualität zu formen nach der Form, die in ihr lag, und alle ihre Anlagen gleichmäßig auszubilden, [...] getreu dem Sinn und dem Gesetz des einzelnen, dem Zweck der Menschheit und ihrer geschichtlichen Idee zu dienen [...]. [D]as macht seine menschliche und wissenschaftliche Größe aus [...].“3

Dies wurde nicht zuletzt durch die Möglichkeiten begünstigt, die ihm ein wohlbegütertes und adeliges Elternhaus schaffen konnte. Auch die Kontakte zu anderen berühmten Größen seiner Zeit, wie zum Beispiel Goethe und Schiller trugen stets dazu bei, seine Ideen zu bereichern und zu reflektieren. So fanden sich bereits im ersten Jahrgang von Schillers „Horen“ (1795) Aufsätze von Wilhelm von Humboldt.4 Durch die Wiederentdeckung des Sanskrit erlebte die Sprachwissenschaft des 19. Jahrhunderts einen enormen Auftrieb. „Die ersten dreißig Jahre nach Friedrich Schlegels Aufruf zum Sprachstudium sind das eigentliche Entdecker- und Pionierzeitalter der Sprachwissenschaft und als solche die fruchtbarsten und großartigsten ihrer ganzen Geschichte.“5 1808 forderte Schlegel in seiner Schrift „Über die Sprache und Weisheit der Inder“ zu vergleichender und historischer Sprachforschung auf und teilte gleichzeitig die Sprachen in zwei Hauptgattungen, die flektierenden und die nicht-flektierenden.6 Auf diesem Boden des allgemeinen Interesses für Sprachen, für Sprache schlechthin, fand nicht zuletzt Wilhelm von Humboldt den idealen Ausgangspunkt für seine Sprachstudien.

Selbstverständlich beschäftigte sich Wilhelm von Humboldt nicht ausschließlich mit Sprachen. Ganz wie es sich für einen universellen Denker gehörte, ist er auch auf anderen Gebieten wirksam geworden, seine Forschungen erstreckten sich auf Geschichte und Geschichtsphilosophie, Politik, Anthropologie und Ästhetik. Er gilt als „der eigentliche philos[ ophische] Begründer des klassisch-idealistischen Humanismus (Neuhumanismus).“7 Zahlreiche Anregungen brachte ihm sicher auch stets die enge Verbindung zu seinem Bruder Alexander von Humboldt, dem berühmten Naturforscher.

Im folgenden wird Wilhelm von Humboldts Sprachphilosophie näher beleuchtet, speziell unter dem Gesichtspunkt, daß Sprache verschiedene Weltbilder schaffen kann. Es wird gezeigt, wie Wilhelm von Humboldt diese These begründete und was genau sie für ihn bedeutete. Weiterhin werden Gegenmodelle zu dieser Anschauung erläutert, um ihre Ungewöhnlichkeit und Neuartigkeit für die damaligen Verhältnisse der Sprachwissenschaft herauszuarbeiten.

2. Grundzüge der Sprachphilosophie Wilhelm von Humboldts

[...]


1 (1989) Brockhaus-Enzyklopädie. in vierundzwanzig Bänden. Zehnter Band. 19Mannheim: F.A. Brockhaus. S. 299.

2 Dascal, Marcelo u. a. (Hrsg.) (1992/1996): Sprachphilosophie. Philosophy of language. Ein internationales Handbuch zeitgenössischer Forschung. 2 Bände. Berlin, New York: de Gruyter (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft 7). S. 362.

3 Arens, Hans (1969): Sprachwissenschaft. Der Gang ihrer Entwicklung von der Antike bis zur Gegenwart. 2Freiburg, München: Alber. S. 170.

4 Humboldt, Wilhelm (1994): Über die Sprache. Reden vor der Akademie. Hrsg. und kommentiert von Jürgen Trabant. Tübingen, Basel: Francke (= UTB 1783) S. 205.

5 Arens, Hans (1969): Sprachwissenschaft. Der Gang ihrer Entwicklung von der Antike bis zur Gegenwart. 2Freiburg, München: Alber. S. 170.

6 Dr. Klemm, Michael, persönliche Mitteilung.

7 Hügli, Anton / Lübcke, Poul (Hrsg.) (1995): Philosophie Lexikon. Personen und Begriffe der abendländischen Philosophie von der Antike bis zur Gegenwart. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt. S. 263.


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